Feri und Katica leben Anfang der zwanziger Jahre in einem Gebiet des Aufruhrs und des Umbruchs und vor allem der an der noch jungen ungarisch-österreichischen Grenze. Die große Hoffnung heißt "Amerika", vor allem für Feri, der die schwangere Katica mitnehmen will. Ein Unglück und das beherzte Eingreifen von Katicas Schwester Anica lassen die Auswanderpläne zur Flucht werden, nun sind sie zu dritt. Doch das Leben in Amerika ist nicht so gut zu den drei Auswanderern wie Katica stirbt bei der Geburt ihres Kindes, Feri wird zum Säufer und Tagedieb. Nach seinem Tod übernimmt Anica die Verantwortung für den kleinen Josip …Theodora Bauer verleiht ihren Protagonisten Seele, ihrer Geschichte Realismus, ihrem Schicksal Tragik und Schö Ein großer Roman über die Sehnsucht nach einem besseren Leben.
Armut in der Zwischenkriegszeit und Auswanderung nach USA, unglückliche Verstrickung in Mord und Todschlag, die als Schuld generationenübergreifend weitergetragen wird, Wirtschaftsflucht, die unglücklich mit Heimkehr endet, aufkommender Nationalsozialismus und Terror. Eine burgenländisch/österreichische Geschichte, die auf unsere Zeit als afrikanische Erzählung übertragen werden könnte, denke ich. Das Ende verspricht nichts Gutes.
Zufällig auf dieses Buch gestoßen, welches thematisch in mehrfacher Hinsicht interessant zu sein schien, insbesondere weil ich zu Chicago (nicht dem in Kittsee) auch eine enge Verbundenheit habe. Die Geschichte der burgenländischen Auswanderer begann ganz interessant, war auch in ihren tragischen Verstrickungen in den ersten beiden Teilen recht glaubhaft. Teile 3 und 4 wurden dann zunehmend mühsam. Die Verbindung zu den ersten beiden Teilen war kaum gegeben: Es treten zwar dieselben Figuren auf, aber ihre charakterliche Entwicklung ist nicht nachvollziehbar - es hätten genauso gut auch andere Personen sein können, die hier auftreten. Die Schicksal hat dann auch für meinen Geschmack ein wenig zu plakativ zugeschlagen. Insbesondere das Kippen der amerikanischen Generation in den aufkeimenden Nationalsozialismus wirkte ein wenig zu weit hergeholt. Die Schilderung des Memorial Day Massakers von 1937 ist hingegen recht interessant. Die sprachliche Gestaltung im ostösterreichischen Perfekt fand ich zunächst sehr gelungen, für Österreicher flüssig und originell zu lesen (Deutsche tun sich hier schwerer). Dass dann aber im amerikanischen Teil bei allen Kapiteln über die reichen Amerikaner plötzlich auf deutsches Imperfekt gewechselt wurde, wirkte unmotiviert und manieristisch. Bei genauem Hinsehen kann man noch weitere Sprachwechsel ausmachen, schien mir, jeweils passend zur handelten Person, was aber letztendlich nicht gelungen war. Insgesamt war es aber trotz der Schwächen ein kurzweiliger Lesestoff, den ich durchaus auch weiterempfehlen kann.