Meines Erachtens womöglich ein must-Read für alle (der Psychoanalyse nicht ignorant gegenübersthenden) werdenden und ein unter 5 Jähriges Kind habenden Eltern.
Winnicot begegnet einem in diesem Buch als der liebe Opi von Nebenan, der einem nicht erklären will, wie man sein Kind zu erziehen hat, was in der Erziehung richtig und was falsch ist, der keine Handlungsvorschläge und 7 Punkte Pläne entwirft, sondern der einem einfühlsam und verständnisvoll erklärt, was in dem eigenen Kind vorgeht. Hierfür grast er die psychoanalyisch typischen Themen ab: Mutter-Kind-Bindung, Stillen, Entwöhnung, Aggression, Sexualität, Vater-Kind-Bindung, Beziehung zu gleichaltrigen, Träume und nicht zuletzt das Spiel.
Besonders bemerkenswert fand ich die liebevolle Haltung gegenüber den werdenden Müttern und Müttern von Kleinkinder, die er stets zu ermutigen sucht, mutig zur eigenen Intuition zu stehen.
Hier und da kommt schon relativ stark durch, dass das Buch aus den späten 50ern ist, vor allem was die Rolle des Vaters, die klar verteielte Vorstellung der Geschlechterrollen und die Ehe als vorrangige Form der Lebensgemeinschaft angeht. Das ist jetzt aber nix, was Winnicot als Ideale pusht, sondern das sind halt die Gegebenheiten in der Gesellschaft, die er vorfindet.
Die wirklich wertvollen Grundmotive bleiben davon aber unbeeinflusst. Winnicot macht vor allem die Relevanz der Mutter-Kind-Bindung/Beziehung deutlich. Sie ist das Tor zur Welt für das Neugeborene und ist Dreh und Angelpunkt dessen Entwicklung zu einem mental gesunden Kind und später auch Erwachsenen.