Stark. Cabral beschreibt unter anderem die Entstehung der Befreiungsbewegung in Guinea, was schon sehr gut ist. Angefangen beim der Einsicht in die Notwendigkeit der konkreten Analyse für jede ernsthafte Bewegung haben sie systematisch die Zwischenglieder bis zum Erfolg gefunden und ergriffen.
Cabral gibt nicht bur Einblicke in diese konkrete revolutionäre Analyse und Praxis, sondern auch tiefe Einsichten in die Bedeutung der Kultur für die Befreiung vom Kolonialismus, die Bedeutung der Geschichte und wie sie den Kolonisierten genommen wird, den Weg zu einer wirklichen panafrikanischen Perspektive und mehr.
Ähnlich wie Mao hat Cabral einen instrumentellen, praktischen Zugang zum Marxismus. Er ist wichtig, weil er in der Befreiung hilft, nicht, wie das bei dogmatischen Begriffen der Fall ist, weil er an sich unbedingt zu verehren ist. Aber ungleich Mao ist Cabral durchaus aus eklektisch, was sich zeigt, wenn er beispielsweise die skandinavischen Länder als sozialistisch versteht.
Cabral kommt auch immer wieder auf das Problem des Neokolonialismus zu sprechen. Gerade hier wird aber die Notwendigkeit eines klaren Begriffs des Sozialismus deutlich. Ohne den, ohne dass den Massen klar wird, was hier auf dem Spiel steht, schwächt man die Abwehrkräfte gegen den Neokolonialismus. So ist trotz aller Bemühungen Guinea-Bissau heute ebenso neokolonial wie der Rest Afrikas. Die Frage, wie der Neokolonialismus zu überwinden ist, die Fanon schon vor Cabral zu schaffen gemacht hat, bleibt akut.
So kurz das Buch ist, so unbedingt lesenswert ist es.