Ein neuer Erzählband, in dem sich Meyerhoff kreisförmig autofiktiv in und um einen Lebensabschnitt seines Protagonisten bewegt: drei Frauen, die ihn geprägt und begleitet haben, und die unterschiedliche Beziehungstextur, auf welcher er diesen Menschen begegnet. Gewohnt selbstironisch flaniert sein Ich-Erzähler räumlich und gedanklich durch Orte und Menschen, erkundet Bielefeld und Dortmund, ohne dort selbst wirklich einen Platz zum Verweilen zu finden. Es ist die Selbstdistanz zur Figur, die auch den Leser mit ihm auf Distanz hält, die ihm Gedanken näher bringt und gerade trotz ständiger Reflexion und Handeln, das diese nicht unbedingt zum Sympathieträger macht, großes identifikatorisches Potential schafft. Meyerhoff schreibt kaum aus der affektiven Liebe heraus, wie man es von diesem Roman hätte vermuten können, er schreibt stets über sie und bleibt in einem sehr szenischen Erzählmodus. Mal versinkt er selbst tief in Bildern, die sich erst in der Sprachfreude förmlich konstituieren, mal fasst er bedeutendes Geschehen (wie etwa das Geständnis der dreijährigen Beziehung seiner Liebhaberhin gegenüber) in einem einzigen bündigen Telling-Moment zusammen. Weiterhin ist es ein Erzählen des Erzählens, in dem die Kapitel vielmehr als Szenen auftauchen. Nach wie vor begleiten ihn „seine“ Toten und man folgt dieser sonderbaren Begleitung, einem in diesem Buch vielleicht etwas zu konstruierten roten Faden, der die Referenz zur Romanreihe herzustellen versucht. Letztlich kumuliert die Erzählung in ein Loslassen, Loslassen der Orte und von Hanna, die Nesteinkehr zur wohl mütterlichsten Liebe der dreien, und die Frage, welche Botschaft dies transportiert, wenn er dort seinen Frieden findet. Unperfekt auf den Punkt gebracht, wie das Leben den perfekten Punkt eben oft verfehlt.