Was passiert, wenn ein Kind das Leben einer Erwachsenen in die Hand nimmt? Edith ist Mitte vierzig und wohnt allein in einer kleinen Wohnung in Köln. Ihr Leben verläuft in sehr engen Bahnen. Tagsüber arbeitet sie bei einer Versicherung, abends schaut sie Fernsehen. Außer zu ihrer Mutter, mit der sie sich pflichtschuldig einmal im Monat trifft, um sich von ihr kritisieren zu lassen, hat sie kaum Kontakte. Das ändert sich, als sie mit einer Zehnjährigen im Aufzug stecken bleibt. Die Kleine beginnt ein raffiniertes Spiel mit ihr, der Beginn einer sehr ungewöhnlichen Freundschaft. Jeden Tag muss Edith eine neue Aufgabe erledigen, und ihr Leben verändert sich dabei mehr als sie es je für möglich gehalten hätte. Eine poetische Geschichte über die Kraft des Wünschens.
2.5 ⭐️ - Grummelige Erwachsene trifft fröhliches, freches Kind, das ihr hilft, das Leben lockerer zu nehmen. Die Idee ist nicht neu. Die Geschichte plätschert unterhaltsam vor sich hin, das Ende war mir dann aber etwas zu konstruiert. War ok, weiterempfehlen würde ich es nicht.
Wer ein herziges Wohlfühlbuch sucht, das dazu anregt die eigene Lebenseinstellung zu überdenken, der sollte unbedingt zu "Die Phantasie der Schildkröte" greifen.
Ediths Leben ist sehr geregelt. Sie weiß ganz genau, wann welche Aktivität ansteht, wann sie welche Sendung anschaut und wann sie welches Essen zubereitet. Das vereinfacht ihr Leben. Zumindest augenscheinlich, denn passiert etwas Unverhofftes, dann wirft es sie so sehr aus der Bahn, dass sie nicht weiß, wie sie damit umgehen oder die Situation retten soll. Was das betrifft ist sie dem Held ihrer Lieblingsfernsehserie "Monk" gar nicht mal unähnlich.
Eines Morgens begegnet sie im Fahrstuhl einem Mädchen. Einem sehr dreisten kleinen Mädchen, das ihr von nun an eine ganze Flut an irrsinnigen Aufgaben stellt, die Ediths Leben gehörig auf den Kopf stellen.
Ich habe "Die Phantasie der Schildkröte" so richtig gern gelesen. Das Buch hat mir einfach große Freude bereitet und lässt die Herzen aufgehen. Judith Pinnow hat einen herrlichen Humor. Nimmt ihre Protagonistin Edith gern mal ein bisschen hoch und neigt zu einer gewissen Ironie, die mich daran erinnert, dass ich nicht alles im Leben so kritisch betrachten und manche Sichtweise auflockern sollte. Manchmal ist es nicht schlecht sich an der Perspektive eines Kindes zu orientieren. Unvoreingenommen und neugierig zu sein.
Edith ist eine wunderbare Protagonistin. Sie ist unsicher, weil sie von ihrer Mutter ständig kritisiert wird und mit wenig bis keiner positiven Verstärkung aufgewachsen ist. Vor Männern hat sie eine gewisse Scheu, denn die haben in ihrem Leben keine Rolle gespielt. Sie hat weder Kontakt zum eigenen Vater, noch zu dem der Mutter, denn die beiden liegen seit Jahren im Clinch.
Das kleine Mädchen, das Schneewittchen genannt werden möchte, ist so etwas wie Ediths Lebensretterin. Sie hilft ihr sich dem Leben zu stellen. Dinge anzugehen, die sie vorher mehr oder weniger geschickt umschifft hat. Es ist, als komme mehr und mehr Farbe in Ediths Leben. Als könne sie klarer sehen. Bunter denken.
Wir alle haben unsere kleinen Schneckenhäuser, die wir uns über Jahre aufgebaut haben. Komfortzonen, in denen wir uns wohl und sicher fühlen. Doch was machen sie wirklich mit uns? Bereichern sie unser Leben? Sorgen sie dafür, dass wir uns gut fühlen? Oder ist es einfach nur bequem dort zu verweilen?
"Die Phantasie der Schildkröte" regt zum Nachdenken an. Möchte, dass wir uns und unseren Lebensweg einmal genauer betrachten. Wo sind wir sehr eingefahren? Wo können wir einen Schritt nach vorn wagen? Wo müssen wir mal wieder über unseren Schatten springen, um etwas zu erleben? Wer etwas wagt, wer Ängste besiegt, wer Mauern überwindet, gewinnt an Kraft, Mut und Stärke. Das ist nicht immer leicht, aber genau das, was unser Leben, unsere eigene Persönlichkeit bereichert und wachsen lässt.
so einfach und unbeschwert wie einige rezensionen hier fand ich das buch dann nicht. ich hatte schon sehr früh den eindruck, dass schneewittchen die kleine edith ist und nicht ganz real existiert. sie verarbeitet offensichtlich ihre kindheit und die emanzipation ihrer krass unausstehlichen mutter. daher störte mich das grosse unrealistische auch nicht sondern eher die nuancen und feinheiten. ich wünschte mir zunächst zb. dass edith und nancy zusammenkommen. dass zwei männer sie "heilen" fand ich dann eigentlich nur abgedroschen und platt. auch hatte ich den eindruck edith sei offensichtlich neurodivers - obwohl ich mich jetzt nicht so gut damit auskenne (autistisch? zwangsstörung?) und ob mensch das so einfach ablegen kann wie edith fand ich dann fragwürdig.
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Das war für mich ein richtiges „Wohlfühlbuch“. Hat mir sehr gut gefallen, fand ich wirklich süß. Einige Dinge wirken vielleicht etwas „unrealistisch“ (zum Beispiel die Lovestory), aber darüber konnte ich hinwegsehen, da die Dinge meiner Meinung nach nicht im Fokus standen. In einer Rezension hab ich gelesen, das Buch sei wie ein Märchen für Erwachsene, und das könnte ich so unterschreiben. Hat mir gefallen :)
Ich lese gerne Charakteren die Frauen sind, welche älter sind als ich und die eine Neuorientierung oder eine frische Liebe erleben. Das gibt mir Perspektive und Hoffnung wenn ich befürchte, dass für mich alle Würfel schon gefallen sind. Aber die Geschichte von Edith ist extrem unrealistisch. Ihre Herausforderungen sind spannend, aber sie ist umgeben von flachen Charakteren, deren Leben sie kaum je hinterfragt. Das zeigt sich insbesondere in ihrer Interesselosigkeit gegenüber dem Kind "Schneewittchen". Kein Erwachsener Mensch würde ohne wissen der Eltern eine solche Beziehung zu einem Kind aufbauen, es nicht einmal nach dem Namen fragen und dann sein Verschwinden nicht ernst nehmen. Ein solches Verhalten wäre nicht nur fahrlässig sondern moralisch sehr zweifelhaft. "Schneewittchen" hätte tatsächlich besser nur als Hirngespinst von Edith funktioniert. Die Liebesgeschichte entwickelt sich auch viel zu schnell und unglaubwürdig und geht null auf die Konflikte ein die zwei bisher beziehungsunfähige Menschen, mittleren Alters bestimmt hätten. Die Schildkröte als Ediths "Spirit Animal" ist schlichtweg billig. Es scheint fast als wäre dieser Teil am Ende eingefügt worden um den Titel zu erklären und ich sehe nicht ein was an dem Titel so gut sein soll um einen solchen Gewaltakt an einem Text zu legitimieren. Aber ich habe das buch nicht gehasst, es war besonders zu Beginn eine süsse und einfache Lektüre.
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Ich habe das Buch eigentlich gerne gelesen und konnte zumindest zur Protagonistin auch schnell eine Verbindung aufbauen. Beim Schreiben der Rezension sind mir jedoch die teils sehr kritischen Aspekte vermehrt aufgefallen, weswegen ich im Rückblick etwas frustriert bin.
Edith ist Mitte 40 und ihr Leben verändert sich durch die Begegnung mit einem Kind. Sowohl das Kind, die Nachbarin als auch die Freundin haben kaum einen tiefergehenden Charakter, viele komplexe Thematiken wie Depressionen werden angeschnitten ohne ansatzweise aufgearbeitet oder auch aufgegriffen zu werden. Die Liebesgeschichte hätte es definitiv nicht gebraucht und besonders da das Kind (das es im Endeffekt vielleicht auch gar nicht gab?) am Ende nicht mehr da ist, wirkt es so, als hätte Edith ein unvollständiges Leben alleine gehabt und durch einen Mann (oder auch zwei, wenn man ihren Großvater miteinschließt) ist ihr Leben dann erfüllt. Bestärkt wird diese kritische Aussage noch in der mehrfachen Aufforderung des Großvaters, dass „sie einfach nur mal richtig … muss” damit sie nicht so unsicher und „verklemmt“ ist. Die Neurodiversität (ich würde die Protagonistin auf dem Autismus Spektrum vermuten) wird nicht nur teilweise ins Lächerliche gezogen, sondern auch als etwas abgetan, wovon sie durch einen Mann geheilt werden muss.
Mit Schreiben der Rezension werde ich immer enttäuschter von einem Buch, dessen Charaktere ich sehr lieb gewonnen habe.
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Die Phantasie der Schildkröte ist ein wunderschönes, zu Herz gehendes, modernes Märchen. Es macht einen Glücklich zu sehen, wie auf zauberhafte Weise eine einsame und unglückliche Frau wieder Lebensmut gewinnt indem sie, die Aufgaben eines Kindes erfüllt. Ein Roman der einen hoffen lässt, dass solche Wunder wirklich existieren, wenn man nur fest daran glaubt. Ganz große Leseempfehlung 🥰
Seichtes Wohlfühlbuch mit einer naiven Protagonistin, die ihr Leben umkrempelt. Zu Beginn mochte ich die skurrilen Charaktere sehr gern, am Ende war es doch zu vorhersehbar und übertrieben mit Puderzucker garniert.
Die Sprecherin Luise Helm passte prima zur Geschichte.
Das Leben der 45jährigen Edith besteht im wesentlichen aus Routine. Sie hat sogar ihre Klamotten und Schuhe bestimmten Tagen zugewiesen, träumt beim Frühstücksfernsehen manchmal davon, mit der Moderatorin befreundet zu sein, hat ihre fixen Fernsehtermine (passenderweise mit "Monk") und will ansonsten am liebsten von der Welt in Ruhe gelassen werden. Die regelmäßigen Restaurantbesuche mit ihrer Mutter machen sie eigentlich auch nicht glücklich, weil die sie dann sowieso immer nur kritisiert, aber einfach nicht hingehen kommt für die pflichtbewusste Edith natürlich auch nicht in Frage.
Eines Tages begegnet sie im Aufzug ihres Mietshauses einem etwa zehnjährigen Mädchen, das keinerlei Berührungsängste zu haben scheint und sie einfach anquatscht. Genau das, was Edith gar nicht leiden kann. Und dann kommt es, wie es kommen muss: der Aufzug bleibt stecken, und die Kleine, die sich Schneewittchen nennt, weil sie ihren Namen nicht mag, quasselt einfach weiter. Edith kriegt schier die Krise - und ertappt sich dabei, wie sie Schneewittchen beibringt, Kaugummiblasen zu machen.
Doch das ist erst der Anfang. Schneewittchen taucht immer wieder bei Edith auf, beginnt sogar, ihr kleine Aufgaben zu stellen, und Edith ist furchtbar genervt von dem aufdringlichen Balg, aber auf irgendeine merkwürdige Weise berührt die Kleine etwas in ihr und zwingt sie förmlich, sich die Frage zu stellen, ob denn wirklich alles in ihrem Leben in Stein gemeißelt ist oder sie nicht einfach auch mal von den einengenden Routinen losmachen kann.
Das pfiffig-nervig-niedliche Kind, das einen grummeligen Einsiedler (m/w/d) aus der Reserve lockt, war schon Stoff unzähliger Bücher und Filme und ist wahrlich nichts Neues, aber trotzdem hat mir dieser unterhaltsame Roman, in dem unter anderem auch eine grantige Nachbarin mit überraschenden Vorlieben, eine Schildkröte namens Mechthild und ein Cafékellner mit viel Menschenkenntnis wichtige Rollen spielen, gut gefallen.
Das lag vor allem an dem selbstironischen Tonfall, den Edith als Ich-Erzählerin hier anschlägt. Den Charakter der zurückgezogen lebenden Frau voller Ängste und Unsicherheiten (an denen ihre grässliche ewig nörgelnde Mutter sicher nicht unschuldig ist) hat Judith Pinnow großartig eingefangen. Man spürt, dass Edith eigentlich weiß, was zu tun wäre, es aber aufgrund anerzogener Glaubenssätze nicht schafft, aus ihren eingefahrenen Gleisen auszubrechen, und ich fand es herrlich, wie sie innerlich bissige Kommentare abgibt, die sie nach außen hin nie verlauten lassen würde.
Die Entwicklungen, die Schneewittchen auslöst, mochte ich allerdings nur teilweise. Manches war mir doch ein bisschen zu abgedreht und übertrieben. (Komischerweise stören mich so unrealistische Dinge in Filmen weniger - ich könnte mir das Buch auch mit einer guten Besetzung ausgezeichnet als unterhaltsamen und anrührenden Film vorstellen.) Irgendwann habe ich dann aber beschlossen, den Roman einfach als warmherziges Märchen für Erwachsene und nicht als Buch mit größtem Realitätsanspruch zu lesen. Unter dieser Prämisse habe ich die zweite Hälfte dann sehr genossen und das Buch am Ende mit einem Lächeln zugeklappt.
Irgendwie ein insgesamt sehr merkwürdiges Buch, dass mich ein bisschen zu sehr an “Ich, Elinor Oliphant” erinner hat. Eine Schildkröte als spirit animal, ein geisterhaftes Kind, Charaktere mit tendenziell spannenden Geschichten, die aber nicht wirklicht erzählt werden, eine sich viel zu schnell entwickelnde und unrealistische Liebesgeschichte und ein Ende mit vielen vielen Fragezeichen.
Hab’s nur angefangen, weils mich an eins meiner Lieblingsbücher erinnert hat. Und es gab auch die ein oder andere Parallele. Ich habe aber auch einfach ein Herz für schräge Menschen. Aber die Handlung wurde irgendwann ziemlich absurd und mit dem Ende bin ich richtig(!) unzufrieden :(
Mir haben die ersten zwei Drittel sehr gefallen. Edith ist eine sehr interessante Protagonistin. Die anderen Charaktere wie Frau Knoppel habe ich auch schnell ins Herz geschlossen. Dass Schneewittchen Edith immer Aufgaben gegeben hat, war für mich auch sehr passend und hat die Story vorangetrieben. Aber ab der Flaschenpost ging es für mich abwärts. Das war alles viel zu kitschig und übertrieben.
„Die Phantasie der Schildkröte“ von Judith Pinnow ist wieder mal ein Buch, das mich vor allem aufgrund seines Covers angelockt hat. Positive Rezensionen und ein fluffig anmutender Plot haben mich dann komplett abgeholt. Pinnow erzählt hier die Geschichte der Eigenbrötlerin Edith, die soziophob ist und vielleicht auch eine kleine Zwangsstörung hat. Eines Tages bleibt sie mit Schneewittchen im Aufzug stecken. Schneewittchen ist ein junges Mädchen, das Edith auffordert, eine Kaugummiblase zu machen, damit der Aufzug weiterfährt — was Edith natürlich in ihrem Wesen widerspricht. Die Kleine verfolgt sie auch nach diesem Vorfall weiterhin und stellt ihr immer neue Aufgaben, die Edith gehörig gegen den Strich gehen. So soll sie doch einen Fremden in der Bahn ansprechen oder etwas Gutes für die alte, kauzige Hexe aus dem Erdgeschoss tun. Nachdem sich Edith zunächst ziert, merkt sie, dass Schneewittchens Aufgaben ihren doch sehr positiven Folgen ihr doch sehr gut tun. Durch heldenhafte Schildkröten-Rettungen, verteilte Küchlein oder die nach und nach erblühende Selbstakzeptanz schafft Edith es, aus ihrem festgefahrenen Alltagstrott auszubrechen und sich endlich für das Leben zu öffnen.
Ich gebe auf. Dieses Kind werde ich nicht los. Sie ist mir zugelaufen wie ein kleiner Hund. Sie bringt mich dazu, völlig absurde Dinge zu tun und wider alle Vernunft fühlt sich das richtig an.
Judith Pinnow hatte hier eine sehr süße Idee, und alle Charaktere im Buch waren liebevoll und detailliert gezeichnet. Die Erzählsprache war locker-flockig und schnell zu lesen, sodass man ruck-zuck das Buch ausgelesen hatte. Die Grundidee der Handlung, dass plötzlich ein kleines Mädchen das Leben einer erwachsenen Frau dirigiert, hat mir toll gefallen, jedoch war ich etwas weniger begeistert von der relativ schnellen Wandlung Ediths. Viel zu schnell war sie nicht mehr sie selbst und viel zu schnell hat sie ihre Gewohnheiten aufgegeben. Das war so leider nicht glaubwürdig, da jemand mit so strengen Regeln in seinem Leben sich nicht einfach überzeugen lässt, verrückte Dinge zu tun. Dieser Aspekt hat mich etwas gestört. Der Part mit Ediths Flaschenpost hat mich auch nicht komplett abgeholt, aber wenn man „Die Phantasie der Schildkröte“ als reines Wohlfühl-Buch ansieht, funktioniert es doch ganz wunderbar. Die Handlung plätscherte auf 410 Seiten freudig vor sich hin, es gibt keine größeren Aufreger oder Dinge, die mich arg gestört hätten, jedoch finden hier wohl eher Freunde der seichten Unterhaltung ihr nächstes Buchschätzchen.