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Selbstverfickung

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Die Hölle ist ein TV-Event aus Deutschland


Gregor Samsa ist ein abgehalfterter Regisseur, Ende Fünfzig, ein ramponierter Typ in einer ramponierten Gesellschaft, der sich in Konsumtempeln und Puffs herumtreibt, um seine Zeit totzuschlagen. Dabei lässt er sein verpfuschtes Leben Revue passieren. Die Tatsache, dass er es als „Kulturschaffender“ vergeudet hat, trägt nicht gerade zu seiner Freude bei. Mit Hohn und Spott macht er sich über seine Erinnerungen her, über seine falschen Freunde und Wegbegleiter, seine Scheinerfolge und naiven Ambitionen von einst und schreibt dabei seine eigene, sehr schwarze Kulturgeschichte.


Eine sarkastische Abrechnung mit der Sinnentleertheit der Medien- und Konsumgesellschaft, ein hemmungsloser, provokanter Roman, der mit drastischer Komik immer auch von der unstillbaren Sehnsucht nach Schönheit erzählt.

272 pages, Kindle Edition

Published September 8, 2017

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About the author

Oskar Roehler

7 books3 followers

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Community Reviews

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1 star
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Displaying 1 - 8 of 8 reviews
Profile Image for Cristian.
120 reviews
August 23, 2020
Erste Hälfte warmgespielt, aber die Würze lag im zweiten Teil. Kein literarischer Hochgenuss, Gott sei Dank, dafür sehr direkt und aus dem Bauch, ohne Angst wie man dabei so im (Presse-) Spiegel aussieht. Offensichtlich an Houellebecq und Bret Easton Ellis orientierter, kulturpessimistischer und narzisstischer Existentialismus, der echt gut tat. Merci, Oskar.
Profile Image for Kathrin.
670 reviews13 followers
June 27, 2018
Ich habe eine vorab Kopie von Netgalley und dem Ullstein Verlag erhalten. Die Rezension ist meine persönliche Meinung. Das Buch erscheint am 8. September 2017.

Nach ca 20% des Buches habe ich aufgegeben. Es mag sein, dass das Ziel der Verstoß des politisch Korrekten ist, aber ich möchte mich damit nicht befassen. Es mag auch sein, dass der Autor es darauf anlegt hat die gleichen "Sünden" die seine Hauptfigur an der Filmindustrie anprangert in seiner Erzählung ebenfalls benutzt, aber für mich funktioniert das leider nicht.
Profile Image for Tina (Sips & Scares).
277 reviews22 followers
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November 17, 2017
Politische Inkorrektheit, um zu schockieren: Die „Selbstverfickung“ eines Wutbürgers

Ehrlich gesagt, habe ich mich außerhalb des Klappentextes vor der Lektüre von Oskar Roehlers „Selbstverfickung“ nicht großartig mit dem Buch auseinandergesetzt. Hätte ich das mal besser getan! Denn was Roehler hier in den Mantel einer Fiktion wickelt, könnte sehr gut eine zur Spitze getriebene Autobiographie sein. Bei Recherchen nach der Lektüre, die mich doch etwas verdattert zurückgelassen hat, habe ich auch noch herausgefunden, dass „Selbstverfickung“ fast nicht herausgegeben wurde — kein Verlag wollte es veröffentlichen! Jetzt machte so vieles Sinn. Doch zunächst einmal zum Inhalt: Gregor Samsa (frei nach Kafka), unser Protagonist, ist ein verbrauchter alter Regisseur, der seine besten Tage hinter sich hat. Die Wohlstandsverwahrlosung greift um sich, und Samsa verbringt seine Tage mit diversen Puffbesuchen, gelangweilten Shoppingtouren und dem übermäßigen Verzehr von Hummer. Die ewige Unentschlossenheit versucht er durch gewiefte Selbsttäuschung zu eliminieren, die Beziehung mit seiner Tochter ist ins Absurde gelaufen. Voller Hass und Verachtung blickt er auf seine Vergangenheit zurück, als er einige wenige Erfolge als Filmeschmied verbuchen konnte. Diese Medienlandschaft, diese verkommenen „Schauspieler“, wie sie sich schimpfen, lösen in Samsa eine kalte Wut aus. Politisch inkorrekt regt er sich aber auch über die Menschen in seinem Umfeld auf, sei es nun der „affenartige“ Sicherheitsmann am KaDeWe oder die gammligen Flaschensammler, die mit überzogener Gewaltbereitschaft „ihre“ Mülleimer verteidigen. Samsa hegt einen Hass gegen Gott und die Welt und macht auch keinen Hehl darum. Einzig allein mit seiner Tochter, die bei ihm lebt, versteht er sich noch gut, wobei deren Beziehung auch zu etwas verkommen ist, das für Außenstehende sehr merkwürdig wirken muss. Denn aus der Langeweile spielen die beiden immer wieder ein kleines „Programm“ ab, wenn sie mal wieder zuhause ist. Samsa macht sich wortwörtlich zum Hund und kläfft penetrant um ihre Aufmerksamkeit — nicht unähnlich wie Roehler mit diesem Buch.

Wovor hatte er eigentlich Angst? Dass er die Cargo-Hose nicht finden würde? […] Er wusste, dass er nicht aufgeben würde, die Hose zu suchen, auch wenn er dabei den ganzen Tag verplempern würde. Das war die Krux. Er würde wieder Dinge tun, die absolut sinnlos waren. Weil er es sich in den Kopf gesetzt hatte. Obwohl ihm jegliche Lust dazu fehlte. Es war das gleiche Prinzip wie bei den Nutten. Er ging, obwohl er überhaupt keine Lust hatte, wie ferngesteuert in den Puff, nur weil Montag war, lustlos wie zu einer Routineuntersuchung.

Nüchtern, voller geballtem Hass, politisch inkorrekt und mit mehr Instanzen des Wortes „ficken“ wie im Gesamtwerk von Charlotte Roche knallt uns Oskar Roehler seine „Selbstverfickung“ vor den Latz. Der Eindruck entsteht, es handele sich hier um die Memoiren eines Wutbürgers erster Klasse, die Ausrufezeichen liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit „ficken“ und „Schwanz“ – man kommt als Leser aus dem ungläubigen Staunen kaum heraus. Doch leider ist das Staunen keine gute Art von Staunen: Denn was anfänglich noch sehr interessant beginnt (Alternder Regisseur vertreibt seine Zeit, treibt sich rum, ist grummelig und muffelig a lá Ove), artet sehr schnell aus. Die Szene im Matratzencenter zu Beginn des Buches, wo Samsa sich scheinbar um die Gefühle des Verkäufers schert und diesen mit dem Kauf einer Matratze glücklich macht, nur um diese später zu stornieren, macht stark den Eindruck, als handele es sich bei „Selbstverfickung“ um ein interessantes, witziges Buch über einen Menschen in seinen besten Jahren, der mit diesen aber nichts mehr anzufangen weiß. Doch weit gefehlt. „Selbstverfickung“ artet, wie der Name bereits vermuten lässt, nach einigen weiteren Seiten aus in ein schwanzgesteuertes Abenteuer, angereichert mit ewigen Hasstiraden. Kann man den anfänglich leicht muffigen und schrulligen Gregor, der schlicht seinem Hedonismus frönt, vielleicht noch gut leiden, schlägt die Sympathie doch schnell ins Gegenteil um. Immer wütender wird unser Protagonist, bis er sich letzten Endes statt in einen Käfer in einen Hund, der eine Windel trägt, verwandelt. Versteht ihr nicht? Keine Sorge, ich nämlich auch nicht.

Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.de
Profile Image for Max.
50 reviews3 followers
June 26, 2021
Um was geht es:
Kurz gesagt um einen alten, wohlhabenden, ehemals erfolgreichen deutschen Regisseur, der nun voller Abscheu und in tiefer Einsamkeit über das Leben, die Medienbranche und Gesellschaft sinniert

Es fällt mir schwer es zu bewerten. Vielleicht wären 3 Sterne angebrachter gewesen. Aber letztendlich würde ich das Buch NICHT aktiv weiterempfehlen, sodass 2 Sterne passend sind.

Vom Stil her, von seiner Art provokativ, sexualisiert und resignierend über das Leben zu schreiben erinnert es an Michel Houellebecq oder Bret Easton Ellis.
Allerdings wirkt es in seinem provokanten Stil oft zu gewollt, was schnell anfängt zu langweilen.
Die meiste Zeit geht es um "ficken" und Prostituierte. Der Ton ist sicher bewusst "Menschenverachtend" und Teil Intention des Buches. Deshalb hätte das Buch auch, um den den Autor selbst zuzitieren , "Der Fotzenficker mit der Geldrolle" (S. 257) heißen können. Vielleicht wäre das, tatsächlich passender gewesen.

Am Schluss, fast der Autor auch das Buch auch selbst zusammen und hebt hervor das "diese Geschichte keine Handlung hat" und "keine Auflösung, keine Konflikte, keine Spannung. "(...) Es ist ein Stück deutscher, depressiver Literatur eine Innenschau, ein Stück Befindlichkeits-Literatur". Alles Verstanden alles Schön und gut, dennoch gerade deshalb war es mir dann doch zu viel "Art-House", was schade ist, denn es hatte mehr potenzial.

Denn das will ich auch hervorheben: Das Buch hat auch wirklich immer wieder gute Stellen. So ist der Teil in dem er mit einer Prostituierten über Kafkas "Das Schloss", Poe und Wordsworth "Ode an die Unendlichkeit" spricht, wirklich gut und der Grund es letztendlich auch fertig zu lesen. Vielleicht will Oscar Roehlder, folgendes erzählen:
"Von einem Menschen der an sich selbst gescheitert ist, dafür alle und alles, inklusive sich Selbst verantwortlich macht. Es gibt kein Happy-End, keine Läuterung. So wie es eben oft in Wirklichkeit ist , "Abseits von Hollywood" und guter Nacht Geschichten. Das Leben, so erfolgreich es auf den ersten Blick aussieht, hat MANN gebrochen. Vielleicht ist es sogar auch ein wenig ein Buch über Männer.
11 reviews
July 5, 2019
Rau und direkt. Es geht die ganze zeit im ficken und hass gegen sich selbst, gegen andere, gegen lebensfähigkeit. Schnell zu lesen, aber Handlung braucht man sich keine erwarten. Muss ja auch nicht.
Profile Image for Patrick.
10 reviews5 followers
October 23, 2022
Schamlose Houellebecq-Kopie, aber immerhin solide kopiert. Trifft gerade noch so den richtigen Ton zwischen plumpem Tabubruch, ätzender Kulturbetriebssatire, monotoner Aggression gegen alles und jeden und (am wichtigsten) schmerzhaftem Selbsthass & konsequenter Abrechnung mit dem eigenen Lebenslauf. Irgendwann eher traurig, bitter und absurd anstatt schockierend und böse. Kann man auch hassen oder öde finden.
Profile Image for Lili.
172 reviews5 followers
August 24, 2018
Faules Ei.

Bis jetzt hatte noch nie ein Roman nach der Lektüre den Wunsch in mir geweckt, mich mitten in den Bahnhof zu stellen und über die Lautsprecher kundzutun, wie sehr das Lesen desselben doch völlige Zeitverschwendung war, aber soll ich das diesem Roehler-Werk nun ernsthaft als Pluspunkt anrechnen?
Ich hatte Medienschelte auf skurrile Art erwartet – und wurde lediglich mit einem frustrierten, deprimierten, depressiven Griesgram von einem abgehalfterten Regisseur konfrontiert, der abwechselnd nur auf alles und jeden schimpfte und, trotz eines Potenzproblems, Prostituierte, einmal quer durch Berlin, von Stammnutte zu Stammnutte, besuchte, wobei Schimpftiraden und Bordellbesuche oftmals auch gleichzeitig stattfanden. Er ist mit nichts zufrieden, außer mit seiner Tochter, zu der in einem Verhältnis stand, von dem ich ständig erwartete, dass es völlig ins Inzestuöse abgleiten würde, hat offensichtlich aber auch nicht den Anspruch, in irgendeinem Punkt sowas wie Zufriedenheit zu erreichen.

Medienvertreter aus Film und Fernsehen lesen diesen Roman, den ich eher als Pamphlet bezeichnen würde, wohl aus demselben Grund, der auch mich mitgereizt hat: Kann man beschriebene Figuren tatsächlich identifizieren? Bei mir war das wohl eher die Lust an Klatsch und Tratsch; bei Erstgenannten wäre die Motivation wohl eher eine potentielle Klage, die man im Sinne des Esra-Urteils anstrengen könnte, gefolgt von der Überlegung, ob man so nicht einfach den Streisand-Effekt erzielen würde. Einige Schaffende der Showbranche sind hier allerdings so beliebig geschildert, wobei über die generelle Beliebigkeit des deutschen Films ohnehin ständig bitter lamentiert wird, dass sich diverse SchauspielerInnen und Co. wiederzuerkennen glauben könnten.

Nach dem ersten Drittel überlegte ich, dieses eBook zur DNF-Lektüre werden zu lassen, gab mich aber der irrigen Hoffnung hin, es müsse doch noch so etwas wie eine Geschichte entstehen und dass es nicht Hunderte von Seiten nur darum gehen könne, dass einfach so ziemlich alles doof ist und dass die Hauptfigur ständig wie eine Biene von Blume zu Blume fliegt, um es charmanter auszudrücken.
Im vorletzten Absatz vor dem Epilog wird dann erklärt, dass diese Geschichte keine Handlung hat, weder über Auflösung noch Konflikt verfügt und was das eigentliche Thema sei: hierfür wird zwar ein anderes Bild genutzt, aber eigentlich meint es letztlich auch kaum was Anderes als dass, was man unter einer quersitzenden Blähung verstehen würde. Dieser kleine Teil, weniger als zwei Seiten auf dem Kindle, viertkleinste Schriftgröße, fasst den gesamten Inhalt zusammen und mehr müsste man eigentlich auch gar nicht lesen. Na gut, dann vielleicht noch den Epilog, um sich zu verdeutlichen, dass von der Hauptfigur Samsa hier wirklich nix Gescheites zu erwarten ist/war.

Und weil ich aus diversen Buchgruppen von sehr vielen LeserInnen weiß, dass sie generell nichts lesen mögen, in dem Tiere gequält werden: Finger weg hiervon! Wobei ich das generell jedem anraten würde.

[Ein Rezensionsexemplar war mir, via #NetGalley, unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden.]
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