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Marx. Der Unvollendete

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Die aktuelle Biografie über Leben und Werk des Philosophen und GesellschaftskritikersKarl Marx, der revolutionäre Querkopf und Vordenker des 19. Jahrhunderts, ist wieder da. Seit der Kommunismus in seinem Namen – aber nicht in seinem Sinne – Geschichte ist, feiert er ein bemerkenswertes Comeback. Anlässlich seines 200. Geburtstags erkundet Jürgen Neffe dessen Ursachen – in Marx´ Schriften wie in seiner Biografie. Er schildert das Leben eines Flüchtlings und geduldeten Staatenlosen, der für seine Überzeugungen keine Opfer scheut. Weder Krankheit, Armut, Ehekrisen noch Familientragödien halten ihn davon ab, beharrlich an seinem Werk zu arbeiten. Mit seiner Analyse des Kapitalismus als entfesseltes System sagt er die globalisierte Welt unserer Tage bis hin zur Finanzkrise voraus. Neffe zeichnet die Entwicklung der Marx'schen Gedankenwelt von Entfremdung und Ausbeutung in den Frühschriften bis zur ausgereiften Krisentheorie im Kapital nicht nur nach. Als erfahrener Popularisierer der Wissenschaft erklärt er die Theorien in verständlicher Form und konfrontiert sie mit der Realität des 21. Jahrhunderts.

908 pages, Kindle Edition

Published September 11, 2017

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Jürgen Neffe

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Profile Image for Klaus Mattes.
738 reviews10 followers
December 24, 2024
Nein, ich bin durchaus nicht zufrieden mit Jürgen Neffes großer Karl-Marx-Biografie! Das Werk ist mir zu journalistisch, zu sehr darum bemüht, „den Menschen“ Karl Marx in den Vordergrund zu rücken - und zwar auf eine Weise, als hätten wir es mit einem heutigen Talk-Show-Promi zu tun. Dafür dann zu wenig ökonomisch, zu wenig verortet in der aktuellen politischen Landschaft. Der schwäbische Literaturrezensent Denis Scheck hat das im deutschen Fernsehen ganz anders gesehen: „Das Buch ist wie ein Blitzschlag hellster Erkenntnis.“

Nun ja, ich bin auch selbst schuld. Die Person des Autors Neffe war mir ganz unbekannt, ich interessierte mich für Marx und auf einmal gab es das Buch irgendwo sehr billig. Hätte ich vorher recherchiert, dann hätte ich mich wahrscheinlich gefragt, ob ich für meine Einweisung in Marx' Leben und Lehre wirklich einen Biologen wünschte, der früh zum Journalisten geworden ist, für „Geo“ und den „Spiegel“ gearbeitet hat, seine erste große Biografie über den Biologen Charles Darwin gemacht hat, für die „Washington Post“ damals „Book of the Year“. Und inzwischen versucht er sich als Romanautor. Wovon ich mir nicht viel verspreche. Neffe kann zwar verständlich und halbwegs klar strukturiert schreiben, neigt aber immer wieder mal zu Schwurbelsätzen, angefüllt mit nett klingendem, letztlich aussagefreiem Floskeldeutsch.

Da steckt zu viel deutsche Publikumszeitschriften-Schule dahinter: „Ich muss es an den Leser bringen, wie er eben ist [was solche Leute immer gut zu wissen scheinen]. Erst mal muss er glauben, dass ich ein toller Schreiber bin, sonst frisst er den Stoff ja doch nicht.“ Autoren, die so arbeiten, produzieren seitenlang Texte, die nach mehr Gewicht ausschauen, als sie haben. Was unter anderem daran liegt, dass der Schreibende zwar seine Rechercheexzerpte schön beieinander hat, wichtige Aspekte der Materie aber doch auch selbst noch nie verstanden hat. („Der Spiegel“ liefert seit Jahren Woche für Woche jeweils einige Beispiel solcher „Aufklärung“ ab.) Nie hätte ich auch gedacht, dass der muntere Buchmesse-Conférencier Scheck jemals Blitze aus Marx empfangen könnte. (Konnte er wohl auch nicht.) Und verlegt wird so eine Marx-Feier vom größten Verlagstrust der Welt, Bertelsmann. Na ja, in Deutschland sind sonst ja nicht so viele noch über, macht es wenigstens einer mal.

Woran ich interessiert gewesen wäre, als einer, der Marx nie im Original las, aber natürlich immer wieder Einblicke in dessen Theoriegebäude erhaschen konnte, vom Sozialkunde-Lehrer im Gymnasium bis zu den Sachbüchern von Neffes Journalisten-Kollegin Ulrike Herrmann (die im Übrigen wesentlich bedenkenswerter und reicher an Analysen sind als seins), das war ein Kurzkurs im Marxismus-Engelsianismus (nein, nicht Leninismus, wollte ich gar nicht und gibt es hier auch nicht). An sich arbeitet Jürgen Neffe in dieser Hinsicht gar nicht übel. Er hat zwei, alle sonstigen Dimensionen im Buche sprengende Großkapitel über „Die Entwicklung der Marxschen Gedankenwelt“ (48 Seiten) und „Das Kapital – Eine Schauergeschichte“ (89 Seiten), mit denen ich zufrieden war. Danach kann man sich seriös informiert fühlen.

Aber rund herum um diese Blöcke und auch zwischen ihnen ist Neffe, die Ansätze dabei abwechselnd, besessen davon, Karl Marx als von Schicksalsschlägen gepeinigten „Armen“ zu stilisieren (der Mann hatte zwar nie Geld, aber stets wenigstens eine Hausangestellte, einer machte er ein Kind, das dann verleugnet wurde), Karl Marx nebenbei zu einem der besten literarischen Stilisten deutscher Sprache auszurufen, offenbar irgendwo zwischen Goethe und Thomas Mann, überhaupt nur zu vergleichen mit Theodor Fontane und Gottfried Keller unter den Zeitgenossen. Gleichzeitig ist er aber auch noch Promi, veritabler Star, als säße er für sieben Minuten bei „Maischberger“, erinnerte sich seiner Berliner Jahre als Junghegelianer, mit Wehmut angesichts dessen, was aus Deutschland gerade wird. Was den Geist wie von Blitzen erhellt. Ständig - in gewisser Ausführlichkeit - eingebaute Briefstellen, die nur er, Neffe, in seinem Buch jetzt endlich auch mal hat. Vor allem aus der Korrespondenz mit Engels, dann von Konkurrenten um die Führung der Arbeiterbewegung, natürlich von der hochgebildeten, vollkommen selbstlos sich kaputt schuftenden (als Schreibkraft, Sekretärin, Managerin, Lektorin ihres Ehemanns) Jenny Marx, vormals: von Westphalen.

Andauernd kommen Kinder zur Welt und sterben schon bald wieder, vor allem Mädchen. Die erwachsenen Töchter bringen sich um oder sterben am Krebs. Überhaupt sterben in dieser Sippe jüdischer, konvertierter Intellektueller (der Opa war Rabbi, der Vater Rechtsanwalt) auffallend viele an Krebs. Marx selbst ist lebenslang krank, was vor allem psychosomatisch gewesen sein könnte. Eklige Furunkel am (verlängerten) Rücken werden skizziert – und Kuren dagegen.

Bekanntlich konnte Marx privat nicht wirtschaften (was unter anderem dazu führte, dass nur der erste Teil des Kapital-Werks fertig wurde – nachdem es jahrelang angekündigt und verschoben worden war, dabei mehrere Verleger zerschlissen hatte). Der Wuppertaler Fabrikantensohn Engels dagegen konnte es gut. Er war, auf Heutiges umgerechnet, Millionär, managte seine englischen Fabrik vorbildlich. Also lebte Marx faktisch über Jahrzehnte hinweg auf Engels' Kosten. Jürgen Neffe kann immer wieder Bettelbriefe zeigen, in denen der sprachverliebte Marx seine Lieblingsvokabel „Schei8e“ oder „scheißig“ oder „beschissen“ zu Gehör bringt. Da er außerdem ein jähzorniger Brummer und Ehrgeizling war, der allen die Erfolge neidete, wenn sie den (Zeitung lesenden) Massen des 19. Jahrhunderts wie Arbeitererlöser erschienen, werden in der von Neffe ausgegrabenen Post auch die „Freunde“, mit denen Marx wiederholt auf einem Podium saß, mit „Scheiße“ beworfen. Namentlich Ferdinand von Lassalle (Urvater der SPD), den glücklicherweise ein Duell von ihm nahm, und der wilde Kerl aus Russland: Michail Bakunin. (Marx konnte ein ausgesprochen antisemitischer Jude sein, wenn es um Rivalen ging, Lassalle war für ihn ein übelst „negerhafter Itzig“.)

Stellen wir uns noch mal „Geo“, „Der Spiegel“, „Maischberger“ vor. Dann wirken Hunderte von Seiten dieser Art Bildung wohl fast sensationell. (Wer nicht an Maischberger denken mag, darf an Markus Lanz denken. Ist das geistvoll genug?)

Das große Problem mit dem Jahrhundert-Genie ist nämlich, dass er überaus sensationslos gewesen ist. Marx wurde nicht tot geschossen wie beispielsweise Kaiser Maximilian von Mexiko. Er war nicht bei den Scharmützeln der Revolution dabei, wie Lenin oder Bakunin. Selbst die Pariser Revolution von 1848, die er sympathisierend „begleitete“, sah er von der Bücherkammer aus. Er ging Jahrzehnte in die Bibliothek des British Museums in London, exzerpierte dort seine Vorläufer (die ich gerne von Neffe mit Marx verglichen gesehen hätte) aus allerlei Wissensbereichen. Er war offenbar keinen einzigen Tag seines Lebens wirklich in der Werkhalle einer großen Fabrik. (Im Gegensatz zu Engels.) Es gab keine Mordanschläge auf ihn – wie auf Kaiserin Sissi oder Wolfgang Schäuble. Er saß nicht Jahre im Knast ein wie Nelson Mandela. Marx' Schriften wurden zwar zensiert, verboten, er wurde mehrfach des Landes verwiesen. Aber die Lebensreise ging so: Trier, Bonn (Studium), Berlin (noch mehr Studium), Köln (Chefredakteur einer Oppositionszeitung), Paris (Manifesteschreiber), Brüssel, London (Exilant im liberaleren Ausland). (Begraben auf dem Highgate Friedhof, wo auch George Michael und Jean Simmons sind.) Die Steckbriefe wurden irgendwann wieder eingestampft. In späteren Jahren durfte er nach Trier, Berlin, in die Niederlande zurück. Stippvisiten, um Erbschaftsangelegenheiten zu ordnen, seine holländische Verwandtschaft anzupumpen, als politischer Redner der Linken in Preußen (seinem Heimatland) aufzutreten. (So etwa die Sahra Wagenknecht jener Zeit.)

Er war ein unfassbar fleißiger, weitsichtiger, höchst ideenreicher, schwieriger Erbauer von universalen Gedankenkathedralen. Aber schon auch ein wenig umgänglicher, nicht besonders schöner Stubenhocker. Da ist ein gewisses Manko da, wenn man zu Maischberger und Markus Lanz muss. Jürgen Neffe erkennt es und tut, was er tun kann, Karl Marc für unsere Zeit zu retten.

Mir allerdings egal. In dieser Art hätte ich es nicht gebraucht.

So gegen Ende hin, Stellen, die Denis Scheck im Stress vor dem Redaktionsschluss wohl übersprang, geht der kommende Romancier Neffe dazu über, sich für seine Figur Karl Marx zu halten. Er ist alt, hat alles vorausgesehen, macht Reisen in Städte nördlich und südlich vom Mittelmeer, lässt sich den Bart abnehmen, wird nicht mehr erkannt. Und fabuliert ein „Kapital“ für die Tage von Bill Gates, Jeff Bezos und Elon Musk. Demnach befinden sich nicht mehr nur die Arbeitenden der Metall- und (asiatischen) Textilindustrie, sondern wir alle, die gesamte Menschheit, in den Klauen beinharter Ausbeuter, die sie Tag für Tag bis aufs Blut quälen, ihnen das höchste Gut entreißen, nämlich ihre Daten, sie in allen Verästelungen des Privatlebens kontrollieren und drangsalieren. Wir müssen kaufen, kaufen, kaufen. Und kaufen. Und sie wissen es, was wir kaufen werden.

Boah, Bertelsmann! Ist das selbstkritisch! Man könnte es sogar auf ARD zeigen, since the REVOLUTION will be televized.

„Es wäre nichts weniger als eine neue Welt, das glauben wir wirklich“, eröffnet die Londoner „Times“ ihren Lesern anlässlich des IAA-Kongresses 1867 in Lausanne, „sollten sich Engländer und Ausländer als fähig erweisen, zusammenzuarbeiten.“
Aber genau das tun sie, indem sie als transnationale Stimme die Arbeiterinteressen vertreten. Durch gemeinsame Aktionen gelingt es ihnen, Fabrikherren an der Beschäftigung ausländischer Streikbrecher zu hindern. Bald eilt der Organisation ein so mächtiger Ruf voraus, dass allein ihre mögliche Beteiligung an einem Arbeitskampf Kapitalisten zum Einlenken bewegt.
In der alltäglichen Wirklichkeit, wie Marx sie als Spinne im Netz erlebt, überwiegen die Schwierigkeiten, die er tapfer zu meistern versucht. Intrigen, Grabenkämpfe, Eifersucht und Egoismen. Gift für jede Organisation, für eine internationale allemal. Die Mehrfachbelastung fordert zudem ihren Tribut. Schon nach gut einem Jahr, zu Weihnachten 1865, klagt er: „Was die „International Association“ und was drum und dran hängt angeht, so lastet sie daher wie in Inkubus auf mir und ich wäre froh, sie abschütteln zu können. Aber das geht grade jetzt nicht.“
Marx durchläuft die hohe Schule von Sachzwängen und Realpolitik. Das neue Jahr hat der Organisation nach dem Brief an Lincoln zwar beachtliche Erfolge gebracht. Sechs englische Mitglieder des Generalrats haben die Reform League gegründet. Sie setzt sich öffentlichkeitswirksam für eine Wahlrechtsänderung ein: „Wir stir hier jetzt die General Suffrage Question“ – die Frage des allgemeinen Wahlrechts (für Männer) - „die hier natürlich ganz andre Bedeutung hat als in Preußen.“
Doch gleichzeitig treten auch die inneren Fliehkräfte zutage. „Blanquisten, Proudhonisten, Autonomisten, Anarchisten und noch alle möglichen Isten lagen sich alle Augenblicke in den Haaren … Die Sitzungen in High Holborn, wo der Generalrat damals zusammenkam, waren die bewegtesten und aufreibendsten, die man sich denken kann“, erinnert sich Friedrich Leßner. „Von Beginn an“, so der Historiker Jürgen Herres, der die IAA-Geschichte für die Marx-Engels-Gesamtausgabe nachgezeichnet hat, „gab es eine große Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit.“
Das Ende des zweiten Jahres markiert die erste echte Auseinandersetzung mit einem prominenten Widersacher. Der italienische Freiheitskämpfer Giuseppe Mazzini, so berichtet Marx seiner Cousine Antoinette Philips nach geschlagener Schlacht, habe „sich eifrig bemüht, eine Art Revolte gegen meine Führerschaft anzuzetteln. „Führerschaft“ ist niemals eine angenehme Sache, noch etwas, wonach ich Verlangen hätte.“ Das kann Nettchen glauben oder nicht.

Versteht man jetzt, was ich mit gepflegtem „Spiegel“- oder Fernseh-Journalismus, der einem oft viel, nur nicht das, was man zu wissen hätte, verrät, in etwa sagen wollte?

Ich für meinen Teil hätte dringlich empfunden, dass der Marx-Biograf sich auf irgendeine Weise zu dem Vorwurf äußert, den heutige Marx-Gegner in den Debatten ziemlich schnell bei der Hand haben: Dass sein grundlegendes Menschenbild durch und durch falsch sei. Er verkenne, dass der Mensch keineswegs friedlich mit seinen Nachbarn leben, den Künsten, dem Spiel, der Bildung frönen und daneben nur das Notwendigste arbeiten und eine nette Zeit haben wollte. Vielmehr sei der Mensch nie lange mit irgendwas zufrieden, wolle stets Neues und immer noch mehr haben, wie viel er auch schon hat, in diesem Besitz alle anderen aber auch abhängen und übertreffen. Genau dieses mache aber den Motor aus hinter allen Errungenschaften der Menschheit - der agrarischen Revolution, die eine wachsende Menschheit ernähre, der medizinischen, die Pest und Kinderlähmung besiegte. Automatisch werde die Menschheit erst stagnieren, dann nur noch zurückfallen, wenn Enteignung und klassenlose Gesellschaft kämen.

Dazu könnte man was sagen. Tut er nicht.
Profile Image for Havers.
906 reviews21 followers
September 27, 2017
Von Jürgen Neffe, Biochemiker, Wissenschaftsjournalist und Autor der vielfach ausgezeichneten Biografien über Albert Einstein und Charles Darwin, ist kürzlich anlässlich des 200. Geburtstages von Karl Marx im kommenden Jahr ein neues Werk mit dem Titel „Marx. Der Unvollendete“ erschienen. In dieser Biografie macht er den Leser nicht nur mit dem Leben und den Schriften dieses herausragenden Denkers des 19. Jahrhunderts bekannt, sondern zeigt ebenso die Relevanz seiner Theorien, die heute aktueller denn je für unser Jahrhundert sind, auf.

Auf satten 656 Seiten (Textteil 600 Seiten, dazu 30 Seiten Anmerkungen des Autors sowie eine umfassende zehnseitige Bibliografie) beleuchtet Neffe zum einen Marx‘ Leben, zum anderen aber auch seine Kontakte und Auseinandersetzungen mit Theoretikern und Weggefährten und den gesellschaftlichen Realitäten seiner Zeit, geprägt von der industriellen Revolution in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Als Gerüst für den Werdegang dienen dem Autor Marx‘ biografische Daten: hineingeboren in eine gutbürgerliche Familie, Jurastudium, politischer Journalist, verfolgt von den Geheimdiensten, schließlich das politische Exil in London. In England werden er und sein Freund Friedrich Engels Zeitzeuge eines entfesselten Kapitalismus und veröffentlichen zuerst „Das kommunistische Manifest“, danach diverse Werke zu politischen Ökonomie, 1867 dann der erste Band seines Hauptwerks „Das Kapital“. Es ist eine Analyse der kapitalistischen Welt, eine Bestandsaufnahme, mit der er das Bewusstsein der Menschen schärfen möchte, aufzeigen will, wie der Arbeiter seinem Tun und letztlich damit auch sich selbst entfremdet wird.

Marx‘ scharfsinnige Analysen sind heute aktueller denn je. Man denke nur an den Kollaps der Finanzsysteme oder die zunehmende soziale Ungleichheit, das Auseinanderklappen der Schere zwischen Arm und Reich. Aber ein Patentrezept dagegen sucht man auch bei ihm vergebens. Revolution ja, dann aber weltweit und nur mit einem Zukunftsmodell, das Freiheit für jeden einzelnen gewährleitet.

Neffe zeigt uns den großen Freiheitsdenker in seiner ganzen Widersprüchlichkeit: Der ökonomische Theoriegebäude entwirft, selbst aber nicht mit Geld umgehen kann. Der Solidarität predigt, sich aber in endlosen intellektuellen Scharmützeln mit Gleichgesinnten verliert. Der einen gewaltsamen Umsturz und die Abschaffung des Kapitalismus fordert, aber dafür auch kein Patentrezept parat hat.

„Marx. Der Unvollendete“ ist für den Deutschen Wirtschaftsbuchpreis 2017 nominiert – zurecht!
Profile Image for DLCG.
29 reviews
January 26, 2019
Das Buch machte weder Lust, mehr über Marx zu erfahren (insofern war diese 600-seitige Biographie doch ergiebig), noch demnächst ein weiteres Werk des Autors zu lesen. Kein wirklicher Spaß, doch als Marx-Biographie tut es, was es soll.
4 reviews
May 21, 2021
Tolle Biographie. Mit vielen Auszügen und Interpretation zu seinen Werken.
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