Ich hatte mir das Buch als hübsche Sonderausgabe mit Goldprägung bestellt, nachdem ich "Alte Sorten" gelesen hatte und von der Thematik und vom Tonfall und Stil des Buches angetan war.
Nun kann ich mit ziemlicher Sicherheit sagen, nachdem ich noch 2,5 weitere Werke von Arenz gelesen habe, dass "Der Teezauberer" das letzte seiner Bücher für mich gewesen sein wird. Ich kann mich für seine Charakterdarstellungen nicht sonderlich erwärmen, für die (für meinen Geschmack) zu häufige Wiederholung einiger Motive und Sinnbilder, die immer wieder auf eine zu ähnliche Art und Weise abgearbeitet werden. Nicht zuletzt habe ich grundsätzlich das Gefühl, dass der Autor in seinen persönlichen Ansichten, die in seinen Romanen mitschwingen, ein wenig aus der Zeit gefallen und nicht ganz "aktuell" ist (Beispiel: eine unangenehm unreflektierte Szene von Blackfacing in "Alte Sorten", die in den 2020ern so einfach nicht mehr passieren dürfte), was mich fast unmittelbar zu "Der Teezauberer" bringt.
Das Buch ist sehr, sehr kurz. Trotzdem habe ich über zwei Monate gebraucht, um mich bis zum Ende durchzuquälen.
Die Geschichte, die erzählt wird, ist nicht neu: Irgendwo haben wir hier eine Mischung aus "Die unendliche Geschichte", "Tintenherz" und dieser Geschichte von dem Jungen, der sich von einer Fee wünscht, dass alle Lebensmittel für ihn nur noch süß schmecken mögen, wodurch er schließlich unglücklich und krank wird und seinen Wunsch ungeschehen macht.
Der Protagonist ist ein wenig wie dieser Jung, ein wenig auch wie Karl Konrad Koreander oder Mo Folchart und gleichzeitig haben wir hier einen (namentlich nicht als solchen bezeichneten) funktional-depressiven Träumer, der sich zutiefst in seiner Midlife-Crisis verstrickt hat. Er dichtet und wünscht sich eine Zauberwelt herbei, um seinem eigentlich absolut erfüllten Leben zu entfliehen. Dabei legt er einen unfassbaren Egoismus an den Tag und baut sich eine mehr oder minder reale Fantasiewelt, innerhalb derer er es moralisch vertreten kann, fremd zu gehen (irgendwie auch mehrfach, irgendwie auch nicht, ich finde es z.T. sehr schwer nachzuvollziehen). Letztlich ist es die Liebe in der Wirklichkeit, die ihn auf den Boden der Tatsachen und aus seinen Träumereien zurückholt, denn er merkt nach und nach, dass ihn seine Fantastereien und Hirngespinste von allem entfremden, was gut in seinem Leben war.
Seine Probleme und seine Wünsche sind beide grundsätzlich durchaus nachvollziehbar, nicht abwegig, sogar irgendwo verständlich; die Art und Weise, wie der Protagonist und sein Umfeld damit umgehen, ist allerdings befremdlich bis unangenehm.
Seine Partnerin bleibt ihm treu zur Seite, sein bester Freund, der es mit der Treue auch nicht so genau zu nehmen scheint, ist eigentlich auch nur da, um die Entfremdung des Protagonisten von der Realität zu untermalen und die Tochter des Protagonisten hat während der ganzen Geschichte nicht einmal einen eigenen Vornamen verdient, was vielleicht auch im Anbetracht ihrer verschwindend geringen Rollenbedeutung nicht notwendig wäre, anderseits für mich den Egoismus, um nicht zu sagen meine vorherrschende Antipathie für den Protagonisten unterstreicht. Zwischendurch erfährt man allerlei historische Anekdoten über Tee, die irgendwie nett sind, die Geschichte aber nicht wirklich runder machen. Mein Fazit steht direkt zu Beginn: Das hier war mein letzter Arenz.