The Western introduces the novice to the pleasures and the meanings of the Western film, shares the excitement of the genre with the fan, addresses the suspicions of the cynic and develops the knowledge of the student. The Western is about the changing times of the Western, and about how it has been understood in film criticism. Until the 1980s, more Westerns were made than any other type of film. For fifty of those years, the genre was central to Hollywood's popularity and profitability. The Western explores the reasons for its success and its latter-day decline among film-makers and audiences alike. Part I charts the history of the Western film and its role in film studies. Part II traces the origins of the Western in nineteenth-century America, and in its literary, theatrical and visual imagining. This sets the scene to explore the many evolving forms in successive chapters on early silent Westerns, the series Western, the epic, the romance, the dystopian, the elegiac and, finally, the revisionist Western. The Western concludes with an extensive bibliography, filmography and select further reading. Over 200 Westerns are discussed, among them close accounts of classics such as Duel in the Sun , The Wild Bunch and Unforgiven , formative titles like John Ford's epic The Iron Horse , and early cowboy star William S. Hart's The Silent One together with less familiar titles that deserve wider recognition, including Comanche Station , Pursued and Ulzana's Raid .
Hier spricht ein echter Kenner und Liebhaber von Western
Schon die Widmung und die mit „A Childhood Game“ betitelte Einführung in David Lusteds Buch The Western bezeugen, daß der Autor bei seiner Unternehmung, einen Überblick über die Geschichte des Westerns zu geben, von großer Wertschätzung für dieses Genre angetrieben wird. Dies macht ihn mir bereits sympathisch, wenngleich dadurch natürlich auch die Befürchtung entstehen kann, der Verfasser könne sich in unkritischen Lobhudeleien auf alle möglichen Filme ergehen und wenig Substantielles bieten.
Diese Befürchtung ist im Falle Lusteds jedoch – so viel sei ganz deutlich schon am Anfang gesagt – absolut grundlos, denn der Verfasser gibt einen systematischen und ausführlichen Überblick über die Geschichte des liebenswertesten aller Filmgenres, mit dem er sowohl dem Kenner vertiefte Einblicke in die Materie verschafft als auch dem interessierten Neuling einen ersten Zugang gewährt und ihm hilfreiche Anregungen bei der Erstellung seiner eigenen kleinen Westernvideothek bietet.
Nach einem eher theoretischen Überblick über filmkritische und gesellschaftswissenschaftliche Annäherungen an den Westernfilm, der sich vor allem auf große Namen wie Bazin, Warshow, Buscombe, Cawelti und Kitses bezieht und ihre Überlegungen kurz darstellt, widmet sich Lusted in einer diachronen Perspektive der Entwicklung des Westerns. Dieser Teil macht gut 200 Seiten seines Werkes aus. Lusted beginnt mit den Wurzeln des Westerns in der Literatur, wobei er zunächst einmal zwei bedeutende Westernromane kurz analysiert. In Coopers Helden der Lederstrumpf-Romane Natty Bumppo sieht er, in Anlehnung an Cawelti, "a figure caught between the contrasting ways of nature and civilisation, between lawlessness and settlement. Though responsible for the opening of the West up to Eastern advance, he is an isolated figure, distant from the social groups of settlers and townspeople who compose it." (S.44) Mit seiner ambivalenten Einstellung zur Moderne ist Natty ein Wanderer zwischen den Welten. Ihm gegenüber steht der Titelheld aus Owen Wisters Roman The Virginian (1902), mit seiner Orientierung am ritterlichen Ehrenkodex des Mittelalters der Prototyp des romantischen Cowboys, "for whom the West offers firmer potential for occupation and settlement" (S.46). Auch Zane Greys Romane sowie die Dime Novels dürfen in diesem Zusammenhang nicht fehlen. Lusted untersucht des weiteren das Bild vom Wilden Westen, wie es Illustratoren, Photographen, Choreographen von Wild West Shows und Rodeos zeichneten und wie es in zeitgenössischen Theaterstücken, insbesondere dem Melodram, im späten 19. Jh. noch ein wahrer Publikumsmagnet, transportiert wurde.
Dann geht er auf die Stummfilmwestern ein, wobei der erste Western, „The Great Train Robbery“ (1903) von Edwin S. Porter, einer genauen Analyse unterzogen wird, die die Ähnlichkeiten zwischen dem frühen Film und dem Theater hervorhebt. Interessant ist auch der von Lusted erwähnte Umstand, daß Stummfilme oftmals auf dem damaligen Publikum bekanntem Grundwissen fußten, die es modernen Zuschauern oft unmöglich macht, Stummfilme – Lusted legt hier überzeugend dar, daß diese Filme eigentlich alles andere als stumm waren – zu verstehen. Die Filme Gilbert M. Andersons („Broncho Billy“) und William S. Harts, die zwei grundverschiedene Helden darstellten, werden von Lusted treffend charakterisiert, bevor er sich den series western – u.a. Harry Carey und dem glamourösen Tom Mix sowie singenden Cowboys wie Gene Autry – zuwendet.
In der Folge wird es richtig interessant, wenn Lusted die moderneren Western unter verschiedenen Kategorien subsumiert und erläutert, wobei er die These aufstellt, daß diese Kategorien jeweils nacheinander ihre eigene Blütezeit erlebten. Zunächst nennt er den epischen Western, das Luxusmodell des Genres, das unter großen Kosten und prestigeträchtig ein farbenprächtiges Bild des Wilden Westens zeichnet. Oft wird hier der Vorgang der Landnahme und Zivilisierung des Westens verherrlicht und die amerikanische Geschichte als positiver Mythos dargestellt. Lusted konzentriert sich hier beispielsweise auf James Cruzes „The Covered Wagon“ (1923) und Fords „The Iron Horse“ (1924), die die Siedlertrecks bzw. den Bau der Eisenbahn glorifizieren. Als romantische Western bezeichnet Lusted Filme, in denen ein ritterlicher Held – oftmals der "Cowboy Gunfighter" – eine Mission zu erfüllen hat und an deren Ende auch mit Heirat, also der Integration in die zivilisierte Gesellschaft, belohnt werden kann. Als Beispiele nennt er hier Fords „Stagecoach“ (1939) und „My Darling Clementine“ (1946) oder die Western – oder sollte ich den Western sagen – von Howard Hawks. Auch Anthony Manns und Budd Boettichers eher tragische und zum Teil fehlgeleitete und pathologische Helden sieht Lusted als romantische Figuren. In den dystopischen Western wird der amerikanische Gründungsmythos einer pessimistischen Revision unterzogen, und der Held hat es schwer, die aus dem Ruder gelaufenen Zustände wieder zu richten, so daß er oftmals ein Opfer der Umstände oder ein zynischer Getriebener wird. Hier fallen einem freilich die italienischen Western eines Sergio Leone, Peckinpahs „Major Dundee“ (1965) oder Aldrichs „Ulzana’s Raid“ (1972) ein. Die elegischen Western sind als ein Abgesang auf den Heldenmythos zu verstehen; so sagt Lusted: "The hero of the elegiac Western exaggerates those tendancies in the romance hero to separation from the community" (S.206), und der Wilde Westen selbst erscheint als ein Anachronismus. Neben den Western Peckinpahs sieht Lusted Siegels „The Shootist“ (1976), aber auch Fords „The Man Who Shot Liberty Valance“ (1962) – beachte das berühmte "When the legend becomes fact, print the legend" –, als elegische Filme. Revisionistische Western schließlich sind Filme, die eine oder mehrere der Genrekonventionen einer kritischen Überprüfung unterziehen. Eastwoods „Unforgiven“ (1992), der letzte Film, den Lusted behandelt, oder Jarmuschs „Dead Man“ (1995) sind bekannte Beispiele hierfür, aber auch alle Western, die das Bild der Indianer, der Afroamerikaner oder das westerntypische Frauenklischee gegen den Strich bürsten. Schon seine ausführliche Behandlung dieser letzten Kategorie von Western mag zeigen, daß Lusted nicht blind für die Begrenzungen des Genres ist.
Lusteds Buch ist somit ein unverzichtbarer Titel für jeden, der sich intensiver mit der wunderbaren und überraschend vielfältigen Welt des Westerns befassen möchte.
Ich habe eingangs Lusteds liebevolle Widmung erwähnt, die mir so sehr gefällt, daß ich mit ihrem vollständigen Zitat meine Rezension beschließen möchte:
"This book is dedicated to Henry Fonda’s legs, James Coburn’s fingers, Ernest Borgnine’s stomach, Jeff Chandler’s chest, Randolph Scott’s neck, Dorothy Malone’s cheekbones, Richard Boone’s nose, Jack Elam’s eyes and the bags under Robert Mitchum’s, Clint Eastwood’s squint, Robert Ryan’s stare, Joan Crawford’s eyebrows, John Carradine’s moustache, Robert Wilke’s stubble, Gary Cooper’s lips, Burt Lancaster’s teeth, Walter Brennan’s gums, Lee Marvin’s tongue, Burt Kennedy’s dialogue, Alan Sharp’s scripts, James Stewart’s sneer, Kirk Douglas’ cough, Steve McQueen’s sweat, Karen Steele’s silhouette, Harry Carey’s stance, John Wayne’s walk, Ben Johnson’s ride, Woody Strode’s hat, Barbara Stanwyck’s whip, Russell Simpson’s violin, Hank Worden’s rocking chair, Budd Boetticher’s cycle, Lucien Ballard’s camera, Claire Trevor’s Dallas, Sam Peckinpah’s High Country, Anthony Mann’s rivers, and John Ford’s West. Some picture."