Milla und Jan kennen sich seit Kindertagen. In einem heißen Sommer fahren sie gemeinsam mit Jans Freundin Kristina ans Meer. Drei Tage lang schweben sie zwischen Angst, Liebe und Sehnsucht. Bis sich alles bei einem heftigen Gewitter katastrophal entlädt. Jan überlebt nicht. Vier Jahre später sind Milla und die kleine Emma an einem kalten Morgen durch die große Stadt unterwegs. Da findet Milla etwas, das sie an Jan erinnert und stellt sich endlich der Vergangenheit. Ein Roman voller zarter Melancholie und berührender Bilder, die einen nicht mehr loslassen.
Sina Pousset ist eine junge aber unglaublich kluge Autorin, die mit "Schwimmen" ein sehr nachdenkliches, berührendes und bittersüßes Buch geschrieben hat, das dem Leben nicht näher sein könnte. Am beeindruckendsten ist dabei wohl ihr Schreibstil, der schon eher anspruchsvoll ist und sich definitiv von der breiten Masse abhebt. Reduziert aber trotzdem so besonders - Sina Pousset schreibt so, dass man sich trotz weniger Worte die Figuren und ihre Umgebung sofort bildlich vorstellen kann und sich ihnen richtig nahe fühlt. Ein bisschen schwer fiel es mir, mich daran zu gewöhnen, dass die Autorin auf Anführungsstriche verzichtet, aber früher oder später störte selbst das nicht mehr, weil die Geschichte mich trotzdem - oder vielleicht gerade deswegen - mitriss. "Schwimmen" ist ein kleines, aber sehr feines, ehrliches, außergewöhnliches und einfühlsames Buch über Verlust, Trauer, Freundschaft, Verantwortung und Träume - ich kann es wirklich nur jedem ans Herz legen, hineinzulesen!
Die Sachen sind ein Zeichen. Hier. Hat er. Gelebt. Hier wurde gelebt, gerade noch. Keine Hand darf deshalb berühren, was er zuletzt berührt hat. Ein letzter Rest vom Leben klebt daran. Seine Stimme auf ihrem Handy, die Zahnbürste im Bad, die Summe seiner Teile, die er auf der Welt zurückgelassen hat. All das ergibt fast einen Fetzen Jan. Daran hält sie sich fest.
Es ist nicht so, dass ich diesen Monat eine richtige Leseflaute gehabt hätte, aber doch hat mir dieses eine spezielle Buch gefehlt. Jenes, welches einen nachts wachhält, wie gebannt Seite um Seite umblättern und alles um einen herum vergessen lässt. In „Schwimmen“ wollte ich eigentlich nur kurz hereinlesen. Ich las die ersten Zeilen, aus denen schnell Seiten wurden, aus denen fix in einem Rutsch der ganze Roman wurde. Das nennt man wohl Binge-Reading? Und ja, das ist ein sehr gutes Zeichen! Es ist ein kalter Morgen in der Stadt. Milla Anton, die junge Protagonistin in Sina Poussets Debütroman, ist auf dem Weg zu Arbeit in den Verlag, muss aber zuvor noch die kleine Emma in den Kindergarten bringen. Jan, der Vater der Kleinen, ist verstorben. Emma kennt ihn nicht. Schnell wird klar, dass es sich nicht um ein „einfaches“ Familiendrama handelt, sondern dass sehr viel mehr dahintersteckt, als man zunächst vermuten würde. Denn als Milla an diesem Tag an der Arbeit auf Jans Tagebuch stößt, das sie bewusst lange unter einem hohen Stapel aus noch abzuarbeitenden Manuskripten verborgen hält, weiß sie: sie muss sich ihrer Vergangenheit stellen. Dem, was wirklich mit Jan passiert ist. In dem einen Sommer, in welchem sie, Jan und Kristina, seine Freundin, gemeinsam ans Meer gefahren sind und ohne Jan zurückkehren. „Schwimmen“ ist ein sehr bewegender Roman über die Liebe, Sehnsucht und Freundschaft, der tief in die Gefühlswelt seiner Protagonisten hereinreicht. Im Fokus Milla, die immer wieder in kurzen und längeren Rückblenden davon erzählt wie es „früher“ war, mit Jan, ihrem Freund aus Kindertagen – und wie es „heute“ ist, jetzt, da Jan nicht mehr da ist. Wir als Leser|innen wissen (noch) nicht, was geschehen ist, können aber erahnen, dass etwas Schlimmes passiert sein muss. Nicht nur, weil dies mehr oder weniger deutlich lesbar ist, sondern vor allem in der Atmosphäre, in die der Roman gebettet ist. Er strahlt förmlich eine Art Kühle und Bedrücktheit aus, die den|die Leser|in ansatzweise fühlen lassen, was die Figuren empfinden. Die Autorin deutet vieles nur an, ertränkt den Plot nicht in zu ausschweifenden Erzählungen und das macht den Roman zugleich dynamisch sowie spannend und man kann gar nicht aufhören zu lesen, obwohl man sich eigentlich wünscht, man dürfe ewig in dieser schönen Sprache verweilen, die zugleich poetisch wie auch klug und einfach nur wunderschön ist. „Draußen geht das Leben weiter. Beim Bäcker gehen die Menschen ein und aus und tragen Duft auf die Straße. Ein Kind baut im Kindergarten Klötze aufeinander und will mittags Kroketten mit den Fingern essen. Milla ist dazwischen, irgendwo.“ (S. 24) In Sina Poussets Debütroman geht es um die Vergangenheit, die einen jeden schmerzhaft früher oder später wieder einholt. Es geht um die Liebe, die sich niemand je aussuchen kann. Um Freundschaften, die erwachsen werden (müssen) und um den Umgang mit Verlust, der Menschen an den Rand des Abgrunds bringen kann. „Schwimmen“ schafft es trotz schweren Themas ein Gefühl der Wärme zu erzeugen. Es ist ein zugleich tieftrauriger und Hoffnung gebender Roman, dessen Sprache und Inhalt den|die Leser|in von der ersten bis zur letzten Seite tragen und der noch lange nachhallt.
januar 18: da ich in gedanken immer noch in diesem buch bin, jetzt doch die vollen fünf sterne. als erstes habe ich mich in die leichte und gleichzeitig tiefgehende sprache verliebt. mit der geschichte hat es etwas länger gedauert, aber schließlich konnte sie mich packen, und ich konnte nicht aufhören zu lesen. "schwimmen" hat eine besondere atmosphäre, und gleichzeitig fühlt sich alles real und nah an. teilweise fand ich es sehr bedrückend, aber das ende hat daran noch vieles geändert, und ich habe es mit einem positiven gefühl beendet! ein wunderbares buch!!! ____________________________________________ august 18: reread für praktikum/arbeit und wieder sehr genossen - ein zusätzliches mulmiges gefühl hat mich diesmal begleitet, weil ich ja schon wusste, was hinter der ganzen geschichte steckt. diesmal hat mich noch mehr fasziniert, wie die autorin es schafft, so viel zu sagen, indem sie so viel NICHT sagt. und ich bin wieder so so so dankbar für dieses ende und möchte am liebsten wissen, wo es für die charaktere als nächstes hingeht.
Was für ein wundervolles, mitreißendes Buch! Zu Beginn hatte ich ein paar Schwierigkeiten mit dem Stil. Sina Pousset verwendet sehr knappe Sätze, fast schon abgehackt, die einem immer wieder vor die Nase knallen -- aber mit der Zeit hebt sich dadurch etwas anderes hervor, etwas Pures und Unumstößliches. Sie verwendet keine Anführungszeichen für die Dialoge, was ich lange nicht mehr so gehabt habe, und wiederum eine ganz andere Art des Empfindens beim Lesen eröffnet. Es dauert somit eine Weile, dieses Gefühl zu finden und sich gar darauf einzulassen, aber dann ist es da und jede Seite tut weh, weil was sie schreibt so wahr ist und man sich auch bei ihr zwischen den Zeilen, zwischen Komma und Punkt, finden kann. Besonders gefallen hat mir jedoch, dass die Handlungsstränge nicht so verliefen, wie ich es mir vorgestellt hatte, und trotzdem alle meine Erwartungen erfüllt, wenn nicht sogar übertroffen wurden. Ich liebe dieses Buch, ich will es bald noch mal lesen, auch wenn mir bestimmt eine Weile die Augen und die Gedanken brennen werden.
Wirklich schön geschrieben, so wie ich es von jungen deutschen Debütautor.innen inzwischen kenne und erwarte, aber manchmal auch etwas wirr. Einerseits hat mich das darüber verunsichert, von wem oder was gerade die Rede ist, andererseits passt es zu den inhaltlichen Mysterien, denn da ist auch lange nicht klar wie die Beziehungen zwischen Milla, Jan, Kristina und irgendwie auch Emma eigentlich definiert sind. Doch mit der Zeit wird es deutlicher und gleichzeitig offensichtlich, dass die Figuren genauso überfordert von ihren Verhältnissen zueinander sind. Die Konstellation ist prekär und faszinierend und hat glaubhaft widergespiegelt, was für seltsame Geschichten das Leben manchmal schreibt. Das Ende selbst ist zwar eher hoffnungsvoll, hat mich aber trotzdem mit einem Gefühl melancholischer Bedrückung zurückgelassen. Das fühlt sich nicht gut an, spricht aber wohl für die Wirkung des Romans.
Milla und Jan sind seit ihrer Kindheit befreundet. Sie können sich alles erzählen und verbringen ihre Zeit oft bei Millas Großmutter am Meer. Als Erwachsene fahren sie gemeinsam mit Jans neuer Freundin Kristina dorthin, um gemeinsam Zeit zu verbringen. Das Zusammensein verläuft anders als geplant und es geschehen Dinge, die so niemals hätten stattfinden dürfen. Sehnsucht, Angst und Verzweiflung machen sich breit. Jan überlebt diesen Urlaub nicht. Vier Jahre nach seinem Tod, entdeckt Milla, die inzwischen die kleine Emma großzieht, etwas , was sie an ihren verstorbenen besten Freund erinnert. Sie besucht Kristina, die zur Zeit des Todesfalls Jans Freundin war, und möchte mit ihr die Geister der Vergangenheit loswerden...
Zugegeben, die ersten Seiten waren ein holpriger Einstieg und ich habe kurz gedacht, dass wenn das Buch genau so weitergeht, dass ich es bei Seite lege oder gar abbreche. Wörtliche Rede ist nicht kenntlich gemacht worden und der Schreibstil war zunächst sehr diffus und verwirrend. Wer? Wie? Was? Das waren Fragen die ich mir auf den ersten Seiten oft gestellt habe. Im Laufe des Romans habe ich mich mit dem Schreibstil anfreunden können und ihn sogar genießen können. Er ist außergewöhnlich und passt perfekt zu der Geschichte, die Sina Pousset mit "Schwimmen" erschaffen hat. Die Sätze sind teilweise zynisch, messerscharf formuliert und voller Melancholie. Fast jeder Satz geht unter die Haut. Die Hauptthemen Trauer und Freundschaft verbindet die Autorin ganz wunderbar miteinander. Die Grenzen verschwimmen und die Zeitebenen zeigen ein Bild, welches sich erst im Laufe der Geschichte verbindet. Was ist damals passiert? Diese Frage stellen wir uns zu Beginn der Geschichte und während des Lesens. Doch so viel mehr Fragen tauchen auf. Der gemeinsame Urlaub mit Kristina, Emma, die Einrichtung, die Familie...und erst am Ende läuft alles zusammen. Unsere Fragen werden beantwortet. Leider fand ich Jans Reaktion und seinen Tod etwas übertrieben und zu gewollt. Auch was davor geschehen war, war irgendwie seltsam. Kristina hatte für mich zwei Persönlichkeiten, einmal davor, und einmal danach, es war schwer sie für mich als eine Person zu sehen, aber genau das hat Jans Tod mit ihr gemacht. Generell muss ich leider sagen, dass mir das Danach besser gefallen hat, als das Davor. Im Großen und Ganzen hat mir "Schwimmen" gefallen, nicht nur die Geschichte war spannend, auch der Schreibstil war für mich außergewöhnlich und innovativ, wenn auch etwas gewöhnungsbedürftig. Der Titel und das Cover passen so gut zu der Geschichte und im Nachhinein weiß man das Aussehen des Buches noch mehr zu schätzen als vor dem Lesen.
Die etwas wirre Geschichte um zwei junge Frauen, ein Kind, einen jungen Mann fand ich auf eine schlechte Weise seltsam. Ich glaubte Pousset keine einzige der Romanfiguren, hatte nicht eine der skizzierten Umgebungen vor Augen, die Handlung wirkt angestrengt konstruiert und leistet sich dann auch noch eine nirgends vorbereitete Enthüllung im Abgang. Extrastern für die Möglichkeit, dass ich einfach nicht die Zielgruppe bin, das Buch verkaufte sich ja gut.
habe im voraus sehr viel gutes über dieses buch gehört und leider hat es meine erwartungen nicht erfüllt. dennoch ein kurzweiliger roman, den ich gerne gelesen habe.
I loved the topic, but to me this felt like it was trying to be „aesthetically pleasing“ - especially the language, which was simplistic, lacked dialogues and put focus on trivialities. Therefore it was a lot of reading between the lines and missing significant substance. This was the meager, trimmed version of something I could have loved.
„Am Ende räumt sie alles aus, erst aus seiner, dann aus ihrer Wohnung, gibt ein paar Säcke in die Kleiderspende und kippt den Rest in den Müll. Alles, was sie an ihn erinnert. Es soll wie das Feuer sein, das seinen Körper verbrennt. Klärend, radikal. Nur fühlt es sich an, als habe sie sich eine Hand abgehackt und würde darauf warten, dass es hilft. Sie denkt, entweder kann sie mit all seinen Sachen leben wie mit Gewichten, oder sie lässt alles los. Eine Freundin schenkt ihr damals einen Tee mit Kräutern, Loslassen heißt er. Sie lässt ihn zwölf Minuten lang ziehen statt fünf und hofft, dass es hilft.“
Sina Pousset hat mit ihrem Debutroman eine ganz besondere Geschichte geschaffen. Die Autorin lässt den Leser tief in die Gefühlswelt ihrer Figuren eintauchen. Obwohl die Geschichte sehr traurig und tragisch ist und der Roman von einem bedrückten Gefühl dominiert wird, schenkt die Geschichte schlussendlich Hoffnung. Und dieses Gefühl bleibt nach der letzten Seite in mir verankert. Durch die wunderschöne Sprache der Autorin hallt die Geschichte noch lange nach und bleibt im Gedächtnis. Teilweise ist der Roman sehr schmerzhaft, dabei aber immer auf eine zarte Weise, so dass man das Buch nicht aus der Hand legen mag. Gerade während der aktuell kalten und grauen Jahreszeit lässt sich dieser Roman sehr gut lesen und man kann sich ganz in der Geschichte verlieren. Ich hoffe, noch mehr von dieser talentierten jungen Frau lesen zu können. Hier findet ihr noch ein lesenswertes Interview von Sina Pousset und ihrer Lektorin Aylin Salzmann, die neben ihrer beruflichen Zusammenarbeit auch eine Freundschaft verbindet.
Autorin: Sina Poussett Verlag: Ullenstein Seitenanzahl: 225 Preis: 14,99 Euro erschienen am 4. September 2017
Inhalt
Wer springt, hat zwei Möglichkeiten: schwimmen oder untergehen. Milla und Jan kennen sich seit Kindertagen. In einem heißen Sommer fahren sie gemeinsam mit Jans Freundin Kristina ans Meer. Drei Tage lang schweben sie zwischen Angst, Liebe und Sehnsucht. Bis sich alles bei einem heftigen Gewitter katastrophal entlädt. Jan überlebt nicht. Vier Jahre später sind Milla und die kleine Emma an einem kalten Morgen durch die große Stadt unterwegs. Da findet Milla etwas, das sie an Jan erinnert und stellt sich endlich der Vergangenheit. Ein Roman voller zarter Melancholie und berührender Bilder, die einen nicht mehr loslassen.
Meine Meinung
Die Inhaltsangabe klang so gut und ich konnte es kaum erwarten bis ich es endlich lesen konnte. Doch schon nach wenigen Seiten wurde ich komplett enttäuscht. Zur Handlung an sich kann ich leider nicht viel sagen, da ich das Buch schon nach 30 Seiten abgebrochen habe. Grund dafür war eindeutig der Schreibtstil der Autorin, mit dem ich absolut nicht klargekommen bin. Der Schreibstil ist sehr anspruchsvoll und so verwirrend, dass ich viele Sätze noch mal lesen musste. Es gibt auch keine wörtliche Rede, sondern es wird alles aus Millas Sicht erzählt. Da das Buch ich nur 225 Seiten hat, ist der Preis auch überhaupt nicht gerechtfertigt.
Fazit
Inhaltsangabe klang einfach wunderbar, aber das Buch war durch den sehr komplizierten, anspruchsvollen Schreibstil viel zu verwirrend. Ich musste sehr viele Stellen noch einmal lesen, damit ich nachvollziehen konnte, was die Autorin eigentlich ausdrücken möchte. Insgesamt 1 von 5 Sternen.