Was ist uns bisher von den HeldInnen unserer Kindheit verborgen geblieben? Handelt es sich bei Benjamin Blümchen um einen ökologisch-bewegten Wutbürger, ist das Sams ein anarchischer Romantiker und Pippi Langstrumpf das Versprechen einer Erziehung nach Auschwitz? Mit großer Empathie für den Gegenstand beantworten die AutorInnen solche und ähnliche Fragen über beliebte Kinder- und Jugendhörmedien aus der Sicht der Kultur- und Gesellschaftswissenschaften.
Ein super interessanter Ansatz und für alle, die wie ich als Kind ohne Ende Hörspiele gehört haben, fast schon ein Must-Read.
In mehreren Texten werden verschiedene Hörspiele bzw. Hörspielserien unter soziologischen Gesichtspunkten betrachtet. Zeigt Benjamin Blümchen beispeilhafte politische Partizipation? Sind Bibi Blocksberg und ihre Mutter wirklich so emanzipiert wie man vielleicht denkt? Sind die Fünf Freunde Antiziganisten? Verurteilt TKKG Menschen aufgrund ihres Aussehens und ihrer Lebensumstände? Im letzten Teil geht es un die Hörspieladaptionen von bekannten Kinderbuchklassikern von Michael Ende, Astrid Lindgren und Paul Maar. Wie diese in die gesellschaftliche Entwicklung ihrer Zeit eingeordnet werden und Verbindungen zu pädagogischen Theorien und sogar der Naziideologie gezogen werden, ist sehr interessant und auch für gesellschaftswissenschaftliche Laien verständlich erläutert.