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Die Mikroökonomie

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Niemand braucht zu wissen, was Geld ist, um damit einkaufen zu gehen oder welches einzunehmen; was Preise sind, um sie zu zahlen oder sich bezahlen zu lassen; wie Profit geht, um ihm zu dienen oder ihn zu verdienen. Das preisen die Macher der "Marktwirtschaft" als einen ihrer Vorzüge.
Noch seltsamer allerdings: Ein Student der Wirtschaftswissenschaft braucht das alles auch nicht zu wissen, um seine Prüfungen zu bestehen. Schon jede Frage dieser Art hat seine Disziplin für längst überholt erklärt. Stattdessen übt sie die Bildung länglicher mathematischer Funktionsgleichungen, die bloß das, was ein normaler "Marktteilnehmer" ohnehin weiß und treibt, mit dem Schein nachweisbarer Notwendigkeit umgeben.

Inhalt:
I Was jedermann geläufige Erfahrungen durchaus lehren könnten:
- 1 - Einige ökonomische Wahrheiten, Ware und Geld betreffend
- 2 - Die Lehre der VWL: Von der Unverzichtbarkeit des Geldes für die Marktwirtschaft
- 3 - Vom Nutzen des Preises und von der "Kaufkraft des Geldes"
- 4 - Der Wert - weder Metaphysik noch Hypothese
- 5 - Arbeit und Wertgesetz
- 6 - Vom Produktionsverhältnis, auf dem der Wert beruht

II Die Entstehung der modernen VWL
Die Lehre vom subjektiven Wert
- 1 - Das politische Bedürfnis nach einer neuen Wirtschaftswissenschaft
- 2 - Der Angriff auf die Arbeitswertlehre
- 3 - Marktwirtschaft - dem Menschen zuliebe: Die psychologische "Ableitung" des Tauschhandels
- 4 - Der seelische Markt und die Konkurrenz der Bedürfnisse
- 5 - Fazit: Die Marktwirtschaft ist, wie sie ist

III Die moderne Mikroökonomie
Der Nutzen als methodisches Problem oder:
Von der subjektiven Wertlehre zu einer "Theorie des Konsumverhaltens"
- 1 - Modern gegen alt: Die Befreiung der alten "Haushaltstheorie" von ihren "Problemen"
- 2 - Die Übersetzung des ökonomischen Sachverhalts in eine absurde Problemstellung: Kauf als Entscheidung
- 3 - Von der "Entscheidung" zur "Nachfragefunktion": Die zielstrebige Konstruktion eines Scheins von Gesetzmäßigkeit unter Mißbrauch der Mathematik
- 4 - Von der Nomologie des Kaufens zur Weltformel für die kapitalistische Konkurrenz
- 5 - Der praktische Nutzen der Mikroökonomie: Eine Sinnphilosophie fürs Wirtschaftsleben und überhaupt

--
Audiovorträge der MG/des Gegenstandpunkt-Verlags:
Kritik der Nutzentheorie, 1980:
https://www.youtube.com/watch?v=5oCKl...
Peter Decker zur Volkswirtschaftslehre, 2006:
https://www.youtube.com/watch?v=ZJwU9...

120 pages, Paperback

First published January 1, 1987

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About the author

Karl Held

46 books24 followers
German publicist and communist.

Held was one of the co-founders of the German SDS. After the SDS dissolved he was active in the Marxistische Gruppe, which was a part of the New Left.

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July 24, 2026
Was soll ich sagen? Es ist eine Polemik, die unfassbar witzig, ironisch und sarkastisch ist und trotzdem super präzise auseinander nimmt, was sich die Mikroökonomie eigentlich zum Gegenstand macht. Ich habe beim Lesen eines Sachbuchs noch nie so viel gelacht. Erschienen 2005, also geschrieben wahrscheinlich bevor Youtube erfunden wurde, ist das die Textform des Formats „Reactionvideo“ und so - wenn man will - seiner Zeit voraus. Reacted wird dabei auf die Lehrbuchklassiker der VWL.

Der Titel klingt super nischig, das Buch ist aber fundamental, um zu verstehen, wie der Kapitalismus gerechtfertigt wird und versucht wird, der VWL den Anschein einer Naturwissenschaft zu verleihen. Hauptinhalt ist eine Kritik daran, wie Begriffe und (nicht messbare) Größen entwickelt und konstruiert werden, um der Theorie zu dienen: Die Theorie (subjektive Wertlehre, Marginalismus) wird so hingebogen, dass sie der Realität (Markt, Tauschhandel, Kapitalismus) einen tieferen Sinn verleiht (die Optimalität des Marktergebnisses, Beseitigung von „Knappheit“).

Ohne hier zu sehr ins Detail zu gehen, ein Beispiel, was in der Mikroökonomik überhaupt unter Knappheit verstanden wird - damit schließt das Buch:

Häufig wird die VWL als „Wissenschaft der Verteilung von knappen Ressourcen“ definiert. Intuitiv empfinden das die meisten auch für sinnvoll. Es kann ja nicht jeder alles haben, das Produktionsvermögen und der Planet haben eben ihre Grenzen. Das ist nicht das, was die Mikroökonomie unter Knappheit versteht. Dort ist die Knappheit die treibende Kraft der Bedürfnisse. Möchte ich ein Bier trinken, empfinde ich eine Knappheit an Bier. Möchte Christian Lindner einen weiteren Porsche haben, empfindet er eine Knappheit an Porsches. Möchte jemand genug zu Essen haben empfindet er/sie eine Knappheit an Essen. Das ist das Problem der Knappheit, das die Mikroökonomie ausmacht und so alle Bedürfnisse qualitativ auf ein Level setzt, um sie dann quantitativ als austauschbar zu betrachten; etwas völlig anderes als das intuitive Verständnis von Knappheit der meisten Menschen. Aus der Trivialität, dass auf den einen Wunsch der nächste folgt, wird geschlossen, dass die Erfüllung dieser (durch Kauf) nur etwas gutes sein kann. Jeder Kauf unter kapitalistischen Bedingungen (völlig unabhängig davon, wer da gerade was kauft) wird als Bekämpfung der Knappheit verstanden. Absurd!

In den ersten zwei Kapiteln werden ein paar Basics erklärt und (unberechtigte) Kritik an Marx zurückgewiesen, dann die Konsumtheorie der Neoklassik nach Strich und Faden zerlegt, es ist wirklich köstlich!

Es hilft natürlich, wenn man selbst mal eine Univorlesung zur Mikroökonomik besucht hat, um das ganze besser zu verstehen. Sprachlich bewegt sich das zwischen lockerem GSP-Vortrag und average 20. Jh Philosophie-Wälzer, ist also etwas gewöhnungsbedürftig und erfordert Konzentration. Dafür den Stern Abzug.
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