Das Lebensgefühl einer rebellischen Generation am Ende der DDR
Sie sind der letzte Jahrgang, der noch alles mitmachen darf – damals in Dresden vom Sommer vor der Wende bis zur Wiedervereinigung: die lauen Freibadnächte und die Ausweiskontrollen durch die »Flics« auf der »Rue«, die Konzerte im FDJ-Jugendklub »X. Weltfestspiele« oder in der Kirche vom Plattenbaugebiet, wo ein Hippie, den sie »Kiste« nennen, weil er so dick ist, mit wachsamem Blick Suppe kocht für die Punks und ihre Pfarrerstöchter.
Sie sind die Letzten, die noch »vormilitärischen Unterricht« haben. Und sie sind die Ersten, die das dort Erlernte dann im Herbst 89 erst gegen die Staatsmacht anwenden. Und schließlich gegeneinander. Denn was bleibt dir denn, wenn du zum Fall der Mauer beiträgst, aber am nächsten Tag trotzdem eine Mathe-Arbeit schreiben musst, wenn deine Freundin eine gläubige Kommunistin ist und die Kumpels aus dem Freibad zu Neonazis werden?
Von der Unschuld des letzten Sommers im »Tal der Ahnungslosen« bis zu den Straßenschlachten rund um die deutsche Einheit: Peter Richter beschreibt in seinem autobiografischen Roman das chaotische Ende der DDR aus der Sicht eines damals Sechzehnjährigen – pointiert, authentisch und sprachlich brillant. Coming of Age im Schatten von Weltgeschichte.
Die sehr autobiografisch angehauchte Geschichte spielt in den Jahren 1989 und 1990 in Dresden und der Erzähler ist zu Beginn 15 Jahre alt und wie viele andere in diesem Alter unangepasst, dies aber in einer historisch ungewöhnlichen Situation. Namen werden meistens nur mit Anfangsbuchstaben abgekürzt, wobei dies dem Lesefluss keinen Abbruch tut. Das Ganze ist sehr leicht und oft amüsant erzählt – ohne an die oft ans Dümmliche grenzende Humorigkeit von Thomas Brussigs Romanen – und dabei gleichzeitig sehr reich an genauen Beobachtungen, geradezu Milieustudien – ohne so bildungsbürgerlich steif zu werden wie Uwe Tellkamps Der Turm: Geschichte aus einem versunkenen Land. Dabei kommt der Erzähler aus derselben Ecke Dresdens (Weißer Hirsch) und ist ebenfalls Sohn eines Arztes. Einen großen Reiz macht aus, dass die Musik, die die Jugendlichen hören, thematisiert wird (diese kommt sowohl aus West als aus Ost, und das bereits vor der Wende). Quasi zum Running Gag wird, dass der Erzähler zusammen mit seinem besten Kumpel eine Band gründen will, beide aber musikalisch recht unbegabt sind und daher – je nach der aktuellen Lieblingsband – stattdessen mögliche Namen ihrer Band diskutieren oder welches Equipment sie benötigen. Was mir auch sehr gut gefiel, war der Mut zur Fußnote: Diese sind ebenfalls informativ wie oft amüsant und wunderbar ist, wenn zum Beispiel eine der letzten Fußnoten zurückweist auf die erste, wo nämlich die Begeisterung für Ellen Dellen erklärt wird (wer wissen möchte, um wen es sich handelt, sollte den Roman lesen). Bei allem Unterhaltungswert scheint der Roman auch (ohne dies explizit zu wollen) zu erklären, wo der Hass herkommt, der seinen Ausdruck in der NSU, in Pegida und ganz aktuell in Ausschreitungen in Heidenau findet.
Erneut heißt es allenthalben, die Westdeutschen hätten sich nicht genügend mit den Befindlichkeiten der Ostdeutschen beschäftigt, kein Interesse gezeigt an den ostdeutschen Lebensläufen. Erstaunlich, bedenkt man, wie in West und Ost nahezu jeder in Filme wie GOOD BYE, LENIN! (2003) oder SONNENALLEE (1999) gerannt ist, mehr noch, daß Bücher wie Thomas Brussigs WIE ES LEUCHTET, DER TURM von Uwe Tellkamp oder Eugen Ruges IN ZEITEN ABNEHMENDEN LICHTS zu Bestsellern wurden, teils erfolgreich verfilmt, vielfach diskutiert und fast alle wohlwollend besprochen. Im Grunde wurde sich sehr viel mit ostdeutschen Befindlichkeiten und Gefühlswelten beschäftigt, dennoch fühlt man sich oftmals geradezu schuldig, das entsprechende Leben nicht gelebt und die Erfahrung des kulturellen und heimatlichen Verlustes nicht erlitten zu haben. Umso besser, wenn man als Leser westdeutscher Prägung einmal einen anderen Eindruck vermittelt bekommt.
Freibad, erste Liebe, Musik hören, möglichst wider den Mainstream – es tut gut, zu erfahren, daß eine Jugend in der ehemaligen DDR Ende der 1980er Jahre gar nicht so anders verlief als eine Jugend in der BRD während der 1980er Jahre. Peter Richters 89/90 vermag dem Wessi ein Gefühl davon zu vermitteln, wie es sich anließ, dieses Jahr 1989, das so anders endete, als man in Ost oder West gedacht hätte. Daß das Jahr 1990 für „die Jugend“ der noch bestehenden DDR dann allerdings vollkommen unerwartete und teils wirklich erschreckende Veränderungen brachte - vielleicht sollte man gar von anarchischen Zuständen sprechen? – vermittelt Richters autobiographisch gefärbter Roman dann allerdings ebenso anschaulich.
Der namenlose Ich-Erzähler – namenlos, wie alle Protagonisten in diesem Werk, die lediglich mit Buchstaben wie S., N., W. bezeichnet werden – berichtet also zunächst in einem an den frühen Thommie Beyer, ca. DAS HERZ IST EINE MIESE GEGEND (1991), erinnernden Ton, leicht ironisch, im richtigen Moment durchaus dem Ernst der Sache angemessen und vor allem sein jugendliches Sujet ernst nehmend, von einem heißen Frühjahr, in dem die kommenden Umwälzungen nur unterschwellig zu spüren sind. Eher nebenbei berichtet er von den Dresden, wo der Roman spielt, zunächst eher marginal betreffenden Umwälzungen, die Leipzig und vor allem Ost-Berlin längst schon erschüttern. Dem Erzähler und seinen Freunden sind erste erotische Erfahrungen und vor allem musikalische Erfahrungen mit ihrem Freund M., einem Alt-Hippie, der das Kommende deutlich zu erspüren scheint, weitaus wichtiger, als es politisch eher abstrakt wirkende Entwicklungen sein könnten. Wohl erfahren wir, daß die Furcht vor den staatlichen Organen nachgelassen hat, ist im Text zu spüren, daß diese Jugend – die letzte, die noch schulische Wehrübungen und Jugendweihe erleben „durfte“ - nicht mehr an die Obrigkeit, den Sozialismus in der dargebotenen Form und auch nicht an den Staat als Weisheit letzten Schluß glaubt. Viel mehr ist man, wie „die Jugend“ im Westen auch, daran interessiert, mit Musik und den Accessoires popmusikalischer Vorbilder seinem Widerstand und dem Unwillen, den man empfindet, Ausdruck zu verleihen. Mit seinem besten Freund S. will der Erzähler eine Band gründen, orientiert an westeuropäischen Punkbands, die man in erstaunlichem Umfang kennt und in erstaunlicher Differenz einzuordnen versteht. Wie ihren westeuropäischen Brüdern im Geiste ist ihnen der nie gefundene Bandname allerdings wichtiger als die wenig bis nicht vorhandene musikalische Befähigung. Daß die Mauer fällt, nehmen der Erzähler und seine Kumpel eher nebenbei wahr, doch schließlich reihen sie sich ein in die Auseinandersetzung mit der Staatsmacht, mit Lehrern und Stasi-Spitzeln, vor allem aber mit der zunehmend nationalistischer, rassistischer und faschistischer sich gebärenden Gegenbewegung, die sich auf den Demonstrationen schon im Oktober 1989 zusehends breit machten und schon früh aus „Wir sind DAS Volk“ „Wir sind EIN Volk“ machten und sich nicht scheuten, auch die Reichskriegsflagge zu zeigen. Mit Beginn des Jahres 1990 kippt die Stimmung in Dresden dann schlagartig und dem Leser wird teils drastisch vor Augen geführt, daß man sich als Jugendlicher in diesen Tagen geradezu entscheiden musste, ob man sich „links“ oder „rechts“ einordnen und orientieren wollte.
Wenn man sich als Westdeutscher in den 1990er Jahren oder den frühen 2000er Jahren für das, was da im äußersten Osten Deutschlands geschehen ist, interessierte und Kontakt zu Menschen suchte, die dabei gewesen sind, dann wurden einem teils unfassbare Geschichten darüber berichtet, wie „Rechtssein“, Glatzen, Bomberjacken und Springerstiefel über Nacht zum allgemein anerkannten Stil wurden. Man erfuhr, wie groß die Enttäuschung war, als man die so lange aus der Ferne bewunderten Westbands endlich sah – beredtes Beispiel, auch in Richters Text, immer wieder die Braunschweiger Band DAILY TERROR – und die sich dann als fett und satt entpuppten. Man konnte erkennen, in welch einem Niemandsland, welch einer Niemandszeit sich viele gerade in dem schicksalhaften Jahr 1990 befanden, als lange nicht klar war, in welche Richtung sich das alles entwickeln würde und einerseits alles möglich schien, andererseits die vermeintliche Freiheit aber auch ein schier unfassbares Gut gewesen sein muß, das durchaus ängstigen konnte. Peter Richters Buch bestätigt diese Berichte und Geschichten nun auf eine Art und Weise, die man nur bewundern kann.
Es gelingt Richter auf beeindruckende Art und Weise, die schleichende Entwicklung zu beschreiben, ohne dabei je in einen allzu dramatischen oder gar alarmistischen Ton zu verfallen. Wohl versteht er es, den Ton stilistisch den Entwicklungen so anzupassen, daß allein daran spürbar wird, wo der Spaß eines scheinbar endlosen Sommers aufhört, der Ernst einer vollkommen unübersichtlichen Situation hingegen beginnt. Und doch – und das ist vielleicht das ganz große Plus dieses Romans – gelingt vor allem ein Roman über eine Entwicklung in jungen Jahren, über erste Liebe und die Ernsthaftigkeit, die sie einem abverlangt, über Freundschaft, und wie sie sich entwickelt und daß sie sich auch manchmal so entwickelt, daß sie keinen Raum mehr hat in den Leben der Freunde, über die Einsamkeit, die Erwachsenwerden eben auch bedeutet. Ein Coming-of-Age-Roman im allerbesten Sinne. Daß dies unter den verschärften Bedingungen einer historischen Ausnahmesituation geschieht, macht die Sache natürlich umso spannender und bedeutsamer, aber anders, als bspw. Jana Hensel in ZONENKINDER, bleibt Richters Werk – vielleicht weil es, erschienen 2015, aus größerer zeitlicher Distanz, weniger in jugendlichem Furor geschrieben wurde – seinem Stil und vor allem einer gewissen Unaufgeregtheit treu. Es ist frei von Gejammer, von Selbstmitleid oder Lament.
Vor allem ist es frei von all dem Dräuenden, dem Geraune, das Tellkamps hochgelobten TURM durchweht. Einem ähnlichen Milieu, der gleichen Wohngegend entstammend wie Tellkamps Protagonisten, setzt Richter einen wirklich wohltuenden Kontrapunkt. Was bei Tellkamp wie jenes berühmte Gallierdorf aus den ASTERIX-Bänden anmutet, eine letzte Bastion des Bürgerlichen, die sich heldenhaft und schier in der Zeit eingefroren einer feindlich gesonnen Umwelt aus staatlicher Repression, Denunziation, Unverständnis und Hass entgegenstemmt, bekommt bei Richter ein Gesicht der Wirklichkeit, ein Antlitz von Realität. Natürlich hat Richter auch nicht den Anspruch, sich mit einem Thomas Mann zu messen, „große“ Literatur zu schaffen und damit den deutschen Gegenwartsroman par excellence abzuliefern. Er will einfach (s)eine Geschichte, (s)eine Version der Geschichte erzählen und dabei gelingt ihm – ganz große Literatur. Vielleicht sogar „der“ deutsche Gegenwartsroman. Auf jeden Fall aber gelingt es ihm, interessierten Westlern näherzubringen, wie das damals war, 1989/90, als für einen kurzen Moment der Zipfel der Weltgeschichte noch das kleinste Leben berührte und alles möglich schien, bevor die CDU, Kurt Biedenkopf, die Treuhand und damit der Kapitalismus das politische Ruder übernahmen und der rechtsradikale Zeitgeist ich aufmachte, die Straßen zu beherrschen.
Es ist unglaublich, wie viele inzwischen völlig verschüttete Erinnerungen dieses Buch zutage förderte, Erinnerungen an Ereignisse, Orte, Menschen aus Dresden und einigen anderen Orten. Peter Richter wurde im Sommer 1989 sechzehn Jahre alt und wohnte in Dresden-Loschwitz, d. h. nicht sehr weit entfernt von meinem Wohnort. Der Autor beschreibt detailreich sein Leben in der Zeit von April 1989 bis Oktober 1990 aus der Sicht des damaligen Teenagers, der sich nachts mit einer Clique im Freibad Bühlau trifft, in die EOS Kreuzschule geht, das Wehrerziehungslager über sich ergehen lässt und mit seinen Freunden immer mitten im Geschehen ist. Er schildert eine Zeit zwischen Widerstand und Anpassung, der man anmerkt, dass sich Veränderungen anbahnen. Viele der Ereignisse habe ich selbst so oder ähnlich erlebt, auch wenn ich älter war und wegen der Kinder (meine älteste Tochter kam 1989 in die Schule) nicht die Nächte in der Innenstadt verbringen konnte.
Mit dem Mauerfall divergieren unsere Wahrnehmungen zunehmend. Während sich in den Sechzehnjährigen um Peter Richter immer mehr Aggressionen, Gruppendynamik und Orientierungslosigkeit breit machten, konnte ich mich besser mit seinen Eltern identifizieren, die mit sich zu tun hatten und den Straßenkampf der Jugendlichen kaum zur Kenntnis nahmen. Voller Staunen las ich von den sich plötzlich auf der Straße gegenüberstehenden ehemaligen Freunden, die sich entweder in die Gruppe der Punks oder der Skins einordneten und mit einer unglaublichen Gewalt einander bekämpften. Zwar hatte man häufig von Schlägereien in der Zeitung gelesen, aber die Dimensionen sind mir erst beim Lesen bewusst geworden. Peter Richter versucht sich nicht an tiefgründigen Erklärungen, anhand der ausführlich beschriebenen Situationen kann man sich selbst einen Reim darauf machen, wie es zur heutigen Lage in Dresden gekommen ist und begreift, dass alles, was 2015 wieder an die Oberfläche schwappte, schon lange dagewesen ist.
Die Beschreibungen sind in einem etwas distanzierten humorvollen Stil geschrieben, der sich gut liest. Mir ist nicht klar geworden, ob es nicht eher eine Autobiografie darstellt, warum es Roman heißt und wie viel erfunden wurde. Die ungewöhnliche Verwendung von zahlreichen Fußnoten gefiel mir sehr gut. Ohne großes Blättern konnte man Erläuterungen und Hintergrundinformationen erhalten, denen auch die persönliche Färbung gut bekam.
Durch die persönliche Nähe zu den Handlungsorten war das Buch für mich noch ganz besonders (Kleine Fehler waren kein Problem). Ich kann deshalb schwer einschätzen, wie es anderen gefallen könnte, kann es aber jedem empfehlen, der sich für die Hintergründe der Entwicklungen in Dresden interessiert oder die betreffenden Jahre mal aus der Sicht eines Sechzehnjährigen erleben möchte.
sehr spannender und gefühlt authentischer einblick in die zeit um die wende aus der sicht eines 15-jährigen. hab viel neues erfahren obwohl es ein roman war. hätte eeeetwas gekürzt werden können, deswegen 4,5⭐️. kanns aber jeder person empfehlen die sich auch nur etwas für ddr-geschichte interessiert.
So, after stumbling across Peter Richter's 2021 summer novel 'August' (I am sufficiently nerdy to have read it in August 🙄), I immediately got onto his first novel '89/90' (2015). Which did not disappoint. It wasn't like 'August' at all but a great writer remains a greater writer, no matter the story.
Now, what a setting. Part I - May 1989, the beginning of a very long but ultimately last summer of East Germany. It's also the summer where Dirty Dancing was released in East Germany. Coming of age novel, (I've Had) The Time of My Life, revolution, the whole gamut of things that make the heart so very happy.
There are tons of 'DDR' novels, obviously. But the beautiful thing about coming of age novels is that it doesn't matter too much whether it's set in 1880s Tsarist Russia or 1980s DDR - it's the same timeless magic, call it youth.
So, it's the summer of 1989 . One of those unforgettable summers with warm nights at the public swimming pool in 'pre-revolutionary' Dresden. Of course, for the 16 year old narrator, the looming end of the regime and thus entire country (and history, according to some) is only a backdrop to an otherwise exciting summer as such, trying to get L., the regime loyalist girl. I mean, what's a revolution when you're 16 - one exciting event among many, like next Friday's party (mit billig Wodka in der Datsche) or small town punk rock concert (soon enough you're mid-30s where people suddenly look at life as 'missed opportunities', 'wrong turns taken', 'muss ja, nä' 😳).
Part II - it's 1990, 'es wird deutscher in Kaltland': nazis, glatzen, right wing violence which is very much part of this story. Aber auch illegale nachtlokake (electronic music in a former air raid bunker), hausbesetzungen, East Berlin early 1990s (Rache der späten geburt, auch das alles verpasst. Dafür dann diese ganze gentrification und 9/11 world ten years later, thanks for nothing).
(Apropos 9/11, kleine sequenz im buch on Helmut Kohls ansprache an die 'lieben freunde' vor der frauenkirche re: nie wieder krieg (ich glaub der meinte das wirklich) und heute, 30 jahre später rüstet deutschland auf wie nie, ironischer weise unter dem ungeduldigen jubel der woken grünen, jene pazifisten derselben 80er. Hashtag I am lost.)
Also, schönes, und sprachlich sehr lustiges buch, ist aber eben auch irgendwie autobiografischer 'wende-roman', darauf muss man dann inhaltlich schon auch bock haben. Anyway, I am looking forward to his next novel.
The last years of the GDR, fall of the Berlin Wall and official (re-)unification as seen through the eyes of a rebellious sixteen-year-old living in Dresden. The Dresden so vividly conjured here is a very different city from the one I lived in less than 20 years later, and every little detail rings true. Clever, immensely enjoyable, rich in observations, thoughtprovoking, informative, atmospheric and altogether just a wildly entertaining ride. The writing style is pure gold.
CW: Rassismus, Antisemitismus, Homo- & Transphobie, Schimpfwörter (u.a. N-Wort), Blut, Gewalt, Thematisierung von Tod
(Review auf Deutsch, weil Buch auf Deutsch.) Im Moment habe ich es mir zum Ziel gemacht etwas mehr über das jüngste einschneidende Kapitel der deutschen Geschichte, namentlich die DDR und die Wiedervereinigung, zu erfahren. In der Schule war die Behandlung in meinen Kursen eher dürftig und meiner Meinung nach ist dieser gesamte Komplex relevanter für das heutige Zeitverständnis als es sich viele bewusst sind, ganz besonders Deutsche aus dem Westen Deutschlands (so wie ich).
Dieses Buch ist (semi-)autobiografisch und beschreibt die Erfahrungen und das Erlebnis der Wendejahre 1989/90 des Autors, der zu dieser Zeit Jugendlicher war (16-17 Jahre alt). Ich weiß, dass dieses Buch nur der erste Stopp auf meiner Suche nach einer anschaulichen literarischen Verarbeitung dieses Kapitels deutscher Geschichte sein wird und wenn ich ehrlich bin, dann hoffe ich dass mir die nächsten Bücher mehr zusagen.
Stilistisch war dieses Buch überhaupt nicht mein Fall. Natürlich kann ich auch hier, wie es sich als Student der Literaturwissenschaften gehört, meine Schlüsse ziehen und Formales mit Thematischem verknüpfen bzw überlegen wie durch den Stil bestimmte Dinge herausgehoben werden. Vom reinen Unterhaltungswert fand ich den Schreibstil schwer ertragbar: er war sprunghaft und abgehakt, sehr umgangssprachlich und einer meiner persönlichen pet peeves ist die Auslassung von Anführungszeichen zum Anzeigen wörtlicher Rede. Die ganze Geschichte bestand sowieso eigentlich nur aus der Wiedergabe der Ereignisse durch den Erzähler / Hauptcharakter. War überhaupt nicht mein Fall.
Thematisch war das Buch stellenweise ein sehr guter Einblick in den Alltag in der DDR vor, während und nach der Wende. Zwar alles sehr stichpunktartig, aber ich kann gut nachvollziehen dass eine allgemeine und differenzierte Darstellung einfach nicht gepasst hätte, zumal sie auch zu viel Zeit in Anspruch genommen hätte.
Trotz der Bewertung bin ich froh das Buch gelesen zu haben. Der Schreibstil als mein Haupt-Manko ist gewöhnungsbedürftig aber auszuhalten und inhaltlich bietet sich eine interessante Darstellung des Teenager-Daseins in der DDR und den ersten Tagen des wiedervereinigten Deutschlands.
Noch kein Buch gelesen, das die Wendestimmung so dermaßen gut einfängt. Wird nächsten Monat gleich mal ein Exemplar von verschenkt und es führt momentan als Buch des Jahres an.
Inhaltlich schon interessant und teilweise bringt es mich zum schmunzeln. Schreibstil nicht so toll. Ich finde es überhaupt nicht sinnvoll, die Charaktere mit "der S" oder "die L" zu bezeichnen.
Anfang: "Als der Sommer kam, der die Welt verändern sollte, drapierte ich mein Bettzeug so, dass es aussah, als läge jemand darin, öffnete das Fenster und sprang in die Nacht. [...] Denn wir waren viel zu jung zum Schlafen damals, wir kamen gar nicht dazu, jedenfalls in den Nächten. Dafür drückte uns dann tagsüber die Müdigkeit den Kopf auf die Schulbank."
Ende: "Am nächsten Morgen mussten wir nicht zur Schule, der Staat, dem wir jetzt, seit sofort, angehörten, hatte beschlossen, heute ist Nationalfeiertag, und Nationalfeiertag begingen wir wie schon unsere Eltern sie immer begangen hatten: Wir fuhren ins Elbsandsteingebirge, genannt Sächsische Schweiz, kurz: die Schweiz. [...] Unsere Schluddeldecken würden verschwinden, Feldwege würden, wie im Westen, asphaltiert sein, und die alten, grauen Häuser würden mit Farbe zugeschmiert werden wie die Mädchen an der Straße jenseits der Grenze. Wir konnten das ahnen, wir hatten den Westen gesehen, besuchsweise, und es machte uns jetzt schon krank, dass wir auch noch Danke sagen sollten dafür. [...] Es war an der Zeit, dass jemand für all das bezahlen würde, es war an der Zeit, dass mam jemand starb. Wir hatten eine Weile unseren Spaß. Aber irgendwann ging es den anderen auf die Nerven. Es war spät, wir wollten nach Hause. Am nächsten Tag war Schule."
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S.15: "Was für ein absolut wundervoller Quark, dieses Leben als Junge: so nicken, dass es auch als Nichtnicken durchgehen konnte, Stimme tiefer stellen, keinen Schmerz kennen, wie ein Autist durchs Leben schlurfen... Wir fanden das selber schwachsinnig, aber geil."
S.153: "Das Leben ging weiter. Wir schliefen aus, stromerten durch die stillen Wohnungen, unsere Eltern waren ja auf Arbeit, und die Tage lagen vor uns wie lange, menschenleere Swimmingpools. "
When I met and read this book in 2018 it answered a strange kind of nostalgia within me: a reencounter with my the end of school and beginning of travels. From 1989 to 1992 I was fascinated by the smells, the traditions, the lack of constant consume in East Germany. Making me move from West Germany to East Germany in 1992. And my generation revelled in the book, there where plays and partys put on everywhere (in East Germany)
Die Wendezeit aus Sicht eines 16jährigen Dresdners. Treibt sich herum im Freibad, vor allem Nachts. Flott geschrieben, und ein paar Szenen, besonders Reise in den Westen mit einer überzeugten DDRlerin, die das Begrüßungsgeld nicht annehmen möchte. Aber etwas zu lang.
Habs nicht fertig gelesen- bis Frühjahr 90 isses ganz interessant, aber danach echt lwg. Is bestimmt cool für leute dies in dd miterlebt haben, allgemein glaube ich eher ein buch für dresdner. Is halt aber nix für mich😔
Es ist ein sehr interessantes Buch und ich habe es gerne gelesen. Allerdings wurde mein Verständnis oft durch die einfache Tatsache behindert, dass ich nie zu der im Buch geschilderten Realität gehört hatte.
Ein Rückblick auf die Wendezeit aus der Sicht eines damaligen Teenagers. Im Zentrum stehen die Kämpfe zwischen Linken und Rechten, die überhaupt nicht nur verbaler Art, sondern gewalttätig ablaufen. Neben dem für die Jugendlichen unglaublichen Ereignis des Mauerfalls steht der immer noch zu besuchende Schulunterricht, der sich nur aufgrund anderer Lehrerinnen und Lehrer zu ändern scheint, ansonsten aber die "Normalität" der Vorwendezeit fortsetzt. Rasant geschrieben, viel Lesespass und neue Einblicke für diejenigen, die "damals" nicht oder aus anderer Pespektive miterlebt haben.
Von den Büchern über diese Zeit, nach dem elegischen Turm und dem etwa prolligen 'Als wir träumten' mir bisher am nächsten. Ein pointiertes Stimmungsbild der Wendezeit, das Dresdner Befindlichkeiten wiedergibt, die man auch im Heute wiedererkennt. Peter Richter. Lohnt sich!
Unterhaltsam geschrieben. Einige der Dinge habe ich auch (so) erlebt. Für andere ist es interessant die Sicht von jemandem zu lesen der in ähnlichem Alter in der gleichen Stadt gelebt hat. War schon eine bewegte Zeit. Die Prager Strasse haben wir nicht Rue genannt...