Locker, flockig geschrieben und genauso schön zu lesen. Eine kleine Zeitreise ins Jahr 1998 und nach Frankfurt (Oder). Wunderbar mal eine weniger „abgenutzte“ Stadt im Osten kennenzulernen. Lustig geschrieben und dennoch ein Buch das zum Nachdenken anregt. Nazis raus! Leider so aktuell wie zu der Zeit in der sich die Handlung abspielt.
Worum geht´s? 1998 im Osten von Deutschland. Matthias Freier ist 20 Jahre alt und lebt in Frankfurt (Oder). Hier kämpft er nicht nur mit dem Umbruch nach der Wende sondern insbesondere mit einem braunen Problem. Neo-Nazis sind ein Problem in der Grenzstadt. Matthias bester Kumpel Fliege hat eine Idee. Er will einen Masseneintritt bei der SPD organisieren, um dann einen neuen Bürgermeister zur Wahl aufstellen lassen zu können. Unter dem Motto “Zur Sonne, zur Freiheit - endlich wieder besseres Wetter für Frankfurt” schaffen die jungen Männer einen Wahlslogan der Anklang findet und stellen ein Wahlprogramm auf die Beine, was sie selbst überrascht.
Meine Meinung: Christian Bangel wuchs selbst in Frankfurt (Oder) auf und verarbeitet in diesem Buch seine Jugend innerhalb der sogenannten Baseballschläger Jahre. Die Neonazis der 90er Jahre, insbesondere im Osten Deutschlands, sind extrem gewaltbereit und Bangel kann auf einige Erlebnisse mit diesen Neonazis zurückblicken. Innerhalb seines Buches beschreibt er diese Konflikte mit einer Prise Humor, dennoch vergisst man hier nicht, welches Grundproblem, insbesondere in den Nachwende Jahren in Deutschlands Osten herrschte. Der Umbruch nach der Wende brachte für die ehemaligen DDR-Bürger nicht nur positive Aspekte mit sich, auch eine große Arbeitslosigkeit und damit einhergehende Verunsicherung sind ein immenses Problem. Viele, insbesondere junge und gebildete Menschen, ziehen Weg, auf der Suche nach Arbeit und Perspektive. Freier selbst wohnt in einer ehemaligen Arbeitersiedlung, damals hoch angesehen, stehen die Plattenbauten heute für sozialen Abstieg. Innerhalb dieses Nährbodens haben es junge Radikale leicht. Selbst am hellichten Tag können sie durch die Stadt ziehen und “Zecken klatschen”, ohne, dass der öffentliche Raum einen Schutz darstellt. Das Buch ist großartig geschrieben und beleuchtet unglaublich gut, die Probleme dieser Zeit. Neben Witz und komischen Ideen, packt Bangel auch eine Prise Liebe mit in diesen Roman.
A book that make you think about the time of your youth, but from a completly different perspective. Nicely written with a unique topic. It will also help you to understand the current Eastern part of Germany better.
Matthias Freier aus Frankfurt (Oder) sucht in der Zeit kurz nach der Wende nach einer Perspektive für sein weiteres Leben. Einerseits geht es um die Entwicklung eines jungen Mannes im Allgemeinen, der noch auf der Suche ist nach einem Sinn, noch von der Unterstützung seiner Eltern abhängt, aber durchaus eine Meinung zum System und der Welt hat. Andererseits wird seine Geschichte geprägt von der Trostlosigkeit eines Ortes, den viele Menschen verlassen, um etwas Besseres zu finden. Mir hat gefallen, wie der Autor die Zeit eingefangen, Belege, wie einen bestimmten Rucksacktyp oder Lieder, eingebaut hat. Die Erzählweise ist eher langsam, die Handlung aber nicht vorhersehbar oder einem bestimmten Schema folgend. Als Leser kann man mit dem Protagonisten mitfühlen, z.B. wenn er von Nazis bedroht wird, und mitlachen über seine freie Schnauze. Und am Ende bleibt die Hoffnung, dass er seinen Weg finden wird.