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Lesben raus! Für mehr lesbische Sichtbarkeit

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Es heißt, Lesben sind unsichtbar und eine aussterbende Identität. Angesichts der historisch einmaligen Situation, dass mehrere Generationen in einer toleranteren Gesellschaft sich offen zeigen können, hätte es über die Jahre eine steigende lesbische Präsenz geben müssen. Stattdessen dominieren schwule Männer Bild und Themen.
Wenn von Homosexuellen gesprochen wird, dann werden Lesben "mitgemeint". Wenn es um LSBTTI -Themen geht, werden selten lesbische Expertinnen befragt. Angeblich gäbe es sie nicht, heißt die Entschuldigung. Auch scheint es, "Queer" wird lieber zu einer alternativen Identität erhoben, als sich "Lesbe" zu nennen. Was ist da los?
Sicher ist: Kein Mensch ist unsichtbar! Man wird unsichtbar gemacht oder entscheidet sich für Unsichtbarkeit, um Konflikte zu vermeiden.
Mehr als 20 Autor innen beleuchten aus unterschiedlichen Perspektiven das Thema und gehen der Frage nach: Wo sind sie denn, die lesbischen Frauen und Transgender? Welche Vorteile und welche Nachteile bringt eine erhöhte Sichtbarkeit? Was führt zur Unsichtbarkeit? Wie kann mehr Sichtbarkeit in allen Bereichen der Gesellschaft hergestellt werden?

296 pages, Paperback

Published January 1, 2017

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About the author

Stephanie Kuhnen

4 books7 followers

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Community Reviews

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Displaying 1 - 4 of 4 reviews
Profile Image for LunaSanguine.
159 reviews12 followers
January 27, 2019
[Review aus dem November 2017.]

Ich glaube, dass es sich beim Buch „Lesben raus! Für mehr lesbische Sichtbarkeit“ um eines handelt, dessen Wirkung ganz extrem von dem/der Empfänger*in abhängt.
Deswegen zunächst: Ich bin eine polyamore bisexuelle Cis-Frau, die auf Geschlechterrollen scheißt und sowohl mit Biphobie von Lesben als auch Homophobie von Heteros negative Erfahrungen gemacht hat.

Ein Gedanke, den ich vor der Lektüre formuliert hatte, war:
„Ich finde den Ruf nach „LESBISCHER“ Sichtbarkeit sehr schwierig.
Mir ist ist irgendwie schon klar, dass „Lesbe“ ein wichtiger Begriff mit Geschichte ist und „frauenliebende Frau“ daneben etwas wässrig wirkt.
Jedoch: Wenn es darum geht, Sexismus in der LGBTQ-Community auszugleichen, sind doch bisexuelle, queere, Trans-Frauen* genauso betroffen?“
Ich hab ein bisschen darüber nachgedacht und glaube wirklich, dass es den meisten die nach lesbischer Sichtbarkeit rufen, absolut nicht darum geht andere queere Frauen auszugrenzen, dass der Begriff früher und in Ländern, in denen LGBTQ sein gefährlich ist, ein viel inklusiverer ist, ein bisschen so ihn wie in diesem Buch Mariella Müller verwendet: „Wir wollen all jene Frauen* ansprechen, die Frauen* lieben und sich selbst als lesbisch* bezeichnen. Weitere Zugehörigkeiten wie trans*, intergeschlechtlich, bisexuell oder queer werden somit nicht ausgeschlossen.“
Wenn „Lesbe“ nämlich so weit gefasst wird, bin ich sogar sehr glücklich, wenn ich mich so nennen darf. Ich hatte nur gerade unter jüngeren Lesben oft das Gefühl, in queer spaces nicht so gewollt zu sein, weil ich dadurch, dass ich auch mit Männern zusammen war, irgendwie nicht queer genug bin.

Um aber wieder ein bisschen mehr zum Buch zurück zu kommen:
Es ist brilliant und hat mich wahnsinnig tief berührt, in meinem Herz und meinem Verstand. Es hat in mir Fragen aufgeworfen und Antworten geschaffen (nicht immer zusammengehörige Fragen und Antworten) – gerade die in mir noch offenen Fragen sind wertvoll, weil es ja sie sind, die wieder Raum für neue Gedanken schaffen. Stellenweise hab ich mich einfach so viel weniger freaky und alleine gefühlt. Ein paar Mal musste ich weinen.

Besonders heraushaben möchte ich ein paar Texte, die mir besonders gefallen haben:
Stephanie Kunnen setzt sich in „Das Verschwinden einer Identität“ irgendwo mit dem Aufsplitten einer Szene auseinander. An manchen Stellen trifft sie den Nagel total auf den Kopf („Jetzt geht es ans Mitspielen in der bürgerlichen Gesellschaft: Ellenbogen raus, auf die Diversity-Posten, fertig, los!“), an anderen würde ich gerne kritisch nachfragen können.
Das Buch „Seit dieser Nacht war ich wie verzaubert. Frauenliebende Frauen über siebzig erzählen“ von Corinne Rufli stand schon länger auf meiner Wunschliste, ist aber durch ihren Text in diesem Buch sicher nach oben gerutscht bzw. auf die Liste mit Büchern, die ich als nächstes lesen will (auf zweitere Liste stehen derzeit 34 Bücher, auf meiner allgemeinen Wunschliste um die 580).
Babette Reicherdt befasste sich (auch) für diesen Band mit Lesben in der Geschichtsschreibung. Der ganze Text, besonders aber das Zitat von Sarah Schulman (Essenz: Es geht nicht darum, wer das Wort „Lesbe“ für sich verwendet hat, sondern um Gefühls- und Erfahrungswelten. An dieser Stelle mal wieder: Hey, dann bin ich auch lesbisch. Niemand will wissen, was für heftig kitschige Texte ich über Frauen geschrieben hab.) waren eine der Stellen, die so ungewöhnlich schön waren, dass ich erstmal weinen musste.
Gwendolin Altenhöfer schreibt über ethisch nicht-monogame Lesben (sie selbst mag das Wort „Polyamorie“ nicht so). Ich hab das Buch nur so schnell gekauft, weil ich irgendwo aufgeschnappt hatte, dass dieser Text darin ist – und natürlich ist er wunderbar. Und das ist wirklich eine Sichtbarkeit, die mich sehr glücklich macht, weil ich mich im Alltag schon ziemlich allein damit fühle, doppelt „komisch“ zu sein, queer und poly.
Manuela Kays Text „Bis zur Unendlichkeit normal“ befasst sich mit der Anbiederung an die Mainstream-Gesellschaft. Zu Stellen wie: „Und im Bemühen um die Anbiederung an das vermeintlich „Normale“ sind die monogame Zweierbeziehung, die Ehe und die Familie das neue Ideal im Sinne von „Wir sind genauso gut wie die Heteros, wir können auch Ehe und Familie.“ Dabei ist dies eher eine Unterwerfungsgeste im verzweifelten Bemühen, von den „Normalen“, den Eltern, den Hetero-Kollegen, der diffusen „Welt da draußen“ - gemocht zu werden.“ möchte ich im Capslock „JA!!!“ schreiben. Im Übrigen bin ich glücklich über die Ehe-Öffnung (auch wenn ich Ehe derzeit nicht als Lebensweg-Option für mich sehe), ich bin selbstverständlich cool damit, wenn queere Menschen eine Familie gründen wollen. Problematisch finde ich nur, dass solche „normalen“ Queers oft so aggressiv gegenüber anders-lebenden sind; irgendwo zwischen: „Du schadest der ganzen Bewegung.“ und „Iiih, linke Homo-Lobby.“
Juliane Kronen über Kasha Jacqueline Nabagasera … Zweitere ist Trägerin des alternativen Nobelpreises und Aktivistin für LGBTQ-Rechte in Uganda (!), wo sie permanent unter Lebensgefahr arbeitet. Diese Frau ist wahnsinnig beeindruckend, mutig und hat definitiv das Potential zur Vorbildfunktion. Ich muss auch zugeben, dass ich nach diesem Text wahnsinnig das Bedürfnis hatte, mich, mit meinem Privileg, für meine sexuelle Orientierung eher unwahrscheinlich auf der Straße erschlagen zu werden, selbst mehr zu engagieren.
Auch Stephanie Kunen über rechte Tendenzen bei LGBTQ (in „Der bizarre Elefant im Raum“) lesenswert (und ein weiterer Grund, die EMMA nicht zu mögen).

Alles in allem: Lest dieses Buch! Es ist vielseitig, informativ und stellenweise wirklich berührend.
Profile Image for Charlotte .
18 reviews15 followers
March 15, 2018
Das Buch hat definitiv tolle und wichtige Inhalte, allerdings finde ich sehr schade, dass in solch einem Band nicht alle Autor*innen in der Lage waren geschlechtergerechte Sprache zu verweden. Gerade diesen Leuten sollte doch klar sein, wie wichtig auch Sprache für Sichtbarkeit ist?!
Auch, dass alte Begriffe wie „Transsexuelle“ oder auch „Transen“ anstelle von trans Personen oder transgender verwendet wurden finde ich extremst subobtimal.
Profile Image for Nadin.
Author 1 book29 followers
March 4, 2018
Obwohl einzelne problematische Texte dabei sind und sich manche arg überschneiden, ein sehr lesenswerter, vielstimmiger, multiperpektivischer Band, aus dem ich viel mitnehme.
Profile Image for Rut.
64 reviews12 followers
August 17, 2018
Ein sehr wichtiges und interessantes Buch. Die Artikel haben unterschiedliche Niveaus und sind für den*die einzelne*r Leser*in vermutlich unterschiedlich relevant.
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