Lauf, Achilles, lauf!
Der erste Teil des Buchs ist mit den wunderbar les- und verstehbaren Raum- und Zeitparadoxien gefüllt, wie von Achilles' Wettlauf mit der Schildkröte, die er nie einholen kann, oder dem Haufenparadoxon, bei dem wir uns fragen, ob 2 Sandkörner ein "Haufen Sandkörner" sind. Je weiter das Buch fortschreitet, umso komplexer werden die Erklärungsversuche für die Paradoxien, bis hin zu einem Kapitel, vor dem der Autor selbst warnt, dass man es überspringen sollte, falls man sich mit mathematisch-logischen Symbolen nicht anfreunden kann. Tatsächlich liegt es wohl an der Natur der Sache, dass die Erklärungs- und Lösungsversuche selbst immer komplexer werden, je komplexer das Problem ist - die Lügnerparadoxie ("Das, was ich jetzt sage, ist falsch") scheint bis heute nur unzufriedenstellend erklärbar zu sein, und erfordert eine Menge an philosophischem, äußerst abstraktem Wissen.
Auch wenn die Materie immer trockener wird, so bleibt der Schreibstil des Autors doch immer frech und frisch, und lässt mich die ganzen harten Logikbrocken vergessen. Ich gebe zu, dass ich nur einen Teil der späteren Argumentation wirklich versucht habe selbst im Geiste nachzuvollziehen - das wäre ein hartes Stück Arbeit gewesen. So habe ich mehr verfolgt, wie eine Lösung für hochschwierige Fragestellungen Teil für Teil von einem Profi zusammengesetzt wird, was an sich schon spannend ist.
Wer sich für Paradoxien grundsätzlich interessiert, findet zumindest mit den ersten Kapiteln in diesem Buch eine tolle Einleitung in die Basisfragestellungen, mit denen man sich in der Auseinandersetzung mit solchen verrückten Problemen schnell konfrontiert sieht; wer auf brutale Hardcore-Logik steht, findet in Kapitel 5 einen ebenbürtigen Gegner, der das Hirn zum Rauchen bringt.
Zwei Fragen an die Leser dieser Rezension, um mein neuerworbendes Paradoxien-Wissen für meine persönlichen Zwecke mal zu missbrauchen:
1. Wirst Du mir diese Frage ebenso beantworten wie die folgende?
2. Wirst Du auf "like" klicken?