Ein Toter und zwei Lebende auf einem Bild. Vater, Mutter, Kind. Dieses Foto hätte es so gar nicht geben dürfen – und doch hing es wie selbstverständlich jahrzehntelang in dem Haus, in das Svea mit ihrem Neugeborenen einzieht. Während sie mit ihrem eigenen Leben hadert, ist Svea fasziniert von Helene, der Frau auf dem Bild. Ein poetischer Roman über zwei Frauen, die sich verblüffend ähnlich sind, obwohl sie hundert Jahre trennen, über die Konstruktion von Erinnerungen und darüber, wie viel Ungesagtes eine Familie verträgt.
Das Buch bietet zwei wirklich tolle Perspektiven zweier Frauen, die sich so ähnlich sind und doch durch 100 Jahre getrennt sind. Die Handlung ist eher ruhig, geht aber dennoch sehr unter die Haut. Der Schreibstil passt sich gut den beiden Protagonistinnen an und ich gehe mit so viel tollem Input aus dem Lesen heraus. Wirklich empfehlenswert! 4,5 Sterne gibt es von mir :)
"Schlick" erzählt vom Leben zweier Frauen. Beide kämpfen sich alleine durch - Helene, als ihr Mann in den 1. Weltkrieg zieht, Svea, in der heutigen Zeit, während ihr Partner dienstlich im Ausland ist. Ihre Geschichte wird abwechselnd erzählt und weist, trotz unterschiedlicher Zeiten, viele Parallelen auf. Beide gehen ihren Weg und stellen gesellschaftliche Konventionen in Frage. Auch das Motiv der Sehnsucht nach einem guten Leben spielt heute noch eine genauso große Rolle wie damals. Ada Dorian beschreibt alltägliche Szenen und entdeckt darin doch immer besondere Details. Ihren Worten zu folgen, ist eine Wonne. "Das Leben ist ein Glücksspielautomat. Du wirfst etwas hinein, so lange, bis du etwas gewinnst. Was du dabei verloren hast, ist schnell vergessen." Dieses Buch ist ein Gewinn.
Svea sitzt mit ihrem Baby Linus alleine im leerstehenden Elternhaus des Kindsvaters Christian und findet ein altes Bild aus der Kriegszeit, das ebenfalls eine Frau mit ihrem Kind zeigt. Unter welchen Umständen das Bild entstanden ist, erfährt die Leserin nach und nach, während Svea auf Erzählungen von andern angewiesen ist. Was berichtet wird, ist nicht immer das, was tatsächlich passiert ist. Mit gutem Grund, wie Svea mit der Zeit selbst erkennt. Die Autorin verbindet in ihrem Roman zwei voneinander beinahe hundert Jahre getrennte Zeitebenen in einer unspektakulären Sprache, die auf die Erzählung fokussiert.