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Wie es so geht. Mitten in der Arbeit an seinem nächsten großen Romanprojekt, wehten Marcel Möring plötzlich diese fernen Erinnerungsfetzen aus seiner Kindheit an und unversehens stand ein Anfangssatz auf dem Papier. Möring lauschte nach innen -- legte sein Großprojekt auf Eis -- und wob seine Eingebungen zu dieser federleichten Kindheits-Novelle.
Die trügerische Familienseligkeit bekommt sehr bald Risse. Loyalität und Solidarität, auch in Davids Familie nur Wortmünzen, die so lange Gültigkeit besitzen, bis Besseres in Aussicht steht. In diesem Falle ist dies der vor Leben strotzende Bonvivant Humbert Coe, ein Kriegskamerad des Vaters, der zu Besuch auftaucht. Sofort registriert der listige Coe den Zustand resignativer Gelähmtheit seiner Gastfamilie und beginnt sein Manipulationswerk, eine für Davids Vater demütigende Erfahrung. Durch Coe lernt der kleine David, die Stützräder abzulegen und seine Träume zu leben. Die Kehrseite solch hemmungsloser Traumverwirklichung jedoch äußert sich in dem vor nichts haltmachenden Schrecken, als David Zeuge wird, wie Coe mit seiner Mutter seinen ganz persönlichen Traum lebt. Dieser bittere Erwerb der Flugtauglichkeit markiert das Ende einer unbeschwerten Kindheit.
Eine wundervoll melancholische, leicht hingetuschte Fabel, an deren Ende ein erwachsener David steht, der seinen Kindern die Geschichte einer Familie weiterträgt, deren Träume nie abzuheben vermochten. --Ravi Unger
Paperback
First published January 1, 2000