In diesem Buch widmit sich der Future-Science-Thriller-Spezialist den Entwicklungen der Bio- bzw. Gen-Technologie in einer nahen Zukunft, die vieleicht schon begonnen hat, nur wissen können wir das (noch) nicht. In seiner Welt sind Eingriffe in genetische Codes längst zum Standard geworden– naheliegend streng beschränkt auf die Korrektur von wenigen Krankheiten, die genetisch bedingt sind. Pech hat der, dem das zu teuer ist oder der zu früh geboren wurde, noch bevor es solche Möglichkeiten gab. Wer genügend Geld hat, kann immerhin Schlimmeres vermeiden, wogegen niemand ernsthaft etwas sagen kann.
Aber es gibt eben auch die, die noch mehr Geld haben und für die es keine Grenzen gibt. Für die ist biologisches Design, auch wenn es strengstens verboten ist, nur eine Frage des Geldes. Denn wo es eine Nachfrage gibt, findet sich immer jemand, der sie befriedigt – in diesem Fall eine den chinesischen Triaden nachgebildete Organisation mit dem Namen Huli jing. Deren Chef, ein gewisser Marcus Demang Wyckes, zieht mittlerweile die Aufmerksamkeit einer internationalen Spezialeinheit auf sich. Kenneth Durand ist einer der wichtigsten Mitglieder dieser Einheit, die Jagd auf Wyckes macht.
Eines Tages wird er Opfer eines Überfalls, verschwindet für Wochen von der Bildfläche und erwacht wieder – als Marcus Demang Wyckes. Offensichtlich sind die Huli jing in der Lage, lebende Menschen durch Gen-Edits soweit in andere zu verwandeln, dass sie selbst bei näherer Untersuchung nicht so einfach von ihrem Vorbild zu unterscheiden sind. Das erklärt auch, weshalb die Führungsriege der Huli jing in relativ kurzen Intervallen Mordanschlägen zum Opfer zu fallen scheinen. Ein grandioses Ablenkungsmanöver: Anscheinend nehmen die Köpfe des Kartells in regelmäßigen Abständen andere Identitäten an, um für die Behörden nicht greifbar zu werden. Weder Fingerabdrücke, Augenscans oder DNA-Abgleiche können sie überführen, denn alles kann ja geändert werden. Auch wenn das Bewusstsein der Führungscrew dasselbe bleibt, dingfest zu machen sind ihre Mitglieder nicht mehr. Ohne klare Identität gibt es auch kein Schuldprinzip, an dem die Rechtsverfolgung sich festmachen kann...
Ab jetzt kann man sich entscheiden, wie man den Roman jetzt weiterlesen will; einerseits als rasanter und ungemein spannender Action-Thriller, für den ein Daniel Suarez eine ausgezeichnete Wahl darstellt, oder als Parabel auf eine Welt, in der das Menschsein, ja die ganze Evolution, bedroht ist durch das Herumpfuschen am jeweiligen genetischen Material, es ist eine Zukunft, in der es keine Identität mehr geben wird. Und wie man den Menschen kennt, wird das von bestimmten Mächten ausgenutzt werden in der die Grenzen, die für Eingriffe in genetische Codes gezogen werden, immer weiter verschoben werden. Eine Zukunft, in der das große illegale Geschäft nicht mehr Drogen sind, sondern die Genetik.
Daniel Suarez hat hier m.E. einen SF-Thriller geschrieben, den man aber auch getrost als ein neues Standardwerk in Hinblick auf die Zukunft der Biotechnologie sehen kann, ich sehe auch die absolute Notwendigkeit, für eine solche Zeit eine weltweit agierende Polizeitruppe, ähnlich wie in diesem Roman, aufzustellen um die Probleme irgendwie in den Griff zu bekommen. Denn der Eingriff in den Genpool betrifft die ganze Menschheit und kann nicht lokal gesehen werden.
Ein wirklich großer Roman den man wirklich diskuttieren sollte...