Dies ist die Fortsetzung zu »Feuer der Leere« von Robert Corvus, das 2017 im gleichen Verlag erschienen ist. Seltsamerweise wird diese Tatsache nirgendwo auf dem Buch erwähnt, das aber auch nicht der zweite Teil einer Trilogie ist. Mir hatte der Vorgängerband sehr gut gefallen und ich habe mich auf die Fortsetzung gefreut. Dennoch hatte ich etwas Mühe in das Buch hineinzukommen und die Personen und Handlungsorte auseinander zu sortieren. Ein »Dramatis Personae« am Ende erleichtert dies und führt neben vier Hauptfiguren fast vierzig Nebenfiguren auf, die natürlich etwas schwer zu unterscheiden sind und oft nur durch ihre Funktion in der Gesellschaft definiert werden.
Wir befinden uns also wieder in einer Zukunft, in der die Erde zerstört ist und die letzten Menschen in 28 Großraumschiffen durch den Weltraum ziehen, immer auf der Suche nach Resten menschlicher Kolonien und auf der Flucht vor übermächtigen Feinden. In den einzelnen Großraumschiffen haben sich unterschiedliche Gesellschaftsformen entwickelt: Da gibt es eine Demokratie, bei der das Stimmengewicht von erworbenen Kompetenzen abhängt, da gibt eine Gesellschaft, in der alle mit dem Zentralcomputer vernetzt sind, es gibt eine Religion der Leere (»Kirche des Void«) und vieles mehr. Eines der Schiffe ist besonders: die SQUID ist ein lebender Organismus, der von den Menschen in seinem Inneren als »Gütige Mutter« verehrt wird. Die Welt ist gut ausgearbeitet und mit vielen Details versehen, von denen einige in einem »Glossar« am Ende erklärt werden.
Dieser Schwarm von Raumschiffen stößt auf eine gigantische Sphäre, die einen ganzen Stern umhüllt und in der etwas lebt, das technologisch sehr weit fortgeschritten ist. Interessanterweise hatte ich gerade vorher »Ringwelt« noch einmal gelesen und so boten sich Vergleiche zu dieser Dyson-Sphäre an, allerdings stellt sich schnell heraus, dass hinter dem »Imago Projekt« etwas ganz anderes steckt.
Weitere Handlungsstränge befassen sich mit der ESOX, auf der es nach einem niedergeschlagenen Bürgerkrieg eine Widerstandsbewegung gibt, die die Herrschaft der Computer wieder einführen möchte. Diese Menschen sehnen sich danach, wieder in ihre virtuellen Welten eintauchen zu können und gehen für dieses Ziel über Leichen. Die Bewohner der SQUID haben ohnehin eigene Interessen bzw. verfolgen die Interessen der »Gütigen Mutter«, die ihnen von der »Roten Familie« »übersetzt« werden. Eine Gruppe von »Koexistenzialisten« verfolgt das Ziel einer friedlichen Zusammenarbeit, das von den Militaristen der PAYARA zwar respektiert aber inhaltlich abgelehnt wird.
Dieses Setting gibt viel Raum für spannende Diskussionen, eindrucksvolle Szenen und auch Action. Am besten fand ich den Roman immer dann, wenn er sich auf wenige Figuren konzentriert und diese in einer fremdartigen Umgebung (zum Beispiel auf der SQUID) agieren lässt. Gut waren auch die »Speicherbild« genannten Zwischenkapitel, die die Geschichte des Image Projektes schildern.
Wenn Robert Corvus einen weiteren Roman in diesem Universum schreibt, bin ich sicher wieder dabei.