Oft hast du mich nach dem Sinn des Lebens gefragt, mein kleiner, schlauer Fuchs. Der Sinn des Lebens ist, das Leben sinnvoll zu leben. Das bedeutet, jeden Augenblick in der Wahrheit und in der Wirklichkeit zu leben.
Dieses Buch hat mich berührt, inspiriert, nachdenklich gemacht, aufgemuntert, in Trauer versetzt, ungläubig den Kopf schütteln lassen, mir das eine oder andere Grinsen ins Gesicht gezaubert und allen voran aber einfach sehr vieles beigebracht.
Ich fand die Erzählart sehr interessant - jedes Kapitel war in drei Teile gegliedert: Der erste Teil ist einfach als Geschichte aus der Sicht eines Erzählers geschrieben, der zweite ist ein kurzer Sachtext-artiger Einschub über den historischen und geografischen Kontext und im dritten Teil wird man als Leser in die Sicht des "kleinen, schlauen Fuchses" versetzt, dem sein Großvater von seinen Ahnen erzählt und der dabei den Inhalt des ersten Teils aufgreift und in einen persönlichen Kontext setzt.
Auf diese Art bekommt man einen so guten Einblick in das Leben und die Kultur der Jenischen im Waldviertel um die 40er Jahre - ein fahrendes Volk von dem ich gestehen muss (so sehr das Waldviertel auch in der Nähe von Wien liegt) davor noch nie im Leben gehört zu haben. Das hat mich erst überrascht und dann im Laufe des Buches immer mehr gleichzeitig verständnisvoll und sehr traurig gemacht. Was ich nämlich ebenfalls nicht wusste, ist, dass in der Zeit der Nationalsozialisten neben Juden, Homosexuellen, Regimegegnern, Kommunisten, Roma und Sinti (und vielen vielen anderen) auch diejenigen verfolgt und grausam getötet wurden, die laut den Nazis zur "Gruppe der 'Arbeitsscheuen', 'Nichtwohnhaften', 'Kleinkriminellen' und 'Asozialen'" gehörten, zu denen eben auch die Jenischen gezählt wurden. Nachdem "mindestens hunderttausend" von ihnen in Konzentrationslagern ums Leben kamen, lebten die Überlebenden des Volkes viele Jahre in Angst und hielten ihre jenische Herkunft geheim (teilweise sogar vor ihren eigenen Kindern) und tun das vielleicht auch heute noch.
Welche Völker - und mit ihnen ihre Musik, ihre Bräuche, ihr Wissen und ihre Sicht auf die Welt - wurden wohl noch im Laufe der Geschichte dazu gezwungen in Vergessenheit zu geraten?
„Merk dir, mein kleiner, schlauer Fuchs: Es ist kein Verlass darauf, dass dir Menschen etwas zurückzahlen. Verlass ist nur darauf, dass sie dir etwas heimzahlen.“
4,5 ⭐️ Fuchserde hat mich echt positiv überrascht. Ich weiß gar nicht mehr, wie ich das Buch entdeckt habe, also danke ich dem Zufall. Die Geschichte ist echt beeindruckend, auch wenn sie nicht ganz so viel Plot hat, wie ich mir manchmal gewünscht hätte. Ich glaube nicht, dass ich schon mal ein Buch gelesen habe, dass in Österreich zur NS-Zeit spielt. Auch über die Jenischen wusste ich vorher so gut wie gar nichts. Kann ich auf jeden Fall nur empfehlen, auch wegen der schönen Sprache!
Selten hat mich ein Buch so berührt wie Fuchserde. Mir sind in regelmäßigen Abständen die Tränen gekommen, so sehr hat mich die Geschichte mitgenommen. Wunderschön erzählt, gelingt es Sautner auf nur knapp 220 Seiten eine tiefe Verbindung zu den Protagonisten aufzubauen. In unserer Familie erzählte man sich auch, dass Teile unserer Vorfahren in Oberösterreich und Böhmen zu den “Fahrenden” gehört haben. Details weiß ich aber auch nicht, es war nichts was man an die große Glocke hing. Kein Wunder, so wie Sautner gegen Ende des Buches auch schreibt, unter den Nationalsozialisten wurde den “Jenischen” das Jenisch-Sein ausgetrieben. Ich wünsche mir, dass ganz viele Menschen dieses großartige Buch lesen und vielleicht auch ein paar der Weisheiten mit auf ihren Weg nehmen können. In diesem Roman steckt sehr viel Liebe und das spürt man auf jeder Seite.
Auch wenn es nicht ganz naheliegend scheinen mag, denke ich, dass allen denen The Name of the Wind gefällt, auch Fuchserde gefallen wird.
Ein gutes Buch, das aber für meinen Geschmack teilweise etwas langsam erzählt wird. Die Geschichte ist eine sehr emotionale - man lernt durch dieses Buch, was es hieß, durch den Nationalsozialismus verfolgt zu werden. Oft vergisst man dabei die unglaubliche Trauer, Angst und Furcht, welche diese Menschen erleben mussten.
SAUTNER, Thomas: „fuchserde“, Berlin 2020 Ein herumziehendes Volk, die Jenischen sind der Mittelpunkt des Buches. Es ist einerseits eine historische Abhandlung und andererseits die romanhafte Beschreibung einer Familie dieses Volksstamms. Die Hauptperson darin ist Frida, eine außergewöhnliche Frau. Sie braucht lange, bis sie sich für einen Mann entschied, obwohl sie von vielen begehrt wurde. Sie suchte sich eine starke Persönlichkeit zur Ehe aus, obwohl „die Frauen bei den Jenischen in der Regel für alles sorgen: Kinder aufziehen, Wäsche flicken, hausieren gehen. Essenbesorgen und kochen. Der Mann war dennoch das Oberhaupt der Familie. Eine alte jenische Frau erzählte sinngemäß: „Nach außen haben die jenischen Frauen den Mann den Pascha spielen lassen, da war er wie Gott und hat sich auch so gefühlt. Die jenische Frau hat es verstanden, ihren Mann gut leben zu lassen. Im Haus aber haben die Frauen das Sagen gehabt.““ (Seite 52) Dieses fahrende Volk lebte von selbstgemachten Dingen wie Werkzeug, Kleidern, Webarbeiten. Sie boten beim Herumziehen den Bauern Dienstleistungen wie Messerschleifen, Töpfe flicken etc an. Die kalten Winter verbrachten sie in einer festen Behausung. Sie lebten in primitiver Situation. Oft hatten sie nicht genug zu essen. Als der Vater einen Fasan gefangen hatte, gab es Fleisch. Ein Teil wurde aufgehoben. Die Kinder aber wollten mehr. Da wurde das Fleischstück mit einer Schnur über dem Tisch aufgehängt. Die Kinder bekamen Brot und drückten es gegen das Fleisch, um so einen Geschmack vom Braten zu erhaschen. Speziell während der Weltwirtschaftskrise ging es der Landbevölkerung schlecht. „Sie bekamen eine Arbeitslosenunterstützung von fünf Schilling pro Woche. Ein Laib Brot kostete damals siebenundsechzig Groschen.“ (Seite 85) Zigeuner und „herumtreibendes“ Volk wie die Jenischen bekamen nichts. Die Jenischen hatten alle zum selben Zeitpunkt Geburtstag. „Wer von unseren Leuten dennoch den Winter überstand, der hatte Geburtstag.“ (Seite 86) Von Frühjahr bis Winter zogen sie herum. Sie lebten im kalten Waldviertel, von dem auch der Autor dieses Romans kommt. Luca suchte seinen Vater und findet einen Onkel in Italien, der einen Zirkus besitzt. Der schon alte Zirkusdirektor vermacht den Zirkus seinem Neffen Luca, der ihn erfolgreich führt. Bei den sommerlichen Reisen trafen die beiden „Stämme Jenische“ – der des Zirkus und der der Waldviertler – aufeinander und befreundeten sich. Zwei junge aus diesen verschiedenen Stämmen verliebten und verlobten sich. Dann brach die Herrschaft der Diktatoren herein. Der Zirkus verließ wegen Mussolini Italien und übersiedelte nach Österreich. Aber auch da herrschte bald Hitler. Viele der Jenischen wurden verhaftet, ermordet oder in ein Konzentrationslager gesteckt. Der Autor versteht es, sehr anschaulich das Leben in den Konzentrationslagern und Arbeitsheimen wiederzugeben. In der Familie des Zirkusdirektors kamen alle ums Leben. Nur ein Sohn, der Verlobte der Waldviertlerin, konnte fliehen. Auch die Flucht wird detailgenau geschildert. Ähnlich ging es bei den Waldviertlern zu. Auch hier wurde gemordet und verhaftet. Der Stammhalter Lois (er ist der Erzähler im Buch) hatte vorgesorgt und einen Tunnel aus seinem Haus hinausgegraben und so konnte die Familie flüchten. Sie lebten im Wald in einer Höhle. Ein reicher Bauer – nach der russischen Befreiung wurde er Bürgermeister – war ein guter Mensch und versorgte die Familie heimlich mit Nahrung. Als der Krieg aus war, kam der Verlobte aus Tirol. Sie bauten ihre niedergebrannten Häuser wieder auf und auch das neue Paar baute ein Heim. Auch der schon als tot vermutete kleine Bruder des Verlobten kam mit einer jungen Frau zu ihnen. Die Freude der Vereinigung war groß. Obwohl der Druck durch die Nationalsozialisten wegfiel, bestand weiterhin Angst und viele der Jenischen weigerten sich ihrer Zunft nachzukommen. Sie nahmen fixe Anstellungen an und wurden sesshaft. Ihren Kindern und Kindeskindern verheimlichten sie ihre Vergangenheit. Nur der Urgroßvater gab die Geschichte seines Stammes an den Jüngsten der Familie weiter. Diese Erzählungen sind der Inhalt dieses Buches, mit dem eine vergessene Zeit wieder auflebt. Ein sehr ausdrucksstarkes Buch. Ein Roman, der aus einer anderen Zeit stammt und trotzdem schafft es der Autor so zu erzählen, als hätte er mit diesen Leuten gelebt. Großartig!
„Fuchserde“ Thomas Sautner ▫️◾️▫️ „Lebensmut in einer dunklen Zeit“. Besser lässt sich diese Geschichte nicht beschreiben, geht es doch um eine Gruppe Jenische, die eine der dunkelsten Stunden der Geschichte Europas durchlebt: die Machtergreifung der Nationalsozialisten mit allen ihrer Schrecken. ▫️◾️▫️ Thomas Sautner lädt uns ein, die Geschichte um Frida und ihrer Sippe mitzuerleben, und dies über Generationen hinweg. Wir lauschen den Erzählungen des Ältesten, der dem Jüngsten die Wege und Schicksale seiner Sippe näher bringt. Wege der Angst, Wege der Hoffnung, und allem was dazwischenliegt. Trotz der Grausamkeit des Themas ist dieses Buch nicht grausam, sondern vielmehr märchenhaft und hoffnungsvoll erzählt, gespickt mit jeder Menge Weisheiten und auch Humor. ▫️◾️▫️ Ein Buch, das zum Nachdenken anregt und welches aufzeigt, dass es Licht auch in der Dunkelheit gibt und dass die Hoffnung nie wirklich erlischt. ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ 5 von 5 Sterne
I have very mixed feelings about this one! It was in parts sickly sweet, particularly in the first third (think hardworking honest travellers who understand nature better than the city-dwelling folks). And then in parts extremely, intensely dark and depressing (it's set in the Nazi era), which then balanced out the overwhelming sweetness. It was very heterosexual (freshly baked gender rolls abound). I also think the author is not himself a traveller, and is writing about travellers under Nazi rule. Not ideal! As an Austrian, I did learn more about what happened in the thirties in Austria (there are historical vignettes throughout), and as a gay person it also struck some fear into my heart. Some of the characters were very well described and I did cry at key moments. The writing was beautiful in a cheesy way.
Das Buch hat mich tief berührt, traurig und melancholisch gemacht. Wie ich es hasse, was Menschen einander antun.. und immer antun werden, wie man ganz aktuell in den Kriegsgebieten dieser Welt sieht. Die Geschichte der Jenischen kannte ich nicht. Meine Tochter ist eine halbe Sinti, daher fühle ich mich zu den Geschichten der fahrenden Völker hingezogen und wünsche mir, dass sie selbst auch das eine oder andere zu ihrer Abstimmung kennenlernt. Dieses Buch gibt durch die Erzählweise eine Ahnung davon. Die Erzählung ist gleichzeitig unfassbar traurig und wunderschön. Sie wird mich noch eine ganze Weile begleiten.
Ich weiß nicht mehr genau, wann ich dieses Buch gelesen habe, ist sicher schon ein paar Monate her. Ich weiß auch nicht mehr genau, wie es auf meinem Tisch gelandet ist, aber ich war sofort davon fasziniert. Der originelle Aufbau, zwischen erzählenden, mythischen und faktischen Kapitelteilen wechselnd, hat mich sehr beeindruckt, und die Handlung ist ebenfalls fesselnd. Viel gelernt und sehr gut unterhalten, was will man mehr. Klare Empfehlung!
It was a very good and informative book, though it's a bit confusing at the begining. you jump between diffrent characters and diffrent short stories. but still i really liked it and can only recommend it. i read it when i was 14 and i think its perfect for young teenagers.
my favourite character is frida. tell me if you like her too. :-) LG Rune
Tolles kleines Buch, das in der Tat 'voller Weisheiten' (Buchrücken) ist. Trotz der zunächst etwas sperrig daherkommenden, dreigeteilten Darstellungsweise (jedes Kapitel hat zunächst einen Teil mit allwissendem, unbeteiligten Erzähler, dann einen Teil, der historische Perspektiven gibt und dann einen Erzählteil, in dem einer der Protagonisten zu einem späteren Zeitpunkt aus seiner eigenen Perspektive erzählt) zieht die Geschichte einen sofort in ihren Bann. Durch das Wissen, welches man als Leser um die unweigerlich kommenden, schrecklichen Ereignisse während der Zeit des Dritten Reichs die ganze Zeit schon hat, wirken die Darstellungen der heilen, großen Welt der Jenischen von Beginn an zerbrechlich und so zugleich bezaubernd und bedrückend. Als das Unheil dann tatsächlich über die Familien hereinbricht ist man wirklich untröstlich und fassungslos. Das sich durch die ganze Handlung dennoch immer wieder positive, lebensbejahende und zugleich schlichte wie weise Einsichten des Ich-Erzählers ziehen, ist Trost, Erstaunen, Erkenntnis. Ein wirklich lesenswertes Buch!
Ein wirklich gutes Buch, das einen interessanten Einblick in das Leben der "Jenischen" gibt. Zwar kommt einen manchmal alles etwas zu idealisiert dargestellt vor, so zeigt das Buch doch auch, wie schwer diese Lebensweise als "Fahrender" ist. So müssen die Familien im Buch doch mehrmals mit Anfeindungen und vor allem Hunger kämpfen. Ganz zu schweigen von der Zeit des zweiten Weltkrieges..
Da ich zuvor kein Buch vom Autor gelesen habe, weiß ich nicht wie üblich die Verwendung dieses neutralen Erzählers ist. War anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, vor alle wenn dann plötzlich ein Wechsel der Sichtweise zu einer anderen Figur erfolgte.
Mir hat es jedoch durchaus gut gefallen, wobei mich die Phrase "mein kleiner schlauer Fuchs" schon auf Dauer relativ genervt hat.
Ein Stück Zeitgeschichte, verpackt in einem einzigartigen Roman. Der Titel "Fuchserde" verweist auf jene Erde, die durch die Berührung eines Fuchses, zu einer Art Wundsalbe wird, die schließlich auch Peter hilft. Und ohne die er nicht nach Hause kommen würde, um sein Versprechen zu halten, am ersten Tag, nachdem all der Schnee verschwunden ist, zurückzukehren. Die Kraft der Natur und Magie (nicht im Sinne von Hexen und Zauberer) ist allgegenwärtig. Diese Geschichte ist einfühlsam und auch unterhaltsam trotz tragischer Wendungen. Zudem ist es historisch unglaublich wertvoll und gibt Einblick in eine Kultur, die Mitten in Österreich zu einem großen Teil verloren ging.