Ich war bisher kein großer Anhänger von Lenz' Werk. Dieses kleine Büchlein hat mir aber gut gefallen.
Es sind kurze, provinzielle Geschichten, rund um ein masurisches Dorf namens Suleyken und deren schrullige, naiv-intelligente Einwohner; ganz harmlose anekdotische Erzählungen ohne Leid.
Der Erzähler macht diese Geschichtchen so ansprechend. Er ist der Held in diesem Buch, wenngleich er in keiner der Geschichtchen direkt vorkommt. Er erzählt mit viel Humor, nimmt es nicht so ganz genau mit den Fakten, gibt seinen Helden verniedlichte Spitznamen, wie "Herrchen", "Weibchen" und "Onkelchen" und geht ganz in seinen Eigenarten auf, wenn er etwa Dialoge nach zwei kurzen Wörtern unterbricht, um nochmal mitzuteilen, wer da eigentlich spricht, oder – was mein Verdacht ist –, die Dialoge per se nur sinnhaft aus dem Gedächtnis in seiner eigenen Sprache wiedergibt, denn jeder von ihnen klingt gleich. Alle reden sie sich mit Vor- und Nachnamen an, sprechen in verschachtelten Sätzchen, ab und zu mit seltsamen Satzbau, wie:
"Du bist, Valentin Zoppek, der beste Schwimmer von Suleyken, wenigstens, wo es sich handelt um das Schwimmen auf dem natürlichen Flusse. Das ist bekannt und erwiesen. [...]"
Ganz kurios, wie man sieht und deshalb irgendwie sympathisch.
Die Geschichten selbst sind meist langgezogene Anekdoten, die auf Pointen zusteuern. Sie erzählen von den Stärken der Suleykener Gesellschaft, wie die Geduld und ihre ungewöhnliche Intelligenz, die auf dem ersten Blick naiv anmutet, sich aber dann als recht clever erweist. Beispielsweise in der Erzählung "Die große Konferenz". Hier streiten sich zwei Dörfer um die Nutzungsrechte einer Wiese. Beide lassen zwei Repräsentanten verhandeln. Suleyken schickt hier ihren "Schriftgelehrten" Hamilkar Schaß in das Dorf der anderen Partei. Der Repräsentant des anderen Dorfes pocht auf ihr Wiesenrecht. Hamilkar Schaß, anstatt auf die Suleykener Rechte einzugehen, erwidert nichts, er verlässt den Raum und pflanzt Zwiebeln an, in einem für ihn bereitgestellten Gärtchen. Weshalb er das macht, stellt sich am Ende als großartiger Schachzug heraus, der Suleyken die alleinigen Rechte auf die Wiese sichern wird.
Ja, ich hatte meinen Spaß an diesem Bändchen. Es hat mir Lenz wieder interessanter gemacht.