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Mascha Kalékos Exilgedichte
Von den Nationalsozialisten ins Exil gezwungen, verlor Mascha Kaléko nicht nur ihre Heimat, sondern auch ihre Sprache und damit ihr Publikum. Sie schrieb also nicht mehr wie im ›Lyrischen Stenogrammheft‹ für die breite Masse, sondern richtete sich an ihre Leidens- und Zeitgenossen, die mit ihr ins Exil gehen mussten.
Melancholisch, oft sehnsüchtig, aber pointiert und mit dem ihr eigenen Witz thematisiert sie Heimat und Fremde und setzt wie nebenbei dem New Yorker Künstlerviertel Greenwich Village, in dem sie mit ihrer Familie lebte, ein literarisches Denkmal. ›Verse für Zeitgenossen‹ war einer der wenigen Bände, die in den Vierzigerjahren in deutscher Sprache in den USA veröffentlicht wurden.
113 pages, Kindle Edition
First published January 1, 1945
Einmal möcht ich es noch sehen, jenes LandMascha Kaléko (gebürtig Golda Malka Aufen) wurde 1907 in eine jüdische Familie in Galizien hineingeboren. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 übersiedelte die Familie nach Deutschland, um dem Kriegsgeschehen zu entgehen. 1916 zog die Familie nach Marburg, schließlich 1918 nach Berlin in das Scheunenviertel der Spandauer Vorstadt. Mascha Engel begann 1925 eine Bürolehre im Arbeiterfürsorgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands. 1928 heiratete sie den knapp zehn Jahre älteren Hebräischlehrer Saul Aaron Kaléko. Zu dieser Zeit kam sie mit der künstlerischen Avantgarde Berlins in Kontakt, die sich im Romanischen Café in Charlottenburg traf. So lernte sie u. a. die Dichter Else Lasker-Schüler und Joachim Ringelnatz kennen.
Das in fremde Welten mich verbannt,
Durch die wohlbekannten Gassen gehen,
Vor den Trümmern meiner Jugend stehen –
Heimlich, ungebeten, unerkannt.
Mir ist zuweilen so, als obCharakteristisch für Mascha Kalékos Arbeit ist die Großstadtlyrik mit ironisch-zärtlichem melancholischem Ton. Ihre prominentesten Exilwerke erzählen von ihrer Flucht vor dem nationalsozialistischen Regime und den damit verbundenen Gefühlen der politischen Vertreibung, ausgehend vom antisemitischen Gedankengut der NSDAP. Als einzige bekannte dichtende Frau der Neuen Sachlichkeit wurde sie häufig mit ihren männlichen Kollegen verglichen; so bezeichnete man sie als "weiblichen Ringelnatz" und "weiblichen Kästner". Und auch wenn ich die Parallelen zu diesen zwei Männern sehe, ist Kalékos Stil weitestgehend originell und sie ist bei Weitem kein Abklatsch!
Das Herz in mir zerbrach.
Ich habe manchmal Heimweh.
Ich weiß nur nicht, wonach...