Götz Aly gehörte 1968 zu den aktiven Kämpfern in Berlin. Als Zeitzeuge und Historiker zeigt er, dass die 68er ihren Vätern näher standen, als es ihnen heute lieb ist. In der "Bewegung" sieht er einen Spätausläufer des Totalitarismus mit einer gewissen Nähe zum Nationalsozialismus. Alys Rückblick ist ein irritierter und deshalb wichtig, weil er weit entfernt ist von Renegatentum und nachträglicher Beschönigung.
Götz Haydar Aly is a German journalist, historian and social scientist.
After attending the German School of Journalists, Aly studied history and political science in Berlin. As a journalist, he worked for the taz, the Berliner Zeitung and the FAZ. Presently, from 2004 to 2005, he is a visiting professor for interdisciplinary Holocaust research at the Fritz Bauer Institut in Frankfurt am Main.
Statt einer Überschrift gibt es heute mal eine Anekdote:
Selten passiert mir so etwas, aber als ich vor einiger Zeit, auf dem Weg zur Arbeit in der Straßenbahn sitzend, Götz Alys Unser Kampf. 1968 – ein irritierter Blick zurück las, da gab mir ein besorgter Bürger einen Ratschlag. Ich solle, so sagte der leicht erkältete hagere Mittsechziger mit den längeren angegrauten Haaren, der mir gegenüber Platz genommen hatte, vorsichtig mit dem Buch sein, denn es sei sehr problematisch. Mein ärgerliches Stirnrunzeln mochte der im Hafen gesicherter Altersbezüge gestrandete Welt- und Menschenverbesserer aus missionarischem Eifer als einen fragenden Gesichtsausdruck verstanden haben – ich gebe zu, früh morgens habe ich meist noch nicht die vollständige Kontrolle über meine Gesichtszüge, die in letzter Zeit doch merklich an Spannkraft nachgelassen haben, so daß es auch an mir gelegen haben konnte –, denn er führte sein Caveat weiter aus. Der Aly sei ursprünglich ein guter Historiker gewesen, aber bei diesem Buch sei er einfach nicht objektiv, und deshalb gehe er nicht gut mit den 68ern um. Gar mit den Nazis vergleiche er sie. Aus diesem Grunde, und hier beugte sich mein Gegenüber etwas vor, um mir deutlich zu machen, wie nahe wir uns so auf der zwischenmenschlichen Ebene eigentlich wären, sei das Buch mit höchster Vorsicht zu genießen.
Morgens überhaupt angesprochen zu werden, ruft bei mir in der Regel nicht die herzlichsten Reaktionen hervor. Doch wenn mich zu dieser Tageszeit gar ein völlig Fremder aus der Lektüre reißt, dann kann er nicht mit großer Langmut meinerseits rechnen. Und so fragte ich meinen neuen Freund denn ohne weitere Umschweife, ob dies ein neuer Service der Verkehrsbetriebe oder gar der Landesregierung sei – betreutes Lesen, oder so. Dies verdroß mein Gegenüber merklich, so daß es nur noch einmal grummelte, er hätte es ja wissen müssen, und danach bis zu meiner Haltestelle glücklicherweise in Schweigen verharrte.
Was ist das also für ein Buch, daß man es allem Anschein nach nicht einmal in einem öffentlichen Verkehrsmittel lesen kann, ohne vor seinem Inhalt gewarnt zu werden? Ist es wirklich so ein übles und tendenziöses Machwerk, wie es mir mein um das kosmische Gleichgewicht und das Andenken Rudi Dutschkes – wobei das eine ja unzertrennlich mit dem anderen zusammenhängt – besorgter Mitreisender weismachen wollte? Die Antwort ist ganz einfach – Nein.
Zugegeben, Aly bedient sich einer sehr polemischen Sprache, wie schon der Titel seines Buches deutlich macht, und es ist ihm anzumerken, daß er sich seiner eigenen Mitwirkung im Rahmen der 68er-Bewegung heute schämt. Daraus jedoch den Schluß zu ziehen, Aly beseele die typische Unversöhnlichkeit und Engstirnigkeit des Konvertiten, erlaubt dieses Buch meines Erachtens nicht, denn zum einen ist es – abgesehen von einzelnen Details, über die sich Alys Kritiker weidlich hergemacht haben – durchweg sauber recherchiert. So stützt sich Aly nicht nur auf seine eigenen Erinnerungen, sondern auch auf die Aufzeichnungen liberaler Professoren, die von den 68ern alsbald als „Scheiß-Liberale“ verunglimpft wurden, sowie auf die Dokumente staatlicher Archive. Zum anderen zeichnet Aly durchaus ein kritisches Bild der von Adenauer und seinen Nachfolgern geprägten Bundesrepublik, deren Biedermeierei von der jüngeren Generation durchaus als Belastung empfunden werden mochte.
Es ist wohl vor allem die These Alys, daß die Generation der 68er ihren Eltern – also der Generation, die den Nationalsozialismus als Jugendliche bzw. als junge Erwachsene erlebt haben – mental ähnlicher gewesen sei, als die 68er gemeinhin wahrhaben wollen. Das ist natürlich starker Tobak, und nachgerade empörend! Denn mit Nazivergleichen dürfen doch – das weiß bei uns ja jedes Kind – nur Linke um sich werfen, und zwar dann, wenn sie dies im Überschwang ihrer weltanschaulichen Überlegenheit und ihrer sich daraus ableitenden moralischen Unantastbarkeit tun. Aly aber nutzt den Nazivergleich gegen Links und dann auch – wie seine Kritiker einhellig meinten – um des medialen Effekts willen.
Doch halt! Sollten wir uns an dieser Stelle vielleicht nicht einmal fragen, wie weit der Verfasser seinen Nazi-Vergleich eigentlich treibt und auf welchem tertium er ihn fußen läßt? Der folgende Auszug mag in diesem Zusammenhang hilfreich sein:
“Die Allensbacher und Mannheimer Umfrage offenbaren die extremen Spannungen, unter denen die damaligen Studenten standen. Ihre daraus entstehende Unsicherheit kompensierten sie mithilfe des vermeintlich sicheren Gefüges einer widerspruchsarmen Weltanschauung. Mit einem Bein klebten sie im Morast autoritärer Traditionen, mit dem anderen versuchten sie auf dem wenig bekannten Terrain der Liberalität Halt zu gewinnen. […] Sie ließen sich von der internationalen Studenten- und Protestbewegung anstecken und litten an den verschleppten Symptomen der nationalen Krankheit. Mit dem rechten Arm griffen sie in die Kiste alter antiamerikanischer Ressentiments, mit dem linken hangelten sie in die entgegengesetzte Richtung und wandten sich von der postnazistischen, mäßig versteckten antisemitischen Gedankenwelt ihrer Eltern ab. Einerseits gehörten sie zur letzten Generation in der Bundesrepublik, die es für normal hielt, eine Familie zu gründen, andererseits redeten sie vom Terror der bürgerlichen Zwangsinstitution Familie. Sie flohen in die Individualität und unterwarfen sich der Großgruppe. Sie hassten die weiß gedeckte sonntägliche Kaffeetafel und landeten am zusammengetrödelten Kommunetisch.“ (S.85f.)
Schon dieser Auszug macht deutlich, daß es Aly nicht darum geht, den 68ern den gleichen Vernichtungswillen zu unterstellen, wie er für die Nazis typisch war. Holocaust, Eroberungskrieg, Rassenideologie und viele weitere Verbrechen der Nazis finden auch nach Alys Lesart keine Entsprechung in der 68er-Bewegung, so daß der Nazi-Vergleich weit weniger skandalös ist, als die durch das Buch getroffenen 68er uns glauben machen wollen. Gleichzeitig verortet Aly die Kontinuitäten aber tiefer in der Mentalität der Betroffenen, was bedeutet, daß die Ähnlichkeiten vielleicht maliziöserer Natur sind, als man gemeinhin annimmt. So widmet der Verfasser ein wichtiges Kapitel dem Antisemitismus: Hier stellt er fest, daß insbesondere unter dem Deckmantel des Antizionismus und der Solidarität mit den Palästinensern nach und nach antisemitische Befindlichkeiten bei vielen Vertretern der 68er gepflegt wurden. Er weist auch darauf hin, daß Rudi Dutschke nachgerade kein Interesse an der Aufarbeitung des Holocausts hatte. Besonderes Verdienst gebührt Aly in diesem Zusammenhang auch für die Entlarvung einer der großen Lebenslügen dieser Studentenbewegung – nämlich des Anspruchs, als erste den Mantel des Schweigens abgeworfen und die Eltern mit ihrer historischen Schuld konfrontiert zu haben. Aly weist nach, daß in Justiz und Schule schon seit den frühen 60er Jahren Tendenzen wirksam waren, die NS-Verbrechen gegen Juden aufzuarbeiten und den Holocaust nicht länger totzuschweigen. Von seiten der bewegten Studenten sollten diese Strömungen allerdings kaum Unterstützung erhalten. Auch der unkritischen und wider der Möglichkeit besseren Wissens aufrechterhaltenen Verehrung der Studenten für Massenmörder wie Mao und Pol Pot widmet Götz Aly einige erhellende Seiten. Und dann wäre da ja auch noch die Sozialistische Revolution, von der Rudi Dutschke und seinesgleichen so gern schwadronierten und bei der auch Gewalt angewandt werden würde.
Man sieht bereits an diesen Beispielen, daß es Aly durchaus gelingt, verschiedene Kontinuitäten in den Mentalitäten der 68er und ihrer Eltern bloßzulegen. Dies rechtfertigt sicher nicht eine von Aly auch an keiner Stelle vollzogene Gleichsetzung zwischen NS und den 68ern, aber es zeigt durchaus, daß sich die deutsche Variante der Studentenbewegung von den Strömungen in anderen westlichen Ländern in mehreren Punkten unterschied und daß hierfür deutsche Kontinuitäten ausschlaggebend gewesen sein dürften.
Alys Buch ist durchaus polemisch, und dies mag teilweise auch dem Zorn des Verfassers über die Neigung seiner Generation zur Selbsttäuschung und zum Gesinnungsterror zuzurechnen sein. Ungerecht oder gar unseriös ist Aly allerdings nicht. Nur an einer Stelle vermag ich ihm nicht wirklich beizupflichten – wenn er nämlich davon spricht, daß die 68er an der Festigkeit der zweiten Republik gescheitert seien. Denn ihre Vertreter haben sich zum Teil ja einflußreiche Positionen in der Politik und den Medien zu sichern verstanden und auf diese Weise den Ungeist einer Vermengung von Politik und Weltanschauung etabliert. Nur so erklärt es sich, daß der Nanny-Staat sich heute immer mehr in das Private einmischt, daß er den Bürgern bereits besserwisserisch in die Kochtöpfe guckt, daß in vielen Medien Nachrichten und Kommentare keine saubere Trennung mehr erfahren und – hier liegt die größte Crux – daß politische Diskussionen, die doch eigentlich nüchternen Interessenabwägungen dienen und sich am Kriterium der Machbarkeit orientieren sollten, immer häufiger über wohlfeile moralisierende Abkürzungen ausgebremst werden, so daß es letztlich immer um den gutmenschelnden Kampf zwischen Gut und Böse, nie aber um das Finden kluger und maßvoller Kompromisse geht. Vielleicht bräuchten wir noch ein paar weitere Bücher wie dieses!
Götz Aly zeigt in seinem Buch die totalitären Züge der 68er: Gewaltbereitschaft, Kollektivdenken und die Verklärung Maos. Die Aktualität des Buches wird heute sichtbar – im erfolgreichen „Marsch durch die Institutionen“, dessen Folgen unsere Gegenwart prägen.
Die Studentenbewegung der späten 1960er Jahre verstand sich als sozialistische Reformavantgarde im Kampf gegen das vermeintlich „herrschende System“. Ihre Protagonisten sahen sich als moralisch überlegene Kraft, die mit radikalen Mitteln eine neue, gerechte Gesellschaft herbeiführen wollte. In seinem Buch “Unser Kampf – Ein irritierter Blick zurück” aus dem Jahr 2008 legt der Historiker Götz Aly eine provokante Analyse dieser Bewegung vor. Seine zentrale These lautet, dass die Achtundsechziger in Mentalität, Rhetorik und politischer Praxis beunruhigende Parallelen zur nationalsozialistischen Studentenbewegung der frühen 1930er Jahre aufweisen – als Teil des totalitären 20. Jahrhunderts. Aly schreibt dabei nicht aus der Distanz eines neutralen Beobachters. Er war selbst Teil der Bewegung und verbindet persönliche Erinnerungen mit der Auswertung von Akten aus dem Kanzleramt, dem Verfassungsschutz und anderen Behörden. Gerade diese Mischung aus autobiografischer Nähe und archivalischer Rekonstruktion verleiht dem Buch seine Schärfe und macht es zugleich angreifbar. Besonders irritierend ist die nahezu religiöse Verehrung vieler Achtundsechziger für den chinesischen Diktator Mao Zedong. Führende Köpfe der Bewegung priesen seine „permanente Revolution“ als Weg zur Erschaffung eines neuen Menschen. Mao wurde als antiimperialistischer Erlöser verklärt, der dem Spätkapitalismus den Todesstoß versetzen würde. Diese Bewunderung steht jedoch in groteskem Widerspruch zur historischen Realität: Während der Kulturrevolution zwischen 1966 und 1976 wurden mehrere Millionen Menschen im Zuge staatlicher Säuberungen getötet, über zehn Millionen politisch verfolgt, gedemütigt oder zur Zwangsarbeit verurteilt. Aly konstatiert ein auffälliges Schweigen seiner Generation über diese Verbrechen – ein Schweigen, das in seiner Struktur jenem ähnelt, das die Achtundsechziger einst der Elterngeneration des Nationalsozialismus vorwarfen. Die Radikalität der Bewegung zeigt sich auch in den offenen Umsturzfantasien ihres Wortführers Rudi Dutschke. Gemeinsam mit Weggefährten entwarf er im Juni 1967 konkrete Pläne zur „Machtergreifung in Westberlin“. Studenten sollten durch gezielte Unruhen den öffentlichen Raum destabilisieren, die Proteste auf Betriebe ausweiten und schließlich den Berliner Senat stürzen, um die Unabhängigkeit der Stadt zu erzwingen. Innerhalb des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) wurde dabei bereits die ökonomische Destabilisierung als notwendiges Mittel einkalkuliert. Ein SDS-Genosse forderte auf Demonstrationsschildern, man solle „die Hausbesitzer hängen“, um Schuldige für die erwartete Krise zu benennen. Der SDS-Ideologe Bernd Rabehl schlug vor, Menschen, die sich nicht antiautoritär „umerziehen“ ließen, etwa Ältere, solle man zur Auswanderung drängen. Dutschke selbst sprach offen von Aktionen „jenseits des bestehenden Rechts“ und nannte den Brand des Wiener Justizpalasts von 1927 als Vorbild. Nach dem Attentat auf Dutschke im April 1968 radikalisierte sich die Bewegung weiter. Bundesweit kam es zu schweren Ausschreitungen, insbesondere gegen den Axel-Springer-Verlag, dem man eine Mitschuld an der Tat vorwarf. An der TU Berlin wurde ein Film über Herstellung und Einsatz von Molotowcocktails gezeigt, der mit Nahaufnahmen des Springer-Hochhauses endete und ergänzt durch den Hinweis, dass es noch zahlreiche weitere Springer-Standorte gebe. Flugblätter forderten offen die Enteignung des Konzerns. Diese Eskalationsspirale kulminierte im Mai 1972, als die Rote Armee Fraktion einen Sprengstoffanschlag auf das Springer-Hochhaus in Hamburg verübte, bei dem Dutzende Menschen verletzt wurden. Die Gewaltbereitschaft beschränkte sich jedoch nicht auf Medienkonzerne. Auch staatliche Institutionen wie die Bundeswehr gerieten ins Visier. Auf einer SDS-Delegiertenkonferenz kursierten Flugblätter mit konkreten Bauanleitungen für Sprengsätze – inklusive einer Lagekarte eines Munitionsdepots in Lüneburg. Ein SDS-Autorenkollektiv forderte gar, einen „reaktionären Richter so lange zu terrorisieren, bis er psychisch zusammenbricht“. Gewalt war kein Ausrutscher, sondern ein bewusst kalkuliertes Mittel. Hier sieht Aly die strukturellen Parallelen zur Studentenbewegung von 1933. Auch diese verstand sich als Bewegung, die mit der bestehenden Ordnung radikal brechen wollte. Nationalsozialistische Studenten verachteten die „morschen Knochen“ der Alten und sehnten sich nach dem großen Zerstörungsakt, nach dem alles „in Scherben“ fallen sollte. Dass eine der bekanntesten Parolen der Achtundsechziger „Ton, Steine, Scherben“ lautete, ist mehr als eine ästhetische Zufälligkeit. Aly betont ausdrücklich, dass er Sozialismus und Nationalsozialismus nicht gleichsetzt. Die Gemeinsamkeiten sieht er vielmehr in der antibürgerlichen Grundhaltung, der enormen Mobilisierungskraft und dem politischen Utopismus. Das Motto der Achtundsechziger „Trau keinem über dreißig“ spiegelt die Verachtung nationalsozialistischer Studenten für „alte, ergraute, erfahrene Männer“. Beide Bewegungen lehnten den „kapitalistischen Erfolgsmenschen“ ab und richteten sich explizit gegen bürgerlichen Individualismus. Während NS-Studenten das „Wir, die Societas“ ins Zentrum stellen wollten, bekämpften die Achtundsechziger die verhassten „Scheiß-Liberalen“. Der gemeinsame Feind war derselbe: Individualismus und Liberalismus. Dutschke selbst sprach offen von der Aufhebung der „individuellen Vergangenheit“ zugunsten eines „kollektiven Heils“. Sein Konzept des „Marsches durch die Institutionen“ zielte auf eine langfristige Unterwanderung staatlicher und gesellschaftlicher Schlüsselpositionen. Die Revolution sollte nicht durch einen raschen Umsturz, sondern durch eine schleichende Umgestaltung von innen erfolgen. Diese Strategie wirkte nach: in der Parteigründung der Grünen, an Universitäten, im öffentlichen Dienst. Aly wertet die Revolution dennoch als gescheitert, da viele Achtundsechziger letztlich ein bürgerliches Leben führten: als Professoren, Beamte oder Parteifunktionäre. An diesem Punkt widerspreche ich ihm. Der Erfolg der Achtundsechziger ist heute allgegenwärtig sichtbar: im Bildungssystem, in den Medien, im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, an Universitäten, in der Kulturszene: und in der permanenten, oft ritualisierten Kapitalismus- und Konsumkritik, der Herabwürdigung des Menschen unter der Natur, der Fokussierung auf die Sexualität des Menschen als Zentrum seines Lebens oder der Heroisierung des Sozialismus. Kaum ein meinungsbildendes Medium kommt ohne die Themen der “Systemkritik” aus, die sich geistig klar in der Tradition von 1968 verorten lässt. Gleichzeitig wächst der gesellschaftliche Widerstand. Das Vertrauen in genau jene Institutionen, die diese Ideologie tragen, ist so gering wie selten zuvor. Vielleicht wird diese Revolution eines Tages endgültig scheitern – gescheitert ist sie bislang jedoch nicht. Alys Buch ist umstritten, weil es einen wunden Punkt trifft. Wer eine umfassende, internationale oder ausgewogene Gesamtdarstellung der 68er sucht, wird hier nicht fündig. Das ist jedoch auch nicht der Anspruch. Aly verspricht eine schonungslose Kritik der Parallelen zwischen 1968 und 1933 und genau das liefert er. Die gängige Verklärung der Achtundsechziger als friedliche Hippies, die lediglich sexuelle Befreiung, Gleichberechtigung und den Ausstieg aus der Atomkraft wollten, blendet ihren totalitären Machtanspruch, ihre Gewaltbereitschaft und ihre Verherrlichung Maos weitgehend aus. Die jüngere deutsche Geschichte scheint in dieser Hinsicht unzureichend aufgearbeitet. Vor allem aber muss die bequeme Erzählung, „die Linken wollten doch nur das Gute“, endlich aufgebrochen werden.
interesting read, might be helpful to understand some aspects of 68 in germany, but the author's insistence to be repenting his sins (of having participated in the events of 68 and on) by writing this book is very tiring. the attempt to draw more than parallels between 68 and 33 is an intellectual disappointment - parallels never touch, there's nothing to be gained from showing that a nazi worshipped the power of the gun and a supporter of the 68-movement did, too. they both might have enjoyed a good cup of tea, the comparison would be just as enlightening.
i wasn't there, but it is my understanding that crude versions of a totalitarianism-theory can but scratch the surface - aly seems to have written a book that needed to have room for his recent findings on developments on the student movement during the early years of the nazis and cos he likes stirring up a roar, he incorporated these into a timely book on 68: in 2008 you have your audience, book sales are guaranteed and again you prove your "independent" mind. forget about intellectual honesty, just show them you do the selbstkritik-ritual we've read about from stalinist-times best.
Gutes Buch (eher Polemik als wissenschaftliches Traktat), das viele der Lebenslügen (z.B. Reform-Motor) der 68er in Frage stellt und die Parallelen zur Geisteshaltung der 33er aufzeigt (Führer-Verehrung, Verachtung der liberalen Demokratie, Antisemitismus, totalitäres Denken, Gewaltkult).