"Erklär mir Italien!" ist leider eins dieser Bücher, das ich nur zu Ende gelesen habe, weil ich mir auf jeder Seite dachte: Vielleicht wird's ja noch. Um das Ende schon einmal vorweg zu nehmen: Für mich wurde es nicht.
Da ich öfter beruflich in Italien bin, habe ich angefangen, dieses Buch zu lesen, um etwas mehr über Italien zu erfahren als die gängigen Pizza-Pasta-Amore-Klischees. Darum geht es in "Erklär mir Italien!" auch tatsächlich nur am Rande.
Zwei Männer mit italienischen Wurzeln unterhalten sich darin über "ihr Land" und ihre Beziehung zu Italien. Der eine ist Journalist in Deutschland, der andere ist Schriftsteller und hat insbesondere die Mafia und ihre Strukturen zum Thema. Es handelt sich also um zwei Intellektuelle mit umfangreicher politischer und landeskundlicher Kenntnis, die sich unterhalten.
Leider kann man von einem "normalen" Leser nicht erwarten, dass er die gleiche Kenntnis von italienischer Politik, Geschichte und Landeskunde mitbringt wie jemand, der in Italien zur Schule gegangen ist. Da halte ich mich schon für ein bisschen "vorgebildet", und ich habe oft seitenweise nicht verstanden, wovon die beiden Herren gerade sprechen. Ohne eine ausführliche Google-Recherche nebenher kommt man also nur schwer durch das Buch. Trotz des irreführenden Titels wird leider nur sehr wenig erklärt.
Auch empfand ich die Sichtweise auf Italien deutlich zu einseitig, um einem Titel wie "Erklär mir Italien!" zu entsprechen. Zwar wurde die politische und wirtschaftliche Situation beim Gespräch der beiden Herren gestreift, und es wurde auch auf aktuelle Tendenzen und Schwierigkeiten eingegangen. Aber im Wesentlichen kreiste die Unterhaltung um die Herren selbst, ihren eigenen Bezug zu "ihrem" Land und "ihrer" Kultur, und ihren Umgang mit den Herausforderungen, die ihre Arbeit und ihr Engagement mit sich bringt. Dadurch wurde für mein Gefühl sehr stark auf die (ebenfalls Klischee-) Themen Mafia und Korruption eingegangen, wie um dem sonnigen Urlaubs-Flair, der für Deutsche beim Wort "Italien" seit den Sechzigerjahren mitschwingt, einen harten Kontrapunkt zu setzen.
Ich will diese Themen nicht kleinreden, halte sie aber nicht für Italien-spezifisch und hoffe, dass sie nicht für alle Italiener wirklich den Alltag ständig prägen. Auch habe ich die Sichtweise sehr subjektiv (männlich-intellektuell) empfunden.
Jetzt habe ich nicht das Gefühl, mehr über Italien zu wissen, sondern eher weniger. Vielleicht sollte ich mich mal in die politische Geschichte Italiens vertiefen. Aber auch wenn mich solche Themen im Grunde sehr interessieren, muss ich jetzt nach der Lektüre doch sagen: Es eilt nicht.