Auch wenn „Auf Null“ vordergründig eine Krankheit thematisiert, ist das Buch ganz anders, als all die anderen „Krankheitsbücher“, die ich bisher gelesen habe. Es ist vermutlich schwierig genug, zu akzeptieren, dass man eine lebensbedrohliche Krankheit hat gegen die man Tag für Tag kämpfen soll, aber ich glaube, nach einer solchen Krankheit wieder zurück ins Leben zu finden und einen ganz normalen Alltag zu leben, ist sogar noch schwieriger – vor allem, wenn man so unglaublich lange krank gewesen ist und sich ein Leben ohne trostloses Krankenhauszimmer und tagtägliche Untersuchungen kaum noch vorstellen kann. Gerade das war es, was mich an diesem Buch von vornherein auch besonders fasziniert hat. Catharina Junk erzählt nicht nur davon, wie es ist, wenn man völlig aus dem Nichts heraus erfährt, dass man Krebs hat, sondern sie schreibt darüber hinaus über ein in meinen Augen fast noch interessanteres Thema: Wie findet man, nachdem man todkrank war, wieder ins Leben zurück? Wie besiegt man die allgegenwärtige Angst, dass die Krankheit jeden Augenblick zurückkommen kann? Wie geht man mit der Familie um, die monatelang besorgt um einen war und auch jetzt nur das beste für einen will und wie verhält man sich gegenüber seinen Geschwistern, die in der ganzen Zeit einfach zu kurz gekommen sind? Und wie öffnet man sich neuen Leuten, die möglicherweise sogar mehr als nur Freunde werden könnten, wenn man sie nur nahe genug an sich heranlässt? „Auf Null“ umfasst all das und noch so viel mehr, ohne auch nur eine Sekunde überladen oder unrealistisch zu wirken.
Die Geschichte beginnt mit Ninas Krankenhausentlassung – abwechselnd wird ein Kapitel aus der Gegenwart erzählt, in der Nina versucht, irgendwie wieder ins Leben zu finden und eines aus der Vergangenheit, in denen ihre Krankheitsgeschichte aufgerollt wird. Nach und nach erfahren wir mehr über Nina, ihre Familie und warum die Freundschaft zu ihrer besten Freundin zu Bruch gegangen ist, aber auch, wie Nina wieder versucht eine ganz normale junge Frau zu sein, Partys und Konzerte besucht und ausgeht. Dabei ist die Angst vor einer möglichen Wiedererkrankung aber ihr ständiger Begleiter, weshalb es ihr schwer fällt, sich wieder richtig ins Leben fallen zu lassen. Dabei war Nina als Protagonistin aber ein absoluter Gewinn, denn sie meistert ungefähr jede Situation mit einer ordentlichen Portion Selbstironie und Humor, sodass sie einem direkt ans Herz wächst. Dazu trägt vermutlich auch Catharina Junks Schreibstil bei – ich war selten so begeistert von dem Ausdruck einer deutschen Autorin, aber Junk schreibt wirklich phänomenal – direkt und ehrlich und wirklich extrem lustig. Kaum eine Passage klang gestelzt oder unpassend und gleichzeitig hat sie es geschafft, dass die Geschichte einen bewegt und berührt, dass man die Figuren ins Herz schließt und mit dem Lesen am liebsten nicht mehr aufhören möchte.
Ihr merkt schon – dieses Buch ist eine Achterbahn der Gefühle und ich bin absolut begeistert gewesen von dem Gesamtpaket. Für mich hat es dennoch nicht für eine volle Punktzahl gereicht, was schlicht und ergreifend daran liegt, dass mir einige Dinge doch zu schnell gegangen sind und sich einige der Beziehungen zu schnell entwickelt haben. Trotzdem ist Catharina Junk ein unglaublich emotionaler, kluger und unterhaltsamer Coming-of-Age-Roman gelungen, wie ich schon lange keinen mehr gelesen habe. Wer die farbenfrohe Palette aus allen möglichen Emotionen mag, Situationskomik und hervorragende Dialoge liebt und auch vor ernsteren Themen nicht zurückschreckt, der kann mit „Auf Null“ definitiv den richtigen Treffer landen. Für mich ist das Buch jedenfalls Anwärter auf mein liebstes Sommerbuch diesen Jahres, denn die Geschichte um Nina hat mich tief bewegt, unterhalten und hat mir irgendwie auch, trotz einiger trauriger Momente, ein wohliges Gefühl gegeben. Von mir gibt es daher 4.5 von 5 Sternen und eine ganz klare Leseempfehlung! Ich kann es kaum erwarten, hoffentlich bald schon mehr aus der Feder von Catharina Junk lesen zu dürfen.