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Erwachsenensprache: Über Ihr Verschwinden aus Politik und Kultur

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Überall wird im öffentlichen Diskurs heute auf Befindlichkeiten Rücksicht genommen: Es werden vor Gefahren wie »expliziter Sprache« gewarnt, Schreibweisen mit Binnen-I empfohlen, dritte Klotüren installiert. Es scheint, als habe der Kampf um die korrekte Bezeichnung und die Rücksicht auf Fragen der Identität alle anderen Kämpfe überlagert.
Robert Pfaller, Autor des Bestsellers »Wofür es sich zu leben lohnt«, fragt sich in »Erwachsenensprache. Über ihr Verschwinden aus Politik und Kultur«, wie es gekommen ist, dass wir nicht mehr als Erwachsene angesprochen, sondern von der Politik wie Kinder behandelt werden wollen. Steckt gar ein Ablenkungsmanöver dahinter? Eine politische Strategie? Es geht darum, als mündige Bürger wieder ernst genommen zu werden – doch dann sollten wir uns auch als solche ansprechen lassen.

256 pages, Paperback

Published November 23, 2017

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Robert Pfaller

39 books22 followers

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Displaying 1 - 9 of 9 reviews
Profile Image for Florian Lorenzen.
153 reviews165 followers
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August 27, 2025
Es ist schon mehr als 10 Jahre her, als ich Robert Pfaller, „Wofür es sich zu leben lohnt“, las. Dieses Manifest der Lebensfreude, des Genusses und des Rauschs in Zeiten von Gesundheits- und Effizienzstrebens hatte mir damals gut gefallen und so war es keine knifflige Entscheidung, mir nun auch sein Werk „Erwachsenensprache. Über ihr Verschwinden aus Politik und Kultur“, erschienen 2017 bei @s.fischerverlage, zu Gemüte zu führen.

In „Erwachsenensprache“ unternimmt Pfaller den Versuch, den pädagogischen Tonfall und moralischen Belehrungen, die unsere heutigen Diskurse oftmals kennzeichnen, aufzudecken und zu kritisieren. Mit diesem Anliegen rennt Pfaller zwar offene Türen bei mir an, doch seine Umsetzung der Kritik ist ebenfalls kritikwürdig. Besonders schlimm geht es im ersten Kapitel zu – eine übertrieben polemische Abrechnung mit verschiedenen Absurditäten aus dem Bereich der Sprachregeln, Gleichstellungsmaßnahmen etc., die aber letztlich unter seinem Niveau ist. Danach wird es zwar besser und an manchen Stellen auch durchaus interessant, jedoch verbleibt Pfaller bis zum Schluss bei jener strengen Dichotomie, derzufolge „woke Gesellschaftspolitik“ stets die Kehrseite neoliberaler Wirtschaftspolitik sei. Doch Pfaller übersieht, dass es sich dabei keinesfalls um einen inhärenten Zusammenhang, sondern um ein korrigierbares Zeitgeistphänomen handelt.

Des Weiteren fehlt es dem Buch an Tiefe und Substanz. Zwar referenziert Pfaller regelmäßig auf Adorno, Žižek und Lacan, doch sie werden nicht systematisch fortgeführt, wodurch sich der Eindruck festsetzt, dass es sich dabei vorwiegend um Name-Dropping handelt.

Man merkt „Erwachsenensprache“ die acht Jahre, die es mittlerweile auf den Buckel hat, an. Diskurse haben sich verschoben, Themenschwerpunkte verändert und die gesellschaftliche Stimmung gewandelt. Es sind in der Zwischenzeit auch viele andere Bücher mit ähnlicher Schlagrichtung publiziert worden; ja es existiert sogar ein gewisses Überangebot jener Anti-Woke-Bücher. All das schmälert den Ertrag, den „Erwachsenensprache“ heute noch abzuwerfen vermag. Als bessere und differenzierte Alternative empfehle ich Philipp Hübls „Moralspektakel“

Review bei Instagram: https://www.instagram.com/p/DN2gosDRPrb
Profile Image for Hendrik.
440 reviews111 followers
September 3, 2022
Für seine luziden Bemerkungen zum gegenwärtigen Zustand der Gesellschaft, dürfte Robert Pfaller von einigen Seiten heftigen Widerspruch ernten. Greift er doch frontal das postmoderne Narrativ von der emanzipatorischen Wirkung der Identitäts- und Diversitätspolitik an. Nach seiner Meinung konterkarieren diese Bewegungen geradewegs das propagierte Ziel der sozialen Gleichheit. Statt den Anspruch der Menschen auf einen gewissen Teil des gesellschaftlichen Reichtums zu befriedigen, wird lediglich ihren spezifischen Empfindlichkeiten eine symbolische Anerkennung gewährt. Das grundlegende Problem einer wachsenden ökonomischen Ungleichheit verschwindet hinter der Fassade von Inklusion und Diversität. Es ist billiger für Unternehmen oder Politiker demonstrativ die Regenbogenflagge zu schwenken, als tatsächlich faire Entlohnung und Arbeitsbedingungen zu garantieren. Je brutaler die Verhältnisse, desto zartfühlender die Politiken, lautet Pfallers Befund.
Politisch korrekter Sprachgebrauch ist - ebenso wie Charity, ethical Fashion, ökologisches Einkaufen und veganes Kochen - vor allem und zu allererst ein Distinktionskapital; eine Waffe, mit deren Hilfe man mehr oder weniger Gleichgestellte wirksam zu Ungleichen machen kann. Auch daher kommt es, dass die Bemühungen um Korrektheit nie ein angemessenes Ende finden: Denn das kostbare Gut des angemessenen Benennens muss immer weiter verknappt werden, damit man weitere Konkurrenten deklassieren kann.
Studenten werden vor "traumatisierender" Literatur gewarnt, negativ konnotierte Begriffe dürfen höchstens noch als Umschreibung benutzt werden (siehe N-Wort, I-Wort oder Z-Wort), uneigentliche Formen des Sprechens werden nicht mehr verstanden – um nur einige Beispiele aus jüngster Zeit zu nennen. Pfaller sieht darin einen Prozess der zunehmenden Infantilisierung der Gesellschaft. Eine allgemeine Ermunterung zur Empfindlichkeit, die eine Kultur des Ressentiments hervorbringt, in der das unmittelbare subjektive Empfinden als nicht relativierbare absolute Wahrheit gilt und der andere als böse dämonisiert wird. Der Gegenentwurf dazu ist das Prinzip der mündigen Bürgerlichkeit (citoyenneté), das ursprüngliche Ideal und Versprechen der Moderne. Gekennzeichnet durch Gleichheit im öffentlichen Raum, der Geltung von Argumenten ohne Ansehung der Person, sowie der Unterscheidung zwischen öffentlicher (= Zivilisiertheit, Distanz im Umgang) und privater Rolle (= Eigentlichkeit, Authentizität).
Der kulturelle Narzissmus in seiner durch das puritanische Christentum gespeisten Radikalisierung duldet nur Gut und Böse, aber keine Zwischenstufen oder -zonen. Darum empört er sich auf das Rabiateste gegen alles, was nicht sofort und unmittelbar ichkonform ist, wie zum Beispiel ein theoretische Argument, die grundsätzliche Trianguliertheit von Sprache und Bedeutung, das erotische Begehren einer anderen Person (ebenso übrigens wie das eigene), oder auch nur ein mittelmäßiges sexuelles Erlebnis.
Kurz gesagt, persönliche Befindlichkeiten können kein Maßstab für die Allgemeinheit sein. Zu eine Haltung des Erwachsenseins gehört eben auch, "gewisse Unannehmlichkeiten oder Übel als notwendige Begleiterscheinungen des Lebens zu erkennen, wie die eigenen Möglichkeiten sie zu ertragen oder zu überwinden." Andernfalls landet man in einer entsolidarisierten Gesellschaft voller Narzissten, in der keiner mehr in der Lage ist mit dem anderen zu sprechen. Eigentlich alles Selbstverständlichkeiten würde man meinen. Was Pfallers Zugang zum Thema über die bloße Polemik hinaushebt, ist sein psychoanalytischer Erklärungsansatz. Er liefert einige interessante Deutungen zu den oben genannten Phänomenen. Unter anderem geht er der Frage nach, warum wir anderen ihre Freude oder ihren Genuss missgönnen.

Abschließend noch einige Worte zu einem möglichen Ausweg aus der scheinbar verfahrenen Situation. Pfaller sieht das Gegenmittel in einer veränderten Wahrnehmung, d.h. dem Ich-Fremden mit Wohlwollen begegnen, Ambivalenzen wahrnehmen, nicht kindlich auf dem (gut) Gemeinten beharren, Abstand zu sich gewinnen und das Wichtigste Verstehen wollen. So könnte ein öffentlicher Raum der Erwachsenheit entstehen, der von Würde, Großzügigkeit, der Bereitschaft zum Austausch und Solidarität geprägt ist.
87 reviews
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August 7, 2019
Ich würde bitte gerne Negativsterne vergeben. Ein sog. Philosophieprofessor sollte einr Studie zur Erwachsenensprache nicht mit zwei vollkommen konfusen Kapitel beginnen, in welchen sich eine Quintessenz aus Enttäuschung am Arbeitsplatz (ständige und teilweise berechtigte Kritik an Unipolitik) und purem Sexismus (die gelegentliche Belästigung und Vergewaltigung gehört für die junge Frau zu einem ausgewogenem Studium) herausdestilliert. Die weitere Analyse mag erkenntnisreich sein, der gesamte Zugang dieses Textes lässt leider weitestgehend nur vollkommen absurde Interpretationen und Argumente zu und dafür andere vollkommen aus. Zeitverschwendung und eine Schande für einen Professor.
Profile Image for Steffi.
340 reviews316 followers
January 14, 2019
'Erwachsenensprache' ('Adult Language', 2017). Too bad this isnt available in English (yet?) but a MUST READ for Germans. (Also my last holiday read on identity politics, I think in 2017-8 I read everything there is to say about this, for now.)

This is an excellent left-wing critique of today's postmodern pseudo politics aka identity politics and its culture of celebrated vulnerability and policing of language (political correctness) . This is pretty much in line with much of existing analyses of progressive neoliberals (Fraser etc) but with a very interesting focus on language and culture (including through psychoanalysis and Althusser's concept of ideology).

Key question, as always: how can we move away from this pseudo politics obsessed with correct language and the symbolic toward a progressive political project that can also represent the voice of those left behind by neoliberalism (including the ugly white male working class!) as otherwise these people will continue to only feel represented by right-wing populism and will challenge the neoliberal status quo from the far right (Brexit, Trump etc).

Also very important analysis re the relationship between the tyranny of correct and soft speech (where we treat each other as easily offended children who are always victims of someone's language and inappropriate behaviour and require safe spaces, new pronouns and trigger warnings) and the actual brutality of social reality. Like, we fight over transgender representation in the military rather than fighting imperialism which bombs entire regions into failed states - in how far does political correctness act as a superstructure to enable today's brutality of neoliberal austerity and imperialism?
Profile Image for Ulf Kastner.
75 reviews6 followers
October 8, 2018
Die Lektüre hat mir einige interessante Neuperspektiven und Denkansätze eröffnet. Der Schreib- und Argumentationsstil haben mir dabei öfter Unmut gemacht, und obwohl ich das nicht als groben Nachteil empfunden habe, war das Buch für mich dadurch schon mitunter eine Qual mittleren Grades. Letztendlich fand ich sämtliche Appelle an den sowohl verständnisvollen, wie auch mutigen und risikofreudigen Umgang mit Artgenossen begrüssenswert.

p.s. Als mittlerweile schon über zwei Jahrzehnte in Texas lebender Österreicher fand ich die Fehlzuordnung Orlandos zu Texas—siehe Kapitel 8, Kindliche Götter, Seite 196 in der Paperback Ausgabe, bzw. Anmerkung 7 zu diesem Kapitel—von einem offensichtlich für eine Weile in Chicago gelehrt habenden Autor für etwas bedenklich. Wer eine berühmte Stadt Floridas fälschlich zu Texas zählt, der hält es mit etwaigen anderen Details vermutlich auch nicht allzu genau.
19 reviews
July 24, 2025
Thema und Einstieg waren gut und vielversprechend, drifteten dann jedoch relativ schnell vom interessanten Kern – Sprache und der zunehmenden Infantilisierung der Gesellschaft – ab und nahmen für mich eine Richtung mit einem Hauch von Verschwörungstheorie an, der ich nicht folgen wollte. Die Argumentation war zwar fundiert, aber mir fehlte eine klarere Struktur. Der Text is in weiten Teilen als Blocktext mit zusammengeferchter Schrift schwierig auf lnage Zeit. In weiten Teilen ist der Text als Blocksatz mit sehr dichter Schrift formatiert, was das Lesen über längere Strecken hinweg anstrengend und ermüdend macht.

So konnte ich nicht gut folgen, da ich mich nicht täglich mit Philosophie beschäftige. Ich habe versucht, an anderen Stellen wieder den Anschluss zu finden, aber es sollte nicht sein. Für Philosophie-Nerds sicherlich gehaltvoll, für jemanden ohne tiefere Vorkenntnisse jedoch schwer zugänglich.
Profile Image for Letterrausch.
306 reviews23 followers
January 18, 2022
Klar, er schreibt aus einer privilegierten Situation heraus. Trotzdem finde ich, dass es nicht schadet, sich mit seiner Grundthese zu beschäftigen: Was, wenn das Beackern von Gender/Diversitäts/und sonstigen Befindlichkeiten hauptsächlich eine Stellvertreterdiskussion ist, die sich mit Nebenschauplätzen auseinandersetzt, während wirkliche Schritte zur Gleichberechtigung benachteiligter Gruppen nicht angegangen, noch nicht einmal diskutiert werden? Linker Politik wird hier ein Armutszeugnis ausgestellt - ich denke, passend dazu nehme ich mir demnächst Die Selbstgerechten. Mein Gegenprogramm – für Gemeinsinn und Zusammenhalt vor.
Profile Image for Buzz Fledderjohn.
31 reviews2 followers
July 3, 2018
Eine diagnostisch scharfsinnige Beobachtung, die offenlegt dass Political Correctness und Postmoderne in Wahrheit nicht links, sondern neoliberal sind. Leider verliert sich dieser Scharfsinn im Verlauf des Buches zunehmend in psychoanaltisch-haltlosem Geschwurbel. Bis ca. zur Hälfte aber Pflichtlektüre.
Profile Image for Theresa.
5 reviews
July 2, 2023
einige wirkliche erhellende Gedanken und Erkenntnisse und zahlreiche unangenehme Kontroversen, die es spannend zu lesen machen und zum Nachdenken anregen
Displaying 1 - 9 of 9 reviews

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