Alina ist neu auf dem Internat Hoge Zand auf der kleinen Ostseeinsel Griffiun. Eines Nachts sieht Alina aus einem der Turmzimmer ein dunkles Schiff am Horizont, das seltsame Blitze über das angrenzende Naturschutzgebiet schießt. Auf der Suche nach Antworten trifft sie in den Dünen auf Tinka, der sie sich sofort auf unheimliche Weise verbunden fühlt. Das Mädchen mit der seltsamen Ausrüstung weiß viel mehr, als sie wissen dürfte und verschwindet immer wieder spurlos. Als Alina mit Hilfe der Lonelies, ihrer neuen Freundes-Clique, versucht, den Rätseln der kleinen Insel auf die Spur zu kommen, macht sie eine Entdeckung, die alles in Frage stellt, was sie jemals für wahr gehalten hat …
Ella Blix ist das offene Pseudonym von Antje Wagner und Tania Witte.
Antje Wagner lebt in Hildesheim und Potsdam. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung nahm sie 2012 in den Kanon der 20 besten deutschsprachigen Autoren unter 40 Jahre auf. Mit ihren Jugendbüchern UNLAND, SCHATTENGESICHT, VAKUUM hat sie sich bereits einen Namen gemacht und steht für außergewöhnliche Mysteryromane. Antje Wagner ist gerne und viel auf Lesungen unterwegs und erhielt bereits mehrfach Stipendien.
Tania Witte ist Medienpädagogin und Erwachsenenbildnerin und lebt in Berlin und den Haag. Sie schreibt – am liebsten Romane und Kurzgeschichten. Sie erhielt diverse internationale Stipendien und unter anderem zuletzt den Martha-Saalfeld-Förderpreis (2017). Ihre Kolumne im ZEITmagazin wurde 2016 mit dem Felix-Rexhausen-Sonderpreis ausgezeichnet. Außerdem ist Witte Teil diverser interdisziplinärer Kunstkooperationen und leidenschaftliche Spoken-Word-Performerin.
Spätestens als ich mitbekam, dass hinter dem Pseudonym "Ella Blix" zu 50 % die von mir sehr geschätzte Autorin Antje Wagner steckt, war klar, dass ich das Buch lesen muss. Und ich wurde nicht enttäuscht; hinter "Der Schein" (übrigens ein genialer, weil mehrfach zu deutender Titel) verbirgt sich eine originelle, abwechslungsreiche Story, die nicht zuletzt gekonnt mit Vorurteilen und Schubladendenken spielt. Darüber hinaus ist das Geschehen auf der Internatsinsel Griffiun äußerst mysteriös und der Leser rätselt sich mit der Zeit beinahe einen Knoten in die Gehirnwindungen, was das alles zu bedeuten haben mag. Spannend, atmosphärisch, pfiffig - ein wirklich feines Jugendbuch!
Auf "Der Schein" war ich sehr gespannt, da es nach einem spannenden Jugendthriller klang und der Klappentext mich sehr neugierig gemacht hat.
Den Einstieg fand ich mit Alinas Ankunft auf der Insel sehr gut gefallen, denn durch die Beschreibung der Insel wurde eine sehr gelungene Atmosphäre geschaffen. Man hat gleich das Gefühl, dass hier irgendwas nicht stimmt und viele Geheimnisse verborgen sind.
Es folgt nun auch viel aus dem Internatsalltag, der zwar einerseits interessant war und es gab auch immer wieder mysteriöse Andeutungen, aber andererseits hatte dieser auch einige Länge und es hat ne ganze Weile gedauert bis dann wirklich was passiert.
Die Geschichte ist sehr spannend und man möchte unbedingt wissen, was es mit den ganzen mysteriösen Ereignissen auf sich hat. Ich konnte die Auflösung gar nicht erwarten. Diese war dann wirklich komplett was anderes von dem was ich erwartet habe. Dies fand ich einerseits gut, aber andererseits weiß ich immer noch nicht was ich davon halten soll. Wie gesagt war es komplett was anderes und ich hatte auch irgendwie das Gefühl, dass es ein wenig zu weit hergeholt und zu dick aufgetragen ist.
Dennoch konnte Der Schein mich gut unterhalten und ich habe das Buch sehr gerne gelesen. Der Schreibsil ist sehr angenehm und flüssig zu lesen.
PLOT Alina ist neu auf dem Internat Hoge Zand auf der kleinen Ostseeinsel Griffiun. Eines Nachts sieht Alina aus einem der Turmzimmer ein dunkles Schiff am Horizont, das seltsame Blitze über das angrenzende Naturschutzgebiet schießt. Auf der Suche nach Antworten trifft sie in den Dünen auf Tinka, der sie sich sofort auf unheimliche Weise verbunden fühlt. Das Mädchen mit der seltsamen Ausrüstung weiß viel mehr, als sie wissen dürfte und verschwindet immer wieder spurlos. Während Alina versucht Antworten zu finden, freundet sie sich mit den Lonelies an, einer eingeschworenen Clique, die wie Alina die Wochenenden im Internat verbringen müssen. Gemeinsam wollen sie den Rätseln der kleinen Insel auf die Spur kommen. Was hat es mit den Menschen auf sich, die alle sieben Jahre spurlos verschwinden? Und wieso schweigen die Dorfbewohner, obwohl sie mehr zu wissen scheinen?
REVIEW Eine Internatsstory auf einer geheimnisvollen Insel? Da konnte ich nicht widerstehen! Das Autorenduo Antje Wagner und Tania Witte – die nun zum ersten Mal gemeinsam als Ella Blix veröffentlichen – konnte mich überraschen, weil ich mir etwas ganz anderes unter der Geschichte vorgestellt hatte. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung der Protagonistin Alina, welche nicht nur die Geheimnisse der Insel aufzudecken versucht sondern dabei auch mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert wird. "Der Schein" ist ein klassisches Kinder- und Jugendbuch, in welches man wunderbar abtauchen kann und dabei großartig unterhalten wird. Mich haben besonders die Lonelies begeistert, eine ungleiche Gruppe mit der sich Alina schnell anfreundet. Die unterschiedlichen Charaktere waren großartig und ich hätte mir gewünscht, dass deren Geschichten noch mehr im Fokus stehen, da ich mit Alina selbst leider nicht warm geworden bin. Das Geheimnis der Insel ist ab einem gewissen Punkt zwar vorhersehbar, aber trotzdem schaffen es die Autorinnen den Leser mehrmals zu überraschen und besonders das Ende konnte für vieles entschädigen!
CHARAKTERE Die Charaktere in "Der Schein" sind liebevoll und individuell gezeichnet, wodurch es unglaublich Spaß macht der Geschichte zu folgen. Es gab tatsächlich nur einen Charakter, der mir letztendlich nicht wirklich gefallen hat und das war leider die Protagonistin. Ich konnte mich mit Alina einfach nicht anfreunden, was mehrere Gründe hatte. Zum einen fiel es mir schwer mich in sie hineinzuversetzen. Schubladendenken beherrscht ihre Gedanken und sie beurteilt jeden direkt nach seinem Aussehen. Nur um dann festzustellen, dass sie damit komplett falsch liegt. Daraus lernt sie jedoch nicht und so geht es immer weiter, bis sie erst ganz am Ende feststellt damit wohl falsch zu liegen. Obwohl ich durchaus verstehen kann, was die Autorinnen dem Leser damit vermitteln wollen, war es auf Dauer anstrengend zu lesen. Zudem wird die Handlung mehrmals von Alina selbst aufgehalten. Natürlich kann ein Rätsel nicht sofort gelöst werden, aber es gab so viele Stellen an denen Alina etwas nur hätte hinterfragen müssen und schon wäre sie viel weiter. Stattdessen lässt sie sich immer ablenken, denkt nie etwas zu Ende und wirkt manchmal etwas schwer von Begriff. Als Leser hätte ich sie einige Male am liebsten geschüttelt, damit sie einer Spur endlich mal folgt anstatt nachzugeben.
Aber jeder Leser hat einen anderen Geschmack und ich wurde dafür mit großartigen Nebencharakteren versöhnt. Sehr toll fand ich wie viele Klischees die Autorinnen mit ihren Charakteren brechen. Es gibt Gigi, der hetero ist aber gerne Frauenkleider trägt. Cara, die ständig rosa trägt und etwas fülliger ist, aber sich als unglaublich tough herausstellt. Oder Mareike-Helene, die wie eine zweite Blair Waldorf rüberkommt, aber stattdessen eher eine kleine Mary Poppins ist. Die Lonelies haben mir – bis auf Lexi – unglaublich gut gefallen und ich fand die Dynamik innerhalb der Clique wirklich toll. Obwohl sie nicht unterschiedlicher sein könnten, verbindet sie eine enge Freundschaft, die sich durch tiefe Loyalität auszeichnet. Davon wird der Leser mehrmals Zeuge und ich finde es schön wie die Autorinnen viele moralische Grundsätze in die Handlung einfließen lassen. Der Charakter mit dem meisten Potential, wovon aber leider viel verschenkt wird, ist Tinka. Sie erhält lange Zeit nur kurze Gastauftritte und ihre Rolle bleibt lange im Unklaren. Allgemein hat es den Nebencharakteren für meinen Geschmack an eigenen Handlungssträngen gemangelt und ich hätte es großartig gefunden wenn ihnen eine wichtigere Rolle zugekommen wäre.
WELTENBAU "Der Schein" spielt auf der fiktiven Ostseeinsel Griffiun. Die Berlinerin Alina muss für ein halbes Jahr das dortige Internat Hoge Zand besuchen und damit bietet sich die perfekte Kulisse für einen Jugendroman. Ich liebe Internatsgeschichten und für meinen Geschmack hätte das Internatsleben noch mehr im Vordergrund rücken dürfen, da wir letztendlich nur kurze Einblicke in das Leben dort erhalten. Das Naturschutzgebiet spielt eine noch wichtigere Rolle und dieses war wirklich schön beschrieben. Ich konnte mir die Natur und die wilde See dort gut vorstellen und hatte selbst das Gefühl am Meer zu stehen. Der Leser wird direkt am Anfang mit einigen Rätseln konfrontiert, aber diese werden tatsächlich erst zum Ende hin geklärt. Dadurch muss die Spannung sehr lange aufrecht erhalten werden, was in meinen Augen nur mittelmäßig gelungen ist. Der Mittelteil war für meinen Geschmack etwas zu langatmig und erschien wie ein kleiner Durchhänger. Es gibt immer wieder Rückblicke und damit verbundene Tagebucheinträge in Alinas Vergangenheit und die haben den Lesefluss etwas gestört.
Im Gegensatz dazu steht das bombastische Finale! Das konnte mich wirklich begeistern und würde ich nur den Endteil bewerten, gäbe es von mir die volle Punktzahl. Ich finde die Idee hinter dem Roman unglaublich faszinierend und spannend. Leider wird das Potential durch die Geheimniskrämerei verschenkt und der Leser erhält somit nur einen kleinen Einblick hinter die Kulissen. Das finde ich besonders schade, weil sich bereits sehr früh erahnen lässt in welche Richtung die Autorinnen gehen wollten. Ich hätte es toll gefunden, wenn die Hintergründe für den Leser bereits früher offenbart worden wären und man daraus einen zweiten Handlungsstrang aus der Sicht von Tinka gemacht hätte. Damit wären auch viele Fragen geklärt worden, die am Ende noch offen gelassen werden. Obwohl das Buch in sich abgeschlossen ist, würde sich durchaus Potential für eine Fortsetzung bieten.
SCHREIBSTIL Bei einem Autorenduo fragt man sich automatisch, ob man der Geschichte die zwei unterschiedlichen Erzählstimmen anmerken wird. Antje Wagner und Tania Witte verschmelzen aber vollkommen zu Ella Blix und würde man es nicht besser wissen, könnte man meinen das Buch wäre nur von einer Person geschrieben. Ich finde es bewundernswert, wenn zwei Autoren miteinander harmonieren und dabei auch noch ein so gelungener Schreibstil bei herauskommt. "Der Schein" überzeugt mit locker, flüssiger Erzählstimme und es fällt leicht in die Geschichte abzutauchen. Aufgelockert wird dies durch Tagebucheinträge der Protagonistin, aus deren Sicht die Handlung auch erzählt wird. Ich hätte es interessant gefunden, wenn mehrere Erzähler zu Wort gekommen wären, da es unglaublich viele interessante Charaktere gibt, deren Sichtweisen interessant gewesen wären. Besonders Tinka wäre eine faszinierende Erzählerin gewesen, wenn man die Handlung anders aufgerollt hätte. Das hätte "Der Schein" für mich zu einem absoluten Highlight gemacht! Einziger Negativpunkt war die Jugendsprache, die für meinen Geschmack zu präsent war und den Lesefluss mehrmals stört.
COVER Das Cover ist ein absoluter Eyecatcher! Durch den schwarzen Hintergrund sticht die goldene Prägung erst richtig hervor. Ich liebe den schimmernden Effekt und auch im Buchregal macht sich dieses Schmuckstück großartig. Während der Titel auf dem Buchrücken in großen, roten Lettern prangt, ist er auf der Vorderseite zum Glück dezent gehalten und fügt sich perfekt ein. Stattdessen findet sich das Wort Schein in geschwungenen goldenen Schnörkeln wieder, welches erst beim erneuten Hinschauen auffällt. Die Gestaltung ist wirklich liebevoll und ich hätte mir gewünscht, dass sich davon auch etwas im Buch selbst wiederfindet. Ich hätte eine Karte von Griffiun gewünscht, um die geografischen Details noch besser nachvollziehen zu können.
FAZIT "Der Schein" ist ein unterhaltsames, kurzlebiges Abenteuer. Begeistern können besonders die individuellen Charaktere und der locker, flüssige Schreibstil. Während der Spannungsaufbau im Mittelteil etwas nachlässt, ist das Ende mitreißend und lässt auf eine Fortsetzung hoffen. Die Grundidee ist faszinierend und hätte gerne noch mehr im Vordergrund stehen dürfen!
Alina ist frisch verliebt in Lukas. So passt es ihr denkbar schlecht, dass ihr Vater beruflich für ein halbes Jahr in die USA muss und sie diese Zeit in einem Internat verbringen wird. Auf die winzige (fiktive) Ostsee-Insel Griffiun reist Alina per Fähre und trifft auf dem Schiff gleich Cara, die als Einheimische am Unterricht der Internatsschule teilnimmt, und einen sonderbaren Mann mit Monokel, der aus einem Roman des 19. Jahrhunderts entsprungen zu sein scheint. Schloss Hoge Zand läuft bei Alinas Ankunft noch im Ferienmodus; der Internatsleiter ist aktuell unterwegs auf Promo-Tour für seine Schule. Alina fasst schnell Fuß bei den „Lonelies“, den Schülern, die in den Ferien nicht nachhause fahren. Jeder aus der eingeschworenen Clique trägt eine skurrile bis tragische Vorgeschichte im Gepäck. Nians Eltern touren als Opernsänger um die Welt, so dass er außerhalb des Internats noch nie Freunde hatte, Giovanni trägt gern Himmelblau und ist erfolgreicher Modeblogger, Lexie scheint überhaupt keine Angehörigen zu haben, Isabella verwandelte das Zimmer, das sie mit Alina teilt, in ein Gewächshaus für Heilpflanzen – und Alina selbst kann sich noch immer nicht damit abfinden, dass sie als Kind darüber belogen wurde, warum ihre Mutter plötzlich verschwand. Falls ich noch einmal geboren werde, dann bitte unbedingt als Kräuterhexe Isabella!
Nördlich des Internats werden angeblich temperamentvolle Ur-Rinder gehalten, der Zutritt zu diesem Bereich ist den Schülern streng verboten. Doch wenn die Urviecher gefährlich sind, was tut dann der Monokel-Mann in dem gesicherten Gehege und wer würde mitten zwischen den gehörnten Riesen zelten? Als Alina ein sonderbares Schiff an der Nordspitze der Insel sichtet, gibt es für die Lonelies kein Halten mehr, sie müssen dem Geheimnis der Insel auf den Grund gehen. Es handelt sich in Hoge Zand eher um ein dichtes Netz von Geheimnissen: da wäre das Schiff, Tinka, die zwischen Ur-Rindern zeltet, Informationen über die Geschichte der Insel, die man nicht im Internet finden kann, eine Hausmutter, die plötzlich schwer erkrankt und das Rätsel um Alinas Mutter, das immer bedrückender auf ihr lastet. Was die Lonelies hier oben erleben, wird Sie vom Stuhl werfen und Sie werden eine Weile daran zu knabbern haben, dass „Schein“ mehrere Bedeutungen haben kann.
Das Setting dieser phantastisch-abenteuerlichen Internatsgeschichte erinnert ein wenig an Frankas Eintritt in ihre Pflegefamilie in „Unland“. Aus den Fenstern des Internats wirkt die Insel Griffiun ähnlich unheimlich wie das Dunkel, auf das Franka damals blickte. Weil ein Staat in der jüngsten Geschichte hier oben eine Insel komplett von der Landkarte tilgen und später wieder zurückmogeln konnte, glaube ich den Autorinnen unbesehen, dass am Nordrand des fiktiven Griffiun die phantastische Welt beginnt … „Der Schein“ versammelt originelle Figuren und freche Dialoge, das Buch zwingt junge und erwachsene Leser, ihre Schubladen mit den Urteilen über andere Menschen neu zu sortieren und nicht zuletzt sind die Erlebnisse der jungen Helden äußerst spannend. Ich sage nur Notausgänge …
Ein richtig spannendes, sprachlich jugendlichem Jargon angeglichenes Buch über Verlust, Ängste,Zusammengehörigkeit, Solidarität und noch viel mehr. Was die 16 jährige Alina in ihrem "Exil" bzw. dem Internat auf der kleinen Ostseeinsel Griffiun erlebt, ist wirklich gut erzählt und macht Spaß es zu lesen. Keine einzige langweilige Minute in dem 470 Seiten umfassenden Werk, einer Coproduktion der beiden Autorinnen Antje Wagner und Tania Witte.
Ich habe das Buch nach 90 Seiten abgebrochen. Die Hauptfigur ist so furchtbar unsympathisch, es war unerträglich. Die Art des Erzählens/der Stil war überhaupt nicht mein, einfach nervtötend und unangenehm judgy allen Personen gegenüber (jaja, ich weiß Kinder&Jugendliche sind halt einfach scheisse). Spätestens mit dem abfälligen Kommentar über den genderqueeren Mitschüler war eigentlich bei mir Schluss (anscheinend werden die später Freunde. Trotzdem...). Vielleicht hat mich die angelsächsische YA-Szene auch einfach für deutsche Jugendliteratur ruiniert...
Story: Alina steht ein halbes Jahr Horror und Abgeschiedenheit auf der abgelegenen Ostseeinsel Griffiun bevor, da ihr Vater kurzfristig einen Forschungsauftrag in den USA bekommt – für ihn ein Traum, für Alina ein Albtraum, immerhin darf sie die Zeit auf dem Inselinternat Hoge Zand verbringen. Schnell findet sie in den Lonelies neue Freunde und stößt inmitten des verbotenen Naturschutzgebietes im nördlichen Teil der Insel auf ein seltsames Mädchen namens Tinka, das mehr als nur ein Geheimnis hat. Zudem sichtet sie ein seltsames Geisterschiff am Nordstrand und findet heraus, dass in den letzten Jahrhunderten immer wieder Menschen verschwanden oder unheilbar Kranke plötzlich auf wundersame Weise geheilt wurden. Als sie der Wahrheit näherkommt, muss Alina feststellen, dass ihre eigene Vergangenheit eng mit den sonderbaren Vorfällen verbunden ist und sie eine Entdeckung macht, die alles in Frage stellt, was sie jemals für wahr gehalten hat …
Eigene Meinung: Mit dem Jugendroman „Der Schein“ präsentieren die Autorinnen Antje Wagner und Tania Witte alias Ella Blix ihr erstes gemeinsames Projekt. Erstere ist im Jugendbuch keine Unbekannte – Antje Wagner ist für ihre ungewöhnlichen, sehr authentischen Jugendbücher bekannt und konnte bereits etliche Preise gewinnen. Tania Witte hat bisher eine queere Trilogie im Querverlag herausgebracht, ebenso mehrere Kurzgeschichten in Anthologien.
Die Geschichte erinnert am Anfang stark an Antje Wagner „Unland“, die von den Grundlagen her ähnlich abläuft – ein Mädchen kommt in eine neue Umgebung (Heim/Schule), lernt neue Leute kennen (Heimkinder/Lonelies) und lebt in Sichtweite eines Ortes, den sie unter keinen Umständen betreten darf (Unland/Naturschutzgebiet). Sie beobachtet mehrfach seltsame Vorfälle und will herausfinden, was sich hinter allem verbirgt. Glücklicherweise geht „Der Schein“ irgendwann eigene Wege und hat vollkommen andere, die es zu entdecken gibt. Für Vielleser und Erwachsene ist recht früh klar, in welche Richtung die Geschichte geht, was es mit Tinka auf sich hat und was sich hinter. den seltsamen Ereignissen verbirgt. Gerade wenn man auch im fantastischen Bereich unterwegs ist, bietet die Auflösung keine Überraschungen mehr, vielmehr bestätigt sie nahezu alle Vermutungen. Für die jugendliche Zielgruppe dürften die Hinweise jedoch nicht ganz so offensichtlich sein (gerade weil die Autorinnen eine sehr realistische und authentische Rahmenhandlung aufbauen, in denen sich jugendliche Leser problemfrei wiederfinden), so dass die Auflösung durchaus eine Überraschung sein könnte. Positiv ist auch, dass die Autorinnen versuchen mit den typischen Klischees zu brechen und alles daran setzen, außergewöhnliche Figuren zu erschaffen, die fernab der gängigen Schubladen liegen. Hin und wieder betonen sie diesen Aspekt zwar zu sehr, doch insgesamt ist es schön, dass sowohl die Haupt- als auch die Nebenfiguren alles andere als stereotyp sind.
Das macht alle Figuren wunderbar sympathisch und lebendig, und sorgt dafür, dass man sich wirklich gut in die Geschichte hineindenken kann. Man ist hautnah bei Alina, aus dessen Sicht alles erzählt wird und erlebt mit ihr die ersten Tage auf Hoge Zand und die folgenden Ereignisse. Sie wirkt am Anfang ein wenig spröde, doch mit der Zeit lernt man sie besser kennen und kommt gut mit ihr als Heldin zurecht. Wirklich schillernd sind einige der Nebenfiguren allen voran Gigi, der herrlich aus dem Rahmen fällt und fernab aller Klischees ist, ebenso die toughe Cara, Alinas Zimmergenossin und all die anderen Lonelies. Hervorzuheben ist die Tatsache, dass die beiden Autorinnen durchaus queere Charaktere einbauen oder zumindest solche, die in keine Schublade passen. Das macht dieses Buch auf vielfache Art besonders, da es jugendlichen Lesern eine Möglichkeit gibt, mit diesem Thema in Berührung zu kommen, ohne dass es einen Löwenanteil der Handlung einnimmt.
Stilistisch ist „Der Schein“ auf jeden Fall gelungen – Antje Wagner und Tania Witte haben einen tollen Stil, der sich eng an die Sprache der heutigen Jugend orientiert und für die Zielgruppe perfekt geeignet ist. Das macht sich sowohl in den Dialogen, als auch in den Handlungen der Figuren bemerkbar. Sehr gelungen sind auch die Beschreibungen der Insel und die vielen kleinen Ideen, mit denen die Autorinnen die Handlung vorantreiben und kleine Hinweise streuen. Hervorzuheben ist auch die Tatsache, dass die beiden das Buch wirklich zusammengeschrieben habe – sprich nicht wie man es zumeist von Autoren-Duos kennt von Kapitel zu Kapitel wechselnd, sondern jeden Satz, jeden Dialog zusammen (eine Autorin hat einen Teil in Rohform vorgeschrieben, die andere hat diesen Part überarbeitet und fortgeführt – und umgekehrt). Dadurch wirkt das Buch wie aus einem Guss und wirkt als hätte es nur eine Person geschrieben. Das macht den Roman stilistisch zu etwas Besonderem.
Fazit: „Der Schein“ ist ein gelungenes Jugendbuch, das durch sehr lebendige Charaktere und einen wirklich gut lesbaren, flüssigen Stil besticht. Die Geschichte ist für Vielleser und Erwachsene ein wenig vorhersehbar und erinnert zu Beginn stark an Antje Wagners „Unland“, geht später jedoch eigene Wege und vermag gerade jugendliche Leser durchaus zu überraschen. Wer die Bücher von Antje Wagner und Tania Witte mag, oder generell auf unkonventionelle, nicht-stereotype Jugendbücher steht, sollte dem Roman auf jeden Fall eine Chance geben. Gerade Jugendliche sollten sich dieses Buch nicht entgehen lassen – es bietet tolle Lesestunden, regt zum Nachdenken an und ist anders, als die meisten Jugendromane, die es aktuell zu kaufen gibt. Reinlesen!
Die sechzehnjährige Alina hätte sich nie träumen lassen, irgendwann auf einem Internat zu landen, ganz besonders nicht einem wie Hoge Zand auf der Ostseeinsel Griffiun. Auch, wenn sie hier nur einige Monate verbringen soll, vermisst sie ihren Freund und ihre beste Freundin schrecklich und tut sich mit ihren neuen Mitschülern zuerst schwer. Doch so verschlafen die kleine Insel auf den ersten Eindruck auch erscheinen mag: Hier gehen seltsame Dinge vor sich. Das für Schüler strikt verbotene Naturschutzgebiet, ein dunkles Schiff mit einer Kugel am Mast und ein verwirrendes Mädchen, das in der Wildnis campt, sind nur einige Bestandteile eines Geheimnisses, das Alina verändern wird ...
Was mich neugierig gemacht hat:
Vor einigen Jahren habe ich „Vakuum" und etwas später „Schattengesicht" lesen dürfen und war besonders von ersterem bzw. insgesamt vom Schreibstil und den Ideen von Antje Wagner sehr begeistert. Umso mehr habe ich mich gefreut, als sie nun in Zusammenarbeit mit einer Autorenkollegin unter einem Pseudonym ein neues Buch veröffentlicht hat, und war nur zu gern bereit, mich in das Mysterium von Griffiun einweihen zu lassen.
Wie es mir gefallen hat:
Schon von außen sehr auffällig und edel gestaltet, wartet hier zwischen goldenen Vorsatzblättern ein ganz schön dicker Wälzer auf den Leser. Während ich am Anfang noch nach Hinweisen gesucht habe, wo wohl welche der beiden Autorinnen am Werk war, musste ich das sehr schnell aufgeben, zum einen, weil es unmöglich herauszufinden ist (zumindest für mich), zum anderen, weil Alina mich schnell in ihre Welt hineingezogen hat, dass ich gar nicht mehr darauf achten konnte. Denn zu meiner Überraschung gibt es nur sie als Ich-Erzählerin - als ich erfahren habe, dass sich hinter Ella Blix zwei Autorinnen verbergen, hatte ich irgendwie automatisch mit zwei Perspektiven gerechnet. Sehr spannend!
Hoge Zand zeigt, dass das Setting Internat nach wie vor extrem gut funktioniert. Hier merkt man, dass die Autorinnen ausgiebig recherchiert und an den Details gefeilt haben. Man hat das Gefühl, selbst vor Ort zu sein, und die Stimmung passt sehr gut zur Handlung des Buches.
Das Einzige, was ich ein klein wenig zu bemängeln habe, ist der Spannungsverlauf. Erst nach einem guten Drittel hatte ich das Gefühl, dass die Einfühlphase vorbei war und die Rätsel ihren Lauf genommen haben. Es war häufig so, dass Hinweise gegeben wurden und ich schnell eine Ahnung hatte - und wenn keine konkrete, dann zumindest das Gefühl, wo ein Detail noch eine Bedeutung haben könnte -, Alina dagegen aber noch länger brauchte, um aufzumerken, oder recht unkritisch war. Aber zu ihrer Rechtfertigung: In der Realität wäre mir an ihrer Stelle sicher auch das eine oder andere entgangen. Manchmal werden Dinge nur für den Leser gesagt - entweder direkt und dann beschwert sich eine Figur, dass sie das doch schon wusste (das aber nur an ein, zwei Stellen), oder durch Alinas Tagebücher. Das finde ich nicht weiter schlimm, mag es persönlich aber lieber, wenn die Hauptfigur dem Leser kein Wissen vorenthält und es dann erst häppchenweise preisgibt.
Mein Lieblingsaspekt am Buch sind die Lonelies, Alinas neue Clique, und wie sie immer mehr zusammenwachsen und eine geniale Gruppe abgeben. Die Charaktere sind ohnehin alle sehr liebevoll und vielschichtig gestaltet. Zum Beispiel Lukas und Pinar aus Alinas Heimatstadt Berlin sowie Alinas Vater haben es mir angetan, auch wenn sie nur wenige persönliche Auftritte haben. Ein dickes Plus für die Figuren!
Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen und ich habe gern mitgerätselt. Ich hätte noch etwas mehr Spiel mit der Wirklichkeit und Schauerfeeling erwartet, finde aber, dass die Auflösung auch so eine runde, wenn auch nicht durch und durch neue Sache ist.
(Für wen) Lohnt es sich?
Das Buch lohnt sich für alle, die gern abenteuerliche, rätselhafte Jugendromane mögen, in denen das Thema Freundschaft groß geschrieben wird. Meine Altersempfehlung ist 13-17 Jahre, und junggebliebene Jugendbuchfans wie ich (immerhin schon 24) sind damit auf jeden Fall auch gut beraten.
In einem Satz:
„Der Schein" ist ein sehr gut geschriebenes, einfühlsames Jugendbuch über die Liebe in ihrer ganzen Vielfalt und über Dinge, die anders scheinen, als die Wirklichkeit es zulassen würde, und damit das Schicksal einer ganzen Familie verändern.
„Der Schein“ ist das gemeinsame Werk der Autorinnen Antje Wagner (u.a. „Schattengesicht") und Tania Witte (u.a. „Die Stille zwischen den Sekunden") und vereint daher Wagners wunderbaren Hang zum Mysteriösen mit authentischen Figuren und Humor. Das Ergebnis ist eine Internatsgeschichte der etwas anderen Art, die besonders für jüngere Leser geeignet ist. Es geht um Alina, deren Mutter früh verstarb, und die von ihrem Vater auf das Internat Hoge Zand geschickt wird. Dieses befindet sich auf der fiktiven Ostseeinsel Griffiun und hier geschehen seltsame Dinge. Angefangen bei dem ziemlich schrägen Kiosk-Betreiber Mühstetter, dem unheimlichen schwarzen Schiff, das alle zehn Jahre vor der Nordküste der Insel erscheint und um das sich zahlreiche Mythen und Legenden ranken, bis hin zu Tinka, einem Mädchen, dem Alina bei einem Ausflug in das Naturschutzgebiet begegnet und dem sie sich auf unerklärliche Weise verbunden fühlt. Ein perfektes Rezept für eine abenteuerliche Geschichte. Wie sie mir letztendlich gefiel, erfahrt ihr hier.
Antje Wagner und Tania Witte verbinden gekonnt Jugendbuch und Mystery-Roman. So liegt ein Schwerpunkt auf Alina, ihrer Kindheit, der Beziehung zu ihrem Vater, dem Verlust ihrer Mutter und wie sie mit dieser traumatischen Erfahrung umgeht. Dies beschreiben die Autorinnen einfühlsam in Rückblicken, so dass ich einen sehr guten Zugang zur Figur fand. Auch das Leben auf der Insel und im Internat wird amüsant und interessant geschildert. Was für ein Ort! Es gibt beispielsweise kein Netz, also kann Alina ihr Handy vergessen, sie ist von der Welt abgeschnitten, nur in einem PC-Raum kann sie sporadisch Kontakt zu ihrem Freund und ihrer besten Freundin aufnehmen. Zudem muss sich Alina in ihrer neuen Umgebung zurechtfinden und neue Freundschaften schließen. Dabei trifft sie die Lonelies, eine kleine Gruppe Jugendlicher, die auch an den Wochenenden im Internat bleiben. Diese Figuren bereichern mit ihrer Verschiedenartigkeit sehr die Geschichte, sie haben alle ihren eigenen Kopf und einen starken Charakter.
Mysteriöse Elemente, die mich absolut in ihren Bann gezogen haben, sind das Naturschutzgebiet (Zutritt strengstens verboten), Gänge im Internat, die es eigentlich nicht geben dürfte, ein geheimnisvolles Archiv und natürlich das ominöse schwarze Schiff. All dies wurde mit einer Prise Humor verfeinert, während sich die Spannung vor allem zu Beginn beständig steigerte.
Nur in der Mitte geriet die Balance zwischen Internatsgeschichte und Mystery für meinen Geschmack etwas aus dem Gleichgewicht. Es werden Schwierigkeiten im Leben der Lonelies angedeutet, aber nicht allzu sehr vertieft. Gigi, der wegen seiner Kleidung gehänselt wird, zum Beispiel. Oder Lexi, die kaum Kontakt zu ihren Eltern hat. Auch die für Alina so wichtige Beziehung zu ihrem Freund Lucas wird stets nur beiläufig erwähnt. Hier hätte ich mir als erwachsene Leserin mehr Tiefe gewünscht. Was geht in den einzelnen Figuren vor? Was empfinden sie, was denken sie? Stattdessen bleibt man in der eher distanzierten Beobachterrolle, da alles aus Sicht von Alina erzählt wird. Gleichzeitig konnte dadurch aber die Handlung rund um das Schiff, Tinka und Alinas Mutter nicht so recht vorangetrieben werden. Dadurch verlor „Der Schein“ insgesamt gefühlt an Tempo, ich verspürte nicht mehr diesen starken Drang weiterzulesen, wie noch in der ersten Hälfte des Buches.
Das gab sich jedoch, sobald die Lonelies dem Geheimnis rund um das schwarze Schiff auf die Spur kommen. Nun wurde es wieder richtig spannend und man will als Leser endlich begreifen, wie alles miteinander zusammenhängt – das Schiff, der Tod von Alinas Mutter, der sonderbare Mühstetter und Tinka. Die Auflösung hat mir ebenfalls gut gefallen. Allerdings muss ich hinzufügen, dass ich schon einige Zeit zuvor eine Ahnung hatte, was Sache ist. Es gibt viele Hinweise und Andeutungen, die einen in die richtige Richtung stupsen. Für ältere Leser mag das vielleicht nicht befriedigend sein. Ich habe nichtsdestotrotz gerne weitergelesen, denn der Schreibstil machte dies wieder wett.
Ich spürte überhaupt nicht, dass bei „Der Schein“ zwei Autorinnen am Werk waren. Alles las sich sehr flüssig und harmonisch. Ab und an meinte ich, eine Spur mehr Antje Wagner oder einen Hauch mehr Tania Witte zu lesen, doch das ist reine Spekulation. Insgesamt funktionierte die Zusammenarbeit wie ich finde hervorragend. Dieses Jugendbuch erinnert mich an die gemeinsamen Werke von Wolfgang und Heike Hohlbein, die ich in meiner Kindheit verschlungen habe. Kinder und Jugendliche, die fantastische Abenteuer erleben, in andere Welten eintauchen, durch Spiegel wandern, und vieles mehr. Auch hier findet sich die Kombination aus Mystery und Jugendbuch, die mich folglich schon über viele Jahre hinweg begeistern konnte. Es war ein Vergnügen, mich wieder in solch einer Geschichte verlieren zu können.
Fazit
„Der Schein“ von Ella Blix, dem Pseudonym von Antje Wagner und Tania Witte, ist ein spannendes Jugendbuch und eine unterhaltsame Internatsgeschichte – mysteriös, unheimlich, humorvoll und emotional. Im Zentrum der Geschichte steht Alina, die als junges Mädchen ihre Mutter verloren hat und nun in einem Internat auf einer Ostseeinsel gestrandet ist. Sie knüpft nicht nur neue Freundschaften und schlägt sich mit Liebeskummer herum, sie beobachtet außerdem einige seltsame Dinge, unter anderem ein schwarzes Schiff, das alle zehn Jahre an der Nordküste der Insel erscheint. Mit der Kombination aus Mystery und Jugendbuch haben die Autorinnen bei mir einen Nerv getroffen, ich fühlte mich bestens unterhalten. Fasziniert war ich auch von dem Spiel mit dem Begriff „Schein“. Einerseits sind geheimnisvolle Lichterscheinungen gemeint, andererseits ist nichts so, wie es auf den ersten Blick zu sein scheint. Lediglich im Mittelteil fand ich die Balance zwischen Internatsgeschichte und Mystery etwas unausgewogen, für jüngere Leser fällt dies aber sicherlich weniger ins Gewicht. Also: Gerne mehr davon!
Ich mochte die Geschichte sehr auch wie die Protagonistin sich weiter entwickelt und sich mit ihrer Vergangenheit auseinander gesetzt hat war toll geschrieben. Ich habe mich in die kleinen Freundeskreis verliebt und mochte wie unterschiedliche alle wahren. Leide hat mich das Ende enttäuscht, ich fand es nicht passend
Die 16-jähirge Alina soll für ganze sechs Monate ihr geliebtes Berlin verlassen und solange ausgerechnet auf der hintersten Ostseeinsel das Internat Hoge Zand besuchen, da es ihren Vater für diese Zeit beruflich nach Amerika verschlägt. Ihre Mutter hat sie vor vielen Jahren verloren. Als wäre es nicht schon schlimm genug, dass Handyempfang dort Fehlanzeige ist, darf sie sich noch mit einer grummeligen Mitbewohnerin und der eingefleischten Truppe der »Lonelies« herumschlagen, die einzigen, die außer Alina auch am Wochenende im Internat bleiben. Schon bald beobachtet sie aus ihrem Turmzimmer seltsame Lichtblitze, die in der Nacht über das Naturschutzgebiet zucken, das IN KEINEM FALL betreten werden darf, doch das Geheimnis muss gelöst werden. Wenn man dabei noch einer völlig Fremden begegnet, die sich merkwürdig verhält, in einem aber doch irgendwie das Gefühl einer tiefen Verbundenheit auslöst, macht das die Lösung nicht gerade einfacher. Zusammen mit den »Lonelies« beginnt sie die Spurensuche.
Meine Meinung
Beginnen wir mit dem Autorenduo: Hinter Ella Blix verbergen sich die beiden Autorinnen Antje Wagner und Tania Witte. Wenn man zu Beginn noch versucht, herauszufinden, wer welchen Teil geschrieben hat, so gibt man bald auf – geschrieben ist die Geschichte wie aus einem Guss. Die Autorinnen haben beide schon (Jugend-)Romane mit queeren Charakteren veröffentlicht und haben auch hier nicht damit gespart, allerdings trifft dies auf die Hauptperson in diesem Fall nicht zu.
Die Geschichte fand ich richtig spannend. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, weil ich endlich wissen wollte, was denn nun der Grund für all die merkwürdigen Geschehnisse ist und wie alles zusammenhängt. Besonders schön fand ich, dass man während des Lesens gar nicht drumherum kommt zu spekulieren und sich die wildesten Erklärungen auszudenken – und am Ende doch völlig überrascht wird. Man bekommt Hinweise auf dem Silbertablett serviert und kann sie doch erst zu einem Bild zusammensetzen, wenn die Zeit der Auflösung gekommen ist. Es handelt sich also um einen Young Adult Roman mit Mystery-Elementen, der sich gaaanz leicht in die SciFi-Richtung lehnt.
Die Ausarbeitung der Charaktere finde ich überaus gelungen. Immer wieder wird mit Vorurteilen gespielt, wie jemand zu sein hat, wenn er eine bestimmten Namen hat oder auf eine bestimmte Weise spricht. Ich verspreche euch: Der Schein trügt. 😉 Die Diversität wird hier großgeschrieben. Obwohl es sich um einen »stinknormalen« Hetero-Jugendroman handelt, könnte er nicht vielfältiger sein und die LGBT-Community auf unaufdringlichere und dennoch allgegenwärtige Weise repräsentieren. Ob es nun Vergleiche mit der queeren Serie »Orange Is The New Black« sind, Kerstin Ott als Hintergrundmusik erkennbar wird oder es sich durch einen genderqueeren Modeblogger äußert – hier ist von allem etwas dabei. Auch ein lesbischer Nebencharakter taucht hier auf.
Den Humor, der sich durch den luftigen Schreibstil zieht, möchte ich auch nicht unerwähnt lassen. Im ersten Drittel des Buches bekam ich mein Schmunzeln kaum aus dem Gesicht und es war nicht selten der Fall, dass ich vor mich hin kicherte. Ab der Hälfte wird der Humor nach und nach etwas von der Spannung überdeckt, die aufgebaut wird; bei derartiger Spannung den Humorpegel zu halten, ist wohl aber auch ein Ding der Unmöglichkeit.
Zwei kleine Sachen habe ich an diesem Buch aber auch zu bemängeln. Zum einen hatte ich beim Lesen immer mal wieder das Gefühl, durch den Denkfluss der Protagonistin ausgebremst zu werden. Gedanken wie »Beib doch mal dran, Mädchen! Lass dich nicht so schnell ablenken! Ja, sowas ist tatsächlich möglich!« kamen mir dann doch hin und wieder in den ungeduldigen Sinn. Zum anderen war mir die Auflösung im Vergleich zur Länge und Intesität des Spannungsaufbaus etwas zu kurz – sowohl auf die Zeitenanzahl als auch auf den Inhalt bezogen. Noch ein bisschen mehr Aufklärung wäre einfach schön gewesen, mein Herz schreit nach einem zweiten Teil; auch wenn dieser zur Zeit leider nicht geplant ist. Manchmal ist es vielleicht auch nicht schlecht, wenn einem am Ende des Buchs noch Raum zum eigenen Nachdenken und Erschließen gelassen wird, so staubt der Kopf nicht ein.
Fazit
Der Schein ist ein spannender Jugendroman mit Mystery-/SciFi-Elementen, den man kaum aus der Hand legen mag. Inhaltlich ist er auf ein jugendliches Publikum abgestimmt, lässt aber gerade Lesern, die sich ab und an mit LGBT+-Themen auseindersetzen oder sich gar viel in der LGBT+-Community bewegen, einige Leckerbissen zukommen. Denn auch wenn oder gerade weil hier kein zentrales LGBT+-Thema dargestellt wird, finde ich diesen Roman so wichtig für die moderne diverse Literatur – er vertritt eine so große Anzahl an Diversitäten, wie es sonst nur selten der Fall ist. Eine klare Leseempfehlung von mir!
Alina soll die nächsten sechs Monate auf dem Internat Hoge Zand auf der Ostseeinsel Griffiun verbringen, da ihr Vater geschäftlich nach Amerika muss. Kaum dort angekommen, lernt sie die Lonelies kennen, eine Gruppe Schüler, die auch die Wochenenden im Internat verbringt und sich zusammengeschlossen hat, um der Einsamkeit vorzubeugen. Alina hatte sich eigentlich fest vorgenommen, sich nicht wohlzufühlen, die nächsten Monate hinter sich zu bringen und dann wieder zurück nach Berlin zu ihrem Freund Lukas zu können. Doch je mehr Zeit sie auf der Insel verbringt, umso geheimnisvoller erscheint ihr alles. Warum darf sie nicht in das angrenzende Naturschutzgebiet? Und wer ist das Mädchen mit der seltsamen Ausrüstung, das Alina getroffen hat? Und warum erscheint an der Nordküste ein schwarzes Schiff und verschwindet auf unheimliche Weise wieder? Alina weiß genau, dass sie den Hinweisen nachgehen muss, denn sie hat das unbestimmte Gefühl, dass alles mit ihr zu tun hat.
Aufgrund des Klappentextes hätte ich jetzt wahrscheinlich nicht nach dem Buch gegriffen, aufgrund des Covers jedoch schon. Es fällt gleich ins Auge. Das samtige Schwarz harmoniert wunderbar mit dem in Gold gehaltenen Mädchen.
Der Inhalt ist dann doch anders, als ich erwartet habe. Zwar weiß man aufgrund des Klappentextes, dass es sich um ein Jugendbuch handelt, doch dass es auch genau in "Jugendstil" geschrieben ist, hat mich dann sehr überrascht. Umgangssprache, jugendliche Gedankensprünge und ab und zu ein paar Tagebucheinträge geben der Geschichte nochmals einen sehr jugendlichen Kick.
Ich hatte das Buch aufgrund des Schreibstiles innerhalb kürzester Zeit gelesen. Es macht Spaß, sich durch die Geschichte zu bewegen, denn Alina und ihre Freunde sind so unglaublich ungewöhnlich, dass man einfach weiterlesen muss, um ja nichts zu verpassen. Ständig passiert etwas neues, ständig werden neue Geheimnisse aufgedeckt und ständig überraschen alle mit Dingen, die man ihnen gar nicht zugetraut hätte.
Allen voran ist es Alina, um die sich die Geschichte ja dreht. Sie erzählt in Ich-Form davon, warum sie in das Internat geht und welche bewegende Vergangenheit sie hat. Diese Vergangenheit wird immer wieder in Rückblicken dargeboten oder in kurzen Hinweisen in ihren Tagebucheinträgen eingeflochten. Nach und nach ergibt sich somit ein Bild, das unendlich traurig ist. Alina hat schreckliches durchgemacht und sucht auch heute noch nach Antworten auf die vielen Fragen, die sich aus der Vergangenheit aufgestaut haben.
Ihre Mitstreiter, eine kleine Gruppe namens Lonelies besteht aus Lexi, Nian, Gigi und Mareike-Helene (ich feiere das Autorenduo jetzt noch für die tolle Namenswahl). Die Lonelies verbringen auch die Wochenenden im Internat und fahren eigentlich nur in den Ferien nach Hause. Dies hat sie zusammengeschweißt. Sie sind eine tolle Truppe von "Losern", zumindest stellen sie sich so dar. In Wirklichkeit sind sie jedoch die tapfersten Freunde, die sich Alina vorstellen kann.
Am Anfang vergeht Alina noch in Selbstmitleid, weil sie nun sechs Monate auf einer einsamen Insel hoch im Norden verbringen muss. Ohne ihre beste Freundin Pinar und ohne ihren Freund Lukas. Als sie dann jedoch eine mysteriöse Entdeckung macht, wird es interessant. Die Recherche dazu erweist sich jedoch als schwierig und so ist sie auf Hilfe ihrer Freunde angewiesen.
Es macht sehr viel Spaß, alle in der Geschichte zu begleiten. Die vielen Eigenarten, Charakterzüge und Überraschungsmomente führen dazu, dass die Geschichte nie langweilig wird. Der Unterhaltungsfaktor bei dem Buch ist sehr hoch.
Das Ende war mir dann jedoch etwas zu abgehoben. Ich kann mir nur vorstellen, dass hier auf einen zweiten Teil hingearbeitet wurde. Die Auflösung des Rätsels sowie die Erklärung hat noch nicht mal 25 Seiten eingenommen. Ich habe noch sehr viele Fragen, die nicht beantwortet wurden. Einiges schien auch etwas undurchsichtig. Und auch Alinas Reaktion am Ende war für mich nicht richtig nachvollziehbar.
Leider habe ich aber nun erfahren, dass kein zweiter Teil geplant ist (obwohl ich hier die Hoffnung nicht aufgeben werde), und deswegen ein paar Fragen offen bleiben, damit die Phantasie der Leser auch nach dem Buch noch etwas zu tun hat und sich selbst vorstellen kann, wie die Charaktere sich weiterentwickeln. Ein Teil des Autorenduos hat mir jedoch ein paar Fragen zwar beantworten können, insoweit hatte ich dann auch ein besseres Verständnis für die Entscheidung, das Buch etwas offen enden zu lassen. Hierfür sage ich nochmals herzlichen Dank für die schöne Korrespondenz.
Das Autorenduo hat einen wunderschönen Debüt-Roman geschaffen, der mit Witz und Unterhaltung punkten kann.
Eigene Meinung: Der Schein wurde von zwei bekannten Autorinnen unter einem gemeinsamen Pseudonym geschrieben. Von einer der beiden Autorinnen, Antje Wagner, habe ich vor einigen Jahren Unland gelesen und sehr gemocht.
Gemeinsam haben die beiden einen spannenden Jugendthriller geschaffen, der mit dem Internat, in dem unheimliche Dinge vorgehen, das Rad bestimmt nicht neu erfindet, ihm aber neuen Schwung gibt. Doch Momentan mal ... dachte ich nicht gerade noch, dass die Romanidee nicht ganz originell ist? Das ändert sich zur Mitte des Romans gen Ende, denn die beiden Schreiberlinge können mit einem Ende aufwarten, dass ich so nicht erwartet hätte.
Ich möchte zu der Wende nicht allzu viel sagen, das würde allen zukünftigen Lesern die Überraschung nehmen. Ich möchte nur so viel dazu sagen: ich mag die kreative Idee dahinter sehr. Die Autorinnen haben lose Fäden sehr kreativ miteinander verknüpft. Leider war mir persönlich die Auflösung etwas zu kreativ und abwegig und der Weg dahin mit einigen unnötigen Passagen gespickt.
Der Schreibstil ist dem Genre entsprechend sehr jugendlich gehalten und konnte mich gut unterhalten. Der Roman besteht aus Abschnitte, die in Alinas Gegenwart angesiedelt sind, sowie aus Ausschnitten aus ihrem Tagebuch - Gegenwart und Vergangenheit.
Der Hauptcharakter Alina schleppt einigen Ballast mit sich rum und tut sich erst mal schwer mit ihrem neuen Zuhause. Langsam erwärmt sie sich jedoch für die Insel und mit ihr der Leser zu ihr. Ihre neuen Freunden scheinen ein bunt zusammengewürfelter Haufen zu sein, in dem jeder irgendwie total anders ist. Im Laufe der Handlung wachsen sie jedoch alle immer mehr zusammen und es gibt ein paar schöne Momente, in denen sie gemeinsam gegen den Rest der Welt sein müssen.
Fazit: Dieser Roman weiß es seine Leser mit einer spannenden Wende zu überraschen und enthält kleine Botschaften zum Thema Anderssein und Freundschaft. Für mich war das Buch jedoch nicht perfekt, denn die Handlung war mir hin und wieder etwas zu sperrig, aber im Großen und Ganzen war es ein Buch, dass mich für ein paar Stunden gut unterhalten konnte.
Mein Fazit zu Der Schein Alina war mir von Anbeginn sehr sympathisch. Allgemein bietet sie als Hauptprotagonistin viel Humor, Gefühl und Details. Ihr Charakter wirkt gut überlegt und nicht gestellt. Ein bisschen weniger detailliert wirken die Nebencharaktere.
Dennoch haben sie ihre Stärken uns schmücken die Geschichte wunderschön aus. Alinas Vergangenheit die hier als wichtiges Thema ebenfalls in den Vordergrund gestellt wird, hat Hand und Fuß und lässt wenig Platz für ungeklärte Fragen. Die Charaktere, die meisten davon sind Jugendliche haben eine angenehme Reife, so das es ebenfalls angenehm ist nicht nur mehr von ihnen zu erfahren und zu lesen sondern auch somit tiefer in die Geschichte einzutauchen.
Gerne hätte ich mehr in der Vergangenheit und später in die Zukunft von Alina geblickt. Ich finde das Buch wurde etwas zu plötzlich beendet. Ich hätte gerne Zeit gehabt ein wenig von Alina, den Lonelies und Co. Abschied zu nehmen. Gerade weil es um viele Zeitepochen geht die in diesem Buch behandelt werden, wäre ich sehr für einen „kurzen“ Sprung in Alinas Zukunft gewesen 🙂
Ich war ziemlich enttäuscht, als ich das Buch gelesen hatte, weil es so vorhersehbar war. Als Alina Tinka das erste Mal getroffen hat, war mir klar, dass Tinka eine Zeitreisende war und war anfangs auch noch gespannt, wie das Ganze weitergehen würde. Allerdings kam mir Alina äußerst langsam vor, was das Denken anbelangt, auch wenn sie die Leser auf eben diese voreingenommenen Denkmuster und das Schubladendenken aufmerksam machen soll. Alles in Allem ist das Buch ganz okay, die Idee dahinter war ziemlich gut, die Umsetzung kam mir jedoch zu langsam vor, da das Buch für mich langweilig wurde, weil die Hinweise ziemlich eindeutig waren, aber Alina immer noch keine Ahnung hatte, worum es sich handelte.
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Eine ganz besondere Geschichte, die sich zu lesen lohnt!
Mein Herz schreit nach einem zweiten Teil, auch wenn dieser zur Zeit leider nicht geplant ist, aber manchmal ist es vielleicht auch nicht schlecht, wenn einem am Ende des Buchs noch Raum zum eigenen Nachdenken und Erschließen gelassen wird, so staubt der Kopf nicht ein. Ich empfehle das Buch jedem weiter.
Als Alina auf der Insel ankommt, hatte ich sofort einen Mix aus Nordseeinseln und Hiddensee vor Augen. Ein schönes Setting und gute Charaktere. Besonders die Gruppe der "Lonelies" ist mir ans Herz gewachsen. Wie sie sich füreinander einsetzen macht Spaß. Für 5 Sterne fehlt noch so das I-Tüpfelchen, aber es war eine kurzweilige Lektüre.
*3,5 Das Buch hat mir in weiten Teilen gut gefallen, insbesondere der diversierte Cast von Charaktern. Allerdings war die Geschichte zum Teil schon etwas sehr langatmig und das Ende zu weit hergeholt.
bis zum letzten viertel hat mich das buch total gekriegt, ich liebe internatsgeschichten, dann noch bisschen spannung und alte legenden - perfekt aber das ende fand ich gar nicht gut, sciencefiction mag ich persönlich einfach nicht :( voll schade
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