Ben has taught English for over twenty years in the UK, Spain and Hong Kong. He currently teaches on The New School’s MATESOL program (New York). He is author of the coursebook series ‘New Framework’ and the newly published ‘The Big Picture’ (Richmond) as well as the advanced level of the ‘English Unlimited’ series and the methodology handbook ‘Working with Images’ (both Cambridge).
Durch die gesamten achtziger und neunziger Jahre ist Gay Men's Press der bedeutendste, ausschließlich Bücher zu schwulen Themen publizierende Verlag Großbritanniens gewesen. Es gibt ihn jetzt schon lange nicht mehr und auch so ein Buch, der zweite Story-Omnibus in der Verlagsgeschichte - mit Beiträgen von 15, vornehmlich englischsprachigen Autoren - ist längst nur noch antiquarisch zu finden und hat wohl nirgendwo einen anhaltenden Eindruck hinterlassen.
Herausgeber Ben Goldstein, von dem eine längere Story im Buch ist, gibt sich in der Einführung erfreut, weil eine breite Themenvielfalt gespiegelt werde, ungefähr ein Drittel der Autoren sei noch völlig unbekannt gewesen, über die unaufgeforderte Einsendung ihrer Manuskripte GMP bekannt geworden, naturgemäß eher junge Männer. (Nur kann ich nicht erkennen, dass aus genau diesen Neuentdeckungen noch mal was Großes geworden wäre.) Wir befinden uns am Anfang der neunziger Jahre und Goldstein begrüßt, dass schwule Erzähler nicht länger wie die Kaninchen auf die Schlange AIDS starren. Die Epidemie und ihre sozialen Folgen erscheine in relativ wenigen der Beiträge. Allerdings merkt man die Zeitenwende von 1990, nein, nicht an Erwähnungen von Gorbatschow oder der nationalen Vereinigung der beiden Deutschlands, von derlei ist nie die Rede, man merkt sie, weil gleich zwei Geschichten sich mit dem Vergehen der Apartheid und gemischt-rassischem Sex in Süd-Afrika befassen und dafür jeweils ein eigenes Love-Story-Happy-End gefunden wird. Deutschland, wie gesagt, kommt nicht vor, aber Goldstein kann auf Beteiligung renommierter Autoren aus den Niederlanden, aus Frankreich, eines dezidiert jüdischen jungen Mannes aus der College Scene der USA verweisen.
Dass seine Anthologie mit dem wahrlich nicht attraktiven Cover allenthalben untergegangen ist, kann ich nicht als größeren Verlust empfinden. Man verstehe mich nicht falsch, sie können wirklich alle beeindruckend gut schreiben, besser als es schwule Deutsche in solchen Sammelbänden ab Mitte der neunziger Jahre (vor allem bei Männerschwarm Hamburg) konnten, aber über „ganz nett“, schöner Durchschnitt kommt es selten heraus. Mir fiel auf, dass, wo ich das aus den Männerschwarm-Nachwuchsautoren-Bänden so kannte, dass unter alleine lebenden, alleine jagenden studentischen bzw. akademischen Jungmännern in, vor allem, Berlin oder Hamburg sich aufhielt, die sich Zumutungen gegen ihre Würde als attraktive, aber ungeliebte Dandys zu wehren haben, es sich für die englischen Autoren eher um den Nachweis schriftstellerischer Professionalität zu drehen schien. Und dass dazu gehörte, dass man die Figuren weit draußen im Land, zum Teil in anderer Zeit, an dystopischen Orten ansiedelte, es dort fast immer um die Opposition des Paars, also um eine Liebe, nicht die Opposition eines Vereinzelten, seinen Frust, also auch dessen Sexsuche, ging. Auch war wohl darauf geachtet worden, dass die Protagonisten möglichst nicht Autoren, Studenten, Dozenten waren, besser: Soldaten und Bauarbeiter.
Das klingt nach hart am Leben, mitreißenden dokumentarischen Momenten (die Lev Raphael bei seinen Unterhaltungen jüdischer Studenten (!) über Sexabenteuer mit Juden auch wirklich zusammengebracht hat), aber an sich fiel mir, wie bei den deutschen Kollegen, etwas wie aus Zeit und Gesellschaft Gefallenes auf. Für meinen Geschmack wurde auch zu viel Wert auf stilistischen Glanz, auf die Aura poetischer Erlesenheit gelegt. Als schwuler Engländer musste man damals offenbar mit Ronald Firbank, Henry James und E.M. Forster gleichziehen, Autoren, auf die man mich in Deutschland erst Jahre später hingewiesen hat. Ich möchte das schöne deutsche Wort „Tuntenbarock“ verwenden. Was an sich das unübersehbar Schwule an Wohnraumdesign und ständig wiederholten Alltagsriten bei schwulen Männern meint.
Das ist auf jedem Fall schon mal so im Beitrag James Purdys, eines der großen alten Männer des postmodernen Schreibens des 20. Jahrhunderts, der seinerzeit fast jährlich noch sein neues Material vorlegen konnte. (In Deutschland war er um diese Zeit schon wieder vergessen und harrte seiner Wiederentdeckung.) Dass Purdy anstrengen, ja anöden kann mit sich selbst genügendem und gefallendem Dauerspötteln, diesen „gelogenen“ Moritaten, deren eher unnötige Obszönitäten nie klar artikuliert, aber immer intendiert sind, wird jeder wissen, der mal in die „Collected Stories“ geschaut hat. „The Anonymous / Anomalous Letters of Passion“ ist eine Story, die ich am liebsten nie entdeckt hätte.
Jedoch auch „The White Mercedes“ vom Franzosen Patrick Drevet (solche Autoren sind in mehrere Sprachen übersetzt, in Deutschland nach wie vor unbekannt) flößte mir Langeweile ein. Drevet erweist sich als unverkennbar französischer Literatur-Stilist. Es geht irgendwie um Erotisches, aber es passiert praktisch nichts, es gibt keine wörtlichen Dialoge, dafür unglaublich lange Absätze mit unglaublich vielen feinen Wörtern, die nach intellektuellem „Empfinden“ aussehen. In der Nähe eines Pariser Jungen-Gymnasiums hat sich eine Art Autostrich für Schuljungen etabliert. Der Erzähler nimmt die Position eines Beobachters ein, der, ohne selbst je einzugreifen, einem Jungen über Wochen zusieht, wie dieser durch die Anwesenheit eines unsichtbaren Mannes in einem weißen Mercedes in narzisstische Lust und Machtgefühle des Begehren-Werdens sich steigert. Als er eines Tages die Unverschämtheit zusammen hat, den immer noch gesichtslosen Autofahrer unverhohlen anzumachen, zum Öffnen der Beifahrertür zu bewegen, gibt es einen Wortwechsel, den der Beobachter nicht hören kann. Danach lässt der Mann den Jungen stehen. Und kommt nie mehr wieder. Ende. (15 Seiten, die meisten Geschichten haben in etwa diese Länge.)
Netter, lebensnäher, kleinteiliger in seinen biografischen Details gibt sich der Holländer Rudi van Dantzig, von dem man das seinerzeit mal atemberaubende Buch über eine pädophile Liebe eines während des Weltkriegs aufs Land verschickten Jungen mit einem Soldaten der Alliierten, „Der verlorene Soldat“ bewundert hat, der das Thema hier um einige Jahrzehnte verschoben hat. Ein nicht mehr junger Niederländer fürchtet, die seit Jahren laufende Liebe mit einem alten Mann vom Balkan zu verlieren, einem Angehörigen der Unterschicht, weil dieser sich im Alter in die Heimat zurückziehen will. Ordentlich, aber schon auch ein wenig langweilig.
Um aufs „Tuntenbarock“ zurückzukommen. Dazu gehörte schon immer, gewisse Elemente aus der eigenen Biografie zu übernehmen, diese dann ins Mythologische oder Hollywood-Schmonzetten-Artige zu überdrehen. Man wäre, weil man als Tunte verachtet wird, eben gerne eine Heilige. Muss natürlich den Opfertod sterben. Stevie James, der sich selbst in seinen biografischen Angaben als „zwischen Mann und Frau“ einsortiert, sich jedoch nicht als Transfrau, Sie, Mädchen versteht, versetzt uns mit „An Endless String of Pearls“ in eine freudlose Stadt im Norden. In einem dem Totalitarismus anheimgefallenen, homophoben England (das sich dem Thatcher-England der 1980-er verdankt). Die Unterdrückten werden, wie bei Stalin, in unterentwickelte Regionen zur Zwangsarbeit verbannt.
Als ertappte Tunte wird man zur Wäsche-Nutte, kahlgeschoren, muss tagsüber mit Männerkleidung, aber einer Art Tunten-Judenstern herumlaufen, sich für den Dienst als Frau zurechtmachen, darf mit keinem Dauerbeziehungen unterhalten. Erzählt wird nun von zwei Freundinnen unter solchen „Mädels“, die heimliche Partnerschaften mit einem Brüderpaar aus der Arbeiterklasse eingehen. Einer der Brüder ist HIV-positiv. Nachdem die Lieben aufgeflogen sind, kommen die Brüder ins Kohlenbergwerk, die Transen-Huren werden getrennt, haben weiterhin als Sexsklavinnen, aber jetzt hinter Gittern zu dienen. Es ergibt sich die Gelegenheit, dass eine der Frauen zum wohl allerletzten Mal mit einem der Brüder im selben Raum unbeaufsichtigt sein kann. Erst lässt er sie sich zur Frau machen, dann verschafft er ihr nach Jahren „seinen“ ersten Orgasmus „als Junge“, Fellatio, anschließend bittet sie ihn, sie ohne Gummi zu ficken, damit sie an derselben Krankheit wie er sterben kann. Erschütternd oder Kitsch? Jedenfalls heute so nicht mehr denkbar.
Wie erst recht (das sehr gut geschriebene) „A Night Out“ vom Kanadier Will Aitken, der 1989 seinen ersten Roman veröffentlicht hatte. Erst dachte ich, was soll das, dieser Mann scheint sämtliche sozialen Probleme und Familienkatastrophen der Vorstadtbewohner in nur 13 Seiten packen zu wollen, dabei ist Schwules noch überhaupt nicht in Sicht. Altersdemenz der Eltern, Eheprobleme, Alkoholismus, Verwilderung der Kinder, Unzufriedenheit im Beruf, sexuelle Untreue. Offenbar soll es darauf hinauslaufen, dass der Protagonist sich über die Nähe zu einem Sportskameraden seiner eigenen Homosexualität bewusst wird. Wir sehen ihn ein heimliches Date abmachen, es seiner Ehefrau gegenüber als Dienstverpflichtung ausgeben. Doch er besucht diesen Kollegen gar nicht, vielmehr ein Schwulenlokal, wo er im angetrunkenen Zustand von einem netten, älteren, maskulinen Mann abgeschleppt wird. Es ist weit nach Mitternacht, dennoch sitzt am PC in der Wohnung des Fremden ein halbnackter 13-Jähriger, angeblich ein Verwandtenkind, der zwar ins Bett geschickt wird, dann aber doch wieder da ist, als ein Joint kreist. „Gut unterwegs“ landen sie alle Drei in einem Bett. Der Bub schaut zu, wie dem Neuling einer geblasen wird. Als sie sich zum Schlafen gedreht haben, der Kleine seinen Hintern dem Gast gegen das Gemächt drückt, dringt dieser mühelos in ihn ein. „Um ihm einen Gefallen zu tun.“ So was könntest du heute nicht mehr schreiben. (Jedenfalls nicht in Deutschland.)
"In 1981, GMP's (Gay Men's Press) first fiction collection 'Cracks In the Image' launched a bold new generation of gay writers, including Simon Burt, Adam Mars-Jones, Robert Gluck and Jon Ward. Ten tears on, 'More Like Minds' showcases an international array of authors, and alongside the well established are several exciting new talents for the 1990's. Their varied themes and approaches show the diversity embraced under the heading of gay writing; whether exploring familiar scenarios or seeking out unlikely connections, the stories typically take an intriguingly offbeat stance.
"Unified by their difference, the 'likemindedness' of these fifteen stories lies in their mutual withdrawal from convention and self-censorship; a style that invites a new readership and heralds a new direction for gay fiction." (from the back cover of the 1991 UK GMP paperback edition).
This is a really first rate collection of gay writing from 1991 so of course it does reflect it's era but I found it incredibly fresh and relevant. I loved the scope of its contributors - Patrick Drevet a great French writer who, despite the translation and publication of two of his novels into English in 1990/1 is almost totally forgotten but is due for a rediscovery; also the only other piece of fiction in English by Rudi van Dantzig (author of the almost impossible to obtain 'For A Lost Soldier') and excellent authors such as Will Aitken, James Purdy and Lev Raphael.
One of the great sadnesses of these older anthologies is the contributors it is impossible to find anything about - what happened to Stevie James and Donald Fahy for example?
I assure you this is a fine collection of first rate stories.
This collection is gay fiction at its most diverse; often making uncomfortable reading, these stories reflect a gay sensibility overshadowed by AIDS and the anti LGBT politics of their time. The Building Site is a particular favourite - short story telling at its very best.