Das größte Problem dieses Buchs ist, dass die Autorin Stephanie ein wenig zu sehr lieb gewonnen hat. Das kann man ihr nicht mal übel nehmen. Viele von Stephanies (angeheirateten) Familienmitgliedern sind für (Hobby)Historiker und/oder royal Interessierte für wesentlich interessanter: Elisabeth, Franz Josef, Rudolf und Franz Ferdinand. In deren Geschichten kommt Stefanie aber selten vor und wenn doch dann als unsympathisch, machtgierig und hochnäsig. Dabei war Stephanie wohl eher nicht schlimmer als die meisten Adeligen der damaligen Zeit. Aber eben auch nicht besser. Nur hat man beim Lesen hatte immer wieder das Gefühl, dass die Autorin das doch findet. Wenn mal ein eigenes Zitat Stephanie unsympathisch erscheinen lässt, folgen gleich mehrere Absätze in denen erklärt wird warum es doch ganz verständlich ist dass sie hier ein bisschen von sich eingenommen ist. (Und das Kapitel das sich mit der Veröffentlichung von Stephanies Memoiren beschäftigt, eine Episode in der sie wirklich unmöglich erscheint, hetzt die Autorin einfach durch das Thema, knallt ein Zitat nach dem anderen hin und es wirkt als wollte sie nur so schnell wie möglich mit dem Thema fertig werden).
Manchmal ist dann z.B. Kaiserin Elisabeth oder Gräfin Larisch die Rede. Die Beiden mochten Stephanie nicht besonders und es gibt reichlich Belege dafür. Wenn ein abfälliger Kommentar von ihnen zitiert wird, kann man sich darauf verlassen, dass dem eine lange Ausführung über Elisabeths bzw.- Gräfin Larischs charakterliche Unzulänglichkeiten folgt. Die sind sicher nicht unwahr aber es fällt auf, dass Personen die sich positiv über Stephanie geäußert haben nicht so behandelt werden.
Das seltsamste ist aber wohl eine Szene in der Stephanies Ankunft in der Hofburg beschrieben wird bei der die Hofdamen wohl etwas frostig waren. Dann fängt die Autorin damit an, dass über Stephanie ja nie so viele Bücher geschrieben wurden wie z.B. über Victoria und es gab auch nie ein Musical über sie oder einen Film 'Mädchenjahre einer Kronprinzessin'. Dann wirft sie in die Runde ob das jetzt heißt, dass die Hofdamen damals recht hatten und ob man Stephanie einfach ignorieren sollte. Oder so ähnlich. Ich muss gestehen, dass ich dem Gedankengang nicht so ganz folgen konnte. Aber der Vergleich hinkt einfach gewaltig. Kronprinzessinnen, die nie Kaiserin oder Königin geworden sind, erlangen in den seltensten Fällen große Berühmtheit. (Um nicht zu sagen: spontan fällt mir genau eine ein, und die hatte ganz andere Voraussetzungen als Stephanie).
Das alles führt dazu ich ein wenig skeptisch werde und mich frage ob die Autorin mir alles sagt. So heißt es an einer Stelle, dass man aus Stephanies Briefen herausgeht, dass sie eine sehr liebende Mutter war. Die nächste Erwähnung von Elisabeth, ihrer Tochter ist dann als es um Stephanies zweite Hochzeit geht (ohne das viel über sie oder ihr Verhältnis gesagt wird), dann lange kein Wort und dann heißt es auf einmal, dass die beiden nicht mehr miteinander sprechen und dass Elisabeth nicht Mal auf Stephanies Beerdigung war. Es ist möglich, dass wirklich keine Dokumente existieren, die das näher beleuchten aber bei dem Buch würde ich es auch nicht ausschließen, dass die Autorin Dinge unter den Tisch fallen lässt die Stephanie zu schlecht aussehen lassen. Und das ist sehr schlecht für eine Biographie…
Und es gibt noch mehr Dinge die nicht besonders gut sind. Zum Beispiel wird mit der Hintergrundinformationen übertrieben. Natürlich kann man über jemanden aus dieser Zeit nicht losgelöst vom politischen Hintergrund berichten. Aber zwei Kapitel über Franz Ferdinand und Sarajevo in denen Stephanie nur in Nebensätzen erwähnt wird hätten nicht sein müssen. Die Seiten über die Schlacht von Königgrätz (bei der Stephanie zwei Jahre alt war) hab ich auch nur quer gelesen…überhaupt hab ich irgendwann sehr viel quer gelesen…