Ah, „Médecins et sorciers“– das war ein Sofortkauf direkt nach Erscheinen 1995 für 57 Francs (ein echtes Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass der Preis heute bei La Découverte 17 € liegt). Es ist ein explosives „Manifest der Ethnopsychiatrie“, das die westliche Arroganz grundlegend erschüttert. Der Psychologe Tobie Nathan und die Philosophin Isabelle Stengers zerlegen genüsslich die trügerische Opposition zwischen „rationalem Arzt“ und „hörendem Heiler“. Wir glauben, der Arzt sei „rational“ und der Heiler „hört zu“. Falsch, sagen sie!
Die brillante Pointe: Der traditionelle Heiler (der sogenannte „afrikanische Virtuose“) ist gerade deshalb effektiv, weil er dem Patienten nicht einfach zuhört, sondern mittels „Divination“ (statt Diagnose) das Unsichtbare befragt. Umgekehrt ist die moderne Medizin nicht „rational“, sondern empirisch – und sie nutzt den Begriff „Rationalität“ vor allem als philosophische Waffe, um andere Praktiken auszuschalten.
Dieses Buch zwingt dazu, unsere Vorstellungen von Heilung und Rationalität radikal zu hinterfragen und das Verhältnis der Kulturen völlig neu zu denken.