Wow das war erfrischend gut. Hatte irgendwie gar nichts erwartet und am Ende ne Menge Spaß mit dem Buch.
Finde die Arbeitswelt sehr zutreffend beschrieben, wie wir in Schläuchen arbeiten, Bullshit produzieren und Bullshit konsumieren. Habe mich da an ein paar Stellen wieder entdeckt. Es gab aber auch eine Szene bei einem Arzt, die in meinen Augen komplett unrealistisch war. Zumindest habe ich noch nie so eine Reaktion von einem Arzt erhalten. Aber es soll ja alles geben.
Ich fand außerdem super interessant, wie mit dem Thema Social Media in dem Buch umgegangen wird. Da wird der typische Vorwurf gemacht, dass alles auf Social Media schlecht, fake ist und die Leute nur Dinge posten, um anderen zu zeigen, wie geil und glücklich sie sind. Habe mir Gedanken dazu gemacht und mich gefragt, in wie weit die Leute, die ihr Leben auf Social Media teilen, das Problem sind oder die Leute, die die Inhalte konsumieren und diese auf ihr eigenes Leben projizieren. Ich tendiere zu letzterem.
Ich finde es etwas kurzsichtig/einfach, Leuten bei Social Media vorzuwerfen, ihr Leben besser darzustellen als es ist, denn ich glaube, die Motivation Dinge zu teilen, kann sehr vielfältig sein. Selbstdarstellung kann natürlich eine sein, aber es kann auch einfach Freude/Spaß sein, andere inspirieren, andere informieren. Wenn auf der anderen Seite aber eine Person sitzt, die von klein auf ständig bewertet wurde, dann kann jeder Post durch den reflexhaften Vergleich ein Angriff auf die eigene Selbstwahrnehmung sein und das kann weh tun. Wenn man dann den Urlaub von einem Freund sieht oder jemand etwas kreatives postet, denkt man nicht "Ach schön, dass er mal im Urlaub ist" oder "Cooles Hobby" sondern "Fuck sein Leben ist viel besser als meins". Immer nur Ich Ich Ich. Das macht mich etwas wahnsinnig, wenn ich ehrlich bin:/
Eine weitere Sache, die das Buch sehr gut veranschaulicht, ist, wie viel Druck auf die Lebensplanung bei Frauen ausgeübt wird. Mir ist beim Lesen bewusst geworden, wie viel krasser das sein muss als bei mir.
Ich führe seit Jahren ein Einsiedler Leben und glaube, dass das viel häufiger hinterfragt werden würde, wenn ich eine Frau wäre. Das Leben von Frauen wird genau wie ihr Körper einfach so viel öfter bewertet als die von Männern. Quasi von klein auf. Mir fällt aber auch wenig ein, was man dagegen machen könnte. Außer Leute zurecht zu weisen, wenn sie mal wieder dumme Fragen stellen wie "Wieso bist du Single?" "Wie siehts mit Kindern aus?" "Wann heiratet ihr?". Genau wie Fragen oder Aussagen zum Aussehen. Solche Dinge gehen einen einfach einen Scheiß an;)
Mir hat das Buch auf jeden Fall Spaß gemacht und werde vielleicht mehr von ihr lesen! <3
".. ich weiß nicht, wohin ich gehe, aber ich denke unablässig daran, dass ich allein sein will, aber nicht allein sein sollte .."