Wovon träume ich? Was macht ein gelungenes Leben aus? Und – sind die anderen glücklicher als ich? Verena Carl erzählt mit großer Klarheit und Entschiedenheit von einer existentiellen Situation. Anna verbringt ihren Urlaub in Taormina auf Sizilien, mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern. Plötzlich fühlt der Boden sich brüchig an, auf dem sie steht. Sie begegnet Alexander, der das aufregende Leben führt, das sie sich einmal für sich selbst erträumt hatte. Und Alexander? Beneidet er sie um ihr Familienglück? Mit einem Mal wird der Zweifel am eigenen Leben übermächtig, alles steht auf dem Spiel. Sieben Tage können alles verändern.
Verena Carl, a.k.a. Verena Hagedorn and Janna Hagedorn, is a journalist, children's book author, editor and freelance author.
From her website: I was born in 1969, was born and raised in Freiburg, have spent the years 1990 to 1999 in Munich, and I currently live with my children and my husband, the illustrator Dierk Hagedorn, in Hamburg.
Ich bin Jahrgang 1969, geboren und aufgewachsen in Freiburg, habe die Jahre 1990 bis 1999 in München verbracht und lebe heute mit meinen Kindern und meinem Mann, dem Illustrator Dierk Hagedorn, in Hamburg.
Anna Falk, eine freie Journalistin, ist 43 Jahre alt, als sie mit ihrem Mann Jo, Tochter Judith (11) und Sohn Bruno (6) an den Ort ihrer Hochzeitsreise zurückkehrt. Die Gegend um den Ort Taormina auf Sizilien, die damals so romantisch erschien, kann sie dieses Mal nicht so begeistern, denn das Geld ist knapp und die Leidenschaft in ihrer Ehe passé. In der zweiten Ferienwoche begegnet sie dem Blick von Alexander von Leppin (52), der mit seiner schwangeren und 25 Jahre jüngeren Freundin Zoe sowie seinem Sohn Florian ebenfalls Urlaub in dem italienischen Ort macht. Sie sucht die Nähe des Fremden und ist nahezu besessen von ihm. Er führt das sorglose Leben, das sie selbst gerne hätte. Doch ist er tatsächlich glücklich? Und welche dunklen Geheimnisse verbergen die anderen?
„Die Lichter unter uns“ von Verena Carl ist ein Roman über die Zweifel am eigenen Leben und die menschlichen Abgründe.
Meine Meinung: Das Buch besteht aus 17 Kapiteln. Die Handlung spielt – neben einigen Rückblenden – während der Urlaubstage auf der italienischen Insel. Erzählt wird aus der Perspektive von Anna und Alexander, aber auch aus der Sicht der anderen Erwachsenen: Florian, Zoe und Jo. Dieser Aufbau funktioniert gut.
Sprachlich ist der Roman besonders gelungen. Die Autorin versteht es auf hervorragende Weise, die Stimmung und Gedanken der Personen sowie die Handlung in der Beschreibung der Natur und Umgebung zu spiegeln. Ihr poetischer Schreibstil enthält viele, teils originelle Metaphern, ist sehr atmosphärisch und schafft eine melancholische Grundstimmung. Die Sprache des Romans macht ihn zu einer lohnenswerten Lektüre.
Anna und Alexander sind zwei sehr unterschiedliche Hauptprotagonisten. Stück für Stück werden ihre menschlichen Schwächen und Unzulänglichkeiten entblößt. Allerdings blieb mir vor allem Annas Verhalten leider bis zum Schluss fremd und nicht nachvollziehbar. Auch an der Gedanken- und Gefühlswelt der übrigen Personen kann der Leser teilhaben. Ein Geflecht aus Lügen, Ungesagtem und unerfüllten Träumen wird so aufgedeckt. Es zeigt sich, dass nicht alles so ist, wie es scheint. Dabei überrascht die Handlung immer wieder mit Wendungen und neuen Geheimnissen.
Der Roman ist in sich stimmig. Er verzichtet auf Gefühlsduselei und Kitsch. Er bietet stattdessen viel Raum für Interpretationen und lässt bewusst einige Fragen offen. Leider driftet er gegen Ende etwas zu sehr ins Dramatische ab. Dennoch bleibt von der ersten bis zur letzten Seite ein nachdenklicher Grundton. Aufgegriffen werden universelle Fragen: Wann ist man glücklich? Hat man in seiner Vergangenheit die richtigen Entscheidungen getroffen? Wie könnte das Leben anders verlaufen? Gut gefallen hat mir auch die unterschwellige Gesellschaftskritik, die an mehreren Stellen der Geschichte aufblitzt und für weitere Denkimpulse sorgt.
Cover und Titel des Buches passen meiner Meinung nach gut zum Roman.
Mein Fazit: „Die Lichter unter uns“ von Verena Carl ist ein insgesamt lesenswerter Roman, der vor allem in sprachlicher Hinsicht heraussticht.
Von diesem Buch war ich leider enttäuscht. Für mich hat sich einfach im ganzen Verlauf der Geschichte keine richtige Handlung herauskristallisiert. Es werden einzelne Episoden, Eindrücke der Charaktere geschildert, die sich dann so aneinanderreihen. Doch die Probleme und Motive der Charaktere haben mich in keiner Weise berühren können. Alles wirkte auf mich sehr gekünstelt, unecht. Auch der Schreibstil hat mir nicht gefallen, so dass sich selbst die wenigen Seiten dieses dünnes Buches gefühlt ewig gezogen haben. Abbrechen wollte ich es aber dann auch nicht.
Taormina, Sizilien. Zwei Familien im Urlaub zum Ausklang des Sommers, der letzte Tag in diesem Buch wird der 1. November sein. Da sind Anna und Jo, Anna ist 43, und die gemeinsamen Kinder Judith, fast 11, sowie Bruno, 5. Dann sind da Alexander und Zoe, ein Paar mit großem Altersunterschied, sowie Alexanders Sohn Florian, im Alter eher nahe an Zoe, er ist aus Alexanders erster Ehe. Alle kommen mit Erwartungen auf die Insel: Für Anna und Jo war Sizilien der Ort ihrer Flitterwochen. Zoe ist schwanger und Alexanders Beziehung zu Florian ist problematisch.
Der Klappentext verspricht hier leider zu viel, auch die Leseprobe hatte mich sprachlich in die Irre geführt. Die Sprache im Buch ist schön, die Bilder sind teils sehr treffend. Die Handlung ist leider trivial, fast alle Charakter fand ich nervig (ich muss Charaktere nicht mögen oder mich mit ihnen identifizieren können, aber nervig??). Judith ist frühreif, launisch, verzogen und eher auf ihren Vater fixiert. Anna ist unzufrieden, weiß aber auch nicht so recht, weshalb. Das Geld ist klamm, an Jos Arbeitsplatz herrscht Unsicherheit, die „nachgebauten Flitterwochen“ kranken daran, dass die Unterkunft eher eine gammelige Absteige ist statt des damaligen Luxushotels, das im Moment unerschwinglich ist. Mehr Job will Anna trotz der prekären Lage aber auch nicht, dafür bekommt auch Jo den Mund nicht auf. Eine gemeinsame Urlaubsplanung funktioniert eher nicht, Planung sowieso nicht, da fast ausschließlich die Kinder bestimmen, aus dem Impuls heraus, als Paar läuft ohnehin eher nichts. Jo blieb für mich blass. Alexander, Florian und Zoe lügt jeweils alle anderen an oder verschweigen etwas. Alexander ist der Erfolgstyp mit „Trophy Wife“ in der Lebenskrise, der trotzdem nur Ansprüche stellt, aber menschlich versagt, während Florian von Beruf Sohn ist. Seltsam – irgendwie mochte ich in diesem Buch nur den fünfjährigen Sohn und den Arroganzling Alexander, immerhin war er in sich schlüssig.
Irgendwann treffen die Gruppen aufeinander. Es kommt zu – was? Hineinprojizieren von Erwartungen, die ohnehin nie erfüllbar waren? Ein Rückfall in infantile Zustände, auf den Boden werfen, mit den Fäusten trommeln, ich will ich will? So in etwa. Dazu Drama und Verkettung wie bei Rosamunde Pilcher. Was die Autorin sprachlich gut hinbekommen hat: über meine generelle Unzufriedenheit mit dem Inhalt hinaus vermittelt sie eine Stimmung von Frust, Ernüchterung, Plan- und Ziellosigkeit versus „Plan-Übererfüllung“ (für mich nur eine andere Form der Planlosigkeit, das Vollstopfen das Tags mit Zielen, um die Leer zu überdecken). Ich habe danach nach einem Buch gegriffen aus dem Bestand, von dem ich mir absolut sicher war, es zu genießen.
Warum nur lockte die Autorin mit so schönen Sätzen? „So hatte sie sich als junge Frau die Zukunft mit Kindern vorgestellt. Sie hatte mittendrin sein wollen, die Helden- und Hauptrolle spielen in dieser Art von Theater. Sie hatte auf der Mitte dieses Seils tanzen wollen, dort, wo man am sichersten stand. Aber nun bewegte sie sich unaufhaltsam fort von diesem Schwerpunkt. Gut möglich, dass mehr Lebensjahre hinter ihr lagen als vor ihr.“ S. 113 - der Satz ist fast beliebig, charakterisiert es aber gut. Jammern, wo bitte ist der Strick. Es hätte so ein schönes Buch sein können über Lebenskrisen und Neuanfänge, da muss gar kein Happy End sein.
Anna und Jo verbringen mit ihren Kindern im Herbst eine Urlaubswoche in Taormina/Sizilien, vor 12 Jahren das Ziel ihrer Hochzeitsreise. Da Jo freiberuflich für eine Werbeagentur arbeitet und im Beruf zunehmend von Berufsanfängern verdrängt wird, wundert es nicht, dass Existenzängste ihre Beziehung belasten. Anna wirkt depressiv, hadert mit ihrem Aussehen und scheint am Anfang des Urlaubs schon den Abschieds-Blues zu spüren. Auch das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern scheint problematisch. Anna hat ein konstant schlechtes Gewissen gegenüber ihren Kindern, sie fühlt sich als Mutter unvollkommen. Obwohl nicht zu übersehen ist, dass Judith eine Papa-Tochter ist, konkurrieren die Eltern um die Zuneigung ihrer Zehnjährigen, ein sensibles, forderndes Kind, das Zahlen in Farben wahrnehmen kann.
Das Hotel, in dem sie während ihrer Hochzeitsreise übernachteten, können Anna und Jo sich nun nicht mehr leisten. Dort sind Alexander, ein Rechtsanwalt Anfang 50, und seine schwangere Begleiterin abgestiegen. Alexanders erwachsener Sohn Florian kommt zu Besuch, der in Italien studiert, wie sein Vater glaubt. Alexander war bisher überzeugt, dass er seinen nichtsnutzigen Sprössling schon irgendwo unterbringen wird, ohne sein Netzwerk der Gefälligkeiten dabei zu stark zu strapazieren. Vater und Sohn inszenieren den Code des ehemaligen Berliner Großbürgertums, doch ihre Fassade zeigt bereits Risse. Indem Anna sich in den zynischen Womanizer Alexander verguckt, rettet sie in die Gegenwart eine vage Spur des alten Glanzes, den sie früher mit Taormina verbunden hat. An ihrem Herzensort hätte ich ihr Romantischeres gewünscht als ausgerechnet diesen Typen!
Rückblenden zeigen, wie Alexander vor einer Untersuchung in der Onkologie eines Berliner Krankenhauses flüchtet und in den dadurch gewonnen 24 Stunden im Berliner Beach Club Zoe kennenlernt. Krankheit ist in seinem Selbstbild nicht vorgesehen und macht ihn völlig hilflos. Zoe spielt nun an seiner Seite in Italien die Society-Tusse und scheint etwas zu verbergen zu haben.
Vor der melancholischen Hintergrundmelodie der Nachsaison in Taormina treffen fünf schwierige erwachsene Figuren aufeinander, deren Konflikte am Urlaubsort zu eskalieren drohen. Eine Ehe, die dem Alltag nicht mehr standhält, Kinder, die die Entfremdung ihrer Eltern spüren, Väter, die ihren Söhnen die eigenen Träume aufzwingen - aus unterschiedlichsten Gründen entgleitet Verena Carls Figuren ihr Leben. Es ist mir nicht leicht gefallen, an diesen Figuren sympathische Züge wahrzunehmen; doch das Motiv des Urlaubsortes vergangener Zeiten hat mich dennoch gefesselt. Als genaue Beobachterin nimmt die Erzählerin bei ihren Figuren selbst feine Zeichen auf und spürt der Frage nach, was Glück ist und wo die Fähigkeit zum Empfinden von Glück sich versteckt.
(read in german) loved everything about it. excellent story about two families on a vacation in taormina (sicily) in late october. the end of summer, the end season is close for taormina, and for the characters - anna and jo, married for many years, not as well-to-do as they had hoped for, parents of a girl and a boy, living in the reality of the cheap apartment in which the unromantic light makes deeper interactions difficult if not impossible. anna observes and admires alexander, an older, richer, more accomplished man, there with his young pregnant wife Zoe and his adult son, Florian. they are staying at the beautiful hotel villa mare, where anna and jo have spent their honeymoon trip, but which now would be too expensive. anna imagines the life of these people from her perspective - and, in parallel, the author enfolds the stories of their lifes, their tragedies and disappointements, in subtle contrast to anna’s imagination and even envy. their trajectories cross a few times in different ways, and each time these intersections reveal something of their the lifes and images they all have of each other. i loved the writing, the excellently constructed and fluent storytelling, it was impossible to put down. the characters are interesting and multilayered, the atmosphere of end of season in taormina comes to life beautifully, adding colour and flavour to an excellent novel. highly recommended.
"Die Lichter unter uns" begleitet zwei Familien beim Sizilienurlaub und rückt dabei vor allem zwei in den Fokus: Anna, die den Boden unter sich schwanken spürt und die sich nach etwas sehnt, das sie nicht greifen kann, und Alexander, der vor sich selbst davon zu laufen scheint und der Anna um ihr Familienleben beneidet.
In diesem Roman wird eine Stimmung transportiert, die ziemlich intensiv ist, und das gelingt auch echt gut. Es ist ein Gefühl von Aussichtslosigkeit und Sehnsucht nach – irgendetwas, das nicht in Worte, das nicht einmal in Gedanken zu fassen ist. Mein Problem damit war nur, dass ich selbst mich mit diesem Gefühl in der Situation nicht identifizieren konnte, was vielleicht auch daran liegt, dass ich von einer eigenen Familie noch weit entfernt bin. Trotzdem würde ich von einem Buch erwarten, dass es in der Lage ist, mich selbst in die Gedankenwelt der Protagonisten zu versetzen, und das ist hier einfach nicht passiert.
"Gleichzeit fürchtete er das Todesurteil, das in einer offiziellen Ablehnung gelegen hätte. Denn so konnte er sich an guten Tagen der Illusion hingeben, dass er eines Tages wie durch ein Wunder plötzlich einen großen Spring machen würde in den Kreis der Auserwählten, dass er lediglich wartete, bis die Zeit und seine Ideen reif waren." (S. 80)
Die Sprache, die an vielen Stellen gelobt wird, kam mir stellenweise aufgesetzt und gewollt vor. Metaphern, die ich eigentlich ganz schön fand, wurden ein kleines bisschen zu lang ausgebreitet; die Sätze schienen manchmal kompliziert zu sein, nur um kompliziert zu sein. Gefallen hingegen haben mir Momente, in denen zwischenmenschliche Komponenten der Beziehungen ihre Entsprechung in der Sprache und Wortwahl fanden.
"Sie streckte die Hand aus und reichte Judith das glatte, verschlossene Päckchen." (S. 139) "Im Moment stellte sich Zoe Alexanders Seele vor wie ein Kind, das in seinem Zuhause zum ersten Mal Haarrisse an der Decke bemerkte." (S. 141)
„Die Lichter unter uns“ steigt mitten in das Leben der Protagonisten ein und verlässt es ebenso unvermittelt wieder, ohne einen griffigen Abschluss gefunden zu haben. Das macht ihn beinahe so unbefriedigend wie das Leben selbst es ist.
Zwei unterschiedliche Familien machen Urlaub auf Sizilien. Da ist zum einen Anna mit Mann und zwei kleinen Kindern, zum anderen der wohlhabende Alexander mit seiner jungen schwangeren Geliebten und seinem erwachsenen Sohn. Begegnungen bleiben nicht aus. Vordergründig erleben wir die Protagonisten dabei, wie sie ihre Ferien verbringen - am Strand oder an der Bar. Doch schnell ist klar, dass die Harmonie nur Schein ist, dass die Figuren mit etwas hadern und die vermeintliche Idylle Süditaliens eigentlich nicht genießen können. Rückblenden lassen uns in ihre Leben eintauchen und Verstrickungen erkennen. "Die Lichter unter uns" ist ein poetischer Roman. "Das Lächeln passte nicht, es spannte und zwickte. Sie behielt es trotzdem an, trotzig, wie ein Kleidungsstück, von dem man nicht wahrhaben wollte, dass es nicht richtig saß." Er handelt von Enttäuschungen und Sehnsüchten und gewährt Einblicke in die Seele der Menschen. Durch seine Tiefgründigkeit und Sprache konnte er mich überzeugen.