Ein philosophisches Märchen für Erwachsene, das einfühlsam von einer verlorenen Welt und Hoffnung erzählt – als Eselmädchen herauskam, waren meine Erwartungen bereits sehr hoch geschraubt. Und tatsächlich konnte dieses intelligente und subtile Debüt mich restlos überzeugen!
Die Geschichte beginnt mit einem namenlosen Jungen und dem Eselmädchen, das alleine am Rand eines gefürchteten Waldes lebt und von den übrigen Dörflern gemieden wird. Die Handlung läuft gemächlich an, zusammen mit dem Jungen bemerken wir, dass die Menschen immer aggressiver werden und Konflikte langsam hochkochen. Etwa um die Mitte herum gab es dann diese Szene, bei der ich mitten im Lesen abbrechen und erst mal nach Luft schnappen musste. Trotz der Warnung im Vorwort kam das Eselmädchen bis dahin wie ein Kinderbuch daher (ich musste ständig an Kurt Helds Rote Zora denken), nichts hat auf diese Szene hingedeutet! Im Nachhinein hätte ich mir den Bruch weniger brutal gewünscht, er sprengt den Rahmen des verträumten Märchens. Die zweite Hälfte bleibt spannend und lässt sich wunderbar in einem Rutsch durchlesen. Auch die fantastischen Elemente haben mich begeistert, in diesem Genre fühle ich mich schon eher zu Hause. Das Ende war zwar vorhersehbar, aber gut gemacht. Der Epilog dagegen hat eine angenehme Überraschung geboten, da er das fantastische Abenteuer des Jungen sozusagen auf menschliche Ebene herunterzieht und einen bittersüßen Schlusspunkt setzt.
In diesem Buch stecken so viele wertvolle Gedanken und Fragen, dass ich es bestimmt nicht zum letzten Mal gelesen habe. Leider haben sich auch einige Schreib- und Formatierungsfehler eingeschlichen, an denen man den Self-Publisher erkennt, dafür habe ich mich gründlich in das Cover verliebt. Alles in allem ist Eselmädchen ein fantastisches, gut durchdachtes Debüt, das einen nach der letzten Seite noch nicht loslässt!