Die Abifeier: der perfekte Ort für das Familienscharmützel.
Der Schriftsteller Eric Nil hat sie selbst durchlebt und durchlitten. Und darüber einen scharfsinnigen, bitter-ironischen Bericht geschrieben, der allen zum Auflachen verhilft, die beim nächsten Familienfest auch zwischen vielen Stühlen sitzen müssen.
Die Abifeier von Tochter Nora steht an. Alle wollen das Beste. Doch in einer Zeit, in der Familien sich immer mal in ihre Einzelteile auflösen, die sich dann wiederum mit anderen Einzelteilen zu neuen, irgendwie familienähnlichen Gebilden zusammenschließen, kann so eine Abifeier schon mal zu einem emotionalen Schlachtfeld werden. Und am Ende kommt es zum Schlimmsten.
So jedenfalls schätzt der Ich-Erzähler die Lage ein. Und er beschließt, sich zu wappnen. Denn eins ist klar: Dass der Sohn seiner neuen Freundin Johanna ein Schulkamerad von Nora ist und ebenfalls im Abi steckt, macht die Sache nicht gerade einfacher.
Zwangsläufig wird seine Ex auf der Abifeier zum ersten Mal Johanna begegnen, und auch er wird erstmals mit Johannas Ex zusammenstoßen. Und das ist noch nicht alles: Sein Sohn Alex hat seit Jahren nicht mit ihm gesprochen. Doch der Schwester zuliebe hat er seine Teilnahme an der Abifeier angekündigt …
Natürlich soll für die Abifeier der Tochter Nora alles nach deren Wunsch laufen. Es ist ihr großer Tag. Doch so einfach ist es nicht, die Eltern sind geschieden. Alex, der Sohn, ist bei der Mutter Bea geblieben und hat den Kontakt zu seinem Vater abgebrochen. Der Vater ist nach Hamburg gezogen, wohin ihm Nora gefolgt ist. Bei Johanna, deren Sohn Tobias ebenfalls in dem Abi-Jahrgang ist, handelt es sich um die Freundin von Noras Vater. Auch Johanna ist geschieden. So ein mittleres Familiendurcheinander, da wird es schon schwierig auch nur die Tischordnung so hinzubekommen, dass alle zufrieden sind.
Beim Lesen des Titels mag einem zunächst einmal die eigene Abi-Fete in Erinnerung kommen. Aus einer langweilig klassisch normalen Familie stammend, ist einem das Gedankenchaos des Autors zwar etwas fremd. Mit dem Gedanken, dass man es in dieser Situation vielleicht einfacher gehabt hat, liest man mit Empathie, welche Überlegungen Patchworkeltern anstellen, um ihren Kindern ein schönes Fest zu bereiten, ohne sich selbst dabei völlig zurückzunehmen. Fast strategisch mutet die akribische Planung an. Nichts soll dem Zufall überlassen werden und eine gewisse Erleichterung ist zu spüren, wenn die Erkenntnis aufkommt, dass es halben Elternteilen auch noch schlimmer ergehen kann. Es keimt die Hoffnung, man könne als Großfamilie etwas mehr zusammenwachsen.
Nicht unbedingt alles kann man nachvollziehen, wenn man die Familiensituation nicht aus eigener Erfahrung kennt, dennoch liest man von vorausplanenden Paar des Autors und seiner Johanna mit Interesse und Erstaunen. Nicht ganz präzise kann man den Erzähler einschätzen, versucht er doch so viel, um das Verhältnis zu seiner Ex-Familie auf eine freundschaftliche Ebene zu bringen, scheint es später doch so als würde er es wegen einer Banalität wieder aufs Spiel setzen. Seine abgeklärte Partnerin wirkt da wesentlich cooler. Und wie es manchmal so ist, machen die Kinder manchmal einen erwachseneren Eindruck als die Großen.
Ein unterhaltsames kleines Buch um die Probleme von Patchworkfamilien, deren Mitglieder sich vielleicht manchmal genau die richtigen Gedanken machen, die Probleme aber manchmal auch als schwerwiegender erscheinen lassen als sie auf einen Außenstehenden wirken.
Langweiliges, unamüsantes, flaches Buch mit einer unaussagekräftigen Geschichte. Beim Lesen wollte ich dieses Buch einfach nur beenden, damit ich es nie wieder anschauen muss!
Was für ein merkwürdiges Buch. Fand es eher sehr bemüht als irgendwie witzig geschildert und das Familienbild SEHR merkwürdig. Überlege fast, ob das nicht mal eine Rezension wert ist...
Eigentlich hat sich das Leben nach der Scheidung ganz gut eingerenkt. Nachdem er Basel und seine Familie verlassen und in Hamburg ein neues Leben samt neuer Partnerin begonnen hat, läuft für den Ich-Erzähler alles in ruhigen Bahnen. Auch als seine Tochter Nora zu ihm zog, hatte nicht viel verändert. Die Patchwork Familie hat ihren eigenen Rhythmus gefunden, in dem die Ex-Partner ihren festen Platz am Rand haben. Jetzt allerdings steht der Abiball an und daran sollen natürlich alle Familienmitglieder teilnehmen. Doch wie kann man alte und neue Familie arrangieren, ohne dass sich jemand auf die Füße getreten fühlt? Es scheint ein Ding der Unmöglichkeit.
Der kurze Roman greift eine recht typische Situation unserer Zeit auf: Beziehungen beginnen und enden und gehen mit irgendwelchen Fragmenten in neue über. Familien entstehen neu, bilden temporäre Zweck- und Lebensgemeinschaften, bis sie sich wieder auflösen. Irgendwie gelingt es den meisten dabei sich zu arrangieren und einen halbwegs tragbaren Kompromiss zu finden. Bis auf die Ausnahmesituationen althergebrachter Rituale, zu denen die modernen Lebensformen nicht passen und die von allen beteiligten das Äußerste verlangen.
Der drohende Abiball versetzt den Ich-Erzähler in eine maximale Stresssituation. Allein schon die Frage, in welcher Konstellation gemeinsam am Tisch gesessen werden soll, bereitet ihm Kopfschmerzen. Ganz zu schweigen davon, wie die Ex- und neuen Partner miteinander bekanntgemacht werden sollen. Man kann das Grübeln über diese eigentlich banalen Fragen gut nachvollziehen, es gibt schließlich kein Patentrezept und hochgradig peinliche Momente drohen, gerät man unvorbereitet in eine solche Situation. Nur wie will man sich darauf ernsthaft vorbereiten?
Der Grundkonflikt des Romans ist offenkundig, allerdings hatte ich mit einem etwas amüsanteren Text gerechnet. Eric Nil jedoch verleiht dem Erzähler eine ausgesprochen grüblerisch-negative Stimmung, die keinen Raum für Humor und Gelassenheit lässt. Seine etwas verklemmt-gehemmte Art verhindert jede Lockerheit im Umgang miteinander und macht das Lesen bisweilen etwas anstrengend. Auch war mir das Lamentieren über die gescheiterte Vater-Sohn-Beziehung eher mühevoll zu lesen und ich hätte auf so manche Teenager-Beziehungstragödie verzichten können. Zwar wirkt der Ton so realistisch und authentisch – es ist leicht vorstellbar, wie sich viele Menschen ob einer solchen Lage den Kopf zermartern – aber bei mir konnte es nur begrenzt Begeisterungsstürme auslösen.