Im Januar 2009 wurde Dietmar Dath vom Spiegel gefragt, ob er für die »Beseitigung des kapitalistischen Systems« sei. Seine Antwort: »Absolut.« Mit diesem Beitrag zu Marx’ 200. Geburtstag hat Dath nicht nur ein äußerst persönliches Buch über Marx geschrieben, sondern eines, das in seiner Klarheit und Dynamik gleichzeitig eine brillante Einführung in die Marxsche Lehre und deren Nachwirkung bietet. So zeigt er unter anderem, dass Marx das zu Bekämpfende immer zuerst einmal verstehen will und sich stets an der Praxis orientiert – zwei der vielen Gründe für seine anhaltende Aktualität.
Ich hatte gehofft, Karl Marx auf 100 Seiten hieße eine gute und knappe Zusammenfassung von Leben und Wirken. Es war aber doch, fairerweise wie es im Klappentext steht, "ein äußerst persönliches Buch" des Autors, das sich anfühlt wie eine nicht sehr stringente Ansammlung von extrem kompliziert verpackten Gedanken. Schade Panade.
Cool Dietmar, gleichzeitig zu spezifisch und detailliert für eine Einführung und zu unfokusiert um einem konkreten Aspekt von Marx genauer zu beleuchten. Trotzdem natürlich voller interessanter, recht kurz gefasster Blickwinkel auf zentrale Begriffe des Marxismus von einem, der es mit dem Marxismus sicherlich ernst meint - und das ist 2022 ja auch was.
Eine tolle Überblickslektüre (für Menschen, die sich schon ein wenig mit Marx auseinander gesetzt haben; es ist teilweise etwas kompliziert geschrieben), um einen Einblick in die Werke von vor allem Marx aber auch anderen sozialistischen Denker*innen des 18.-20. Jahrhunderts zu geben. Ich konnte viel mitnehmen zu Wut (heisser und kalter Wut) und die Theorien im Geiste der philosophischen Denkströmungen des 18. Jahrhunderts (vorallem die Hegelsche Dialektik und den Idealismus über was die Welt im Inneren zusammenhält und seine veraltete und widerlegte Theorie des Freiheitsfortschritts) besser nachvollziehen und verstehen. Marx hat im Kontext dieser Denkrichtungen seine Methodik vom kleinen, von einzelnen Phänomenen zum Ganzen entwickeln können: « Die Ideen sind nicht das Primäre und die materielle Welt nicht das Erzeugnis, sondern umgekehrt. » (45)
Nicht nur die Analyse der vorherrschenden Strukturen (das Notwendige) sondern auch Handlungsstränge (das Hinreichende) werden beleuchtet. Dabei wird nicht essentialistisch gedacht (von der Natur des Menschen oder dem Kern), sondern relational (« Wie ist das Ding für sich genommen? » vs « Wie ähnelt es andern Dingen, wie ist es von diesen verschieden? »). Dabei ist für Marx die Kritik auch an anderen linken oder sozialistischen Vordenkern wie Proudhon (« Eigentum ist Diebstahl » und anderen undifferenzierten Takes) essentiell.
Dieses Buch ist spannend als Überblick, da Marx’sches Denken aktueller denn je ist, und sich die « ganze alte Scheisse » (Engels) in veränderten Formen wiederholt. Die materialistischen Zustände der Welt im 21. Jahrhundert verändert sich und wir haben eine Chance mit einer langfristigen Strategie den Kampf um dieses Jahrhundert zu gewinnen.
Karl Marx von Dietmar Dath erschien 2018 in der neuen Reclam Reihe 100 Seiten, die laut Verlag auf genau 100 Seiten eine Einführung zu "aktuellen Themen für einen schnellen Überblick" geben soll. Diese Einführungen versprechen "persönlich geschrieben, modern gestaltet, unterhaltsam präsentiert" zu sein. Vermutlich hätte ich mich beim Spontankauf von ersterem Versprechen bereits abschrecken lassen sollen, dem einzigen der drei übrigens, das vom Autor rigoros eingehalten wurde.
Ganz gute Einführung, aber zum Teil definitiv noch zu kompliziert und detailliert, um einen guten Einstieg in die Materie zu geben. Erfüllt also leider nur teilweise, was ich von den 100 Seiten erwartet habe, nämlich eine Kurzzusammenfassung von Marx‘ Theorie.
Das Buch beschreibt eher den historischen und philosophischen Kontext von Marx’ Werken. Eine Objektivität des Autors sollte nicht erwartet werden, ohnehin liest sich dieses Buch auch eher, wie eine Anreihung an Metaphern und Referenzen und anderen philosophischen und theologischen Theorien, die vielleicht etwas mit Marx zu tun haben, vielleicht aber auch nicht. Da der Autor wirklich nur in einer handvoll Zitate auf Aspekte der Theorien eingeht, macht es den Anschein er wolle nur zeigen, wie viele philosophische Schulen er noch aus dem Ethikunterricht kennt.
Dath versucht in diesem politischen Essay die historischen Ideen von Marx mit einigen neueren politischen Tendenzen verknüpfen. Der Versuch ist nicht gelungen. Abstrakte Formulierungen verschleiern oft den Fokus; dazu Bandwurmsaetze, bei denen man am Ende schon den Anfang vergessen hat. Ueber Marx's zentrale Theory des Mehrwerts und seine Bedeutung grübelt Dath erst im letzten Drittel seines Essays. Aus dieser Lektüre lernt man wenig Neues.
Das ist ein kleines Buch, das doch hinhaut. Dath packt ganz viel Wissen in diesen 100 Seiten rein. Man lernt insb. über den sozialen und intellektuellen Kontext, in dem Marx entstand. Dath greift auch das gefährliches Halbwissen und die Klischees an, die um Marx gebildet haben, wie z.B., dass er hilfloser Idealist sei, der eine Revolution aufrief, ohne daran zu denken, wie man die Theorie in die Praxis umsetzen könnte. Er war tatsächlich aktiv darin Menschen zu organisieren und das breite Publikum von Arbeitern mit seiner Botschaft zu erreichen. Er hätte sich wohl kaum vorstellen können, wie die heutige Medienlandschaft alle Bürger so lähmt und abstumpft, aber die Wurzeln dieses Problems weicht nicht so ganz von denen damals ab. Menschen merken ihren Wert nicht. Wir werden von dem Wert unserer Arbeit befremdet. Diese Verleumdung, Marx sei Idealist, ist umsomehr verfehlt, weil er sich gegenüber seinem Lehrer Hegel aufstellt, der wirklich Idealist war, und zwar dialektischer Idealist, während Marx doch dialektischer Materialist war. Er hat nicht bloß um Ideen gedacht, sondern um die materielle Verhältnisse, die unsere Welt ausmachen.
Dath schreibt nicht so einfach. Manchmal zitiert er Marx, der auch etwas komplex geschrieben hat, aber die Konzepte und die Umstände, die er anspricht, sind nicht so schwer zu verstehen. Um die Schmarotzer loszuwerden, die ausbeuterisch so viel Geld unverdient in Beschlag nehmen, müssen alle Arbeiter sich zusammen tun. Gewerkschaft verstehe wir schon, aber wie wäre es wenn so was auf dem Niveau eines Staats funktioniert? Bisher leider nicht so gut, weil die wenigen kommunistischen Regierungen, die wir kennen, schnell weg von den eigenen Prinzipien gerutscht sind und zu Alleinherrschaften wurden. Aber bietet uns die aktuelle kapitalistische, nicht ganz demokratische Regierung so viel an, dass wir nicht noch einmal versuchen wollen, eine faire Gesellschaft zu formen, die die Ärmsten und die Schwächsten schützt? Oder kostet das doch zu viel und basta?
In Hundert Seiten kann man das philosophische Werk von Marx nicht einmal annähernd beschreiben. Dennoch kann man einige wichtige Aspekte hervorheben und für den Marx-Laie verständlich darstellen. Das tut das Buch und so ist es ein brauchbarer Einstieg in die Gedankenwelt des grossen Denkers aus Trier. Und eine Motivation in seinem Geiste weiter zu forschen, nicht zuletzt auf Grund der heutigen weit verbreiteten Ratlosigkeit gegenüber den immensen Problemen die uns herausfordern. Die ersten 50 Seiten tat ich mich schwer, viel Angaben und Zitate zu anderen Zeitgenossen und die Marx inspiriert haben. Auf den Schluß zu kam der Autor zum Punkt und die Fachbegriffe weniger umfangreich.
Guter, interessanter Einstieg in Marx als Thematik. Dennoch streckenweise gar nicht mal so leicht zu lesen, obwohl es sich nur um Sekundärliteratur handelt. Dem Anspruch, einen Überblick über Marx' denkerisches Schaffen zu geben, wird das Buch nicht vollständig gerecht, da es sich auf dem ohnehin schon begrenzten Platz von einhundert Seiten in Teilen doch recht weit von dem entfernt, was zumindest ich erwartet hätte. Dennoch lesenswert und anregend, sich weiter mit Marx und seiner Gesellschaftstheorie zu befassen.