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Oswald Spengler. Konservativer Denker zwischen Kaiserreich u. Diktatur.

German

304 pages, Perfect Paperback

Published January 1, 1988

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Profile Image for Florian Lorenzen.
178 reviews210 followers
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July 15, 2026
„Der Untergang des Abendlandes“ zählt zu den einflussreichsten intellektuellen Schriften der Weimarer Republik, die ihren Autor Oswald Spengler einem breiten Publikum schlagartig bekannt machte. In „Oswald Spengler. Konservativer Denker zwischen Kaiserreich und Diktatur“ setzt sich der Historiker und langjährige Cheflektor C. H. Beck Verlags intensiv mit dessen Denken auseinander.

Felken rekonstruiert, wie Spengler, beeinflusst durch die alten Griechen, Nietzsche, Goethe und die Lebensphilosophie zu seiner geschichtsphilosophischen Zyklen-Theorie kam, in der nicht von einem lineareren Fortschritt der Menschheit, sondern von einem Auf- und Abstieg ca. 1000-Jähriger Hochkulturen wie den Ägyptern, Babyloniern oder Azteken ausgegangen wird. Die abendländische Kultur, nach Spenglers Logik seit etwa 900 n. Chr. existent, sei demnach an ihr Ende gekommen – und dieser Kulturpessimismus fiel in der instabilen Gesellschaft der Weimarer Republik auf fruchtbaren Boden.

Felken zeigt sehr schön auf, aus welchen Gründen „Der Untergang des Abendlandes“ trotz seiner Popularität in der Breite von den Fachdisziplinen nur sehr zurückhaltend aufgenommen wurde und welche gewöhnungsbedürftige Marx-Exegese ihn zu seinem Werk „Preußentum und Sozialismus“ motivierte. Felken würdigt allerdings auch Spenglers „Jahre der Entscheidung“, das kurz nach der Machtergreifung im Jahr 1933 erschien und eigentlich unter dem Titel „Deutschland in Gefahr“ veröffentlicht werden sollte, als mutiges Werk, das sich gegen das biologistische Rassenverständnis und den rassischen Antisemitismus der Nationalsozialisten positionierte. Im Unterschied zu anderen „Konservativen Revolutionären“ wie Heidegger oder Schmitt war Spengler politisch kein Opportunist, dennoch trug sein autoritäres Denken, seine Ablehnung von Parlamentarismus und Individualismus dazu bei, die Weimarer Republik zu demontieren – so das Fazit Felkens.

Für mich eine sehr lesenswerte Lektüre, die kritisch aber nie unfair ausfällt, die nicht zu kurz und nicht zu ausführlich ist – wahrscheinlich mit die beste Sekundarliteratur zu Spengler

Review auf Instagram: https://www.instagram.com/p/Daz1MDCgnP0
Profile Image for Claudius.
93 reviews4 followers
July 20, 2026
Das geflügelte Wort des ,,untergehenden Abendlandes" ist spätestens seit den PEGIDA-Demonstrationen 2015 in der allgemeinen öffentlichen bekannt. Was neu erscheint, ist eigentlich schon seit der Zwischenkriegszeit und Oswald Spengler ein Verkaufsschlager.

Thomas Mann und Großteile der Intelligenz der Weimarer Republik waren von dem Untergangstheoretiker und seinem System fasziniert. Woraus genau dieses bestand, auf welcher Grundlage es basiert und wie sich Spengler zu seiner Umwelt verhielt, all das behandelt Detlef Felken, langjähriger Herausgeber von C.H. Beck und Historiker sehr gekonnt. Besonderes Schmankerl besteht in seiner Fähigkeit, die Biographie Spenglers und seine Konstrukte mit einer Beschauung der Weimarer Protagonisten und Gedankenwelt zu verbinden.

Worin genau bestehen denn nun Spenglers Ideen? Durch das Studium einer ganzen Fülle von Hoch- und antiken Kulturen zieht er die Schlüsse von Kulturkreisen und zyklischen Imperien, wonach sich die westliche Welt im Niedergang begriffen findet. Aufsteigen wird laut seiner Meinung die Welt des Ostens.

Dabei unterscheidet Spengler streng zwischen Kultur und Zivilisation. Ersteres ist Vital und schaffend, letzteres bereits dekadent und absterbend. Nur noch Reproduzierend. Allgemein hatte Spengler, wie für die damalige Zeit üblich, einen organischen Blick auf die Geschichte und Gesellschaft.

Wie verhielt er sich zum NS? Eine eindeutiges ja oder nein gibt es nicht. Es gibt Überschneidungen bei Antiliberalismus, Rassenlehre oder auch der Angst der Degeneration. Doch ist er bei weitem nicht so radikal, eher ein extrem konservativer Theoretiker seiner Zeit. Und elitär dazu, denn für ihn ist die NSDAP zu sehr eine Massenbewegung des ,,Pöbels", er wünscht sich eher einen Adel, aber den ,,best gezüchtetsten".

Besonders das Kapitel zu ,,Preußentum und Sozialismus" verdeutlicht wie Resignifikation stattfindet, da Spengler den Sozialismus aus seiner proletarischen und marxistischen Tradition rauslöst und ihn ,,von rechts" umdeutet, sinnentleert und einfach als preußischen Dirigentenstaat deutet, der in den Markt auch eingreift. Er meint eigentlich Dienst, Unterordnung und Pflicht, verwendet aber Vokabeln die damals Auftrieb hatten und entkernt sie.

Auch der Bezug immer wieder auf Nietzsche und seine ,,Umwertung aller Werte" ist hochinteressant und Spengler macht aus dieser philosophischen Kulturkritik einfach ein Geschichtsbild mit politischen Folgen.

Ein Denker der bei der Neuen Rechten zur Genüge durchexerziert wird.
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