Wie weit darf Hardcore-Horror gehen? Du denkst, du fürchtest dich vor nichts mehr? CARNIVORE! Eine grenzüberschreitende Erfahrung.
Victor von Holsten ist Arzt, vermögend, gebildet, charmant und Kannibale aus Leidenschaft. Ein Mann, der sich nimmt, was er will. Er mag schöne Menschen, das Geschlecht ist ihm egal. Doch während andere nach dem Sex ein Glas Wein genießen, kreiert Victor Fleischgerichte der makabren Art. An lebender Rohware mangelt es dabei nicht. Der Keller des Gourmets ist prall gefüllt und gleicht einem Todestrakt. Seine Vorratskammer ebenfalls. Bon Appétit, ihr Weicheier!
Jeder der mich kennt weiß, dass ich meine lieben Probleme mit deutschem extreme Horror und/oder Splatterpunk habe – oder besser gesagt, diesem dämlichen Aushilfsgeprolle bei dem sich allzu oft selbst der Lektor weigert, sich dieser legasthenischen Ansammlung von niedergeschriebenen Urlauten anzunehmen!
Plump, übertrieben, sinn- und stillos, aufgedunsen theatralisch und zu allem Überfluss dann eben auch noch schlecht geschrieben: willkommen in der deutschen Extrem-Szene…
…und dann eben doch nicht!
Denn man soll die Hoffnung eben nicht aufgeben und, dass diese bekanntermaßen zuletzt stirbt, beweist A.C. Hurts – hier in Form ihres Romans ”Carnivore – Fleischeslust“.
Viktor von Holsten ist leidenschaftlicher Koch, Gourmet… und Kannibale. In seinem Haus warten im Keller weder Spinnweben noch Umzugskartons oder andere Anhäufungen der Vergangenheit, sondern vielmehr zukünftiges: Fleisch. Menschenfleisch! Und wie es sich für einen wahren Gourmet gehört, ist nur was lebt, wirklich frisch – so eben auch die ”Gäste“ (das Essen) von Victor.
Den Keller zu einer modernen Vorratskammer, mit Zellen und einer Küche, umgebaut, warten Victors Opfer auf das besondere Mahl… …bei dem sie die Hauptspeise darstellen.
Es ist schon beinahe erschreckend, mit welcher Selbstverständlichkeit Hurts hier ein Grauen erschafft, wie es das letzte Mal Thomas Harris mit ”Das Schweigen der Lämmer“ (OT: ”The Silence of the Lambs“) zu kreieren wusste. Durch den andauernden Perspektivenwechsel zwischen den einzelnen Protagonisten erzielt A.C. Hurts nicht nur ein enormes Tempo, sondern lässt den Leser auch in ein förmliches Chaos der Gefühle eintauchen.
Leidet man im ersten Moment noch mit den ”Opfern“, spinnt Pläne zu entkommen und Victor nicht ungestraft davon kommen zu lassen, sieht man im nächsten Moment durch die Augen von Victor das frische Fleisch und entsinnt Rezepte und Zubereitungen, um diesem besonderen Genuss gerecht zu werden.
Eben dieses Spiel mit den Protagonisten, welches A.C. Hurts bis auf’s äußerste auszureizen weiß, macht ”Carnivore – Fleischeslust“ so besonders. Man ist immer und jederzeit bei dem gerade ”aktiven“ Protaginisten, leidet und hofft mit diesem – ganz gleich, ob es sich um einen der ”Gäste“ oder den ”Gastgeber“ handelt!
So schreitet die Autorin weniger auf dem schmalen Grat zwischen Gut und Böse, richtig und falsch, normal und morbide, sondern schlägt eine Brücke zwischen der Möglichkeit und dem Unaussprechlichen und tanzt auf dieser in einer grotesken Grazie.
A.C. Hurts ”Carnivore – Fleischeslust“: Paul Cleave trinkt mit Wrath James White einen süffigen Rotwein, während im Hintergrund Chris Barnes mit ”Entrails ripped from a virgin’s cunt“ (Cannibal Corpse – Tomb of the mutilated) aus den Boxen röhrt und eine gute alte Zeit ins Jetzt zurückkehren lässt.
Danke dafür!
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Zur Neuauflage von Redrum Books:
Jedesmal, wenn ich von einer Neuauflage höre, begegne ich diesem Umstand mit einem lachenden und einem weinenden Auge: zum einen die Freude, ein Buch neu erleben zu dürfen, zum anderen die Angst vor Kürzungen – zutreffen tut hier übrigens beides…
Das erste, was, neben der doch stark reduzierten Seitenzahl (436 Seiten in der Erst-, 349 in der Neuauflage), auffällt, ist das Cover. Selbstverständlich stilistisch reine Geschmackssache, ist das neue Cover handwerklich einfach besser!
Das der Titel nun nicht mehr den Zusatz ”Fleischeslust“ trägt, darf man wohl vernachlässigen.
Als nächstes fallen unweigerlich die Kapitel ins Auge. In der Erstauflage noch recht schnöde einfach nur als ”Kapitel“ bezeichnet, tragen sie nun nicht nur Namen, sondern werden jeweils von einem kurzen Zitat einer (mehr oder minder) bekannten Persönlichkeit eröffnet.
Geändert hat sich auch die Unterteilung der Kapitel – so wurden einige Kapitel aus der Erstveröffentlichung in der Neuauflage zusammengefasst. Zudem sind einige Unterkapitel gänzlich verschwunden oder wurden neu angeordnet. Da ich nun keiner kleingeistigen Pedanterie zum Opfer fallen möchte und zudem Jonas als nervtötensten (ja, ein Hyperlativ) Idiotencharakter (absolut wichtig für das Buch) betrachte, spare ich mir eine nähere Ausführung meiner Meinung zu diesen Streichungen und betrachte sie lediglich als gegeben.
Circa 30.000 sind es dann geworden. Insgesamt wurden circa 30.000 Wörter gegenüber der Erstveröffentlichung gestrichen. Das klingt nicht nur viel, dass ist es auch. Im direkten Vergleich mit der Erstauflage leidet hier der Tiefgang der Geschichte leider ein wenig. Wo Hurts in der Erstauflage diese wunderbare Morbidität auszukosten wusste, stellt die Neuauflage die Momente eher plakativ dar.
Auch die Sprache, also die stilistische Ausarbeitung, welche diesen gewissen Flair zu transportieren wusste, erlag bisweilen dem Rotstift. Aus Bildern, die Tat, Geruch, Geschmack und Augenblick wiedergaben, wurden so nun Skizzen, die weniger musisch, denn konform daherkommen.
Wirklich sauer aufgestoßen, ist mir die Kürzung des Epilogs! Hier wurde einfach zuviel Geschichte, zuviel Interpretation und Möglichkeit genommen und das eigentliche grandiose Ende nicht einfach nur beschnitten, nein, es wurde förmlich kastriert!
Im Gesamten betrachtet wirkt die Neuauflage tatsächlich weniger wie eine Kürzung, als eine Modernisierung. Wollte man etwas böser sein, könnte man Vergleiche mit Carroux und Krege anstellen – doch würde dies der Neuauflage Unrecht tun (und doch schwirrt dieser Gedanke im Hinterkopf umher).
Ich möchte es noch einmal betont wissen: ich habe beide Bücher direkt miteinander verglichen! Selbst Leser, die die Erstveröffentlichung kennen, werden (bis auf das Ende) nicht wirklich etwas vermissen.
Und selbst dieser größte Kritikpunkt, das Ende, darf nicht als geschichtsverändernde Unaussprechlichkeit wahrgenommen werden – nein! Kennt man die Originalausgabe nicht (oder schlägt sich eben nicht die Nacht um die Ohren, um die beiden Auflagen zu vergleichen), wird man kaum etwas vermissen.
A.C. Hurts zählt zum Besten, was die deutsche extreme Horror/Splatterpunk-Szene zu bieten hat! Was diese Autorin so besonders macht, ist die Leichtigkeit, die Selbstverständlichkeit und Ungezwungenheit, mit der sie Geschichten zaubert, die sich problemlos zwischen Namen wie Edward Lee, Wrath James White oder Monica J. O’Rourke einzureihen wissen.
Und auch nach dem zweiten (strenggenommen ja sogar dreimaligen) lesen des Buchs, war dieses nicht langweilig, sondern entführte mich immer wieder auf’s Neue in den Keller, ließ mich immer wieder die Angst erleben, die Lust schmecken und das Grauen erfahren.
Michael Merhi kann stolz sein, eine derartige Ausnahme-Autorin in seinem Team zu wissen und die Leser dankbar, dass Redrum ihre Werke veröffentlicht!
Statt einer Kürzung verdient ein solches Buch eine extended Version – aber was nicht ist, kann ja noch werden…
Jeder der mich kennt weiß, dass ich meine lieben Probleme mit deutschem extreme Horror und/oder Splatterpunk habe – oder besser gesagt, diesem dämlichen Aushilfsgeprolle bei dem sich allzu oft selbst der Lektor weigert, sich dieser legasthenischen Ansammlung von niedergeschriebenen Urlauten anzunehmen!
Plump, übertrieben, sinn- und stillos, aufgedunsen theatralisch und zu allem Überfluss dann eben auch noch schlecht geschrieben: willkommen in der deutschen Extrem-Szene…
…und dann eben doch nicht!
Denn man soll die Hoffnung eben nicht aufgeben und, dass diese bekanntermaßen zuletzt stirbt, beweist A.C. Hurts – hier in Form ihres Romans ”Carnivore – Fleischeslust“.
Viktor von Holsten ist leidenschaftlicher Koch, Gourmet… und Kannibale. In seinem Haus warten im Keller weder Spinnweben noch Umzugskartons oder andere Anhäufungen der Vergangenheit, sondern vielmehr zukünftiges: Fleisch. Menschenfleisch! Und wie es sich für einen wahren Gourmet gehört, ist nur was lebt, wirklich frisch – so eben auch die ”Gäste“ (das Essen) von Victor.
Den Keller zu einer modernen Vorratskammer, mit Zellen und einer Küche, umgebaut, warten Victors Opfer auf das besondere Mahl… …bei dem sie die Hauptspeise darstellen.
Es ist schon beinahe erschreckend, mit welcher Selbstverständlichkeit Hurts hier ein Grauen erschafft, wie es das letzte Mal Thomas Harris mit ”Das Schweigen der Lämmer“ (OT: ”The Silence of the Lambs“) zu kreieren wusste. Durch den andauernden Perspektivenwechsel zwischen den einzelnen Protagonisten erzielt A.C. Hurts nicht nur ein enormes Tempo, sondern lässt den Leser auch in ein förmliches Chaos der Gefühle eintauchen.
Leidet man im ersten Moment noch mit den ”Opfern“, spinnt Pläne zu entkommen und Victor nicht ungestraft davon kommen zu lassen, sieht man im nächsten Moment durch die Augen von Victor das frische Fleisch und entsinnt Rezepte und Zubereitungen, um diesem besonderen Genuss gerecht zu werden.
Eben dieses Spiel mit den Protagonisten, welches A.C. Hurts bis auf’s äußerste auszureizen weiß, macht ”Carnivore – Fleischeslust“ so besonders. Man ist immer und jederzeit bei dem gerade ”aktiven“ Protaginisten, leidet und hofft mit diesem – ganz gleich, ob es sich um einen der ”Gäste“ oder den ”Gastgeber“ handelt!
So schreitet die Autorin weniger auf dem schmalen Grat zwischen Gut und Böse, richtig und falsch, normal und morbide, sondern schlägt eine Brücke zwischen der Möglichkeit und dem Unaussprechlichen und tanzt auf dieser in einer grotesken Grazie.
A.C. Hurts ”Carnivore – Fleischeslust“: Paul Cleave trinkt mit Wrath James White einen süffigen Rotwein, während im Hintergrund Chris Barnes mit ”Entrails ripped from a virgin’s cunt“ (Cannibal Corpse – Tomb of the mutilated) aus den Boxen röhrt und eine gute alte Zeit ins Jetzt zurückkehren lässt.