Irina musste als Kind mit ansehen, wie ihre Schwester Leonore ermordet wurde. Nur weil Skandar, der Sohn des Jägers, sie beschützte, ist Irina noch am Leben. Selbst als Erwachsene verfolgen sie die Bilder des brutalen Mordes. In ihrem Dorf fühlt sie sich ausgestoßen. Hinter ihrem Rücken nennt man sie verflucht. Allein Skandar will Irina für sich gewinnen. Als er sein Ziel nicht erreicht, schlägt seine Zuneigung in Gewalt um. Irina muss fliehen. Doch »es« lauert immer noch da draußen. Im finsteren Wald. Leonores Mörder hat Irina nicht vergessen. Ihre erneute Begegnung setzt blutige Ereignisse in Gang, die das ganze Dorf ins Verderben zu reißen drohen …
Eine düstere Horror-Novelle zur Zeit des 30-jährigen Krieges, angelehnt an das bekannte Märchen der Brüder Grimm: »Rotkäppchen«.
Link zur Leseprobe: norabendzko.com/mein-schreiben/derzei...
Die 1994 geborene Münchnerin wuchs in einer teils deutschen, teils marokkanischen Familie auf. Einmal begonnen, hat das Schreiben phantastischer Texte sie nicht mehr losgelassen.
Der Wunsch, Literatur zu einem festen Bestandteil ihres Lebens zu machen, brachte sie nach Wien, wo sie die Deutsche Philologie studiert. Neben dem Studium arbeitet sie als Lektorin.
Wenn sie sich nicht mit dem Schreiben beschäftigt, singt sie leidenschaftlich. Beide Passionen lebt sie in Metal-Bands wie »Nightmarcher« aus.
"Wolfssucht" ist eines jener seltenen Bücher, das ich binnen weniger Stunden regelrecht verschlungen habe! Mir gefallen die ausdrucksstarke Sprache der Autorin und die Atmosphäre und Bilder, die sie damit im Kopf der Leser entstehen lässt, ungemein gut. Ich konnte die klirrende Kälte des harten Winters spüren, fröstelte im dunklen und feindseligen Wald, der ein schreckliches Geheimnis birgt, und ich konnte auch die Verzweiflung und Todessehnsucht Irinas nachvollziehen. Die Autorin erschafft ganz neue Metaphern, die wunderschöne aber auch erschreckende Bilder entstehen lassen. Die Charaktere sind vielschichtig und keine Stereotypen, die Handlung selbst ist mitreißend erzählt, mit vielen überraschenden Wendungen, die aber immer logisch und nachvollziehbar sind. Fazit: Ein packendes Leseerlebnis , das mich von den ersten Zeilen an in seinen Bann geschlagen hat!
Irina poppt mit dem Wolf / Mörder ihrer Schwester / ihrem Onkel, weil sie nicht mit dem Jäger poppen will. K. Mehr passiert in diesem Buch nicht. Außer ein paar Vergewaltigungen. Aber wen interessiert sowas schon, ne.
Der Schreibstil war gut. Und es war schön kurz, um es mal eben so wegzulesen. Außerdem hat es mich stellenweise an Disneys Die Schöne und das Biest erinnert und Cocteau's La Belle et la Bête, was eigentlich auch Die Schöne und das Biest ist, aber in Gothic. Wie auch immer. An der Story hat's mir bei Wolfssucht arg gemangelt.
Ein sehr, sehr, sehr spannender Ansatz für eine Neuerzählung des Rotkäppchen-Märchens. Ein paar Dinge fand ich etwas zu schnell erzählt und so ganz habe ich auch die Entwicklung zwischen zwei Personen nicht ganz mitbekommen.
Überraschend anders als gedacht - düster und voller Überraschungen!
Ich bin ja kein großer Fan von "kurzen" Büchern oder Novellen, aber ich probiere gerne aus und an Märchen-Adaptionen komme ich sehr schwer vorbei ...
Nora Bendzko hat sich hier das Märchen "Rotkäppchen" der Gebrüder Grimm vorgenommen und hat es auf den wenigen Seiten geschafft, mich für ihre Geschichte zu begeistern! Das Schicksal von Irina ist grausam und die Szenen sind trotz oder gerade wegen der kurzen Momentaufnahmen sehr prägend: Der Krieg und die Flucht aus dem Dorf, der Abschied von den Eltern und der Tod von Leonore lassen das Mädchen auch über die Jahre nicht mehr los. Das Vergessen oder auch Verdrängen wollen ihrer Gefühle verwandeln das Mädchen in eine andere, in eine junge Frau, die zwischen den Forderungen und der Glaubensbessenheit des Dorfes steht.
Es hat mich positiv überrascht, wie sehr ich in die Handlung eintauchen konnte, wie klar die Figuren skizziert waren und vor allem auch, welche überraschenden Wendungen eingebaut waren! Teilweise fast schon verstörend, aber auch sehr einfühlsam gibt es hier keine klare Linie wie im Märchen, sondern zwischen dem Dunkel und dem Licht wandeln viele Schattierungen, die man erst nach und nach erahnt. Gerade Irina, die mit ihrer Vergangenheit nie wirklich abgeschlossen hat, findet ihren Frieden auf eine scheinbar schändliche Weise, die aber gerade ihre Sehnsucht zum Ausdruck bringt, ihre Angst und ihre Gefühllosigkeit endlich hinter sich zu lassen.
Der Schreibstil ist dabei sehr eindrucksvoll und lässt mit wenigen Worten die Bilder und Gefühle entstehen, die mich wie gebannt an die Seiten gefesselt haben. Genauso hat mich die trostlose Atmosphäre gefangen genommen, die die Einsamkeit von Irina unterstreicht. Es gibt nur wenige Augenblicke, die sie sehr intensiv und mit Gewalt aus dieser Isolation ausbrechen lassen und die zum großen Finale führen, das die Geschichte mit einem passenden Ende ausklingen lassen.
Durch die heftigen Szenen nicht für jeden was, aber wenn man den Sinn dahinter sucht, hinterlässt es einen tiefgreifenden Eindruck!
Ich werde auf jeden Fall auch das zweite "Galgenmärchen" lesen (Der Kindsräuber)
Nora Bendzkos erstes Galgenmärchen war - zu meiner Schande - auch das erste Buch, was ich von ihr gelesen habe. Und ich muss sagen: ich bin begeistert! Die Rotkäppchen-Version zur Zeit des 30-jährigen Krieges kommt mit 126 Seiten geballter power daher. Speziell das Ende lässt mich doch über einiges nachdenken.
Eine wundervoll düstere Interpretation des Märchens "Rotkäppchen"! Ich mochte die Tiefgründigkeit, die mit Irinas Handlungen und Entscheidungen einherging, sehr, darüber werde ich noch eine ganze Weile nachdenken. Insbesondere durch den Schreibstil wird die Geschichte im Setting des 30jährigen Krieges unfassbar lebendig. Ich konnte mir alles sehr genau vorstellen. Auf jeden Fall macht "Wolfssucht" Lust, auch die anderen Galgenmärchen von Nora Bendzko zu lesen!
Irina hat als kleines Mädchen nicht nur den Krieg kennen gelernt, sondern zusätzlich miterlebt, wie ihre eigene Schwester Leonore von einer Bestie aus dem Wald ermordet wurde. Nur weil Skandar der Jägerssohn ihr zur Hilfe kam, hat sie überlebt. Doch der Preis für die Rettung ist hoch, denn Skandar will sie zur Frau nehmen und mit ihr das Bett teilen, doch Irina weigert sich und so will Skandar das, was ihm zusteht, sich mit Gewalt holen. Doch da ist auch noch immer Leonores Mörder, der vor dem Dorf sein Unwesen treibt und Irina in seine Fänge lockt. Doch in den Wäldern lauert noch ein Monster, ein größeres, jeden verschluckendes Ungetüm.
“Wolfssucht”, eine düstere und unheilvolle Märchenadaption zu unserm bekanntem “Rotkäppchen“, ist der Auftakt der Galgenmärchenreihe, in der quasi alles beginnt. Alle Galgenmärchen sind durch einen indirekten roten Faden miteinander verbunden, mit Irina beginnt es, mit Irina endet es. Die Geschichte basiert auf der Ursprungsidee, in der der Wolf, ein nach körperlicher Nähe süchtiger Mann ist, der sich diese rücksichtslos und gewaltvoll von Frauen nimmt. Sprich, wer hier eine romantische, mit einem Happy-End endenden Geschichte erwartet, ist hier leider vollkommen fehl am Platz. Irinas Geschichte spielt genau wie die anderen Galgenmärchen während des 30-jährigen Krieges zwischen den Katholiken und Protestanten und auch wenn er hier mehr im Hintergrund wütet, ist er doch letztendlich das größte Monster, das jeden Menschen findet und ins Unheil stürzt. Obwohl das Buch nur recht kurz ist, schafft die Autorin es, auf den wenigen Seiten eine bewegende und tiefgründige, schockierende und grausame Geschichte zu schreiben, die einen so schnell nicht wieder loslässt. Sie spricht hier ein ernstzunehmendes Thema an, ohne es zu beschönigen geschweige denn zu verherrlichen. Also bevor man dieses Buch aufschlägt, hier eine kleine Warnung: Hier geht es um Missbrauch/Vergewaltigung, also ist es mit Vorsicht zu genießen. Die Autorin behandelt dieses Thema mit viel Fingerspitzengefühl und umschreibt die jeweiligen Szenen aus der Sicht von Irina, es wird nicht detailliert der Akt an sich beschrieben, sondern man erfährt viel mehr, was Irina in diesem Moment empfindet, was sie spürt. Die jeweiligen Passagen sind so komplex verfasst, dass man tatsächlich einen Moment braucht, bis man versteht, was da geschehen ist, was es zum einen erträglicher macht und gleichzeitig einen umso sprachloser zurücklässt.
Nach “Hexensold“ ist dies mein zweites Galgenmärchen und wieder hat mich die Autorin an die Seiten gefesselt. Auf einfühlsame Weise behandelt die Autorin ernste Themen, was sowohl skurril als auch faszinierend ist, man bleibt schockiert aber auch nachdenklich zurück. Was geschieht mit einem, wenn man aus seinem eigenen Zuhause fliehen muss, weil der Krieg einem im Nacken sitzt? Was macht es mit einem, wenn man die Ermordung der eigenen Schwetser miterlebt? Wie geht man selbst damit um, wenn man sich auf den Mörder derjenigen einlässt? Die Autorin verschönigt nichts, schmettert einem aber keine grausamen und brutalen Bilder vors Auge, sondern versteckt es eher hinter Beschreibungen, die einem aber deutlich machen, wie verstörend es für den Charakter selbst sein muss.
Die Geschichte spielt im 17. Jahrhundert, was beherrscht ist von Aberglaube und menschenunwürdigen Gesetzen. So kommt es, dass die selbstbewusste Irina in dem Dorf, in das sie fliehen konnte, ausgegrenzt wird, da sie sich nicht den Wünschen von jedem, insbesondere Skandar dem Jägerssohn, unterwirft. Irina denkt für diese Zeit fortschrittlich und unterwirft sich nicht den teils menschenunwürdigen Gesetzen. Es wird deutlich, wie schwer es für Menschen damals war, die einen eigenen Kopf besaßen und sich nicht nach dem Glauben der anderen richtete. Irina ist eine starke, selbstbewusste und selbstbestimmende junge Frau, die sehr wohl weiß, was sie will und die sich durch nichts und niemanden einschüchtern lässt. Sie blickt hinter die angeblichen Gefühle Skandars und durchschaut die Fassade aus Schuld und den Wunsch nach Wiedergutmachung, bzw. den Versuch das schlechte Gewissen rein zu waschen, da er zu spät für Leonore kam. Irina verspürt nicht den Wunsch sich auf den Jäger einzulassen, der das nicht gut aufnimmt. Während Skandar, so scheint es, selbstsüchtig handelt und die Dorfbewohner sie ausgrenzen, da ihre Art zu denken, ihnen Angst macht, ist da zusätzlich die eigene Großmutter, die sich gegen sie zu wenden scheint, dabei meint diese von ihrer Seite es nur gut und will einzig und allein, dass ihre Enkelin es mal besser hat als sie. Irina ist ein sehr komplexer Charakter, zwar strahlt sie auf der einen Seite Selbstbewusstsein aus, doch wenn man zwischen den Zeilen liest, wird einem klar, dass sie sich letztendlich schon längst selbst aufgegeben hat. Den Verlust ihrer Familie kann sie kaum verkraften und so stürzt sie sich regelrecht in die Fänge der Bestie, die sie aus den grauen Alltag des Dorfes herausholt. Sie stellt sich gegen Skandar, einem doch vertrauten Menschen, der sie schon einige Male gerettet hat und begibt sich lieber in die Obhut einer Kreatur, eines Mannes, der ihr nicht nur die Jungfräulichkeit genommen hat, sondern auch den letzten Halt an das Leben. Wir lesen das gesamte Buch nur aus Irinas Sicht und erfahren ihre Eindrücke, Gefühle, Gedanken, Wünsche und Sehnsüchte. Wer meint es wirklich gut und wer wirklich schlecht mit ihr? Denn sie selbst zieht sich zurück und unternimmt keinen einzigen Versuch das Dorf zu ihrem neuen Zuhause zu machen.
Die Geschichte ist komplex und dennoch eingedrucksvoll, denn letztendlich ist dort ein Ungetüm, was immer wieder überraschende Wendungen erzeugt, so wird man am Ende daran erinnert, dass es eine zerstörerische Macht gibt, die alles und jeden verschlingt. Zumindest saß ich am Ende da und konnte nach dem letzten Wort nicht glauben, was da gerade geschehen ist und blieb ungläubig zurück.
“Wolfssucht“ ist eine gelungene dunkelfantastisch angehauchte Märchenadaption, die nichts mit der Kindermärchenversion gemein hat, außer einem verlorenem Mädchen mit einem roten Mäntelchen und dem großen, bösen Wolf, der hier allerdings ein im Wald umherstreifender, einsamer und ebenfalls von der Gesellschaft verstoßener Mann ist.
Diese Novelle ist eine alternative Erzählung des Märchen »Rotkäppchen«. Gerade das düstere Setting fand ich besonders reizvoll. Restlos überzeugen konnte die Novelle mich allerdings nicht. Da ist zum einen der Einstieg, er für mich irgendwie nicht packend genug geschrieben ist – dabei hat Nora Bendzko in »Die Götter müssen sterben« bewiesen, dass sie so etwas kann. Die Figuren sind in Ordnung, allerdings nicht sonderlich ausführlich beschrieben oder gar vielschichtig, auch was deren Motivation angeht, was vermutlich der Kürzer zuzuschreiben ist. Zudem hatte ich oftmals das Gefühl, dass da etwas fehlt oder dass es arg konstruiert wirkt. Warum töteten der Wolfsmensch im Wald ihre Schwester Leonore, aber nicht Irina? Warum verabscheut sie die Kreatur dafür nicht? Warum fühlt sie sich sogar hingezogen? All das ist mir nicht gut genug erklärt. Und als dann herauskommt, wer der Wolfsmensch wirklich ist, hat das Grauen nicht so wirklich durchgeschlagen. Schöner hätte ich gefunden, wenn Irina selbst dem ganzen auf die Spur gekommen wäre und ihre Großmutter keine andere Wahl gehabt hätte, als die Wahrheit zu sagen. Gerade der Schreibstil Bendzkos macht mir Probleme. Irgendwie werde ich nicht so recht warm damit – das Problem hatte ich bei »Die Götter müssen sterben« schon. Ihre Wortwahl gefällt mir nicht, ich finde sie häufig unpassend, da fehlt mir das Feingefühl. Dann sind da noch seltsame Vergleiche. Mädchen, die »[...] gackern wie ein ganzer betrunkener Hühnerstall.« Ja, das ist richtig albern und stört den Lesefluss. Auf der anderen Seite mag ich die Kompromisslosigkeit ihres Schreibens. Nora Bendzko schreib über Vergewaltigung, Mord und Gewalt nicht beschönigend, aber auch nicht gewaltverherrlichend. Das schätze ich sehr an ihr. Mit dem Ende, als der Wolf seine Sprache findet, hat sie mich berührt. Das hat mir gut gefallen. Zudem beginnt und endet die Novelle mit dem Krieg, damit schließt sich der Kreis. Diese Novelle ist (leider) nicht herausragend, aber ganz nett zu lesen. Aufgrund der geringen Seitenzahl auch sehr kurzweilig. Einige Seiten mehr hätten ihr aber sehr gutgetan. Daher vergebe ich 3/5 Punkten.
This entire review has been hidden because of spoilers.
"Wolfssucht" ist eine ganz besondere Novelle. Nora Bendzko führt den Leser mit einer bildhaften und tiefgründigen Sprache an menschliche Abgründe heran und bringt ihn zum Nachdenken.
Der Seitenumfang ist relativ gering, aber durch die Leserunde habe ich mir ganz bewusst Zeit genommen, habe die Kapitel grundsätzlich langsam und viele Abschnitte sogar mehrmals gelesen. Und genau das sollte man bei diesem Buch tun: jedes einzelne Wort genießen und darüber nachsinnen. Denn das, was das Buch ausmacht, ist die Entwicklung der Charaktere.
Zu was wird ein Mensch, wenn er sich in Extremsituationen befindet? Was ist gut? Was ist böse? Wer entscheidet das überhaupt? All diese und noch weitere Fragen wirft "Wolfssucht" auf ohne mit dem Finger auf den einen Bösewicht zu zeigen. Der Leser muss selbst entscheiden.
Die Handlung spielt während des 30-jährigen Kriegs, was zu der schaurig düsteren Atmosphären beiträgt, die den perfekten Rahmen für die Handlung schafft. Gewalt, Verlust, Trauer sind allgegenwärtig. Nora Bendzko hat mit "Wolfssucht" eine gelungene Rotkäppchen-Adaption erschaffen, die den Leser nachdenklich und betroffen zurücklässt. Ist das wahre Ungeheuer der Mensch?
Das Märchen "Wolfssucht" ist das erste Galgenmärchen, welches Nora Benzko verfasste. Es erschien 2017.
Während des Krieges flieht Irina mit ihrer Familie zu ihrer Großmutter Gwen. Doch das Leben und die Wälder haben so manche böse Überraschung für sie bereit.
Der Autorin gelingt es ein sehr düsteres Märchen in Anlehnung an Rotkäppchen zu verfassen. Doch obwohl Parallelitäten ersichtlich sind, ist es trotz allem ein ganz neues, anderes als das bisher bekannte. Der Schreibstil gefällt mir sehr gut, es wird eine Spannung aufgebaut, welcher man sich nicht entziehen kann. Immer wieder überlegt man, was denn noch so alles passieren kann mit Irina. Da auch einige Szenen der erotischen Spate enthalten sind, ist das Märchen eher für Leser ab 16 zu empfehlen. Auch die Aspekte des Lebens, des Zusammenhalt und der Freundschaft werden immer wieder zum großen Thema gemacht und auch wenn es um Hilfsbereitschaft geht, scheint oft zu gelten, sei dir selbst der Nächste.
Jeder der Märchen, auch der etwas düsteren Art gerne liest, kann ich das Buch zu 100% empfehlen.
3,5* Wolfssucht war wirklich eine einzigartige Geschichte, ich war von Seite eins sofort von der Handlung begeistert. Ich persönlich denke, wäre diese Geschichte ein paar Hundert Seiten länger gewesen, wäre sie umso besser, weil da das Buch knapp 130 Seiten hat, kam alles ziemlich schnell und hier hätte ich mir etwas mehr Zeit gewünscht.
Nichtsdestotrotz war das Buch wirklich unterhaltsam und ganz nett für zwischendurch, ich werde auf jeden Fall die weiteren Bände der Galgenmärchen Reihe lesen.
Jeder der düstere, gruselige Märchenadaptionen mag, sollte definitiv dieses Buch mal anschauen, es ist wirklich einzigartig und kann trotz der wenigen Seiten mit vielen anderen mithalten.
Irina muss zusammen mit ihren Eltern und ihrer Schwester Leonore aus dem Dorf fliehen, da der Krieg dort Einzug gehalten hat. Sie schaffen es zum Dorf der Großmutter, welches verschont geblieben ist. Dort angekommen machen sich Irinas Eltern zusammen mit Skandar Jägersohn auf zum Dorf der Schwester der Mutter, um dort vor dem Krieg zu warnen. Doch es kehrt nur noch Skandar zurück. Kurz darauf kommt auch Leonore ums Leben, getötet von einer geheimnisvollen Kreatur, die im Wald ihr Unwesen treibt und die Dorfbewohner in Angst und Schrecken versetzt. Irina dagegen wird fast magnetisch angezogen von dem wolfsähnlichen Wesen. Und als Skandar um ihre Hand anhält, sie aber merkt, dass hinter diesem Mann auch nicht das steckt, was zu sein scheint, trifft sie eine folgenschwere Entscheidung.
Schon in der Anthologie "Schattenweber" konnte mich Nora Bendzko mit ihrer faszinierenden Schreibweise überzeugen. Sie hatte es in kurzer Zeit geschafft, mich mit ihrer Kurzgeschichte "Der atomare Mutterleib" in den Bann zu ziehen. Als mich die Autorin anschrieb und mir ihr neues Buch vorstellte, hab ich natürlich gleich zugesagt und nun liegt hier vor mir "Wolfssucht", eine Horror.-Adaption zu dem bekannten Märchen der Gebrüder Grimm "Rotkäppchen".
Die Autorin selbst beschreibt die Geschichte als Horror-Novelle, für mich persönlich hätte sie dann doch mehr Horror-Elemente haben müssen, um in dieses Genre gesteckt zu werden. Ich würde sie eher dem Urban Fantasy zuordnen. Aber düster ist sie allemal.
Zu Anfang lernen wir Irina und ihre Familie kennen, doch nicht lange, da muss sich Irina von diesen auch verabschieden. Der Tod holt alle und Irina ist nun alleine mit ihrer Großmutter, die kränklich danieder liegt. Irina muss sich um sie kümmern und hat so auch fast keine Chance, sich am Leben im Dorf zu beteiligen. Aber dies passt ihr sehr gut in den Kram, da sie eh eher eine Einzelgängerin ist.
Irina ist eine grüblerische Person. Sie lebt sehr in der Vergangenheit, macht sich Gedanken über das Schicksal, dass ihr so hart zugespielt hat und gibt die Schuld dem Krieg und teilweise auch sich selbst. Ihre Zweifel sind fast spürbar und ich hatte großes Mitleid mit ihr. Doch fand ich auch, dass sie sicher mit etwas mehr Arbeit an sich selbst, aus diesem dunklen Loch heraus hätte kommen können. Aber die Autorin hatte etwas anderes mit ihr vor und dies führt zu einer sehr spannenden, düsteren Geschichte, die mich in ihren Bann gezogen hat.
Da das Buch "nur" 117 Seiten hat und damit schnell gelesen ist, ist es natürlich schwer, wie eben auch bei einer Kurzgeschichte, alles in der Story unterzubringen, dass für wichtig erachtet wird. Hier hat die Autorin es aber sehr gut geschafft, alles hineinzupacken. Spannung, Liebe, Wut, Verzweiflung, Trauer, Skandale, Hass.
Um jetzt "Wolfssucht" mit "Rotkäppchen" zu vergleichen, braucht man zuerst keine große Mühe. Irina ist Rotkäppchen, das Wesen im Wald ist der böse Wolf. Die Großmutter ist die Großmutter und Skandar ist der Jäger. Aber dann wird es schwieriger, den Vergleich zu ziehen. Es werden andere Spuren verfolgt, die Geschichte wird völlig umgeschrieben und letztendlich merkt man, dass die Geschichte doch nur an Rotkäppchen angelehnt ist. Ich weiß gar nicht genau, wie ich es beschreiben soll. Die Autorin hat zwar Rotkäppchen zum Vorbild genommen, jedoch etwas vollständig neues erschaffen.
Es kam zu keinem Moment Langeweile auf, die Spannung wurde von Anfang an aufrecht erhalten. Die Charaktere waren sehr gut ausgearbeitet und ich konnte mir auch sehr gut alle vorstellen. Und wieder ist es der Schreibstil, der mir letztendlich als faszinierend im Sinn geblieben ist. Die Autorin hat eine sehr eigene Art, die Geschichte rüberzubringen und dies ist für mich einfach der springende Punkt. Ich fand es sehr gut. Vor allem die Tiefgründigkeit hat mich sehr berührt.
Am Ende wurde ich dann ein kleines bisschen an "Die Schöne und das Biest" erinnert, doch nahm es dann plötzlich einen ganz anderen, unerwarteten Verlauf und ich wusste erst gar nicht, was ich von dem Ende halten sollte. Nach kurzem Überlegen befand ich es dann jedoch für sehr gut, weil es eben einfach unerwartet war und letztendlich auch zu dem düsteren Eindruck der Geschichte passte.
In der Autorin steckt sehr viel Talent und ich freue mich jetzt schon auf weitere spannende Geschichten aus ihrer Feder.
Fazit: Spannende Adaption des Märchens "Rotkäppchen" mit neuen, faszinierenden Elementen.
Wolfssucht goes into more detail into the life of its characters and also into deeper depths of human existence. Those who have already experienced sexual violence themselves or do not like to read about this topic should read the book with caution, because this is the basic plot element behind the events.
What irritated me when reading Wolfssucht was a flashback that came from another narrator and was therefore different. I understand why the scene was not simply told, but I found it strange, because I never know what the character to whom the story is told really learns.
Irina is arrogant and prideful and the more the story progresses, the more she is detached from reality until she no longer sees things as they really are. Otherwise I can’t explain her disturbing behavior. She loses herself completely in her otherness and searches for danger until she becomes addicted to it and can no longer accept logical arguments. Nevertheless, it is in a strange way fascinating to follow her path, even if it is not a good one.
The volume doesn't have a happy ending, which alone sets it apart from most fairy tale adaptations. In addition, Wolfssucht left me with a strange feeling. To say that I liked the story would be wrong in the sense that it is not a traditional liking, but it has definitely fascinated me as a study into the abysses of human behavior.
For me it tells the story of a girl who has lost everything and loses herself in her otherness and is condemned for it. The spiral of hatred and despair is thus shown in a wonderfully disturbing way and underscored with very pictorial and captivating language. If you want to venture into the dark world of Little Red Riding Hood, you are in good hands here.
Nora Bendzko entführt einen mit Wolfssucht in die grausame Zeit des 30-jährigen Krieges, in der nicht nur die mordenden Soldaten eine Gefahr darstellen, sondern auch eine Bestie im Wald – und die Dorfbewohner selbst. Denn Angst, fanatischer Glaube und zurückgewiesene "Liebe" kann das schlechteste im Menschen zum Vorschein bringen wie unsere Protagonistin Irina erfahren muss.
Irina tat mir die ganze Geschichte lang leid. Nicht nur, dass sie ihre Familie verlor und zusehen musste, wie eine Bestie ihre Schwester schändet und ermordet, sie wird deswegen auch noch von den Dorfbewohnern gemieden. Allein Skandar, dessen Nähe sie gar nicht will, will ihr Herz gewinnen und kann leider kein Nein akzeptieren. Aber nicht nur Skandar und das für mich grausame Verhalten der Großmutter treiben Irina in die Nähe des Abgrunds, auch die Dorfbewohner tun ihr Übriges dazu.
Die Geschichte fängt schon düster mit Mord und grausamer Gewalt an, wird aber von Seite zu Seite düsterer. Nicht nur körperliche Gewalt ist in dieser Novelle zu finden, sondern auch seelische. Irinas Verhalten gegenüber der Bestie konnte ich nachvollziehen, wenn ich bedenke, dass sie die damaligen Erlebnisse nie richtig verarbeiten konnte und immer noch traumatisiert ist. Dass sie Außenseiterin im Dorf ist und keine Bezugsperson hat, spielt da sicher auch noch eine Rolle.
Der Schreibstil der Autorin ist so wie ich es bei einer düsteren Neuinterpretation eines Märchens erwartet habe. Die Sprache ist klar und deutlich. Gewalttaten werden benannt und erzeugten bei mir auch ohne allzu genaue Beschreibung Bilder im Kopf. Es wird sich auf das wichtigste konzentriert und keine großen Abschweifungen vorgenommen. Trotzdem konnte ich die wichtigsten Charakterzüge der auftretenden Personen erkennen und vor allem Irinas Schmerz und Leid sowie ihre Beweggründe nachvollziehen. Zum Ende hin überraschte mich die Autorin nochmal mit der Auflösung der Geschichte, die ich so ganz sicher nicht erwartet hatte und nochmal den ganzen Schrecken der Story enthüllt, der so viel früher seinen Anfang nahm.
Fazit
Mit Wolfssucht zeigt uns Nora Bendzko eine düstere Novelle angelehnt an das Rotkäppchen, in dem Wolf und Mädchen Opfer anderer sind und sich die Geschehnisse immer weiter zuspitzen bis es im Ende seinen grausamen Höhepunkt findet.