Jump to ratings and reviews
Rate this book

Kaltenbruch

Rate this book
Frühsommer 1954: Eine vorlaute Bemerkung über die braune Vergangenheit seines Chefs bereitet Kommissar Peter Hoffmanns Traum von einer Karriere bei der Düsseldorfer Kripo ein Ende. Er wird in die rheinische Provinz versetzt, die er so schnell wie möglich wieder verlassen will.
Da geschieht in dem Provinznest Kaltenbruch ein Mord, der die Gemüter der Menschen bewegt. Gemeinsam mit seiner Mitarbeiterin Lisbeth Pfau macht sich Hoffmann auf die Suche nach dem Täter – und stellt fest, dass die Wunden, die der Krieg geschlagen hat, noch lange nicht verheilt sind, sondern auch in der jüngeren Generation nachwirken. Hoffmann und Pfau stoßen bei ihren Ermittlungen auf erschütternde Entdeckungen ...

368 pages, Hardcover

Published March 1, 2018

13 people want to read

About the author

Ratings & Reviews

What do you think?
Rate this book

Friends & Following

Create a free account to discover what your friends think of this book!

Community Reviews

5 stars
3 (11%)
4 stars
11 (40%)
3 stars
12 (44%)
2 stars
1 (3%)
1 star
0 (0%)
Displaying 1 - 6 of 6 reviews
Profile Image for Booklunatic.
1,119 reviews
March 4, 2018
4 Sterne

Michaela Küpper schafft es ganz fabelhaft, die Atmosphäre in einem ländlichen Dorf während der Nachkriegszeit heraufzubeschwören. Die meisten der Bewohner und hier Gestrandeten tragen tiefe Wunden mit sich herum, aber erst nach und nach kommt alles ans Licht. Die Autorin erzählt aus sehr vielen wechselnden Perspektiven und das hätte ziemlich schiefgehen können - tut es aber nicht, ganz im Gegenteil. Sie fühlt sich so gut ein ihre Figuren, dass ich stets hin- und hergerissen war zwischen Sympathie und Antipathie und letztendlich für eigentlich (fast) jede Figur ein gewisses Maß an Verständnis und Mitgefühl aufbringen konnte. Und die Rückblenden zu den Erlebnissen während der Kriegszeit haben mir beinahe die Tränen in die Augen getrieben, obwohl ich sowas ja weiß Gott nicht zum ersten Mal gelesen habe...
Profile Image for Marie Käfer.
273 reviews10 followers
May 16, 2018
Was mir ausgesprochen gut an Kaltenbruch gefällt ist, wie die Autorin mal von dem einen und mal von dem anderen Protagonisten redet. Sie springt so auch in den Zeiten hin und her und ermöglicht es dem Leser sehr tief in die Geschichte, aber auch in die Hintergründe der Figuren Platz zu finden. Während eines jeden Kapitels wird eine andere Person in den Fokus gestellt. Der auktoriale Erzähler ist hierfür eine ausgezeichnete Wahl. So ist man überall gleichermaßen zur Stelle und bekommt eine größere Masse an Informationen. Diese kann man schließlich puzzleartig zusammensetzen. Insbesondere die Sprünge in die Vergangenheit – die Kriegszeit, hat mir Gänsehaut beschert. Ich konnte es kaum erwarten, das endlich wieder die Sprache auf Marlene kam, damit ich mit dieser zusammen in die Vergangenheit reisen und miterleben konnte, was ihr und ihrer Mutter einst geschah. Diese Informationen hatten es in sich. Gefühlt saß ich mit ihnen im Bunker als der Fliegeralarm los ging. Gefühlt habe ich mitbekommen, wie die Bomben einschlugen. Marlene lag mir sehr am Herzen. Mit ihr konnte ich mich am besten identifizieren. Was die Vergangenheit an Spannung und Emotionen bot, wurde leider in der Gegenwart eingespart.

[...]

„Kaltenbruch“ beginnt sehr spannend und ist die gesamte Zeit über sehr atmosphärisch. Besonders die Reisen in die Vergangenheit waren durch große Spannung und ein enormes Maß an Emotionen geprägt. Diese haben mir im Laufe der Geschichte, ganz speziell in der Gegenwart gefehlt. Erst zum Ende hin ist von der Spannung wieder etwas zu sehen und das Tempo steigt erneut an. Das Ende der Geschichte hat mich echt umgehauen!

© www.booksandfamily.de
Profile Image for Tinstamp.
1,107 reviews
May 26, 2018
Die Geschichte aus der Nachkriegszeit ist eine Mischung aus Roman und Krimi, der mich ein bisschen an die Bücher von Mechthild Borrmann erinnerte. Wer also ihre Bücher mag, den kann ich auch "Kaltenbruch" von Michaela Küpper empfehlen.

Frühsommer 1954. Der Düsseldorfer Kommissar Peter Hoffmann erhofft sich einen Karrieresprung, doch durch eine unbedachte Aussage wird er statt der erwarteten Beförderung in die rheinische Provinz strafversetzt. Als in dem kleinen Dorf Kaltenbruch der junge Heinrich Leitner mit der Axt erschlagen wird, soll Hoffmann den Täter finden. Schnell hat er einen Verdächtigen bei der Hand: Gruber, ein Alkoholiker und Raufbold, der bei Schlüter, dem größten Arbeitgeber im Ort, angestellt ist. Kröger, der örtliche Polizist, ist jedoch skeptisch, ebenso wie Hoffmanns neu eingestellte Schreibkraft Lisbeth Pfau. Doch dann passiert ein weiterer Mord und Hoffmann steht wieder am Anfang seiner Ermittlungen....

Zu Beginn hatte ich kleine Probleme mit der Zuordnung der vielen Namen, doch nach kurzer Zeit war ich mitten im Geschehen. Traumatische Kriegserlebnisse, Flucht und düstere Geheimnisse verstecken sich hinter der Fassade der Dorfbewohner von Kaltenbruch...nichts ist, wie es scheint. Mit Rückblenden zu einzelnen Figuren des Ortes erfährt man nach und nach mehr über dessen Vergangenheit. Besonders die Bewohner des Leitner Hofes scheinen einige Geheimnisse zu haben. Gertrude Starck, die neue und begüterte Frau an Altbauer Leitners Seite und ihre Tochter Dana, sind genauso Flüchtlinge, wie die armen Kaminskis, die jedoch Außenseiter im Dorf bleiben. Marlene, die ihre Eltern im Krieg verloren hat und am Leitnerhof wohnt, hat gleich zwei Verehrer, wobei einer davon geheim gehalten wird. Aber auch der größe Arbeitgeber während des Krieges, die reichen Schlüters, sind weiterhin dick im Geschäft. Sie scheinen die richtigen Fäden zur richtigen Zeit gezogen zu haben....oder etwa doch nicht?

Die Autorin siedelt ihre Geschichte in einem kleinen rheinischen Dorf in den Fünfziger Jahren an und hat die Atmosphäre der Nachkriegszeit hervorragend eingefangen. Auf der einen Seite herrscht Aufbrauchsstimmung, auf der anderen leiden die Menschen noch immer an den Auswirkungen des Krieges. Viele von ihnen haben ihre alte Heimat verloren, mussten fliehen. In der neuen Heimat sind sie ausgegrenzt, wie die aus Schlesien kommenden Kaminskis. Und so fällt auch rasend schnell der Verdacht auf die Zugezogenen...

Auch der Großstädter Hoffmann spürt bald, dass er hier nicht wirklich willkommen ist und möchte den Fall so schnell wie möglich lösen. Dabei prallen die Dörfler und der Ermittler aus der Stadt immer wieder aneinander. Wäre nicht Lisbeth Pfau, das "Pfauenküken", wie Hoffmann sie nach Aufgabe seiner anfänglichen Abneigung nennt, wäre er wohl noch immer am ermitteln...;)
Wie die Beiden sich langsam zusammenraufen und der hochnäsige Hoffmann etwas von seinem hohen Ross fällt, zauberte einige Male ein Lächeln in mein Gesicht und hat die manchmal düstere Atmosphäre aufgelockert. Besonders die Rückblenden in die Vergangenheit einzelner Protagonisten sind erdrückend, konnten mich aber mehr abholen, als das Geschehen in der Gegenwart. Ich hatte dabei das Gefühl wirklich mitten im Geschehen zu sein und mit der Geschichte zu verschmelzen, während sich die Gegenwart einfach "nur" gut lesen lies.
Leider hatte ich viel zu schnell einen Verdacht in die richtige Richtung und wurde am Ende nicht wirklich überrascht, aber bestätigt.

Schreibstil:
Michaela Küpper schreibt wunderbar flüssig und dialoglastig. Ihre Figuren sind authentisch und vielschichtig dargestellt. Die Autorin hat die Zeitepoche der spießigen Fünfziger Jahre mit den neuen technischen Errungenschaften, wie die Stenorette (Diktiergerät), sehr atmosphärisch eingefangen.
Die einzelnen Kapitel werden mit dem Namen der erzählenden Figur gekenntzeichnet und erleichtern dem Leser die Frage, aus welcher Sicht erzählt wird.

Fazit:
Ein vielschichtiger Krimi, der die Traumata und Folgen des Krieges eindringlich aufzeigt. Die Nachkriegszeit wurde sehr atmosphärisch eingefangen. Gerne würde ich das anfangs unfreiwillige Team Kommissar und Schreibkraft beim ermitteln neuer Mordfälle begleiten und hoffe auf Nachfolgebände.
202 reviews2 followers
June 30, 2019
1954 sind im kleinen rheinischen Dorf Kaltenbruch die Folgen des Krieges noch spürbar. Neben der angestammten Dorfgemeinschaft leben hier jetzt unter anderem auch mehr schlecht als recht Flüchtlinge aus den einstmals deutschen Gebieten jenseits der Oder. Vor allem Frauen wie Berta Kaminski aus Breslau, ohne einen Mann, aber mit vielen Kindern, haben es schwer. Die Integration ist verhalten, Misstrauen/Argwohn und Ablehnung – bis auf wenige Ausnahmen – groß.

Während beispielsweise seine Geschwister Anfeindungen ausgesetzt sind, ist Rudi Kaminski anerkannt. Auch Marlene, die als Kind in Köln ausgebombt wurde und dabei ihre Mutter verlor, hat es nach Umwegen über Großmutter und Heim gut getroffen. Sie ist auf dem Bauernhof der Leitners, wo sie gemeinsam mit der Mutter einige Sommer verbracht hatte, untergekommen. Genauso wie Dana, deren Mutter den Platz der verstorbenen Frau Leitner eingenommen hat.

Da geschieht ein Mord und stellt das stillschweigende Arrangement der Dorfbewohner auf den Kopf. Der siebzehnjährige Heinrich Leitner, genannt Heini, liegt mit einer Axt hinterrücks erschlagen auf dem Erdbeerstand, an dem er kurz zuvor noch mit Marlene gesehen worden war. Statt ihrer wird Gruber, ein Dorfbewohner, der bekanntermaßen dem Alkohol verfallen und keiner Schlägerei in der Kneipe abgeneigt ist, blutbesudelt am Tatort aufgefunden. Allerdings beteuert er vehement seine Unschuld. Und Schlüter, Fabrikant und sein Arbeitgeber, nur sekundär an Politik interessiert, einer, der immer alle gut behandelt (hat, auch die Zwangsarbeiter), besorgt ihm einen Anwalt.

Es ist am Düsseldorfer Kommissar Peter Hoffmann, die Frage zu klären, ob Gruber der Täter ist. Unterstützung erhält er vom jungen schlaksigen Polizeimeister Kröger, der im Dorf seinen Dienst verrichtet, und Lisbeth Pfau, die zunächst lediglich kommentarlos als Schreibkraft fungieren soll, dann aber beweist, dass sie durchaus zu eigenen klugen Überlegungen fähig ist.

Schnell beißt sich der äußerst unwillig agierende und überheblich wirkende Hoffmann an Gruber als Täter fest und will diesen so möglichst bald überführen, um das Provinznest verlassen zu können. Doch nur wenige Tage später wird Gruber selbst zum Opfer und kommt gewaltsam zu Tode. Hat Heinis Mörder erneut zugeschlagen?


Michaela Küpper hat für ihr Debüt „Kaltenbruch“ einen interessanten, selten besehenen Zeitpunkt gewählt. Fast zehn Jahren nach dem zweiten Weltkrieg sind die Menschen zwar wieder zu einer gewissen Normalität zurückgekehrt, die Nachwirkungen des Krieges prägen sie und ihren Alltag, der vor allem aus harter Arbeit besteht, indes immer noch. Die Dorfgemeinschaft ist nicht mehr unter sich. So wundert es nicht, dass Zugezogenen gegenüber wenig Akzeptanz bekundet wird, vielmehr Unbehagen und ebenso Missgunst vorherrschen. Die Autorin skizziert mit wachem Auge die unterschiedlichen Figuren, und nach einiger Zeit gelingt es, sie zuzuordnen. Die Darstellung zeigt sich als einleuchtend und glaubwürdig, erschließt jedoch das eine oder andere Mal erst im Verlauf der Handlung.

Peter Hoffmann sieht auf den ersten Blick aus wie ein Pennäler, verhält sich allerdings nicht so. Auch auf den zweiten Blick ist er kein Zeitgenosse, dem die Sympathie zufliegt. Vielmehr stößt die Art, wie er mit Gruber umgeht, unweigerlich ab. Aber auch Hoffmann hat sein Päckchen zu tragen und offenbart gewisse Schicksalsmomente, in denen das Verständnis für ihn wächst.

Der Plot in seinem historischen Gewand ist merkbar detailliert recherchiert und durchdacht. Er präsentiert einen kniffligen Kriminalfall, mit Raum für eigene Überlegungen, ohne diesen in den Mittelpunkt zu setzen. Die Geschichte wird wechselnd aus Sicht einzelner Figuren erzählt.

Michaela Küpper schreibt ohne Effekthascherei, zurückhaltend und manchmal distanziert, bringt das Wesentliche aber mit überzeugenden und ergreifenden Bildern nahe, besonders wenn es darum geht, die beklemmende Vergangenheit zu schildern. Dabei entsteht leider auch eine Gefühlskälte, die erst nach und nach aufgebrochen wird und im gegenwärtigen Geschehen nicht durchgängig tiefgreifende Emotionalität aufweist.

Trotzdem ist „Kaltenbruch“ ein lesenswerter Roman mit einer gut aufgearbeiteten Zeitgeschichte und Protagonisten, die sich in kein Korsett pressen lassen, deshalb auffallen und mögliches Potential für ein Wiedersehen bieten.
Profile Image for Wal.li.
2,567 reviews71 followers
June 19, 2021
Rheinische Provinz

Im Jahr 1954 ist der Krieg schon eine Weile vorbei, aber mitnichten aus den Köpfen der Menschen verschwunden. Der Kommissar Peter Hoffmann wird zur Unterstützung der Ortswache in Kaltenbruch versetzt. Dort wurde ein junger Mann umgebracht und Hoffmann versteht nicht, was er in dem kleinen Nest überhaupt soll, seiner Meinung nach steht der Täter bereits fest. Denn neben dem Toten ist der betrunkene Mitarbeiter des einzigen größeren Arbeitgebers am Ort aufgegriffen worden. Dieser streitet die Tat allerdings vehement ab. Und so ist Hoffmann gehalten, weitere Zeugen zu vernehmen, um zwischen Wahrheit und Lüge zu unterscheiden.

Ein Kommissar, der sich erstmal zurechtfinden muss. So sagt er erstmal seiner künftigen Sekretärin ab, weil die nicht die erwartete Vorbildung hat. Dann findet er nicht die richtige Abzweigung und schließlich legt er sich gleich auf einen Täter fest, weil er das Kaff möglichst schnell wieder verlassen will. Von den Stimmungen im Ort bekommt er nicht viel mit, hier ist er sehr auf den einzigen Polizisten vor Ort angewiesen, wobei Hoffmann es schafft auch diesen vor den Kopf zu stoßen. Man hat den Eindruck, so schnell wird der Städter Kaltenbruch nicht verlassen.

Über diesem aus heutiger Sicht doch recht unsympathischen Kommissar geht doch einiges aus dem guten Ansatz verloren. So ein arroganter Dämlack. Wobei auch die Tat ein wenig unvermittelt wirkt, ahnt man als Leser gleich, der vermeintliche Täter kann es nicht gewesen sein. Man denkt fast schon in die richtige Richtung, was den Grund angeht, ob man den richtigen Mörder erahnt, darüber deckt man lieber das Mäntelchen des Schweigens. In diesem Punkten enttäuscht dieser Kriminalroman, da hat der Klappentext einfach mehr versprochen. Was einen jedoch mitnimmt, ist die überzeugende Schilderung des Dorflebens auch im Zusammenleben mit den einquartierten Flüchtlingen, die auch Jahre nach dem Krieg erst langsam integriert wurden und meist doch noch außen vor waren. Auch was Kinder mit körperlichen Einschränkungen zu erleiden hatten, wird eindringlich geschildert. In diesen Bereichen vermag der Roman zu überzeugen.
Displaying 1 - 6 of 6 reviews

Can't find what you're looking for?

Get help and learn more about the design.