Hal Fosters PRINZ EISENHERZ ist ein Klassiker des Abenteuer-Comics, vielleicht sogar der Klassiker. Ab 1931 hatte Foster schon die Tarzan-Comics gestaltet, als er 1937 begann, die Geschichte von PRINZ EISENHERZ zu erzählen, die schon wenig später auch ihren Weg ins Deutsche fand und bis heute fortgesetzt wird.
Der Bocola Verlag hat eine hervorragend aufgemachte Hardcover-Werkausgabe herausgebracht, die in bester Druckqualität und sehr schöner Übersetzung Fosters Riesenwerk neu präsentiert. Der erste Band enthält ein gut zu lesendes, sachkundiges Vorwort und den ersten Jahrgang (1937 / 38) der Serie.
Ob die Serie überhaupt je in schwarz/weiß erschienen ist bzw. erscheinen sollte, ist unklar. Fest steht aber, dass die Kolorierung ein Meisterwerk ist, das Fosters ohnehin detaillierte und großartige Zeichnungen deutlich aufwertet. Die Farben tragen viel zur Stimmung bei und bringen zusätzliche Elemente ein, die nicht dem Zeichenstift entstammen.
Der Leser erlebt in diesem ersten Band die Entwicklung des Comics, der zu Fosters Zeiten noch lange nicht als 9. Kunst anerkannt war. Während die Panels zu Beginn noch recht artig in maximal zwei Größen vorkommen, wird die Seitengestaltung bald zusehends weniger rigide und die Größen der Bilder variieren stark.
Sprechblasen gibt es noch nicht, die auktorialen Texte, die die Bilder ergänzen, sind oberhalb oder unterhalb der Bilder in den Panels eingeschrieben. Dabei ist mir die erzählerische und sprachliche Qualität aufgefallen, die weit über der Durchschnittskost liegt, die man im Comic, selbst bis heute, findet.
Zur Mitte des Buches hin taucht dann als weiteres Stilmittel erstmals die wörtliche Rede auf, die die Lebhaftigkeit befördert und die oft sehr emblematischen Bilder noch lebendiger wirken lässt.
Interessant ist Fosters PRINZ EISENHERZ aber nicht nur für den Leser, der sich für die Geschichte und Entwicklung der Comics interessiert, sondern für jeden Liebhaber gut erzählter Abenteuer-Geschichten. Dabei macht Foster seinen Job so gut, dass man nicht einmal Liebhaber von Rittergeschichten sein muss, um von den Abenteuern mitgerissen zu werden.
PRINZ EISENHERZ ist im umfassenden Sinne ein Klassiker, nicht nur Urgestein der Sequential Art, sondern auch eine klassische Ritter-Geschichte, die im Mittelalter zur Zeit von König Artus spielt.
Eisenherz Vater war König in Thule, wird aber von einem Usurpator vertrieben und findet Zuflucht in den englischen Sümpfen. Eisenherz wächst heran, ein mutiger und gutherziger Junge, der alle Eigenschaften eines Ritters in sich vereint und charakterliche Ähnlichkeiten zu Parzival aufweist, ein "reiner Tor". Es gelingt ihm, als Knappe am Hof von König Artus aufgenommen zu werden und hier seine ersten Abenteuer zu bestehen. Ritterliche Freundschaft und die große Liebe gesellen sich hinzu, aber auch leidvolle Erfahrungen.
Dabei beschreibt die Handlung dieses ersten Bandes einen schönen, in sich geschlossenen Handlungsbogen, was angesichts der Veröffentlichung als Zeitungscomic überraschend ist. Immerhin musste sich Foster recht sicher sein, dass er die Geschichte über eine längeren Zeitraum würde fortsetzen und die Handlung in Ruhe entwickeln können.
Mich hat dieser erste Band begeistert, den ich vermutlich noch immer nicht gelesen hätte, wenn er nicht schon von meinem Freund David eine sehr gute Bewertung erhalten hätte. Ich kann ihn nun ebenso allen denen weiter empfehlen, die Freude an einer richtig gut gemachten altmodischen Erzählung haben, die den Geist längst vergangener Zeiten atmet: den der Jahre um ca. 500 n.Chr. und auch den der 1930er Jahre. Ein Festmahl für Nostalgiker!