"In einer Film-Version dieser Szene hätten wir jetzt wild rumgeknutscht. Und wären eng umschlungen aufgewacht wie die Jugendlichen in dem alten Romeo-und-Julia-Film von Zeffirelli, den wir im Englischunterricht angeschaut hatten. Aber das hier war nicht Shakespeare. Und wir waren nicht in Verona. Wir lagen in Iowa auf einem Pseudo-Bauernhof voller Alkoholleichen.
Und so wachte ich am nächsten Nachmittag stattdessen mit einem entsetzlichen Kater auf. Mich erwarteten ein Riesenhaufen Ärger und ein Tankbeleg mit einer E-Mail-Adresse und einer kurzen Nachricht darauf: Boston ist weit weg. Das Internet nicht" [S. 28]
Inhalt:
Als Tess und Jonah sich auf einer Studentenparty kennenlernen, funkt es sofort zwischen den Beiden, doch da Jonah in einem anderen Bundesstaat studiert, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als ihren Kontakt auf Chats, Facebook, E-Mails etc. zu beschränken. Als Jonah sich aus heiterem Himmel das Leben nimmt, bricht für Tess eine Welt zusammen und sie zieht sich völlig vom Leben zurück. Um mit dem Verlust besser umgehen zu können, schreibt sie Jonah weiterhin, auch wenn sie weiß, dass sie niemals eine Antwort von ihm erhalten wird. Doch eines Tages passiert genau das..
"Das bin ich.
.... Wer?
Das fehlende Mädchen auf dem Foto.
Das Mädchen, das nicht da ist." [S. 196]
Meine Meinung:
Oje, das war holprig...
Eigentlich weiß ich gar nicht so recht, wie ich anfangen soll, denn es gibt leider kaum etwas Positives, was ich über dieses Buch sagen könnte. Mir hat weder die Richtung gefallen, in die sich alles entwickelt hat, noch mochte ich unsere Hauptprotagonistin Tess und auch die Nebencharaktere waren alle so sinnfrei in die Geschichte eingearbeitet, dass man sie in meinen Augen größtenteils gut hätte weglassen können. Meine Probleme mit Tess gingen schon damit los, dass Peter Bognanni es nicht geschafft hat, sie wie ein 17-jähriges Mädchen klingen zu lassen. Ihren Sarkasmus und ihre schnippische Art hätte ich gemocht, wenn der Autor es verstanden hätte, mir Tess begreiflich zu machen; bis zum Schluss hatte ich kein klares Bild von ihr und so fiel es mir die meiste Zeit über schwer, mit ihr mitzufühlen, sie nachzuvollziehen oder schlimmer noch, sie überhaupt ernst zu nehmen. Das galt aber nicht nur für Tess sondern für eigentlich jeden Charakter, der in diesem Buch eine Rolle spielt. Komischerweise fand ich Jonah im Vergleich noch am greifbarsten und das obwohl der nur in Erinnerungsfetzen o.a. eine Rolle spielt. Evtl. hat es etwas damit zu tun, dass der Autor selbst einen Internet-Freund gehabt hat, der sich das Leben genommen hat? Vielleicht fiel es ihm leichter, Jonah echter erscheinen zu lassen, weil es ihn irgendwo persönlich betroffen hat..
"Warum sollte jemand, der tot ist, seine Zeit damit verbringen, die Lebenden zu beobachten? Wenn es ein Leben nach dem Tod gibt, muss es dort doch interessantere Dinge geben." [S. 210]
Auch wenn der Klappentext etwas anderes vermuten lässt, so ist das zentrale Thema dieses Buches nicht die Beziehung zwischen Jonah und Tess. Es geht primär um den Umgang mit dem Tod ansich; wie man mit ihm fertig wird und den Verlust eines geliebten Menschen verarbeitet. Die Art wie der Autor mit dem Thema umgeht, hat mir allerdings auch wieder nur stellenweise gefallen, denn es gelingt ihm einfach nicht, die Dinge gezielt und im richtigen Maße einzusetzen. Ich musste die ganze Zeit an einen Song denken, indem eine bestimmte Textzeile bis zum Erbrechen wiederholt wird. Beim ersten Hören ist man noch ganz angetan, beim gefühlt zwanzigsten Mal möchte man am liebsten mit dem Kopf gegen die Wand rennen. Gut, ganz so schlimm war es hier dann zwar nicht, aber im Grunde genommen beschreibt es das Problem, was ich mit diesem Buch hatte, ziemlich gut. Es hätte so viel Wichtigeres gegeben über das Peter Bognanni hätte schreiben können, stattdessen reiht sich Fragwürdiges an Sinnloses usw.
"Finde heraus, was du willst. Finde heraus, was du nicht willst. Mach Fehler. Lass dir nochmal das Herz brechen. Und versuche, dich dabei anständig zuverhalten. Sow ird daraus ein Leben." [S. 259]
Fazit:
Es ist nicht so, dass das Buch grottenschlecht wäre, denn es gab schon kurze Momente in diesem Buch, die mich berührt und mir gezeigt haben, dass ein großartiger Schriftsteller in Peter Bognanni schlummert. Es gibt Stellen in diesem Buch, die ich geliebt habe, weil so viel Bedeutungsvolles zwischen ganz wenigen Zeilen mitschwang.
Vielleicht liegt darin ja das eigentliche Talent des Autors. Manchmal ist weniger eben doch mehr..