Am 10. November 2015 hat Deutschland mit Helmut Schmidt einen bedeutenden Staatsmann und streitbaren Denker verloren. "Der ewige Kanzler", wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung Schmidt anlässlich seines 90. Geburtstages betitelte, hat dieses Land geprägt wie kaum ein anderer. Als Herausgeber der ZEIT konnte er seinen Einfluss bis ins hohe Alter geltend machen. Helmut Schmidt – Ein Leben für Deutschland ist eine politische Biografie und persönliche Hommage zum Gedenken an einen großen Deutschen
Die Biographie widmet sich der Erinnerung an einen unpolitischen jungen Mann, dessen Lebenswerk es sein wird, das politische Geschehen der Bundesrepublik Deutschlands und auch Europas maßgeblich zu gestalten.
Die Biographie, geschrieben vom ehemaligen Zeit-Journalisten Michael Schwelien, profiliert sich gegenüber ähnlichen Biographien, die den ‚elder statesman’ ebenfalls zu greifen versuchten, anhand zahlreichen persönlichen Gesprächen zwischen Schwelien und Schmidt. Auch bedeutende Personen, die Schmidt während seines Lebens begleiteten, finden sich im Laufe des Buches, beinahe kommentierend, wieder. So häufen sich unter anderem schmidtsche Anekdoten von und zu Willy Brandt, Theo Sommer oder Genscher. Schmidt wird in dieser Biographie nachgezeichnet vom Moment an, ehe die Nationalsozialisten die Macht in Deutschland ergriffen und er noch zur Schule ging, bis hin zu Schmidts letzten politischen Einschätzungen, die Russlands Annexion der Krim galten.
Was negativ Aufstoß, war der Ausklang des Buches. Der Autor tritt gegen ehemalige Kollegen nach, die sich ihm zum Teil sogar freiwillig zum Gespräch für das Buch anboten, was am Autor und Buch ein gewisses Geschmäckle hinterlässt. Nach Recherche scheinen die angeführten Punkte, wie eine Steuerhinterziehung Theo Sommers, nachgewiesenermaßen der Wahrheit zu entsprechen, nichtsdestotrotz scheint es mir, als habe diese Auflistung menschlicher Fehltritte in einer Biographie wie dieser nichts verloren. Das Buch gilt einzig der Person Helmut Schmidt.
Final denke ich, Helmut Schmidt war zufrieden mit der biographischen Aufarbeitung Schweliens und würde zu dieser empfehlen, sollte jemand dem Ansinnen nachstreben, mehr über ihn und sein Leben aus zweiter Hand erfahren zu wollen. Allen anderen würde er wahrscheinlich raten, sich die Zeit zu sparen und sich lieber in aktuelle politische Themen einzulesen. Nichtsdestotrotz, ich habe aus seinen persönlichen Erfahrungen dazulernen können. Vermutlich mehr, als jegliches Ratgeberbuch im Handel es je könnte. Ich empfehle es.