Die Grundlage des Inhalts dieses Buches kommt aus dem ganz alten Männlichen, das in vergangenen Zeiten alles, was zum Überleben nötig war, aus dem Kampf mit der Natur gewinnen musste. Der Mann, der der Beste in diesem Kampf war, war der α, der Nächstbeste der β, gefolgt vom δ usw. Dementsprechend war der soziale Rang der Familie etc. etc. Dies formt historisch die Grundlage von Hierarchie.
So ist demgemäß in diesem Buch durchgängig von Mitmenschen als Gegner die Rede, die bekämpft werden müssen, natürlich mit logischer Intelligenz, aber oft auch mit großer Trivialität, der beizeiten logisches Denken mangelt. Das Prinzip der Überlegenheit ist nicht nur ein Kapitel, es durchzieht das ganze Buch. So wird auch der kämpferische Vorteil einer Diktatur im Gegensatz zur Demokratie aufgezeigt.
Im Buch ist durchgängig vom eigenen Vorteil und auch von einem Vortäuschen von Nachgeben die Rede. Dies sei kein Egoismus. Warum? Dies wird nicht aufgezeigt.
In diesem Buch wird für den individuellen Menschen all das als hilfreich und erstrebenswert dargestellt, was im Grunde genommen die Trennung von jeglicher Einheit darstellt, was uns nicht nur das soziale Miteinander, sondern auch die Natur fast ganz und gar zerstören ließ: die individuelle Abgehobenheit, das grundsätzliche Verstehen des Anderen als Gegner, den man bewusst zugunsten des eigenen Vorteils manipulierend zum Machen von Fehlern verleitet, und ein durchgängiges Handeln aus “Überlegenheit” heraus.
Jetzt allerdings leben wir in einer Zeit, in der wir gemeinsam Lösungen für diesen großen weltweiten Schaden, den wir damit angerichtet haben, finden müssen ...
Das Buch ist also zur falschen Zeit am falschen Ort.
Keine Überraschung ist im gesamten Kontext des Buches, dass zu Beginn z.B. der türkische General Atatürk zitiert wird, der in den 20-er Jahren des 20. Jhrh. unzählige Menschen konkret ins Meer jagte, weil sie von Griechen abstammten, die aber schon vor vielen Generationen in der Türkei zu leben begonnen hatten.
„Macht ist etwas, das man sich nimmt!“ steht wiederholt geschrieben - und Lügen im Leben nach dem Prinzip der Überlegenheit ist ja völlig ok. Dass Angst, die dem Ganzen zugrunde liegen muss, ganz anders überwunden werden kann als durch Lügen eine sog. Überlegenheit zu erreichen, führt der Autor keineswegs an.
Wie aus dem Nichts kommt am Schluss plötzlich „Keine Macht ausüben, heißt Stärke zeigen“ wo dann von „Geschrei“ und „Drohung“ die Rede ist, was offenbar vom Autor als Macht-Ausüben gleichgesetzt wird.
Vom „Prinzip der Gemeinsamkeit“ am Schluss kann nicht gesagt werden, dass die Kurve gekratzt wurde, um der Menschheit für die aktuellen Problemstellungen anstelle deren Verstärkung eine Lösungshilfe anzubieten.
Woher nimmt der Autor die 100%-ige Sicherheit zu sagen: „Menschen wollen geführt werden“. Lange nicht alle wollen dies, vielleicht übersieht der Autor einen großen Teil der Menschen, weil dies besser in sein System passt! Er übersieht auch den großen Teil Menschen, der gezwungen ist, Führung anderer zu akzeptieren, weil das Gesellschaftssystem eben so aufgebaut ist, wie es ist, und es enorme Kraft kostet, sich aus diesem heraus zu lösen.
Für Frauen, die darüber hinausgewachsen sind, Mutterersatz oder Objekt für Männer zu sein, ist es keineswegs erstrebenswert, in einer Welt zu leben, in der Männer ALLES als Kampf erleben bzw. siegen müssen. Welche Frau könnte daran interessiert sein, mit einem Mann zu leben, der gegenüber anderen Menschen das Spiel der „wahren“ Überlegenheit spielt, noch dazu mit Lügen. Sie will einen Mann, der authentisch ist und es deshalb keineswegs nötig hat, jeden anderen als Gegner zu sehen.
„Mit der Kraft des Denkens zu innerer Ruhe, Klarheit und innerer Stärke“, steht vorne am Buch-Cover. Lebt ein Mann, der zugunsten von Sieg lügt und Tricks entwickelt, um andere hereinzulegen, Ruhe und innere Stärke?
Vielleicht hat der Autor dieses Buches, der 1970 geboren wurde, nur nicht verstanden, die Grundlagen des Lebens der Shaolin Mönche, die vor 1500 Jahren von Indien nach China kamen, entsprechend der grundsätzlichen Bedürfnisse und Notwendigkeiten unserer heutigen Welt passend zu „übersetzen“. Vielleicht hat er als “Kind seiner Zeit” das wirkliche Prinzip der Shaolin Mönche gar nicht verstehen können? Letzteres scheint mir vom Schreibstil des Autoren eher zutreffend.
Dass er Kind von 2 Lehrern ist, kommt völlig in eben diesem Schreibstil des Buches zum Ausdruck, bei dem sich der Leser immer wieder auch einmal denkbar dumm fühlen kann. Überlegenheit des Schreibers ...
Soll das Buch als Hilfestellung gesehen werden, um als Individuum von eben so einem Dümmlichen zum unethisch handelnden Überlegenen werden zu können?
Ich bewerte mit einer 1, weil ich zum einen keine geringere Möglichkeit der Bewertung habe und zum anderen, weil im Buch Aufgeführtes unter "Leben in der Gegenwart, mit Achtsamkeit, mit Entschlossenheit, mit Gelassenheit, mit einem Nicht-Besitzen-Wollen und mit Langsamkeit“ etc. einen Wert für uns Menschen haben. Ansonsten wäre es eine Null.
Mein Leben, seit mehr als 3 Jahrzehnten unterwegs in vielen Teilen der Welt, bedurfte oft eines wachen Schutzes als ich z.B. ein Messer an meinen Hals oder eine Pistole auf mich gerichtet hatte. So kommen mir die oft auch legendenhaften Beispiele im Buch häufig als Kopf-Konstruktionen vor, denen nicht wirklich Lebensrealität zugrunde liegt.
Im Epilog am Ende des Buches, schreibt der Autor: „Es war schön, Sie kennengelernt zu haben ...“
Wenn Worte so sinnverdreht benutzt werden ...?
Er hat mich nicht im Geringsten kennengelernt, während ich sein Buch las!!! Wenn er tatsächlich doch etwas daran interessiert ist, manche seiner Leser ein klein wenig kennenzulernen, dann liest er zumindest diese Buchkritiken!
Alles in allem ein Buch, das die Tiefe der Erfahrungswerte der Shaolin-Mönche oberflächlich, mit seichtem - aber ach so leicht verständlich dargestelltem - psychologischen Wissen, und mit mangelnder Ethik in unsere heutige westliche Welt trägt. Leider.
Wenn ich dann realisiere, dass der Autor aktuell Coaching für Führungskräfte anbietet und offenbar erfolgreich dabei ist, dann erschaudert es mich. Führungskräfte, die heute gewöhnlich von vornherein als Manager ausgebildet sind, deshalb Fachwissen missen und die Fachleute unter sich haben ...
Wie soll dann z.B. konkret die Produktion einer Firma aussehen, wenn diese Führungskräfte mit Hilfe der vielfältigen Tricks des Überlegenheitsprinzips und der anderen aufgeführten Prinzipien die Spezialisten mit Wissen und Können klein halten, nachdem sie das Fachwissen erst einmal gar nicht verstehen konnten?
Es erschaudert mich, weil zu den von mir gegebenen Heilbehandlungen der Bio-Kosmo-Energie Klienten kommen, die eben unter solchen Führungskräften in der Wirtschaft leiden!
Wir sind in einem Zeitalter angelangt, wo es um die Ausentwicklung und Realisierung der Authentizität eines jeden und um die Welt der Menschen als weltweite Familie geht, wenn wir alle und damit die Menschheit schlechthin überleben wollen/will. Das heißt Zusammenwirken und Demokratie, die klare und ehrliche Menschen als Führer braucht.