Raphael Müller, der schwerbehinderte "postmoderne Chillosoph", hat eine laute Stimme, kann aber nicht sprechen. Er kann nur brüllend und schreiend auf sich aufmerksam machen. Manchmal durchzucken ihn epileptische Anfälle, und ohne den Rollstuhl geht gar nichts. Aber der junge Mann kann sich dank gestütztem Schreiben ausdrücken, und wie! Nachdem er mit seinem Buch "Ich fliege mit zerrissenen Flügeln" einen Bestseller gelandet hat, präsentiert er nun sein neustes Oeuvre. Es ist schlicht wunderbar geworden. Das Buch "Osteraugen" bietet etwa 16 Kurzgeschichten zu verschiedenen Menschen, Tieren und Gegenständen, die in direktem Zusammenhang zur biblischen Ostergeschichte stehen. Raphael denkt und fühlt sich ein Die Engel. Den Esel. Den Olivenbaum. Den Holzbalken. Den Bediensteten des Hohenpriesters. Thomas. Petrus. Maria. Einen römischen Soldaten. Simon, den Lastenträger. Einen Gärtner. Ezra, den Studenten. Kaiphas. Und Pilatus. Wie er das tut, ist absolut ungewöhnlich, ist außerordentlich, ist ganz einfach sensationell - und das mit einer Empathie und einer Zuspitzung, die ihresgleichen suchen.
„Ich wurde vor 15 Jahren in Aichach geboren. Seitdem lebe ich in dieser Kleinstadt zwischen Augsburg und München und gehe jetzt dort aufs Gymnasium, in die 12. Klasse. Eine Ergotherapeutin begleitet mich, da ich aufgrund meines vorgeburtlichen Schlaganfalls im Rollstuhl sitze und Unterstützung benötige. Ich spreche nicht – ich schreibe gestützt auf einem iPad. Ich möchte rasend gerne studieren, mich interessieren ganz viele Themen. Noch bin ich ledig, und wenn ich in ca. 50 Jahren über meine Enkel berichten darf, dann bin ich megaglücklich und es steht fest, dass Gott auch heute noch Wunder tut. Bis dahin vertreibe ich mir die Zeit mit Chillosophieren, Lesen und Schreiben.“