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Der Bahnhof von Finnentrop. Eine Reise ins Carl Schmitt Land

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Carl Schmitt (1888-1985), Erfinder der Freund-Feind-Theorie und Denker des Ausnahmezustands, ist einer der berühmtesten und umstrittensten Theoretiker des Politischen im 20. Jahrhundert. Eine Vielzahl unveröffentlichter Dokumente und Bilder machen das vorliegende Buch zur bislang umfangreichsten Darstellung von Leben und Werk des »Ungeheuers«.

Christian Linder nähert sich in dieser umfassend recherchierten und literarisch erzählten Großreportage dem geheimnisumwitterten Lebens-, Denk- und Schreibzentrum eines Mannes, der, wegen seiner zeitweisen Nähe zu den Nationalsozialisten als deren »Kronjurist« nach 1945 lange tabuisiert, heute der weltweit meistdiskutierte deutsche Denker geworden ist.

Der Bahnhof von Finnentrop ist ein intimes Porträt Carl Schmitts, aus dem das »Ungeheuer« mit einer der abenteuerlichsten intellektuellen Biographien des 20. Jahrhunderts in all seinen Klarheiten und Unklarheiten plastisch hervortritt.

478 pages, Hardcover

Published January 1, 2008

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Profile Image for Florian Lorenzen.
151 reviews165 followers
October 11, 2024
Obwohl Carl Schmitt schon seit fast 40 Jahren nicht mehr unter der Lebenden ist, so besteht dennoch ein weiterhin großes Interesse an seiner Person und seinem Werk. Vor allem in China werden seine staatstheoretischen und völkerrechtlichen Überlegungen breit rezipiert, doch auch im deutschsprachigen Raum vergeht kaum ein Jahr ohne eine neue Veröffentlichung zu Carl Schmitt. Zuletzt erschienen seine Briefwechsel mit anderen Geistesgrößen wie Koselleck oder Böckenförde, doch ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass das am besten geschriebene Werk über Carl Schmitt das 2008 erschiene „Der Bahnhof von Finnentrop“ von Christian Linder ist.

Was zeichnet dieses Buch aus? Zunächst ist es für ein Sachbuch herausragend gut geschrieben. Im Stile eines Heimatromans begibt sich Linder, der wie Schmitt gebürtiger Sauländer ist, auf Spurensuche. Einzelne biografische Episoden oder theoretische Überlegungen werden von Linder antichronologisch herausgepickt und literarisiert wiedergeben. Dabei greift Linder immer wieder auf das eigentümliche Stilmittel imaginierter Gespräche zurück; einerseits zwischen ihm und Schmitt, andererseits im Rahmen einer fiktiven Gerichtsverhandlung, in der Schmitt sich befinde. Darüber hinaus wird im größeren Umfang aus den Briefwechseln mit Jacob Taubes, Ernst Jünger oder Walter Benjamin zitiert. Die erstklassige Bildauswahl trägt zur dichten Atmosphäre, die von diesem Buch ausgeht, eindeutig bei.

Gelungen fand ich außerdem, wie in „Der Bahnhof von Finnentrop“ die Kritik an Schmitt angelegt ist. Sie ist nicht allzu plakativ, sondern erschließt sich eher indirekt durch die zahlreichen, ausufernden Selbstinszenierungen und Selbstrechtfertigungen Schmitts, denen im Buch viel Raum gegeben wird und die mannigfaltige Rückschlüsse auf Person und Werk zulassen. Eine gewisse Interpretationsleistung des Lesers ist hierfür allerdings erforderlich.

Um Gefallen an diesem Buch zu finden, muss man sich auf die relativ spezielle Erzählweise Linders einlassen können. Wer eher klassische Darstellungen schätzt, wird andernfalls wohl mit Reinhard Mehrings Schmitt-Biografie glücklich werden. Ein Jahreshighlight!

Review bei Instagram: https://www.instagram.com/p/DA-hJ09uWaT/
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