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Ein Held dunkler Zeit

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Winter 1941/42, deutsche Stellungen in der Südukraine. Wilhelm Möckel, Unterarzt in der Panzer-Aufklärungs-Abteilung 16, kämpft einen verzweifelten Kampf – er benötigt das Eiserne Kreuz I. Klasse. Es ist die einzige Chance, in den Offiziersrang aufzusteigen und beim Führer ein Gnadengesuch einzureichen, um seine halbjüdische Frau "arisieren" zu lassen. Eine Ausnahmeregelung der Nazis verspricht ihr "deutsches Blut", wenn er zum Helden wird … Als er Annemarie im Sommer 1932 kennenlernt, ist er wie vom Blitz getroffen. Sie ist die Frau, die er heiraten will, und auch für Annemarie ist es die große Liebe. Doch das junge Glück währt nicht lange, schon bald ziehen dunkle Wolken auf, und mit Hitlers Machtübernahme 1933 beginnt die offene Verfolgung von Regimegegnern und "rassischen Minderheiten". Trotz eindringlicher Warnungen seines Zwillingsbruders Karl, der auf der Karriereleiter der NSDAP rasch emporsteigt, heiratet Wilhelm und schwört seiner Frau die Treue. Auch als er seine Kassenzulassung verliert, hält er zu ihr und den beiden Kindern. Da er Deutschland nicht verlassen will, sieht er nur noch einen Er meldet sich freiwillig zum Kriegseinsatz, um durch hervorragende Leistungen für das Deutsche Reich beim Führer eine Arisierung für seine Familie zu erbitten. Und so verschlägt es Wilhelm an die Ostfront, wo im eisigen Winter 1941/42 die russische Gegenoffensive beginnt, während Annemarie und die Kinder zu Hause immer stärker von NSDAP-Leuten bedrängt werden. Wird es Wilhelm rechtzeitig gelingen, sein Ziel zu erreichen?

385 pages, Kindle Edition

Published March 2, 2018

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About the author

Christian Hardinghaus

42 books9 followers
About the Author

Dr. Christian Hardinghaus, born in 1978 in Osnabrück, Germany, is a German writer, historian, and media researcher with a Ph.D. A versatile author who moves skillfully between non-fiction and fiction, his works are consistently characterized by thorough historical research and psychological depth. He lives with his wife and two children in his hometown of Osnabrück, where he works as a full-time writer. Visit his official website at christian-hardinghaus.de for more information about his work and upcoming releases.


Academic Background

As the grandson of a doctorate-holding historical scientist, his fascination with history was practically laid in his cradle. After completing his high school education with a focus on history, he studied history, media, and literature, eventually earning his doctorate in 2011 in the field of propaganda and prejudice research. He rounded out his academic training with studies in psychology, pedagogy, and didactics, qualifying as a high school teacher for history and German. His research focuses include World War II, propaganda, everyday life in the Third Reich, and true crime phenomena.


Literary Work

Hardinghaus's literary portfolio encompasses both non-fiction books and novels, including thrillers. His non-fiction works and biographies document historical facts and extraordinary life stories, with particular emphasis on making history not just informative but experiential.

Among his most renowned works are the biography "Ferdinand Sauerbruch und Charité," exploring the life of the master surgeon and misunderstood resistance fighter, and "Das Wolfsmädchen" (The Wolf Girl). His scholarly work "Kriegspropaganda und Medienmanipulation" (War Propaganda and Media Manipulation) has been highly praised in academic circles.

Hardinghaus is particularly known for his "Generationen Reihe" (Generations Series), comprising "Die verdammte Generation" (The Cursed Generation), "Die verratene Generation" (The Betrayed Generation), and "Die verlorene Generation" (The Lost Generation). This remarkable series is based on over 100 interviews with witnesses of World War II, providing invaluable historical documentation through oral history.

His most internationally recognized work is "Verschollen in Panama" (Lost in Panama), investigating the mysterious disappearance of Kris Kremers and Lisanne Froon. His most popular novels include "Ein Held dunkler Zeit" (A Hero of Dark Times), "Drei Tage im Feuer" (Three Days in Fire), and "Die Buchhändlerin von Königsberg" (The Bookseller of Königsberg).


International Presence

Due to growing international demand for Hardinghaus's non-fiction works, he has begun publishing several of his books in English. These translations include "The Cursed Generation," "Hitler's Lost Boys," and "Hitler's Betrayed Daughters" from his Generations Series, as well as "Still Lost in Panama," the English version of his investigation into the Kremers-Froon case. This expansion into the English-language market reflects the universal relevance of his historical research and storytelling.


Journalistic Background

His career as a writer began at the Neue Osnabrücker Zeitung, where he gained valuable experience as a local journalist. Over the years, this developed into extensive journalistic work for renowned media outlets such as P.M., Psychologie Heute, and Gala. As a member of the German Association of Specialized Journalists, he actively works to strengthen serious journalism.


Knowledge Transfer and Media Presence

Today, Hardinghaus shares his expertise through lectures at schools and universities on historical topics, media education workshops, expert commentary in German and international media, and regular appearances on radio and television.

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Profile Image for Lyra.
370 reviews46 followers
April 6, 2018
*Spoilerfreie Rezension! *

- Der Arzt, der ein Held werden musste... -

~ Die unglaubliche, wahre Geschichte eines Arztes, der ein Held werden musste, um seine Familie zu retten. Christian Hardinghaus schreibt in flüssigem, manchmal etwas nüchternem Schreibstil, weckt jedoch gleichzeitig immer wieder intensive Gefühle bei den LeserInnen. Die Hauptfiguren waren sehr sympathisch, die Nebenfiguren konnten mich nicht immer überzeugen, auch der Einstieg fällt nicht auf Anhieb leicht. Das Buch gleicht diese kleinen Schwächen jedoch aus durch seine ehrliche, gelungene Schilderung des Kriegsalltages der deutschen Soldaten. Dieses Buch ist ein weiteres, wichtiges Puzzlestück, das uns dabei helfen wird, die furchtbare Kriegszeit niemals zu vergessen. Es ist unsere Pflicht, uns zu erinnern und zu verhindern, dass es jemals wieder zu solch unmenschlichen Verbrechen und zu einem solchen sinnlosen Massensterben kommt. Christian Hardinghaus leistet mit seinem Buch einen wichtigen Beitrag dazu. ~

Inhalt

Wilhelm Möckel, Unterarzt in der Panzer-Aufklärungs-Abteilung 16, hat ein Ziel: ein Held werden. Doch das tut er nicht aus Hunger nach Anerkennung, sondern um das Leben seiner Frau und seiner Söhne zu retten. Wird ihm nämlich das Eiserne Kreuz I. Klasse verliehen, werden seine halbjüdische Ehefrau und die vierteljüdischen Kinder im Zuge eines Gnadengesuches „arisiert“. Es scheint ihre einzige Chance auf ein normales, glückliches Leben ohne Einschränkungen zu sein. Wilhelm nimmt unglaubliche Risiken auf sich, um sein Ziel zu erreichen…

Übersicht

Einzelband oder Reihe: Einzelband (Folgeband kann laut Autor nicht ausgeschlossen werden)
Erzählweise: Ich-Erzähler & Figuraler Erzähler, Präteritum & Präsens
Perspektive: aus männlicher Perspektive (Friedrich und Wilhelm)
Kapitellänge: mittellang (meist 10-20 Seiten)
Tiere im Buch: +/- Es werden im Buch zwar keine Tiere gequält, jedoch kommen Tiere zu Tode oder werden für Essen getötet. Andererseits werden ein Hund und eine Katze sehr liebevoll umsorgt und behandelt.

Warum dieses Buch?

Der Klappentext hat mich sofort überzeugt und auch die Tatsache, dass die Filmrechte schon angefragt wurden, machte mich natürlich sehr neugierig. So führte an diesem Buch kein Weg vorbei.

Meine Meinung

Einstieg (-)

Der Einstieg fiel mir nicht auf Anhieb leicht. Ich brauchte ein paar Seiten, um mich an den Schreibstil zu gewöhnen und die Protagonisten näher kennenzulernen. Doch schon bald, als die Geschichte um Wilhelm richtig losgeht, entwickelt die Geschichte einen regelrechten Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann.

Schreibstil (+)

Christian Hardinghaus schreibt flüssig, angenehm, nicht unnötig kompliziert, manchmal etwas nüchtern. Auch militärische Fachbegriffe kommen vor, werden verständlich erklärt, und ganz generell habe ich viel Neues über den Krieg und den Aufbau des Heeres dazugelernt. Das läuft jedoch alles ganz nebenbei. Dennoch gelingt es dem Autor hervorragend, große Emotionen auszulösen. Die Lektüre ist stellenweise eine regelrechte Gefühlsachterbahn, die wohl ganz entfernt an jene erinnert, die wohl auch die Soldaten im Krieg jeden Tag erlebten. Man fürchtet um die liebgewonnen Figuren, ist erleichtert, wenn jemand überlebt, um den man sich gesorgt hat, freut sich über positive Vorkommnisse und leidet, wenn ein jemand zu Tode kommt, den man ins Herz geschlossen hatte. Manche Szenen brechen einem schlicht das Herz. Ja, es tut oft weh, dieses Buch zu lesen. Und genau so sollte das bei einem Kriegsbuch sein.

„‘Noch vor wenigen Tagen waren sie unter uns‘, sagt Wilhelm, während er über den provisorischen Soldatenfriedhof schaut. ‚Jetzt sind sie ausgelöscht, und bald wird man ihre Gräber kaum noch finden. Die Lieben in der Heimat wissen noch nicht, dass sie tot sind, sorgen sich um sie und schreiben noch Briefe.‘“ Seite 289

Hauptfiguren (♥)

Mit Friedrich und Wilhelm haben wir zwei recht unterschiedliche Hauptfiguren, die sich im Laufe des Buches eng anfreunden. Wilhelm ist ein prinzipientreuer, mutiger Arzt, den man durchaus als Held bezeichnen kann und der alles gibt, um seine Familie zu retten. Dennoch bleibt er auch in brenzligen Situationen ruhig und trifft so häufig Entscheidungen, die vielen Menschen das Leben retten. Dennoch war meine Lieblingsfigur in diesem Roman der Erzähler, Friedrich. Er ist ein charmanter, noch sehr junger Soldat, der sich vor allem durch Neugier und Sensibilität auszeichnet. Ein Mensch, mit dem ich mich sicher gut verstehen würde. Da der Kriegsabschnitt komplett aus seiner Sicht dargestellt wird, fällt es auch besonders leicht, mit ihm mitzufühlen und seine Ängste und Sorgen zu teilen.

„‘Hilfe, schnell einen Arzt!‘, ruft er und guckt mich danach ganz verdutzt an. Ob ich denn den Schuss auch gehört habe, will er wissen. Ich bin irritiert, verneine und erkläre ihm, dass er nur geträumt hat. Es dauert ein paar Minuten, bis er es begreift.“ Seite 260

Nebenfiguren (+/-)

Die meisten Nebenfiguren konnten mich absolut überzeugen und waren sehr liebevoll gezeichnet wie zum Beispiel Annemarie, Karl und der Alte. Manche kamen dennoch nicht ganz bei mir an, sie fühlten sich beim Lesen nicht ganz wie richtige Menschen an (obwohl sie es großteils jedoch sogar sind). Die Bösewichte fand ich zudem teilweise überzeichnet und bereits ZU klischeehaft beschrieben, hier hätten mir dreidimensionalere Feinde mit Schwächen besser gefallen.

Idee, Themen & Botschaften (+)

„Als ich den Kopf zur Seite drehe, bemerke ich, wie sich mein Arzt über den jungen Soldaten beugt, der eben blutüberströmt und angstverzerrt in die Grube gesprungen ist. Ich kenne ihn nicht. Vermutlich ist er ganz frisch an der Front, im ersten Gefecht. Aus Angst wird schnell Leichtsinn.“ Seite 11

Warum ist es eigentlich so wichtig, Kriegsbücher zu lesen und Kriegsfilme zu sehen? Ganz einfach: Mit jedem Buch, das man über den Krieg liest und mit jedem Film, den man sieht, kann man sich ein umfangreicheres Gesamtbild von der Kriegszeit und ihren Schrecken machen. Man versteht die Zeit besser, auch wenn sie nie ganz fassbar sein wird für Generationen, die in friedlichen Zeiten aufgewachsen sind und leben. Das Buch leistet einen wichtigen Beitrag, wenn es darum geht, sich zu erinnern und weitere Kriege zu verhindern. Dennoch gibt es sicher auch noch viel drastischere, schmerzhaftere Bücher, die die schockierenden Seiten des Krieges noch viel mehr hervorheben. Christian Hardinghaus kümmert sich darum, dass die LeserInnen auch mal eine Pause erhalten von all dem sinnlosen Leid und Töten. So werden die Kriegsszenen immer wieder durch ruhige und positive Momente aufgelockert. Man spürt die Langeweile, die die Soldaten befällt, wenn tagelang nichts passiert, man sieht ihnen dabei zu, wie sie mit wenigen Mitteln ein besinnliches Weihnachtsfest schaffen, man ist hautnah dabei, wenn sie sich anfreunden, scherzen, Erinnerungen an zu Hause teilen. Und genau diese menschliche Seite der deutschen Wehrmacht darf auch thematisiert werden – nicht alle waren Kriegsverbrecher, auch unter unseren Soldaten gab es ganz normale Menschen und vielleicht sogar so manchen Helden.

Das Besondere an diesem Buch ist, dass es auf wahren Begebenheiten beruht, genauer: auf dem Leben des Arztes Helmut Machemer. Der Autor hat mit dem Sohn des Arztes nach eigenen Angaben mehrere Stunden kommuniziert und die Kriegsdokumente ausgewertet. Es ist eine beeindruckende Geschichte, manche im Buch erwähnten Vorkommnisse scheinen ganz und gar unwahrscheinlich, unglaublich sogar – doch sie geschahen fast genau wie geschildert. Besonders bereichernd war die Leserunde zum Buch, in der der Autor viele Zusatzinfos eingestreut hat und auch Fotos der gezeigten Personen präsentiert hat. Aus diesem Grunde gibt es von mir auch einen

Buchtipp

Nach der Lektüre des Romans scheint am zugehörigen Sachbuch, das Briefe, Fotos und mehrere Stunden Filmmaterial von Helmut Machemer enthält und das wahre Leben des „Helden dunkler Zeit“ zeigt, kein Weg vorbeizuführen. Für mich ist es Pflichtlektüre, Sachbuchfans können aber auch gleich damit einsteigen. Das Buch heißt „Wofür es lohnte, das Leben zu wagen“, geschrieben von Christian Hardinghaus und Hans Machemer, dem Sohn des Arztes.

Atmosphäre (+)

Die Atmosphäre ist vor allem in manchen Kriegskapiteln bedrückend, schockierend, düster. Jedoch gibt es auch romantische Momente, Szenen der Freundschaft und sogar Humor unter den Soldaten. Insgesamt ist es ein Buch, dessen Atmosphäre immer wieder schnell wechselt - eine Gefühlsachterbahn eben. Interessant ist auch, dass es eine Stelle gibt, an der die LeserInnen gezwungen werden, ihre Distanz aufzugeben. „Habe ich richtig gehandelt? Was hätten Sie getan? (Seite 227)“, fragt Friedrich dann. Viele Stellen regen so nicht nur zum Nachdenken an, sondern stellen auch immer wieder moralische Fragen.

Spannung (+)

Da es schwerverdauliche Kost ist, musste ich mich manchmal motivieren, das Buch zu Hand zu nehmen. Sobald ich jedoch ein paar Seiten gelesen hatte, entwickelte das Buch stets einen regelrechten Sog, der mich durch die Seiten fliegen ließ. Ich wollte unbedingt wissen, wie es mit Wilhelm, Friedrich, Norka und Co weitergeht, gleichzeitig fürchtete ich mich aber vor jeder drohenden Schlacht. Es ist ein innerlicher Zwiespalt, der meistens so ausgeht, dass man die gefürchteten Stellen besonders schnell hinter sich bringt und dann erfreut ist, wenn es wieder einmal gut ausgegangen ist.

Mein Fazit

Die unglaubliche, wahre Geschichte eines Arztes, der ein Held werden musste, um seine Familie zu retten. Christian Hardinghaus schreibt in flüssigem, manchmal etwas nüchternem Schreibstil, weckt jedoch gleichzeitig immer wieder intensive Gefühle bei den LeserInnen. Die Hauptfiguren waren sehr sympathisch, die Nebenfiguren konnten mich nicht immer überzeugen, auch der Einstieg fällt nicht auf Anhieb leicht. Das Buch gleicht diese kleinen Schwächen jedoch aus durch seine ehrliche, gelungene Schilderung des Kriegsalltages der deutschen Soldaten. Dieses Buch ist ein weiteres, wichtiges Puzzlestück, das uns dabei helfen wird, die furchtbare Kriegszeit niemals zu vergessen. Es ist unsere Pflicht, uns zu erinnern und zu verhindern, dass es jemals wieder zu solch unmenschlichen Verbrechen und zu einem solchen sinnlosen Massensterben kommt. Christian Hardinghaus leistet mit seinem Buch einen wichtigen Beitrag dazu.

Bewertung

Idee: 5 Sterne
Ausführung: 4 Sterne
Schreibstil: 4,5 Sterne
Personen: 3-4 Sterne
Hauptpersonen: 5 Sterne ♥
Spannung: 4 Sterne
Emotionale Involviertheit: 4 Sterne
Botschaften: 4 Sterne
Macht nachdenklich!

Insgesamt:

❀❀❀❀

Dieses Buch bekommt von mir vier verdiente Lilien!
Profile Image for Kathrin Schröder.
Author 11 books3 followers
December 8, 2018
Rezension "Ein Held in dunkler Zeit" von Christian Hardinghaus

Erscheinungsdatum: 02.03.2018 gelesen dank netgalley als ebook (Kindle)
Genre: Historischer Roman - 3. Reich
Ein Augenarzt verliert durch die Treue zu seiner halbjüdischen Frau die Möglichkeit als Arzt tätig zu sein. Um seine Frau und die Kinder vor den Folgen der Rassengesetze zu retten, meldet er sich freiwillig als Soldat und versucht durch heldenhaften Einsatz die Arisierung seiner Familie zu erlangen.
Obwohl ich schon einiges über das 3. Reich gelesen habe, ist mir die Möglichkeit der Arisierung von halbjüdischen Angehörigen aufgrund eigener Heldentaten bisher nicht bekannt gewesen. Bei einzelnen herausragenden Wissenschaftlern u.ä. ist mir diese Möglichkeit bekannt, aber ich hatte bisher angenommen, dass es keinen Weg gab dies aus persönlicher Leistung selbst zu unterstützen.
Wie ich aus dem Nachwort und einer kleinen Onlinesuche festgestellt habe, ist dieses Buch quasi die belletristische Version eines historischen Buches über diesen Arzt, wozu der Autor Originalbriefe und Tagebucheinträge verwenden konnte.
Hier im Roman sind die Namen verändert und die Geschichte ist "lesertauglich aufgearbeitet".
Insgesamt ist die Geschichte in drei Teile aufgeteilt, eine Rahmenhandlung aus der das Schreiben des Romans sich entwickelt, die Zeit vor dem Krieg bzw. das Erleben in der Heimat, das sowohl aus der Sicht des Arztes als auch seiner Frau miterlebt wird. Als Hauptteil lesen wir die Kriegserlebnisse aus der Sicht des "Burschen" bzw. Sanitätshelfers des Arztes.
Der Aufhänger des Buches ist eine Situation im Altersheim, in dem der ehemalige Sanitätshelfer beschließt die Geschichte des heldenhaften Arztes zu erzählen. Als Autor tritt er überzeugend in der Rahmenhandlung und im Kriegsgeschehen auf. Die Handlung in der Heimat, sowohl vorm Krieg als auch einzelne Episoden während des Kriegseinsatzes werden mit einer literarischen "Krücke" in das Buch des Sanitätshelfers aufgenommen. Sein Arzt erzählt ihm davon bzw. lässt ihn Briefe an die Heimat lesen.
Im Prinzip wäre das eine ansprechende Idee, doch leider wird sie nicht konsequent durchgeführt. So werden in der Heimat Details wie die erste Liebesnacht mit der zukünftigen Ehefrau oder auch Erlebnisse aus ihrer Sicht so erzählt, dass es kaum vorstellbar ist, dass der Arzt an der Front sie weitererzählt haben könnte.
Mir persönlich hätte das Buch ohne die "Krücke" besser gefallen und nichts verloren, wenn die Rahmenerzählung einfach gefehlt hatte.
Die Geschehnisse bis zu dem Moment, wo der Arzt sich freiwillig meldet, sind der Teil des Buches, der mich am Meisten angesprochen hat. Die Personen sind sehr dicht geschildert und auf eine realistische Art nicht perfekt und damit liebenswert. Die schrittweise Verschärfung des Alltags durch die Rassengesetze wird gut dargestellt und die langsame Erkenntnis der Folgen erschließt sich schrittweise. Der Alltag im Feld spiegelt für ein unterhaltsames Leseerlebnisse zu viel Realität wieder. Sowohl die Brutalität der Einsätze als auch die Langeweile dazwischen liest sich gut mit.
Insgesamt hat mir das Buch ziemlich gut gefallen, mit den genannten Abstrichen zur Perspektive der Erzähler.
Das Cover finde ich besonders gelungen, ein eindeutig durch die Zeit ausgeblichenes und abgegriffenes Foto eines Soldatenabschieds ist sehr stimmig zum Inhalt des Buchs.
#EinHeldDunklerZeit #NetGalleyDE #ChristianHardinghaus #KathrinliebtLesen
Profile Image for Lari  Heldenlama.
230 reviews2 followers
August 31, 2019
Der Einstieg in das Buch fiel mir sehr schwer. Der Autor beginnt mit sehr komplexen Szenen aus dem Schützengraben und wirft mit Kriegsbegriffen um sich. Sehr schnell aber ändert sich das Geschehen und wir lernen Wilhelm und seinen Burschen Friedrich kennen.

Wilhelm ist Augenarzt und verliebt sich in die kecke Annemarie. Annemarie selbst erfährt durch Zufall, dass sie eine halbe Jüdin ist. (Ein Elternteil ist Arisch und das andere jüdisch) Im Zuge von Hitlers Machtübernahme wurden die Juden immer mehr verdrängt – Annemarie wird verboten ihrem Medizinstudium weiter nachzugehen. Und sie wird von den meisten Nachbarn und ehemaligen Freunden gemieden und geschnitten.

Wilhelm sieht nur eine Chance, er muss sich an der Front als Held beweisen. Wenn er genug Auszeichnungen erworben hat könnte er sich direkt an Hitler wenden und in einem Gesuch um „Arisierung“ seiner Familie bitten. Er meldet sich freiwillig für den direkten Fronteinsatz und kämpft dort um jedes Leben.

Die Szenen aus dem Krieg sind schwer zu ertragen. Wenige Bücher beschreiben direkt über die Soldaten und vorallem über das was die Sanitäter alles gesehen und miterlebt haben. Wilhelm und sein Bursche sind mutig, tapfer und wahre Vorbilder. Sie haben keine Scheu und retten so wichtigen Offizieren das Leben. Das Eiserne Kreuz wird ihm trotzdem verwehrt, weil der Oberst der dafür zuständig wäre spitz bekommen hat, dass Annemarie halbe Jüdin ist und er den Plan vereiteln möchte.

Ich habe so mitgelitten und mitgezittert, das Buch hat mich tief im Herzen angesprochen und tief bewegt. Der Autor ist Historiker und hat die Geschichte aus einem riesigen Dachbodenfund von Briefen, Tagebüchern und Fotos zusammengebaut. Er ist teilweise aus der Sicht von Friedrich geschrieben und dieser schriebt im Prolog, dass er sich schämt dafür, dass er die Geschichte um Wilhelm nicht erzählt hat und dass er findet, dass jeder Mensch erfahren sollte was für ein toller und heldenhafter Mensch Wilhelm war. Mir kamen schon da die Tränen – nach beenden des Buches noch viel mehr weil ich nun weiss, dass er Recht hatte und dass es wichtig war, dass diese Geschichte erzählt wird. Ich bin dankbar, dass ich sie lesen durfte und so einen wahren Helden kennenlernen durfte!

Wer Interesse an den wahren Personen hinter dem Buch hat Der Spiegel hat einen Artikel mit Fotostrecke herausgebracht. Allerdings, lest ihn nur wenn ihr das Buch schon gelesen habt oder nicht lesen wollt weil das Ende da natürlich drin steht und ihr euch um das wirklich tolle Buch bringen würdet!

https://www.spiegel.de/einestages/hel...

Für mich ganz klar absolute Höchstwertung und eins meiner Jahreshighlights (deshalb ganz ernst gemeint, lest den Link erst NACH dem Buch! ♥ vertraut mir! )

Profile Image for Marley Thomspon.
258 reviews
March 29, 2019
Titel: Ein Held dunkler Zeit
Autor: Christian Hardinghaus
Seitenanzahl: 368 Seiten
Verlag: Europa Verlag

Zum Inhalt:
Winter 1941/42, deutsche Stellungen in der Südukraine. Wilhelm Möckel, Unterarzt in der Panzer-Aufklärungs-Abteilung 16, kämpft einen verzweifelten Kampf – er benötigt das Eiserne Kreuz I. Klasse. Es ist die einzige Chance, in den Offiziersrang aufzusteigen und beim Führer ein Gnadengesuch einzureichen, um seine halbjüdische Frau »arisieren« zu lassen. Eine Ausnahmeregelung der Nazis verspricht ihr »deutsches Blut«, wenn er zum Helden wird Wird es Wilhelm rechtzeitig gelingen, sein Ziel zu erreichen?

Meinung:
Das Buch wird aus der Sicht des Sanitätshelfers von Wilhelm im 2. Weltkrieg beschrieben. Im hohen Alter im Seniorenheim entscheidet er sich, ein Buch über seine Geschichte zu schreiben was eigentlich ein Buch über Wilhelm wird.
Einige Dinge waren mir neu z.B. wußte ich bis heute nicht, dass es die Arisierung gab bei der man JüdInnen eben arisieren lassen konnte. Man spürt im Laufe des Buches Wilhem´s Kampf um seine Familie, um die Entbehrungen, die der Krieg allen abverlangte, man spürt die Kälte die die Soldaten im Winter litten. Sprachlich finde ich das Buch top, der Autor gab sich redlich Mühe einfach zu schreiben und trotzdem kann man der Geschichte glaubhalf folgen. Einziges Manko: Manches Mal wurde die Geschichte meines Erachtens durchgepeitscht, vor allem die Liebesgeschichte zwischen Wilhelm und Annemarie (verlieben, heiraten, plötzlich sind die Jungs sechs Jahre alt) hätte man noch etwas ausbauen können. Auch das emotionale kommt vor allem in den Kriegsszenen nicht zu kurz (ich sage nur: Truppenhund und Truppenkatze) obwohl man eine gewisse Stumpfheit nicht abstreiten kann - was sicher auch an den Kriegswirren liegt.

Vier Sterne Leseempfehlung von mir mit Dank an den Europa Verlag und netgalley für das Reziexemplar!
Profile Image for yellowdog.
857 reviews
December 8, 2018
Bei der Thematik ist der Heldenbegriff natürlich diskutabel, was das Buch umso interessanter macht und Denkprozesse anstößt.
Geschickt beginnt der Autor Christian Hardinghaus damit, der eigentlichen Handlung eine Klammer zu geben, indem er einen 95jährigen Erzähler namens Friedrich Tönnes schafft, der in einem Buch seine Erinnerungen an den zweiten Weltkrieg niederschreibt. Er war damals Sanitäter und der Arzt Wilhelm, dem er folgte, war ein Held für ihn.
Das Wilhelm nicht nur Arzt sondern auch Mensch war und durch die Liebe motiviert wurde, lässt ihn in einem neuen Licht erscheinen. Zunächst war er als junger Arzt vielleicht auch gefährdet und verführbar, aber als er eine Halbjüdin traf und heiratetet, war seine einzige Sorge die Sicherheit seiner Familie.
Es beginnt eine umfassende, durchaus packende Handlung. Man kann das Buch lange nicht aus der Hand legen.

Wer wie ich schon viele Romane und Sachbücher über die Zeit 1933 – 1945 in Deutschland gelesen hat, der weiß, diesen Roman gut einzuschätzen und ich halte „Ein Held dunkler Zeit“ für ein gutes Buch.
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