Ein eindringlicher Appell, eine leidenschaftliche Streitschrift des Autors und Bloggers für eine neue Debatte um Homophobie Nach der Ehe für alle verfestigt sich der Eindruck, für Lesben und Schwule sei so gut wie alles erreicht. Dabei ist Diskriminierung in Deutschland Alltag, nur etwa ein Drittel aller Homosexuellen etwa ist „out“ am Arbeitsplatz, tief sitzende Ressentiments gegen Lesben und Schwule nie aufgearbeitet worden. Auch in der Mitte der Gesellschaft sind homophobe Denkmuster weit verbreitet, auch wenn diese nicht als solche wahrgenommen werden. Das liberale, aufgeklärte Selbstbild macht eine konstruktive selbstkritische Auseinandersetzung dabei oft besonders „Homophob? Ich doch nicht. Meine besten Freunde sind doch homosexuell!“Kram bringt den „deutschen Sonderweg“ bei der im Vergleich zu anderen westlichen Staaten spät und leidenschaftslos eingeführten „Ehe für alle“ in Verbindung mit der „deutschen Spezialität“ der Homosexuellenverfolgung und den Paragrafen 175, die nie Bestandteil gesamtgesellschaftlicher Debatten war. Kram ist ü Wenn Heterosexuelle Homophobie nicht reflexhaft von sich weisen, sondern sich mit der strukturellen, gesellschaftlichen, aber auch mit der versteckten individuellen beschäftigen, könnten sie eine Menge über sich selbst und die Verfasstheit unserer Gesellschaft lernen.
Uff dieses Buch... Erstmal vorab meine Kritik: - ich weiß der Autor hat vorab als "disclaimer" gesetzt, dass er nicht für die ganze Community reden kann, aber wenns um Orlando geht kann man trans Personen zumindest erwähnen - vegan als neues schwul zu bezeichnen... ich kann nachvollziehen was er damit aussagen wollte aber...NÖ - "das würde man nicht über anders Marginalisierte sagen" öm würde man und tut man und ein outrage geht hauptsächlich von diesen Marginalisierten aus...
Trotz diesen Kritikpunkten würde ich das Buch trotzdem empfehlen, es hat vieles klar verständlich erklärt und niedergeschrieben, das ich zwar irgendwie selbst verstanden hatte aber nie klar artikulieren konnte (was, wenn man selbst im Moment direkt davon betroffen ist, umso schwieriger ist), danke dafür! Manche Dinge haben mir aus Frust Tränen in die Augen getrieben (v.a. der Artikel in der faz am Tage des Entschlusses zur EhefürAlle) und ich kann manchmal immer noch nicht glauben, dass wir immer noch nicht weiter sind. Andererseits, wir sehen ja was unser Eigenlob als "Erinnerungsweltmeister" gebracht hat, egal bzgl. welcher Opfergruppe.
Sehr gutes Buch, was die Ausgrenzung von Homosexuellen in den deutschen Medien betrifft. Anhand von konkreten Fällen erklärt der Autor, wie das geschieht, z.B. durch die Gegenüberstellung von einer lesbischen Schauspielerin (sie soll alle Homosexuelle vertreten können, oder?) und einem Profi-Homohasser bei einer Talkshow (weil man beide „Meinungen“ zum Ausdruck kommen lassen muss, oder?). Die Argumentationsweise gilt für alle Minderheiten, die deren Position irgendwie rechtfertigen müssen gegen die Vorstellungen der Mehrheit. Ich kannte nicht den Waldschlösschen-Appell gegen Homophobie in den Medien und habe ihn für künftige Anwendung auf das Handy übertragen. Einziges Manko: Das Buch wurde erst im März 2018 veröffentlicht, Bisexuelle, Trans* und Intersexuelle werden kaum (außer der Verkürzung LGBTI*) kaum erwähnt, das wirkt veraltet.
Ein wichtiges Buch, das ich mit einigen meiner Verwandten diskutiert habe, da trotz allgemein großer Toleranz und liberaler Einstellung manchmal das Verständnis für soziale Marginalisierung von Homosexuellen, auch heute, fehlt. Ich würde nicht mit allem übereinstimmen, was der Autor schreibt, aber ich denke, für den geneigten Leser ohne allergrößte Kenntnisse der sozialwissenschaftlichen Theorie ein guter Einstieg.
Ein wichtiges Thema, das der Autor in diesem Buch gut beleuchtet und nuanciert. Was mich allerdings gestört hat war, dass es immer mal wieder zu Dopplungen kam und auch mehrfach etwas nervige grammatikalische Fehler unterlaufen sind, die für mich den Lesefluss gestört haben. Hat mich etwas gewundert, gerade weil ich auch die zweite Auflage gelesen habe, die diesbezüglich angeblich nachkorrigiert wurde.