Erst vor wenigen Jahren hat Josef Winkler erfahren, dass sein Kärntner Landsmann Odilo Globocnik, der sich als Leiter der »Aktion Reinhardt« mit den Worten »Zwei Millionen ham‘ ma erledigt« des Massenmords an den Juden gerühmt hatte, nach seinem Zyankali-Freitod im Mai 1945 auf einem Gemeinschaftsfeld von Winklers Heimatdorf Kamering verscharrt wurde, in den »Sautratten« – dort, wo Winklers Vater und Großvater ihr Getreide anbauten und ernteten.
In einem bösen Wortmarathon exhumiert der Autor das Skelett des SS-Massenmörders – und mit dem Skelett die Geschichte Kamerings nach dem Krieg. Ausgrabung und die neuerliche Visitation des vielleicht meistbeschriebenen Dorfs der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur ergeben: Der Boden, auf dem Kamering steht, ist vergiftet. Laß dich heimgeigen legt den Finger in die Wunde eines Jahrzehnte währenden kollektiven Verschweigens.
Ein Buch das Winkler wieder zu seinen Anfängen führt, voll mit sinnlich-brutalem katholischen Lustschmerz an Familie und Herkunft, radikal in seiner Kritik am post-nazistischen Österreich. Aber auch ein gut lesbarer Einstieg in die Motive die Winkler seit 30 Jahren bearbeitet. Sprachlich ohnehin über jeden Zweifel erhaben wenn auch nicht so radikal wie seine Kärnten Trilogie.
Gott sei Dank bin ich mit dem Mist durch. Handwerklich gesehen ist das Ding zwar kompetent, aber ich kann den Inhalt nicht leiden. Fast alle Beteiligten sind furchtbare Menschen (inklusive Josef Winkler) und Momente der Selbstreflexion sind sehr rar gesät.