Wir waren es gewohnt, dass Europa und Nordamerika die Welt dominieren. In Zeiten der Globalisierung melden nun andere Großmächte politische und wirtschaftliche Ansprüche an und stellen die „westliche“ Weltdeutung in Frage. Fortschritt, Säkularisierung, Warum sollten diese Prinzipien unserer Ideengeschichte für den ganzen Globus gelten? Stefan Weidner ist ein Anhänger der Aufklärung. Gerade deshalb plädiert er dafür, Weltentwürfe aus Arabien, Afrika oder China ernst zu nehmen. Der „Westen“ darf nicht glauben, die ganze Welt werde früher oder später seine Vorstellungen übernehmen. Wir brauchen ein kosmopolitisches Denken, das die Vorstellung kultureller Überlegenheit überwindet.
Stefan Weidner (born 1967) is a German scholar of Islamic cultures, writer, and translator. Due to his contributions to the reception of Arabic and other Middle Eastern literatures, the German scholar of Modern Oriental Studies Stefan Wild [de] described him as a "leading mediator of Middle Eastern poetry and prose into German".
Warum ist eigentlich „westliches Gedankengut“ das Optimum? Warum orientiert sich die Welt danach und warum denken wir, andere gesellschaftliche Strukturen wären weniger Wert? Diese tief verankerten Glaubenssätze hinterfragt Stefan Weidner und schaut ein bisschen tiefer in die westliche Welt. Dabei identifiziert er sehr viel Doppelmoral, die sich selbst gegen „westliche Werte“ richten. Zum einen was überhaupt ein „guter Mensch“ sei. Es ist ein sehr gutes Buch, was man unbedingt im Repertoire haben sollte.
Kurzmeinung: Kritik der kulturellen bzw. kulturell-politischen) "totalen westlichen Hegemonie" & Öffnung für den Osten ohne Erwähnung der extrem terroristischen Anbahnung des 3. Weltkrieges durch USA-NATO-Osterweiterung & extreme USA-Hegemonie-Politik (Noam Chomsky, Wolfgang Bittner, Daniele Ganser...)!
8 S. Lit., 7 S. P-Verzeichnis, 37 S. Anmerkungen! Intellektuell verkopfter politisierender, scheinphiloSOPHischer (Jakob Lorber, Bertha Dudde) Islamwissenschaftler & Asien-/Nahost-Kulturvermittler ignoriert oder mißversteht das (neue?) kosmopolitische Denken & Agieren des Westens (Daniele Ganser, Thomas Röper, F. William Engdahl): Nuklearwaffen-basierte Osterweiterung (Mathias Bröckers) der extrem "terroristischen USA" (Noam Chomsky, Alexander Dugin) & NATO bis zum Chinesischen Meer (im Würgegriff: RU, CN...): PROPHEZEITE Folge: 3. Weltkrieg (m.E. 2026: j-lorber.de! Gerd Gutemann!), der auf seinem Höhepunkt durch Kometenkollision (!) zwangsbeendet wird, hoffentlich vor massivem Nuklarwaffeneinsatz: Kurt Eggenstein, M Kahir, Walter Lutz, Franz Deml!
Prolog: a1) "Dazu haben es die USA, sekundiert von den Briten, geschafft, die deutsche politische Szene so zu unterwandern, dass die deutsche Politik zu großen Teilen nur noch eine Funktion der [US-]amerikanischen sei, auf Konfrontation bis hin zum Krieg gegen Russland ausgerichtet...
a2) Doch schon der von den USA betriebene völkerrechtswidrige Krieg der Nato gegen Jugoslawien/Serbien von 1999 bewies das Gegenteil. Ein Jahr danach, auf einer Konferenz in Bratislava (Preßburg) des US-Außenministeriums mit höchst- und hochrangigen Vertretern europäischer Staaten und der Nato [siehe Bericht des MdB Wimmer unter „Bratislava-Konferenz“ in Wikipedia, d. Rez.] [https://de.wikipedia.org/wiki/Konfere... ] machten die USA eindeutig klar, dass ihr Herrschaftsanspruch vom Völkerrecht nicht behindert werden dürfe, und Europa westlich der Linie Riga – Odessa – Djabakir ihrer Hegemonie unterstehe....
a3) Willy Wimmer, der sich um die Zukunft Deutschlands sorgt, sieht offenbar aus seiner profunden Erfahrung in der Außen- und Sicherheitspolitik, eine zwingende Notwendigkeit, Tabus zu brechen, um ein tatsachengerechtes Bild der Geschichte ab..
a4) "...Das Diktat des Hasses habe aber zwangsläufig zum Zweiten Weltkrieg, geführt, vielleicht auch ohne Adolf Hitler. Dieser, von US-Finanziers gefördert, sei Mittel zu dem großen amerikanischen Ziel gewesen, Sowjetrussland zu vernichten...Deutsche Friedensversuche hatten keine Chance, denn in der „gesamten Kriegsplanung der Westalliierten [...] ging es um die Vernichtung eines eigenständig operierenden deutschen Staates.“ Durch den „mörderischen Angriff auf die Stadt Dresden“ sollte für „die Nachwelt“ sogar „das Bild einer klassischen deutschen Stadt“ ausgelöscht werden."
a1-a4) Rezension von Manfred Backerra, bachheimer.com, zu "Und immer wieder Versailles" von Alexander Sosnowski & Willy Wimmer https://www.lovelybooks.de/autor/Alex...
c) Bericht des Bundestagsabgeordneten Willy Wimmer ( https://de.wikipedia.org/wiki/Konfere... ): ...3. Die europäische Rechtsordnung sei für die Umsetzung von NATO-Überlegungen hinderlich. Dafür sei die [US-]amerikanische Rechtsordnung auch bei der Anwendung in Europa geeigneter.
4. Der Krieg gegen die Bundesrepublik Jugoslawien sei geführt worden, um eine Fehlentscheidung von General Eisenhower aus dem Zweiten Weltkrieg zu revidieren. Eine Stationierung von US-Soldaten habe aus strategischen Gründen dort nachgeholt werden müssen.
...7. Es gelte, bei der jetzt anstehenden NATO-Erweiterung die räumliche Situation zwischen der Ostsee und Anatolien so wiederherzustellen, wie es in der Hochzeit der römischen Ausdehnung gewesen sei.
8. Dazu müsse Polen nach Norden und Süden mit demokratischen Staaten als Nachbarn umgeben werden, Rumänien und Bulgarien die Landesverbindung zur Türkei sicherstellen, Serbien (wohl zwecks Sicherstellung einer US-Militärpräsenz) auf Dauer aus der europäischen Entwicklung ausgeklammert werden.
9. Nördlich von Polen gelte es, die vollständige Kontrolle über den Zugang aus St. Petersburg zur Ostsee zu erhalten.
...internationale Rechtsordnung aushebeln zu wollen. Macht solle Recht vorgehen. Wo internationales Recht im Wege stehe, werde es beseitigt.
...Laut Donaukurier äußerte Willy Wimmer 2016 bei einer Einladung der "Freunde von Valjevo", er warne davor, gegenüber den USA die eigenen Interessen als Nation nicht wahrzunehmen und sich wie die Kanzlerin amerikanischen Vorgaben völlig unterzuordnen... "
1) Fazit a) 8 S. Literaturliste, 7 S. Personen-Verzeichnis, 37 S. Anmerkungen!
b1) Intellektuell verkopfter politisierender, scheinphiloSOPHischer (Jakob Lorber, Bertha Dudde) Islamwissenschaftler & Asien-/Nahost-Kulturvermittler ignoriert oder mißversteht das (neue?) kosmopolitische Denken & Agieren des Westens (Daniele Ganser, Thomas Röper, William F. Engdahl): b2) Nuklearwaffen-basierte Osterweiterung (Mathias Bröckers) der extrem "terroristischen USA" (Noam Chomsky, Alexander Dugin) & NATO bis zum Chinesischen Meer (im Würgegriff: RU, CN...): b3) PROPHEZEITE Folge: Dritter Weltkrieg (m.E. 2026: j-lorber.de! Gerd Gutemann!), der auf seinem Höhepunkt durch Kometenkollision (!) zwangsbeendet wird, hoffentlich vor massivem Nuklarwaffeneinsatz: b4) j-lorber.de! Gerd Gutemann! M Kahir (Viktor Mohr), Kurt Eggenstein, Walter Lutz, Franz Deml!
b) Top-Autoren (Bücher): Themen: NWO (Neue Weltordnung), Endzeit, Entartung, USA-Hegemonie, Unipolare & Multipolare Weltordnung, NATO+Osterweiterung, (Militär- & Außen-)Politik, (Dritter) Weltkrieg, Atomwaffen, Agression, Soziologie, Ukraine-Krieg, (Negativ-)Konformismus: Mathias Bröckers, Daniele Ganser, Alfred McCoy, Peter S. Goodman, Daniel Immerwahr, Jan van Helsing, Wolfgang Bittner, Marcus Klöckner, Thorsten Schulte, Michel Chossudovsky, Peter Orzechowski, Thomas Röper, Michael Morris, Alex Demirovic, Collin McMahon, Noam Chomsky, Ullrich Mies, Rainer Mausfeld, Frank Böckelmann, Jens Wernicke, Wolfgang Gehrcke, Michael Lüders, Jaroslav Langer, Bernd Hamm, Jonas Tögel, Benjamnin Abelow, Andreas Bülow, Raul Zelik, Ulrike Guerot, Harald Dasinger, Christian Hardinghaus, Michael Nehls, Gerhard Wisnewski, Herman Kahn (USA-Geopolitik mit Atomwaffen), Neil Sheehan, Andreas Zumach, William F. Engdahl, Alexander Dugin, Willy Wimmer
c) Siehe unten: Zitate aus dem Rezensionsbuch, über den Autor, Werbetexte, Rezensionen
3) Rezensionen a) https://www.perlentaucher.de/buch/ste... a1) "Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.08.2018 Thomas Speckmann lernt mit dem Buch des Kölner Islamwissenschaftlers Stefan Weidner, wie es an den "Denkorten" dieser Welt zugeht. Weidners Suche nach einem "neuen kosmopolitischen Denken" scheint Speckmann zwar nicht so konkret wie die vom Autor dargestellten "Weltentwürfe bisheriger Prägung", für den Rezensenten besteht die Bedeutung des Essays jedoch darin, den Autor auf seinen Reisen begleiten zu können. Dass der Autor den Westen nicht per se abschreibt, sondern nur seine kulturelle Überlegenheit in Frage stellt und stattdessen unterschiedliche Narrative über die Welt ernstzunehmen sucht, findet Speckmann richtig. Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.05.2018
a2) Alex Rühle lässt sich nicht nur zu weiterer Lektüre anstiften von Stefan Weidner. Weidners Versuch, den universalistischen, kosmopolitischen, dabei ab- bzw. ausgrenzenden Anspruch des Westens zu dekonstruieren, indem er die Geschichte der Moderne als Entfremdungserfahrung erzählt, scheint Rühle insgesamt anzuregen. Dass der Autor kein Philosoph, sondern Kulturvermittler ist, hindert ihn laut Rühle allerdings daran, erklären zu können, wie der Mensch in ein spirituell-religiöses Grundempfinden als explizite Alternative zu einem überholten kosmopolitischen Denken zurückfinden soll. Die Anschlüsse, die der Autor unterwegs findet, zu Hannah Arendt etwa, findet Rühle jedenfalls spannend. Und als synkretische Zusammenschau alternativer Vorschläge findet er das Buch allemal sehr unterhaltsam. Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 11.03.2018
a3) Rezensent Mark Siemons bescheinigt dem Islamwissenschaftler, Autor und Übersetzer Stefan Weidner nach der Lektüre seines Plädoyers "Für ein neues kosmopolitisches Denken" einen scharfen analytischen Blick: Weidner arbeite heraus, dass das Narrativ des Westens gerade dann zur Ideologie gerate, wo es seinen Anspruch, zwischen Menschen und Kulturen keine Unterschiede zu machen, als Alleinstellungsmerkmal ausgibt. Darum spricht Weidner sich nach Siemons dafür aus, kulturelle Narrative zwar nicht zu revidieren, aber sie zu überschreiten, ihren Hegemonialanspruch zu überwinden. Wie der so entstehende neue Kosmopolitismus dann allerdings konkret politisch umgesetzt werden solle, scheint Siemons Weidners "assoziativ-mäandernder" Argumentation nicht entnehmen zu können. Das unsystematische Vorgehen des Autors komme dennoch eindeutig seiner Reflexionstiefe zugute, versichert Siemons." https://www.perlentaucher.de/buch/ste...
4) Werbetexte Verlag & Anbieter a) "Die Zeit der westlichen Überlegenheit ist vorbei – Stefan Weidners scharfsinniges Plädoyer für ein neues kosmopolitisches Denken. Wir waren es gewohnt, dass Europa und Nordamerika die Welt dominieren. In Zeiten der Globalisierung melden nun andere Großmächte politische und wirtschaftliche Ansprüche an und stellen die „westliche“ Weltdeutung in Frage. Fortschritt, Säkularisierung, Liberalismus: Warum sollten diese Prinzipien unserer Ideengeschichte für den ganzen Globus gelten? Stefan Weidner ist ein Anhänger der Aufklärung. Gerade deshalb plädiert er dafür, Weltentwürfe aus Arabien, Afrika oder China ernst zu nehmen. Der „Westen“ darf nicht glauben, die ganze Welt werde früher oder später seine Vorstellungen übernehmen. Wir brauchen ein kosmopolitisches Denken, das die Vorstellung kultureller Überlegenheit überwindet."
5) Über den Autor "STEFAN WEIDNER, Jahrgang 1967, reiste als Schüler auf eigene Faust nach Nordafrika. Später studierte er Islamwissenschaften, Philosophie und Germanistik in Göttingen, Damaskus, Berkeley und Bonn und begann seine Karriere als Übersetzer arabischer Lyrik und als Literaturkritiker. 2001–2016 Chefredakteur der vom Goethe-Institut auf Englisch, Arabisch und Persisch herausgegebenen Kulturzeitschrift Art&Thought /Fikrun wa Fann. Für seine Arbeit hat er u. a. den Clemens-Brentano-Preis, den Johann-Heinrich-Voss-Preis und den Paul-Scheerbart-Preis erhalten. Stefan Weidner lebt in Köln."
6) Zitate aus dem Rezensionsbuch "Die Ideologie des Westens Statt Gott nachzueifern, eifert man den Tieren nach. […] Der Humanismus erweist sich als ungenügend. Da der Mensch sich nur im Licht des großen Ganzen und dessen nicht-menschlichen Ursprungs verstehen kann und da er das Wesen ist, das die Menschheit überschreiten muss, ist er gezwungen, die Menschheit zum Untermenschen hin zu überschreiten, wenn er sie nicht zum Übermenschen hin überschreitet. Tertium, d.h. Humanismus, non datur.1 Leo Strauss, Thoughts on Machiavelli
Als ich Anfang der neunziger Jahre von meinem einjährigen Studienaufenthalt in Damaskus nach Deutschland zurückkehrte und mit meinen arabischen Freunden begann, ihre Gedichte zu übersetzen, wurden in den amerikanischen Denkfabriken die Weichen neu gestellt. Die Aufgabe, vor die sich diese Thinktanks, aber auch viele europäische Intellektuelle gestellt sahen, hatte sich aus dem überraschenden Erfolg ihrer Weltanschauung ergeben. Der Kalte Krieg war unversehens in ihrem Sinn entschieden. Aber was bedeutete die neue Situation, welche Politik folgte daraus?
Einer der frühsten und bekanntesten Versuche der Neuorientierung stammt von dem amerikanischen Politikwissenschaftler Francis Fukuyama (geb. 1952), der für die konservative Denkfabrik RAND Corporation und die US-Regierung tätig war und später in Washington an der Universität lehrte. Noch ehe die Berliner Mauer gefallen war, publizierte er im Sommer 1989 in der Zeitschrift The National Interest 2 einen Aufsatz, der mit einer spektakulären These aufwartet: Die Geschichte ist an ihr Ende gelangt – wiewohl es weiterhin politische Ereignisse geben wird. Die durch den absehbaren Zusammenbruch des Ostblocks symbolisierte weltanschauliche Klärung, gleichzusetzen mit dem »Triumph des Westens, der westlichen Idee«, bedeute »den Endpunkt der ideologischen Evolution des Menschen und die Universalisierung der liberalen Demokratie des Westens als der endgültigen Gestalt menschlicher Regierung«. Freilich vollzieht sich das Ende der Geschichte vorerst nur in der Vorstellung: »Der Sieg des Liberalismus hat sich vorrangig auf dem Gebiet der Ideen und des Bewusstseins ereignet. In der materiellen Welt ist er noch unvollständig.«
....Dass es sich beim Liberalismus des Westens um eine Ideologie handelt, sagt Fukuyama in seinem Aufsatz unverhohlen selbst: Die »liberale Demokratie des Westens« markiere »den Endpunkt der ideologischen Evolution des Menschen«. Die ideologische Entwicklung als Evolution zu bezeichnen ist ein erster, wichtiger Schritt hin zur Abkehr vom Gedanken, dass es sich dabei um eine Ideologie handelt. Evolution bezeichnet eine Entwicklung von Natur aus, keine vom Menschen betriebene. Die Ideologie des Westens wird (im Gegensatz zu den anderen, von der Evolution ausgeschiedenen) als die naturgemäße bezeichnet, ihr Charakter als Ideologie in genau dem Moment verschleiert, in dem sie als Ideologie ein letztes Mal, nämlich als »end point«, erscheint. In Fukuyamas drei Jahre nach dem Aufsatz erschienenen Buch »The End of History And the Last Man«5 wird die These vom Ende der Geschichte, die viele Beobachter befremdlich fanden, geschichtsphilosophisch näher begründet. Mit Verweis auf Platon, Hegel und Nietzsche konstatiert Fukuyama, dass unsere politische Ordnung deshalb den Sieg über andere davongetragen hat, weil das ihr zugrunde liegende Menschenbild der menschlichen Natur am besten entspreche. In der biologistischen Metapher der »ideologischen Evolution« klang der Anspruch, der Natur zu genügen, bereits an. Als ein Weltbild, dessen Realismus und evolutionäre Überlegenheit durch den Berliner Mauerfall symbolisch bestätigt wurde, ist der Liberalismus keine Ideologie wie alle anderen. Er ist vielmehr diejenige, die als einzige die Crashtests der Geschichte bestanden hat. Mit der Verknüpfung von Liberalismus und (ideologischer) Evolution schreibt sich Fukuyama in ein populäres Narrativ ein, das in der Vorstellung besteht, die Geschichte laufe auf ein Ziel zu und sei die Bühne beziehungsweise der Ort, wo die Wahrheit als Wahrheit erscheint. Er beruft sich dabei auf die Geschichtsphilosophie Hegels, der solche Vorstellungen entscheidend geprägt hat.6 Sein Verständnis von Hegel ist aber vom russisch-französischen Hegel-Interpreten Alexandre Kojève geprägt, der zwischen 1933 und 1939 an der Pariser École des Hautes Études vielbesuchte, ausgesprochen einflussreiche Vorlesungen über Hegel hielt, die nach dem Krieg zu einem Buch zusammengestellt wurden.7
Kojève (1902–1968) ist eine Schlüsselgestalt für viele prominente ideologische Positionen des 20. Jahrhunderts, oft für sich widersprechende. Sein Leben und seine Überzeugungen geben nach wie vor Rätsel auf.8 Sicher ist: Ohne Kojèves Neulektüre Hegels, welche die alten Hegel Deutungen sei es von konservativer, sei es von marxistischer Seite überwindet, ist die weltanschauliche Ausdifferenzierung und Vielfalt der heute im Westen kursierenden philosophischen Positionen kaum verständlich. Kojèves Wirkung gleicht einer ideologischen Brandbeschleunigung, die alle erfasst hat, die mit ihm in Berührung gekommen sind. Interessanterweise finden wir bei Kojève noch Positionen vereint, die nach dem Zweiten Weltkrieg unvereinbar und unversöhnlich wurden, ja scheinbar nie zusammenhingen: autoritäre Staatsvorstellungen, neoliberales und antiliberales Denken, aber auch Vorausdeutungen auf poststrukturalistische und postmoderne Haltungen. Jede dieser Strömungen lässt sich in ihrer gegenwärtigen Ausprägung zumindest teilweise auf Kojève und seine vor allem in Frankreich und den USA einflussreiche Hegel-Deutung zurückführen. Sartre, Levinas, Derrida, Foucault, Lacan, Bataille, Merleau-Ponty, Raymond Aron, aber auch Hannah Arendt, Hans-Georg Gadamer, Karl Löwith, Leo Strauss, Allan Bloom, Carl Schmitt – alle diese Denker, so unterschiedlich sie waren, sind auf die ein oder andere Weise Hörer, Leser und Gesprächspartner von Kojève gewesen, der selbst bei Karl Jaspers und vielleicht auch kurz bei Husserl studiert hatte.9
Mit Hilfe von Kojève kann man vordergründig so abwegige Gedankenlinien ziehen wie von Jacques Lacan zu Francis Fukuyama oder von Carl Schmitt zu Jacques Derrida. Oder vom Russland der Revolution über die Goldenen Zwanziger in Deutschland zur Vorkriegszeit nach Frankreich und zu den amerikanischen Elite-Universitäten und in höchste Regierungskreise der USA bis in die neunziger Jahre. Oder über ein paar Ecken mehr von Jean-Paul Sartre zu Donald Trump.10 Als würde das nicht genügen, schreibt man Kojève, der im französischen Wirtschaftsministerium für die europäische Integration verantwortlich war, beträchtlichen Einfluss auf die frühe europäische Einigung zu und hegt den begründeten Verdacht, er habe parallel für den KGB spioniert. Überdies hatte er ein Faible für den Buddhismus und lernte einige asiatische Sprachen: Sanskrit, Chinesisch und Tibetisch.
Wassily Kandinsky, der Theosoph unter den modernen Malern, war sein Onkel, und seine Promotion bei Jaspers handelte von einem russischen Religionsphilosophen und modernen orthodoxen Mystiker. Wie wir am Ende dieses Buches sehen werden, weisen die Ideen bedeutender Vertreter der indischen Unabhängigkeitsbewegung eine ähnliche geistige Genealogie auf. Kojève, auf den sich die Ideologie des Westens beruft, war in vielerlei Hinsicht immer schon jenseits des Westens.
Inwiefern stützt sich Fukuyama auf Kojève und dessen Hegel-Deutung? Ausgehend von einem Kapitel in Platons »Staat«11 und zunächst unabhängig von Hegel schreibt Fukuyama dem Menschen drei wesentliche Eigenschaften zu: Vernunft (logos), Begierde (epithymia) und schließlich, als geheimnisvollste und für Fukuyama wichtigste der drei Eigenschaften, thymos, Fukuyama zufolge das Streben nach Ehre und Anerkennung.12
Den liberalen, kapitalistischen Demokratien des Westens sei es am besten gelungen, Vernunft und Begehren zu vereinbaren: